Vergleich
Blaulichtfilter-Brille ohne Sehstärke: fünf Filterangaben, nachgerechnet
Sieben von zwölf Anbietern nennen eine Filterquote, keine zwei mit demselben Bereich. Fünf Brillen ohne Stärke, auf 400 bis 450 Nanometer umgerechnet.
- Veröffentlicht
- 2026-10-31
- Zuletzt geändert
- geändert 2026-10-31
- Zuletzt geprüft
- geprüft 2026-10-31
- Verfasst von
- Fachbereich Brillen & Style
| Merkmal | Gunnar Vertex, Tönung ClearMittelklasse | Unsere EmpfehlungBARNER Dalston, ohne SehstärkeMittelklasse | Horus X Roma, Ghost-GlasMittelklasse | PRiSMA FREiBURG LiTE95Mittelklasse | Fielmann JIL 007 BL, Grau transparentEinsteiger |
|---|---|---|---|---|---|
| Filterangabe | 35 % des blauen Lichts | 100 % und 45 % | über 60 % (Technologieseite: 61 %) | ca. 95 % | „Blaulichtfilter", keine Zahl |
| Wellenlänge | bei 450 nm, ein einzelner Punkt | unter 410 nm / 410 bis 450 nm | 380 bis 450 nm, davon 380 bis 400 nm zu 100 % | „bis 500 nm" und „380–500 nm" auf derselben Seite | nicht angegeben |
| Beleg | keiner; Glas als patentiert bezeichnet | keiner | Labortest 2023 erwähnt, ohne Namen und Bericht | eigene Messverfahren genannt, kein Bericht | Konformitätserklärung nach DIN EN ISO 12312-1 |
| Glas und Farbe | klar, beidseitig entspiegelt | CR-39, ohne Tönungsangabe | klar, „Glasklarheit 84" laut Hersteller | bernstein, Lichttransmission 75 %, Kategorie 1 | CR39, Filterkategorie 0 |
| Fassung | Nylon, rechteckig, 134 mm breit | TR-90, rechteckig, 142 mm breit, unisex | Polycarbonat mit Metallbügeln, 129 mm | TR90, Vollrand, Metallscharniere, 140 mm | Acetat, Panto, 132 mm breit |
| Gewicht | 22 g ohne Verpackung | 15 g | 15 g | nicht angegeben | nicht angegeben |
| Kennzeichnung | auf der Produktseite nicht angegeben | auf der Produktseite nicht angegeben | auf der Produktseite nicht angegeben | UV 400, Kategorie 1, Hersteller mit Anschrift | PSA Kategorie I, VO (EU) 2016/425 |
| Zum Angebot | Bei Amazon ansehen(öffnet in neuem Tab)Partnerlink | Bei barnerbrand.com (Herstellershop) ansehen(öffnet in neuem Tab)Händler-Direktlink, keine Provision | Bei de.horus-x.com (Herstellershop) ansehen(öffnet in neuem Tab)Händler-Direktlink, keine Provision | Bei Amazon ansehen(öffnet in neuem Tab)Partnerlink | Bei fielmann.de ansehen(öffnet in neuem Tab)Händler-Direktlink, keine Provision |
Zwölf Anbieter, sieben Prozentzahlen, kein Prüfbericht
Am 31. Oktober 2026 haben wir zwölf Anbieter durchgesehen, die eine Brille mit Blaulichtfilter ohne Sehstärke verkaufen oder die Gläser dafür herstellen. Darunter sind vier Brillenmarken, ein Glashersteller, drei Optikerketten, zwei Onlineoptiker und zwei Onlinehändler, die eigene Modelle anbieten. Gesucht haben wir nur eines: was jeder von ihnen über die Wirkung seines Filters schreibt.
Sieben nennen eine Prozentzahl. Vier davon verbinden sie mit einem Wellenlängenbereich, und keine zwei dieser Bereiche stimmen überein: 380 bis 450 Nanometer bei der einen Marke, unter 410 und 410 bis 450 bei der zweiten, bis 500 bei der dritten, 400 bis 455 beim Glashersteller. Zwei Anbieter geben statt eines Bereichs einen einzigen Punkt im Spektrum an, 450 und 410 Nanometer. Ein Händler nennt eine Spanne für Blaulichtbrillen im Allgemeinen, ohne zu sagen, welches seiner Gläser wo darin liegt. Bei den übrigen fünf steht gar keine Quote.
Einen Prüfbericht, den man herunterladen und nachlesen könnte, legt keiner der zwölf vor. Zwei erwähnen ein Labor oder Prüfinstitut, nennen aber weder Namen noch Verfahren. Ein einziger Anbieter, eine Optikerkette, stellt zu seinem Modell eine Konformitätserklärung als Dokument bereit.
Für den Kauf heißt das: Eine Brille mit „über 60 Prozent" filtert nicht zwangsläufig mehr als eine mit „45 Prozent". Rechnet man beide auf denselben Bereich um, dreht sich die Reihenfolge sogar um, wie der vierte Abschnitt zeigt. Verglichen werden die fünf Brillen dieser Seite deshalb nicht nach der Größe ihrer Zahl. Es geht darum, was die Zahl umfasst, was sie auslässt und ob sich nachprüfen lässt, woher sie kommt.
Gemeint sind Brillen für den Tag am Bildschirm, mit klarem oder leicht getöntem Glas, ohne Korrektur. Braucht man zum Lesen eine Plusstärke oder will sich erst orientieren, welche Brillen es für die Nähe gibt, hilft der Überblick über Lesebrillen auf einer eigenen Seite. Dort sind auch Fertiglesebrillen mit Filter eingeordnet.
Amazon fehlt in der Zählung mit Absicht. Wir rufen keine Amazon-Seiten auf, auch nicht zum Auszählen. Zwei der fünf Brillen lassen sich trotzdem dort kaufen; ihre Daten stammen von den Herstellerseiten, die Lieferbarkeit aus der offiziellen Schnittstelle des Partnerprogramms.
Vier Bereiche, zwei Einzelpunkte: was hinter den Zahlen steht
Blaues Licht ist kein fester Begriff mit einer Grenze, auf die sich alle geeinigt hätten. Der Hersteller PRiSMA nennt der Einfachheit halber alles bis etwa 500 Nanometer so, Fielmann schreibt in seinem Ratgeber 380 bis 500. Darunter, unterhalb von rund 380 Nanometern, beginnt das Ultraviolett, das das Auge nicht mehr sieht. Zwischen 380 und 400 liegt ein schmaler Streifen tiefes Violett, das Brillengläser mit UV-Schutz bis 400 ohnehin weitgehend zurückhalten.
Genau dieser Streifen entscheidet, wie groß eine Zahl ausfällt. Wer seinen Filter von 380 bis 450 Nanometer angibt, nimmt 20 Nanometer mit, in denen das Glas nach eigener Angabe 100 Prozent zurückhält. Horus X schreibt das offen hin: 380 bis 400 Nanometer gleich 100 Prozent, 380 bis 450 gleich 61 Prozent. Im Mittelwert über den ganzen Bereich steckt also ein Stück, das mit dem sichtbaren Blau des Bildschirms wenig zu tun hat.
Was die Angabe UV400 bedeutet und warum sie bei Sonnenbrillen als Mindeststandard gilt, steht auf unserer Seite dazu, Bedeutung der Angabe UV400. Für Blaulichtbrillen ist der Punkt ein anderer: Eine Brille mit UV-Schutz bis 400 hätte im Bereich 380 bis 400 schon 100 Prozent, ganz ohne eigens beworbenen Blaulichtfilter.
Barner geht einen Schritt weiter und trennt die beiden Teile: 100 Prozent unter 410 Nanometern, 45 Prozent von 410 bis 450. Das ist die einzige Angabe der zwölf, bei der man das violette Ende und das eigentliche Blau getrennt ablesen kann. Wo der Bereich unter 410 anfängt, schreibt Barner allerdings nicht.
Ganz anders arbeiten Gunnar und der Onlinehändler Luxreaders. Gunnar gibt für jede Tönung einen Wert „bei 450 nm" an, also an genau einer Stelle des Spektrums. Der Händler schreibt unter seine Brillen „Blockiert 100 % des Blaulichts bei 410 nm". Beide Angaben können stimmen und trotzdem fast nichts über den Rest sagen. Ein Glas, das bei 410 Nanometern alles zurückhält, kann bei 450 nahezu alles durchlassen. Ein Glas mit 35 Prozent bei 450 Nanometern kann bei 430 mehr oder weniger zurückhalten.
Der Glashersteller ZEISS nennt für sein farbloses Glas BlueGuard bis zu 40 Prozent im Bereich 400 bis 455 Nanometer. Apollo beruft sich für dieselbe Spanne auf einen internationalen Fachbericht, ISO/TR 20772 von 2018, nennt für die eigenen Gläser aber keine Quote. PRiSMA schließlich gibt für den Filter LiTE95 rund 95 Prozent an, auf derselben Produktseite einmal „bis 500 nm" und einmal „380–500 nm". An anderer Stelle im Shop steht für denselben Filter 400 bis 500.
Prozent, Nanometer, Transmission: die Umrechnungstabelle
Ein Filter, der 35 Prozent zurückhält, lässt 65 Prozent durch. So einfach ist der Schritt von der Filterquote zur Transmission, und er hilft beim Lesen der Angaben, weil Optiker und Normen meist von der durchgelassenen Menge sprechen. Gesammelt sind in der folgenden Tabelle alle Angaben der zwölf Anbieter, die eine Zahl enthalten, ergänzt um das, was die Zahl offenlässt.
| Angabe | Bereich | Lässt durch | Sagt nichts über |
|---|---|---|---|
| Gunnar Clear Pro: 20 % | bei 450 nm | 80 % bei 450 nm | alle anderen Wellenlängen |
| Gunnar Clear: 35 % | bei 450 nm | 65 % bei 450 nm | alle anderen Wellenlängen |
| Gunnar Amber: 65 % | bei 450 nm | 35 % bei 450 nm | alle anderen Wellenlängen |
| Luxreaders: 100 % | bei 410 nm | nichts bei 410 nm | das Blau zwischen 420 und 500 nm |
| Barner: 100 % und 45 % | unter 410 / 410–450 nm | nichts / im Mittel 55 % | Untergrenze; 450 bis 500 nm |
| Horus X Ghost: 61 % | 380–450 nm, davon 380–400 zu 100 % | im Mittel 39 % | Verlauf zwischen 400 und 450; 450 bis 500 nm |
| ZEISS BlueGuard: bis zu 40 % | 400–455 nm | mindestens 60 % im Mittel | was „bis zu" im Einzelfall heißt |
| PRiSMA LiTE95: ca. 95 % | bis 500 nm, auch 380–500 nm | im Mittel 5 % | Verlauf innerhalb des Bereichs |
| Zeelool: mindestens 35 %, bis 98 % | keiner | nicht bestimmbar | welches Glas welchen Wert hat |
Zwei Arten von Durchlässigkeit sollte man auseinanderhalten. Nur das kurzwellige Ende betrifft die Blaulichtquote. Anders die Lichttransmission, die PRiSMA für den LiTE95 mit 75 Prozent angibt: Sie beschreibt, wie viel vom gesamten sichtbaren Licht durchs Glas kommt. Ein Glas kann also im Blau fast alles zurückhalten und trotzdem drei Viertel des Lichts insgesamt durchlassen, weil Grün, Gelb und Rot ungehindert passieren.
Auf dieser Gesamtdurchlässigkeit beruht die Filterkategorie, die man von Sonnenbrillen kennt. Kategorie 0 ist die hellste Stufe, Kategorie 1 die nächste. PRiSMA weist für den LiTE95 Kategorie 1 aus, Fielmann für seine klare JIL 007 BL Kategorie 0. Welche Grenzwerte zu den Stufen gehören, erklärt die Seite über die Filterkategorien 0 bis 4 der Sonnenbrillennorm; für eine Brille am Bildschirm reicht zu wissen, dass es ab Kategorie 1 sichtbar dunkler wird.
Auf 400 bis 450 Nanometer umgerechnet: die Reihenfolge kippt
Zwei Anbieter liefern genug Zahlen, um ihre Angaben auf einen gemeinsamen Bereich zu bringen: Horus X und Barner. Wir haben beide auf 400 bis 450 Nanometer umgerechnet, also auf das sichtbare Blau ohne den violetten Rand. Vorausgesetzt ist dabei, dass jeder Nanometer im Mittel gleich viel zählt. Ob die Hersteller ihre Mittelwerte so bilden oder nach einer Gewichtung, etwa nach der Empfindlichkeit des Auges, schreibt keiner von beiden.
Bei Horus X umfasst der Bereich 380 bis 450 Nanometer, also 70 Nanometer, im Mittel 61 Prozent. Davon entfallen 20 Nanometer auf 380 bis 400 mit 100 Prozent. Für die restlichen 50 Nanometer bleiben (61 × 70 − 100 × 20) ÷ 50 = 45,4 Prozent. Nimmt man die vorsichtigere Zahl von der Produktseite der Roma, „über 60 Prozent", sind es 44. Rund 45 Prozent also, im eigentlichen Blau.
Bei Barner liegen zwischen 400 und 410 Nanometern zehn Nanometer mit 100 Prozent, zwischen 410 und 450 vierzig Nanometer mit 45 Prozent. Zusammen ergibt das (100 × 10 + 45 × 40) ÷ 50 = 56 Prozent. Auf den Bereich von Horus X umgelegt, 380 bis 450 Nanometer, und unter der Annahme, dass Barners „unter 410" bei 380 beginnt, wären es sogar rund 69 Prozent.
Die Brille mit der größeren Zahl in der Werbung landet auf dem gemeinsamen Maßstab hinter der mit der kleineren. Das spricht nicht gegen Horus X, das seine Teilbereiche immerhin offenlegt und die Rechnung erst möglich macht. Es zeigt nur, dass eine Prozentzahl ohne Bereich so viel aussagt wie eine Geschwindigkeit ohne Zeiteinheit.
Für PRiSMA lässt sich keine Zahl für 400 bis 450 ausrechnen, wohl aber eine Untergrenze. Hält der Filter im Mittel 95 Prozent von 400 bis 500 Nanometer zurück und kann kein Teilstück mehr als 100 Prozent haben, muss das Glas zwischen 400 und 450 mindestens 90 Prozent filtern. Gilt der Bereich ab 380, sinkt die Untergrenze auf rund 88 Prozent. Bei Gunnar geht gar nichts: Ein Wert an einem einzigen Punkt lässt sich auf keinen Bereich hochrechnen.
Wichtig ist, was diese Rechnung nicht ist. Sie ersetzt keine Messung, sondern macht Herstellerangaben vergleichbar, die so nicht vergleichbar gemacht wurden. Stimmen die Ausgangswerte nicht, stimmt auch das Ergebnis nicht. Einen Prüfbericht, mit dem sich die Ausgangswerte bestätigen ließen, gibt es bei keinem der beiden.
Was die Forschung als typische Filterwirkung nennt
Eine unabhängige Zahl gibt es, allerdings keine für ein bestimmtes Produkt. In der Mitteilung, mit der Cochrane im Juli 2023 seinen Review zu Blaulichtfilter-Brillen vorstellte, steht: Solche Gläser hielten je nach Produkt typischerweise 10 bis 25 Prozent vom blauen Licht zurück. Mehr zu filtern verlange eine deutliche Bernsteintönung, und die verändere die Farbwahrnehmung erheblich.
Gemessen an dieser Spanne liegen die drei klaren Gläser dieser Seite auffällig hoch: 35 Prozent bei Gunnar, umgerechnet rund 45 bei Horus X und 56 bei Barner. Falsch müssen diese Werte deshalb nicht sein, weil sich Produkte unterscheiden und die Cochrane-Zahl selbst nur eine Größenordnung ist. Ohne Prüfbericht bleibt aber offen, ob sie zutreffen.
Ausgewertet hat der Review 17 randomisierte Studien, durchgeführt in sechs Ländern, mit fünf bis 156 Teilnehmenden; getragen wurden die Gläser zwischen ein paar Stunden und fünf Wochen. Das Ergebnis: Blaulichtfilter-Brillen machen bei der Augenbelastung durch Computerarbeit wahrscheinlich keinen Unterschied, beim Schlaf ebenfalls nicht, und für einen Schutz der Netzhaut fanden die Autoren keine Belege. Blaues Licht aus künstlichen Quellen wie Bildschirmen beziffern die Autoren auf etwa ein Tausendstel dessen, was das Tageslicht liefert.
Wie die Studien im Einzelnen aussehen, welche Evidenzgrade Cochrane vergibt und was eine Messstudie an fünf Filtergläsern ergab, steht ausführlich bei der Studienlage zu Lesebrillen mit Blaulichtfilter. Für eine Brille ohne Stärke gilt dasselbe, denn die Studien unterschieden nicht danach, ob das Glas zusätzlich korrigiert.
Für diese Seite folgt daraus eine nüchterne Haltung. Wer eine Brille mit Blaulichtfilter ohne Sehstärke kauft, kauft keinen nachgewiesenen Gesundheitsnutzen. Gekauft wird ein Glas, das den Bildschirm vielleicht angenehmer wirken lässt, und dafür sollte zumindest die Filterangabe ehrlich sein.
Was die zwölf Anbieter dem Filter zuschreiben
Neben der Zahl haben wir festgehalten, was die zwölf Anbieter vom Filter versprechen. Acht verbinden ihn ausdrücklich mit Schlaf, Kopfschmerzen, müden Augen oder dem Schutz der Augen. Mister Spex nennt besseren Schlaf, weniger Kopfschmerzen und Migräne und mehr Konzentration. Barner schreibt von weniger Augenbelastung, weniger Kopfschmerzen und besserem Schlaf. Gunnar empfiehlt seine stärkste Tönung, Amber Max, für besseren Schlaf, gegen Migräne und zur Behandlung nach einer Gehirnerschütterung.
Zwei Anbieter sprechen von Schäden. ROTTLER warnt auf seiner Seite zu Filtergläsern vor Netzhautschäden durch blaues Licht, und PRiSMA schreibt auf der Produktseite der FREiBURG, Bildschirmlicht könne die Augen irreversibel schädigen. Fielmann und Zeelool bleiben beim Schlaf: Der Filter solle den Schlafrhythmus oder die Schlafqualität unterstützen. Horus X verspricht für die Roma, die Augen den ganzen Tag wirksam vor Bildschirmen zu schützen, und nennt die Garantie einen Schutz gegen Ermüdung der Augen.
Luxreaders und Brille24 sprechen nur von angenehmerem Sehen und weniger Blendung. Bei Apollo und ZEISS haben wir die Versprechen nicht gesondert ausgezählt, weil es dort um Glasarten beim Optiker geht und nicht um eine Brille ohne Stärke als fertiges Produkt.
Legt man die Cochrane-Ergebnisse daneben, bleibt von den acht Versprechen wenig. Bei der Augenbelastung durch Computerarbeit und bei der Schlafqualität fand der Review wahrscheinlich keinen Unterschied, für einen Schutz der Netzhaut keine Belege. Eine Studie, die das jeweilige Glas selbst geprüft hätte, haben wir bei keinem der acht gefunden.
Interessant ist, wie weit Zahl und Versprechen bei ein und demselben Anbieter auseinanderliegen können. Barner gibt die genaueste Filterangabe der Stichprobe und schreibt im Absatz darüber einen Satz über Schlaf und Kopfschmerzen, der sich auf nichts stützt. Man sollte also Zahl und Werbetext getrennt lesen. Die Zahl kann man prüfen oder wenigstens einordnen, das Versprechen nicht.
Gunnar Vertex, Tönung Clear
MittelklasseRechteckige Nylonbrille mit klarem Glas, deren Hersteller die Filterwirkung an einem einzigen Punkt des Spektrums angibt.
Rechteckige Nylonbrille mit klarem Glas, deren Hersteller die Filterwirkung an einem einzigen Punkt des Spektrums angibt.
- Filterangabe
- 35 % des blauen Lichts
- Wellenlänge
- bei 450 nm, ein einzelner Punkt
- Beleg
- keiner; Glas als patentiert bezeichnet
- Glas und Farbe
- klar, beidseitig entspiegelt
- Fassung
- Nylon, rechteckig, 134 mm breit
- Gewicht
- 22 g ohne Verpackung
- Kennzeichnung
- auf der Produktseite nicht angegeben
Dafür
- Zahl mit Wellenlänge statt bloßem Versprechen
- Tönung für Büro, Foto und Grafik beschrieben
- Später mit Sehstärke von −5 bis +6 bestellbar
- Beidseitig entspiegelt
Dagegen
- Ein Punkt bei 450 nm sagt nichts über den Rest des Blaus
- Kein Prüfbericht, keine Messkurve
- Nur zwölf Monate Garantie
- Schwerer als die leichtesten Modelle im Feld
Gunnar Vertex Clear: 35 Prozent an einem einzigen Punkt
Gunnar verkauft dieselbe Fassung mit bis zu sieben Gläsern. Für die Vertex listet die Produktseite Amber, Clear, Clear Pro, Amber Max und Sun, dazu Amber und Clear in einer Variante namens „Neutral-Focus", die die Seite nicht erklärt. Unterscheiden lassen sich die Tönungen allein an einer Zahl: Clear Pro hält 20 Prozent des blauen Lichts bei 450 Nanometern zurück, Clear 35, Amber 65, Sun 90, Amber Max 98.
Für eine Brille ohne Stärke am Tag kommt vor allem Clear in Frage. Gunnar beschreibt sie als Glas für alle, die weniger Tönung wollen, und nennt als Einsatz Büroarbeit, Foto- und Videobearbeitung und Grafikdesign. Clear Pro, die noch hellere Stufe, ist ausdrücklich für Menschen gedacht, die perfekte Farben brauchen. Bei der Vertex ließ sie sich am 31. Oktober allerdings nur mit Sehstärke auswählen, ohne Stärke standen Clear und Clear Neutral-Focus zur Wahl.
Was die 35 Prozent bedeuten, wurde oben schon zerlegt. Gültig ist die Zahl bei 450 Nanometern, nicht darüber und nicht darunter. Wie das Glas bei 420 oder 480 Nanometern filtert, lässt sich aus der Angabe nicht ableiten. Gunnar nennt seine Glastechnik patentiert, ohne Patentnummer, und legt keine Messkurve vor.
Gunnar beschreibt die Fassung einmal als „premium engineered polymer" und einmal als strapazierfähiges Nylon. Gemeint ist ein Kunststoff, kein Metall. Sie misst 134 Millimeter in der Breite, die Gläser 55 mal 33 Millimeter, der Steg 16, die Bügel 133. Mit 22 Gramm ohne Verpackung ist sie deutlich schwerer als die beiden leichtesten Brillen dieser Seite. Ein fester Nasensteg statt verstellbarer Pads soll für Halt sorgen; für flache Nasenrücken weist Gunnar sie als „Low Bridge Fit" geeignet aus.
Das Glas ist beidseitig entspiegelt und hält nach Herstellerangabe 100 Prozent UV zurück. Mit Sehstärke lässt sich die Fassung später ebenfalls bestellen, von minus fünf bis plus sechs Dioptrien. Im Karton liegt ein Mikrofaserbeutel, Gunnar gibt zwölf Monate Garantie.
Zur Kennzeichnung steht auf der Produktseite nichts, weder eine Norm noch eine Filterkategorie noch ein CE-Hinweis. Daraus folgt nicht, dass ihr etwas fehlt. Nachlesen lässt es sich vor der Bestellung aber nirgends.
Was für die Vertex spricht, ist die Ehrlichkeit im Kleinen: eine Zahl, eine Wellenlänge, keine Spanne, die mehr verspricht. Was dagegen spricht, ist genau diese Kleinheit. Ein Punkt ist kein Profil, und wer wissen will, wie viel Blau das Glas insgesamt zurückhält, bekommt darauf von Gunnar keine Antwort.
BARNER Dalston, ohne Sehstärke
MittelklasseLeichte Unisex-Brille aus TR-90 mit CR-39-Gläsern, deren Hersteller das violette Ende und das sichtbare Blau getrennt beziffert.
Leichte Unisex-Brille aus TR-90 mit CR-39-Gläsern, deren Hersteller das violette Ende und das eigentliche Blau getrennt beziffert.
- Filterangabe
- 100 % und 45 %
- Wellenlänge
- unter 410 nm / 410 bis 450 nm
- Beleg
- keiner
- Glas und Farbe
- CR-39, ohne Tönungsangabe
- Fassung
- TR-90, rechteckig, 142 mm breit, unisex
- Gewicht
- 15 g
- Kennzeichnung
- auf der Produktseite nicht angegeben
Dafür
- Violett und Blau getrennt angegeben
- Mit 15 g eine der leichtesten Brillen im Feld
- Drei Jahre Garantie, 30 Tage Rückgabe
- Etui und Mikrofasertuch im Lieferumfang
Dagegen
- Kein Prüfbericht
- Maße und Material nur auf Englisch
- Werbetext verspricht weniger Kopfschmerz und besseren Schlaf
- Untergrenze des ersten Bereichs offen
Barner Dalston: Violett und Blau getrennt angegeben
Barner verkauft seine Brillen über einen eigenen Onlineshop, in dem jede optische Fassung mit Blaulichtgläsern kommt. Bei der Dalston handelt es sich um ein rechteckiges Unisex-Modell, ohne Sehstärke oder mit Lesestärke von plus eins bis plus drei. Entscheidend ist ein Satz auf der Produktseite: Die Gläser blockierten 100 Prozent des blauen Lichts unter 410 Nanometern und 45 Prozent zwischen 410 und 450.
Damit ist Barner der einzige Anbieter der Stichprobe, der den violetten Rand nicht in einen Mittelwert mischt. Wer sich nur für das sichtbare Blau interessiert, liest die 45 Prozent ab und weiß, worauf sie sich beziehen. Offen bleibt der Bereich über 450 Nanometern, wo das Blau ins Türkis übergeht, und die Untergrenze des ersten Bereichs.
Das Glas besteht aus CR-39, einem organischen Kunststoff, der bei Optikern verbreitet ist. Für die Fassung nimmt Barner TR-90, einen biegsamen Kunststoff. Barner nennt flexible Scharniere und Bügel und eine gummierte Oberfläche für besseren Halt an Nase und Ohren, dazu ein Gewicht von 15 Gramm. Damit ist die Dalston gemeinsam mit der Horus X Roma die leichteste Brille dieser Seite.
Die Maße stehen im Abschnitt zur Größe: Fassungsbreite 142 Millimeter, Höhe 47, Glasbreite 52, Steg 18, Bügel 135. Mit 142 Millimetern ist sie die breiteste der fünf. Auf schmalen Gesichtern kann sie seitlich überstehen; wer eine eigene Brille hat, sollte deren Breite zum Vergleich messen.
Im Lieferumfang sind ein Etui und ein Mikrofasertuch. In der Fußzeile des Shops stehen drei Jahre Garantie und 30 Tage Rückgabe. Eine Norm, eine Filterkategorie oder ein CE-Hinweis stehen auf der Produktseite nicht.
Weniger zurückhaltend als die Filterangabe ist der Werbetext darüber. Die Brille helfe gegen Augenbelastung und Kopfschmerzen und unterstütze besseren Schlaf, heißt es dort. Für keines der drei Versprechen nennt Barner eine Quelle, und die Cochrane-Auswertung fand für Augenbelastung und Schlaf wahrscheinlich keinen Unterschied. Die Filterangabe ist also die genaueste im Feld, der Text daneben ist es nicht.
In Teilen ist die Seite englisch, auch die Produktinformation mit Material und Maßen. Ohne Englischkenntnisse findet man die wichtigen Zahlen trotzdem, weil sie als Ziffern dastehen. Erhältlich ist die Dalston nur im Herstellershop; die Schnittstelle des Partnerprogramms lieferte zu Barner nur Modelle ohne eindeutigen Namen.
Horus X Roma, Ghost-Glas
MittelklasseSehr leichte, schmale Brille mit klarem Ghost-Glas, deren Filterangabe den violetten Rand einschließt und ihn zugleich offenlegt.
Sehr leichte, schmale Brille mit klarem Ghost-Glas, deren Filterangabe den violetten Rand einschließt und ihn zugleich offenlegt.
- Filterangabe
- über 60 % (Technologieseite: 61 %)
- Wellenlänge
- 380 bis 450 nm, davon 380 bis 400 nm zu 100 %
- Beleg
- Labortest 2023 erwähnt, ohne Namen und Bericht
- Glas und Farbe
- klar, „Glasklarheit 84" laut Hersteller
- Fassung
- Polycarbonat mit Metallbügeln, 129 mm
- Gewicht
- 15 g
- Kennzeichnung
- auf der Produktseite nicht angegeben
Dafür
- Bereich und Teilbereich offengelegt, Rechnung möglich
- Mit 15 g eine der leichtesten Brillen im Feld
- Lebenslange Garantie mit Umtausch oder Rückerstattung
- Klarglas für Büro und Videocall
Dagegen
- Mittelwert schließt den UV-nahen Bereich ein
- Labor ohne Namen, kein Bericht
- Schmal: 129 mm passen nicht jedem Gesicht
- „Glasklarheit" ohne Einheit und Erklärung
Horus X Roma: über 60 Prozent, UV-nahes Licht im Mittel
Horus X verkauft vor allem Gaming-Brillen und führt daneben eine eigene Kollektion für Büro und Alltag, die Nomade-Reihe. Die Roma gehört dazu: rechteckig, unisex, mit dem klaren Glas, das Horus X Ghost nennt. Laut Produktseite filtert sie „über 60 %" des blauen Lichts von 380 bis 450 Nanometern.
Auf der Technologieseite des Herstellers stehen die Einzelwerte. Ghost hält demnach von 380 bis 400 Nanometer 100 Prozent zurück und von 380 bis 450 im Mittel 61 Prozent. Daneben stehen zwei getönte Gläser, Ultra Esport mit 77 und Plasma mit 86 Prozent im selben Bereich. Wie oben gerechnet, bleiben für das Blau zwischen 400 und 450 Nanometern beim Ghost rund 45 Prozent.
Horus X nennt außerdem eine „Glasklarheit": 84 beim Ghost, 67 Prozent beim Ultra Esport, 56 beim Plasma. Beim Ghost fehlt das Prozentzeichen, bei den anderen steht es da. Was genau gemessen wurde, erklärt die Seite nicht. Vermutlich meint Horus X damit die Lichttransmission, also wie viel sichtbares Licht durchs Glas geht; bestätigt ist das nicht.
Als einziger Brillenhersteller der Stichprobe nennt Horus X eine Messung: Der Test sei 2023 in einem unabhängigen akkreditierten Labor durchgeführt worden. Welches Labor, nach welchem Verfahren und mit welchem Ergebnis im Einzelnen, steht nicht dabei. Ein Bericht ist nicht verlinkt. Das ist mehr als bei den anderen und trotzdem nichts, was ein Käufer prüfen könnte.
Gefertigt ist die Fassung aus Polycarbonat, die Bügel aus einer Metalllegierung, die Horus X nicht näher benennt. Die Rahmenlänge beträgt 129 Millimeter, die Rahmenhöhe 36,5, die Nasenauflage 16 Millimeter, das Gewicht 15 Gramm. Damit ist die Roma die schmalste Brille dieser Seite, 13 Millimeter schmaler als die Barner Dalston. Für breite Gesichter ist sie eher nichts. Es gibt sie in Schildpatt und Blau.
Bei der Garantie ist Horus X großzügiger als alle anderen: lebenslang, mit Umtausch oder Rückerstattung, falls irgendein Problem auftritt. Was der Hersteller unter „irgendein Problem" im Einzelfall versteht, regeln die Bedingungen des Shops; auf der Produktseite steht nur das Versprechen. Eine Norm, eine Filterkategorie oder ein CE-Hinweis sind auf der Produktseite nicht zu finden.
Ihren Platz auf dieser Seite hat die Roma, weil ihre Angabe beides zeigt: wie ein Mittelwert über einen breiten Bereich eine Zahl größer macht, und wie ein Hersteller trotzdem genug offenlegen kann, dass man nachrechnen kann. Bezogen wird sie über den Shop des Herstellers.
PRiSMA FREiBURG LiTE95
MittelklasseBernsteinfarbene Bildschirmbrille aus Weilheim mit der höchsten Filterquote dieser Seite und ausgewiesener Lichttransmission.
Bernsteinfarbene Bildschirmbrille aus Weilheim mit der höchsten Filterquote dieser Seite und einer ausgewiesenen Lichttransmission.
- Filterangabe
- ca. 95 %
- Wellenlänge
- „bis 500 nm" und „380–500 nm" auf derselben Seite
- Beleg
- eigene Messverfahren genannt, kein Bericht
- Glas und Farbe
- bernstein, Lichttransmission 75 %, Kategorie 1
- Fassung
- TR90, Vollrand, Metallscharniere, 140 mm
- Gewicht
- nicht angegeben
- Kennzeichnung
- UV 400, Kategorie 1, Hersteller mit Anschrift
Dafür
- Höchste Quote, mit Lichttransmission dazu
- Hersteller mit vollständiger Anschrift
- Sicherheitshinweis offen ausgewiesen
- Hartschalenetui und Tuch im Lieferumfang
Dagegen
- Bernsteinglas verändert Farben
- Zwei Bereichsangaben für denselben Filter
- Nicht für den Straßenverkehr
- Werbetext behauptet bleibende Augenschäden durch Bildschirme
PRiSMA FREiBURG LiTE95: 95 Prozent hinter Bernsteinglas
PRiSMA ist die Marke der INNOVATiVE EYEWEAR Int. GmbH in Weilheim in Oberbayern. Ihr Ansatz unterscheidet sich von den drei klaren Gläsern grundsätzlich: Der Hersteller hält einen farblosen Blaulichtschutz für physikalisch nicht machbar und tönt alle Gläser seiner Reihe gelb bis bernsteinfarben.
Der LiTE95 ist die zweitstärkste Stufe der Reihe, zwischen EASY90 und PRO99. Die Produktseite der FREiBURG nennt einen Blaulichtschutz von 95 Prozent bis 500 Nanometer und eine Lichttransmission von 75 Prozent. Weiter unten, in den Eigenschaften, steht „ca. 95 % (380-500 nm)". Damit liegt die Untergrenze in der einen Angabe offen, in der anderen bei 380.
Zweite wichtige Zahl sind die 75 Prozent Lichttransmission. Ein Viertel des sichtbaren Lichts bleibt im Glas, das meiste davon im Blau. PRiSMA weist dafür Filterkategorie 1 aus. Durch ein amberfarbenes Glas sieht man die Umgebung entsprechend gefärbt und etwas dunkler. Der Hersteller nennt den LiTE95 den „Universalfilter" für lange Bildschirmzeit am Tag und empfiehlt die noch stärkere PRO-Stufe, wenn es auf höchsten Schutz ankommt, mit dem Hinweis, dass dort die Farberkennung nicht optimal sei und die Eingewöhnung länger dauere.
Auffällig ist der Sicherheitshinweis auf derselben Seite. Er schließt die Brille für den Straßenverkehr aus, ebenso für intensive Lichtquellen und mechanische Gefahren, und warnt, dass längere Nutzung die Farbwahrnehmung beeinflussen könne. Das ist offener als bei jedem anderen Anbieter dieser Seite.
Weniger zurückhaltend ist der Text über das Licht. Bildschirmlicht könne die Augen irreversibel schädigen, heißt es dort, und störe über das Melatonin den Schlaf. Für eine Schädigung der Netzhaut durch Bildschirme fand der Cochrane-Review keine Belege. Die Filterangabe der Brille wird dadurch nicht falsch, aber man sollte die Begründung, warum man sie brauche, nicht für bewiesen halten.
Die Fassung FREiBURG ist ein Vollrand aus TR90, nach Herstellerangabe frei von Bisphenol, mit Metallscharnieren und Nasenauflagen aus einem Stück. Insgesamt misst die Brille 140 mal 42 Millimeter, die Gläser 54 mal 34, die Bügel 145. Ein Gewicht nennt PRiSMA nicht. Geliefert wird mit Hartschalenetui und Mikrofasertuch, als Hersteller steht die vollständige Anschrift auf der Seite. UV-Schutz bis 400 Nanometer ist angegeben.
Einen Messbericht gibt es auch hier nicht zum Herunterladen. PRiSMA schreibt, man nutze eigene Mess- und Kontrollverfahren, und unabhängige Prüfinstitute kämen zum selben Ergebnis, nennt aber keines davon.
Fielmann JIL 007 BL, Grau transparent
EinsteigerLeichte Panto-Fassung für Damen mit klaren Gläsern und Blaulichtfilter-Beschichtung, ohne Quote, aber mit Konformitätserklärung.
Leichte Panto-Fassung für Damen mit klaren Gläsern und Blaulichtfilter-Beschichtung, ohne Quote, aber mit Konformitätserklärung.
- Filterangabe
- „Blaulichtfilter", keine Zahl
- Wellenlänge
- nicht angegeben
- Beleg
- Konformitätserklärung nach DIN EN ISO 12312-1
- Glas und Farbe
- CR39, Filterkategorie 0
- Fassung
- Acetat, Panto, 132 mm breit
- Gewicht
- nicht angegeben
- Kennzeichnung
- PSA Kategorie I, VO (EU) 2016/425
Dafür
- Einzige mit Konformitätserklärung zum Modell
- Drei Jahre Garantie, Beratung in der Filiale
- Maße vollständig angegeben
- Gebrauchsanweisung mit Pflegehinweisen
Dagegen
- Keine Filterquote, kein Bereich
- Damenmodell in Panto-Form
- Gewicht nicht angegeben
Fielmann JIL 007 BL: keine Quote, dafür eine Konformitätserklärung
Fielmann führt online 45 Brillen in der Kategorie Blaulichtfilterbrillen, viele davon mit dem Kürzel BL im Namen. Die JIL 007 BL in Grau transparent ist ein Panto-Modell für Damen mit Acetat-Vollrand und Keyhole-Steg. In den Produktdaten steht beim Glas genau ein Wort zur Wirkung: Blaulichtfilter. Keine Prozentzahl, kein Bereich.
Der Text unter dem Produkt beschreibt eine Blaulichtfilter-Beschichtung, die die Bestrahlung reduziere und die Augen entlaste. Wie stark, steht nirgends. Fielmanns Ratgeber zum Thema nennt Blaulicht von 380 bis 500 Nanometer, aber ebenfalls keine Quote für die eigenen Gläser. Damit gehört Fielmann zu den fünf der zwölf Anbieter ohne Zahl.
Was Fielmann anders macht, steht in einem Dokument unter der Produktbeschreibung. Die EU-Konformitätserklärung vom 31. Mai 2023 weist die JIL 007 BL in drei Farben als persönliche Schutzausrüstung der Kategorie I aus, nach der europäischen Verordnung über Schutzausrüstung sowie nach der Sonnenbrillennorm DIN EN ISO 12312-1 vom Juli 2023. Kein anderer Anbieter der Stichprobe stellt ein solches Dokument zum Modell bereit.
Gemeint ist die Norm für Sonnenbrillen. Eine Blaulichtfilter-Brille wird dort als Brille mit sehr hellem Filter eingeordnet, Filterkategorie 0, die die Produktdaten ebenfalls angeben. Über die Blaulichtwirkung sagt diese Einordnung nichts, wohl aber, dass Fassung und Glas die Anforderungen erfüllen, die für Sonnenbrillen derselben Kategorie gelten. Mehr dazu im Abschnitt über Kennzeichnung.
Das Glas ist aus CR39, die Fassung laut Datenblatt aus Acetat, im Text als leichte Kunststofffassung beschrieben. Die Maße stehen vollständig da: Brillenbreite 132 Millimeter, Glasbreite 52, Steg 18, Bügel 140. Ein Gewicht fehlt. Fielmann gibt drei Jahre Garantie und schreibt, alle eigenen Fassungen entsprächen der Norm für Brillenfassungen, DIN EN ISO 12870.
Bei der verlinkten Gebrauchsanweisung handelt es sich um ein Faltblatt für Sonnen-, Blaulicht- und Lesebrillen zugleich. Zur Pflege steht dort: mit Wasser und Seife reinigen, gut abspülen, mit einem weichen Tuch trocknen, Lösungsmittel meiden. Ein Satz ist für Filtergläser besonders wichtig: Unsaubere Putztücher könnten die Filtereigenschaften beeinträchtigen.
Die JIL 007 BL ist die einzige Brille dieser Seite im Einstiegssegment, und Fielmann verweist auf der Produktseite auf die Augenoptiker in den Filialen, die vor Ort beraten. Wer eine Quote braucht, wird hier nicht fündig. Wer wissen will, nach welcher Norm die Brille geprüft wurde, bekommt bei Fielmann als Einzigem eine Antwort.
Die Empfehlung nach dem Zahlenteil
Empfehlung für den Bildschirmtag mit ungetöntem Glas
BARNER Dalston, ohne Sehstärke
MittelklasseDie einzige Filterangabe im Feld, die das violette Ende und das sichtbare Blau getrennt beziffert, dazu 15 Gramm, eine Unisex-Fassung und drei Jahre Garantie. Dagegen steht, dass auch Barner keinen Prüfbericht vorlegt, Maße und Material nur auf Englisch nennt und im Werbetext unbelegte Versprechen zu Kopfschmerz und Schlaf macht.
Bei barnerbrand.com (Herstellershop) ansehen(öffnet in neuem Tab)Händler-Direktlink, keine ProvisionDie Empfehlung geht an die Barner Dalston, und zwar wegen ihrer Filterangabe, nicht trotz ihrer kleineren Zahl. Nur bei ihr sieht man ohne Rechnung, was das Glas im sichtbaren Blau zurückhält, weil der violette Rand getrennt ausgewiesen ist. Dazu kommen ein Glas ohne Tönung für den ganzen Tag, ein geringes Gewicht und drei Jahre Garantie.
Dagegen steht, dass auch Barner keinen Prüfbericht vorlegt, dass Maße und Material nur auf Englisch auf der Seite stehen und dass der Werbetext Schlaf und Kopfschmerzen ins Spiel bringt, wofür es keine Belege gibt. Wer Wert auf eine Konformitätserklärung und eine Filiale in der Nähe legt, nimmt die Fielmann JIL 007 BL und verzichtet dafür auf jede Zahl.
Für Grafik- und Fotoarbeit passt die Gunnar Vertex Clear besser, weil Gunnar sie für genau diese Arbeit beschreibt und die Zahl an einem festen Punkt ehrlich klein ist; die noch hellere Tönung Clear Pro gab es für die Vertex am Stichtag nur mit Sehstärke. Für sehr lange Bildschirmtage, an denen Farben keine Rolle spielen, kommt die PRiSMA LiTE95 in Frage, nie aber im Auto. Für schmale Gesichter ist die Horus X Roma die Alternative zur Dalston.
Zwei der fünf Brillen verlinken wir über das Amazon-Partnerprogramm; kaufen Sie dort, erhalten wir eine Provision, am Preis ändert das nichts. Die übrigen drei führen direkt zum Shop des Herstellers oder Händlers, ohne Provision. Auf die Reihenfolge hat das keinen Einfluss. Einzelheiten stehen in der Offenlegung, wie diese Seite mit Partnerlinks umgeht.
Transparent oder bernstein: was die Glasfarbe bringt und kostet
Unter den Suchvorschlägen zu dieser Brille stehen „transparent", „durchsichtig" und „gelb" nebeneinander. Die drei Wörter hängen zusammen. Ein klares Glas lässt definitionsgemäß fast alle Farben durch, auch das meiste Blau. Ein Glas, das viel Blau zurückhält, sieht gelb bis orange aus, weil es Blau aus dem weißen Licht nimmt und der Rest wärmer wirkt.
In der Cochrane-Mitteilung steht das in einem Satz: Mehr als die typischen 10 bis 25 Prozent verlangt eine deutliche Bernsteintönung. Dazu passen die Angaben der Hersteller. Gunnar braucht für 65 Prozent bei 450 Nanometern das Amber-Glas, Horus X für 86 Prozent das getönte Plasma, PRiSMA für 95 Prozent die Bernsteinfarbe des LiTE95.
Was die Tönung kostet, sagen die Hersteller selbst. PRiSMA schreibt über die stärkste Stufe, die Farberkennung sei nicht optimal, und rechnet mit einer längeren Eingewöhnung. Auf der Website heißt es, das Gehirn gleiche den Farbstich nach wenigen Minuten weitgehend aus, je nach Schutzstufe. Der Sicherheitshinweis der FREiBURG warnt trotzdem, längere Nutzung könne die Farbwahrnehmung beeinflussen. Und Cochrane spricht von einem erheblichen Effekt auf die Farbwahrnehmung, sobald ein Glas deutlich bernsteinfarben ist.
Klare Gläser haben ein anderes Problem. Sitzt der Filter als Beschichtung auf der Oberfläche, entsteht ein farbiger Restreflex. Fielmann beschreibt das in seinem Ratgeber als bläuliches oder violettes Schimmern. Apollo unterscheidet zwei eigene Glasarten: eine Beschichtung mit deutlichen blauen Reflexen und ein Glas mit Filter im Material, das weniger reflektiert.
Für die Wahl ohne Stärke heißt das: Transparent heißt fast immer wenig Filter, viel Filter heißt immer Farbe. Wer eine klare Brille mit einer Quote über 50 Prozent sieht, sollte fragen, in welchem Bereich und an welchem Punkt.
Wie drei Hersteller ihre Tönungen staffeln
Gunnar, Horus X und PRiSMA bieten jeweils mehrere Gläser an, von hell bis kräftig getönt. Nebeneinander gestellt zeigt sich, dass die Stufen mit gleichem Namen nichts miteinander zu tun haben müssen. Wiedergegeben sind die Werte so, wie die Hersteller sie nennen.
| Hersteller und Glas | Angabe | Gedacht für (laut Hersteller) |
|---|---|---|
| Gunnar Clear Pro | 20 % bei 450 nm | Foto, Video, Grafik, wer perfekte Farben braucht |
| Gunnar Clear | 35 % bei 450 nm | Büro, Foto, Video, Grafik |
| Gunnar Amber | 65 % bei 450 nm | Computerarbeit allgemein, Lesen, Dateneingabe |
| Gunnar Sun | 90 % bei 450 nm | Bildschirme im Freien, Auto, Luftfahrt, Sport |
| Gunnar Amber Max | 98 % bei 450 nm | Schlaf, Migräne, nach Gehirnerschütterung |
| Horus X Ghost | 61 % von 380 bis 450 nm, Glasklarheit 84 | Diskretion, Farbtreue, Klarglas |
| Horus X Ultra Esport | 77 % von 380 bis 450 nm, Glasklarheit 67 % | Gamer, gute Farbtreue |
| Horus X Plasma | 86 % von 380 bis 450 nm, Glasklarheit 56 % | lange Sitzungen, abends und nachts |
| PRiSMA LiTE95 | ca. 95 % bis 500 nm, Lichttransmission 75 % | lange Bildschirmzeit am Tag, auch Fernsehen |
| PRiSMA PRO | ca. 99 % | höchster Schutz, längere Eingewöhnung |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens heißt „Amber" bei Gunnar 65 Prozent an einem Punkt, während das ähnlich gefärbte Plasma bei Horus X 86 Prozent über einen Bereich angibt; beides lässt sich nicht gegeneinander rechnen. Zweitens empfiehlt Gunnar die Sun-Tönung mit 90 Prozent bei 450 Nanometern unter anderem fürs Auto, während PRiSMA seinen LiTE95 mit 95 Prozent für den Straßenverkehr ausschließt. Die Sun ist allerdings als Sonnenglas für draußen gedacht und damit eine andere Brille als eine Bildschirmbrille für drinnen.
Für eine Brille ohne Stärke am Bildschirmarbeitsplatz kommen aus den drei Reihen vor allem die hellen Stufen in Frage: Gunnar Clear, Horus X Ghost, mit Abstrichen bei den Farben PRiSMA LiTE95. Stark getönte Stufen gehören zum Spielen und zum Abend, und dafür gibt es in diesem Cluster eigene Vergleiche.
CE, Kategorie 0, ISO 12312-1: was in den Papieren steht
Eine Brille ohne Sehstärke ist kein Medizinprodukt wie eine Fertiglesebrille. Fielmann ordnet sie in seiner Gebrauchsanweisung zusammen mit Sonnenbrillen als persönliche Schutzausrüstung ein, nach der europäischen Verordnung 2016/425. Die Konformitätserklärung zur JIL 007 BL nennt Kategorie I; die Übereinstimmung erklärt Fielmann darin als Hersteller in alleiniger Verantwortung.
Was die Einordnung als Sonnenbrillenfilter der Kategorie 0 bedeutet, ist in Fielmanns Gebrauchsanweisung knapp beschrieben: sehr hell, sehr eingeschränkte Dämpfung der Sonnenstrahlung. Daraus folgt nichts über den Blaulichtfilter, wohl aber, dass die Brille als Sonnenschutz praktisch keine Wirkung hat. Gegen Sonne draußen hilft nur eine Sonnenbrille.
Fielmann prüft also nach derselben Norm, nach der auch Sonnenbrillen in den Handel kommen. Welche Kategorien es gibt und worauf man bei Sonnenbrillen sonst achtet, steht im Überblick über Sonnenbrillen nach Kategorie, Glas und Form.
PRiSMA gibt auf der Produktseite Filterkategorie 1 und UV 400 an und nennt den Hersteller mit Anschrift. Ob es eine Konformitätserklärung gibt und nach welcher Norm sie ausgestellt ist, steht nicht dort. Gunnar, Barner und Horus X nennen auf ihren Produktseiten weder Norm noch Kategorie.
Ausschließen muss man eine Brille deshalb nicht; unterscheiden lässt sie sich daran schon. Eine Brille, zu der sich Norm, Kategorie und Hersteller nachlesen lassen, ist besser dokumentiert als eine, bei der nur die Filterquote dasteht. Bei vier der fünf Brillen dieser Seite fehlt dieses Dokument, beim Händler wie beim Hersteller.
Büro, Grafik, Videocall, Kontaktlinsen: vier Fälle
Wer viele Stunden mit Text, Tabellen und E-Mails verbringt und keine Farben beurteilen muss, kommt mit einem klaren Glas aus. Hier passen die Barner Dalston, die Horus X Roma, die Gunnar Vertex Clear und die Fielmann JIL 007 BL. Welche davon, entscheidet eher die Fassung: Breite, Gewicht, Steg. Den Unterschied in der Filterwirkung bemerkt man im Büroalltag kaum, und ein Nutzen für die Augen ist nicht belegt.
Grafik, Fotobearbeitung und Video verlangen das Gegenteil eines starken Filters. Jede Tönung verschiebt Farben, und auch ein klares Glas mit Beschichtung kann einen leichten Stich haben. Gunnar bietet dafür Clear Pro an, 20 Prozent bei 450 Nanometern, und nennt genau diese Berufe; für die Vertex gab es diese Tönung am 31. Oktober allerdings nur mit Sehstärke. Mister Spex weist darauf hin, dass sich die Farben für farbkritische Tätigkeiten leicht verändern können. Die ehrlichste Antwort für diese Gruppe lautet: lieber gar kein Filter.
In Videokonferenzen fällt eine Beschichtung auf, weil Kamera und Ringlicht den farbigen Reflex einfangen. Ein Filter im Material reflektiert weniger als eine Beschichtung; das beschreibt Apollo für seine eigenen Gläser. Wer viel vor der Kamera sitzt, sollte vor dem Kauf nach der Bauart fragen oder ein Foto mit Blitz und Brille machen lassen.
Kontaktlinsenträger, die am Bildschirm einen Filter wollen, setzen die Brille ohne Stärke einfach darüber. Luxreaders schreibt, viele seiner Kundinnen und Kunden trügen die Brillen auf diese Weise. Wichtig ist dann ein geringes Gewicht, weil die Brille stundenlang ohne Sehnotwendigkeit auf der Nase sitzt: 15 Gramm bei Dalston und Roma sind hier ein echtes Argument.
Wann die Empfehlung kippt
Eine Frage entscheidet über die Wahl stärker als jede Zahl: Müssen die Farben stimmen? Wer mit Ja antwortet, bleibt bei einem klaren Glas und nimmt in Kauf, dass es nur wenig Blau zurückhält. Wer mit Nein antwortet und den Bildschirm deutlich wärmer sehen möchte, wählt ein getöntes Glas.
Bei der Dalston bleibt die Empfehlung, solange die Antwort Ja lautet. Kippt sie auf Nein, etwa weil die Brille nur für lange Textarbeit gedacht ist und das Gelb nicht stört, liegt die PRiSMA LiTE95 vorn: Sie filtert nach eigener Angabe am meisten und nennt die Lichttransmission dazu.
Eine zweite, kleinere Kippfrage betrifft das Gesicht. Unter etwa 130 Millimetern Breite der eigenen Brille passt die Roma besser als die Dalston mit ihren 142. Wer seine aktuelle Brille an der breitesten Stelle der Front abmisst, hat die Zahl in einer Minute.
Maße lesen: was Glasbreite, Steg und Gesamtbreite verraten
Alle fünf Anbieter nennen neben der Gesamtbreite weitere Maße, nur nicht dieselben. Aus Glasbreite, Steg und Bügellänge lässt sich mehr herauslesen als die Breite allein. Zweimal die Glasbreite plus der Steg ergibt die Breite der Gläser samt Brücke. Was bis zur Gesamtbreite fehlt, entfällt auf Rand und seitliche Backen der Fassung.
Bei der Fielmann JIL 007 BL sind das 52 plus 18 plus 52, also 122 Millimeter, bei 132 Millimetern Gesamtbreite: Für Rand und Backen bleiben zehn. Bei der Gunnar Vertex ergeben 55 plus 16 plus 55 genau 126 Millimeter bei 134 insgesamt, also acht. Die Barner Dalston kommt mit 52 plus 18 plus 52 ebenfalls auf 122, ist aber 142 Millimeter breit; hier entfallen 20 Millimeter auf die Fassung. Ihre Breite kommt also aus einem kräftigen Rahmen, nicht aus großen Gläsern.
Für den Sitz am Kopf zählt die Gesamtbreite, für die Lage der Gläser vor den Augen eher Glasbreite und Steg. Eine Brille kann deshalb am Kopf gut passen und trotzdem Gläser haben, die für das eigene Gesicht eher klein wirken, oder umgekehrt. Bei PRiSMA fehlt der Steg in der Angabe, bei Horus X die Glasbreite; dort lässt sich die Rechnung nicht vollständig machen.
Bei den Bügeln reicht das Feld von 133 Millimetern bei Gunnar bis 145 bei PRiSMA. Wer bei der eigenen Brille merkt, dass die Bügel hinter dem Ohr zu früh enden oder drücken, sollte diese Zahl vergleichen, bevor er bestellt. Über die Bügellänge der Horus X Roma macht der Hersteller keine Angabe.
Einsteiger oder Mittelklasse: was der Sprung bringt
Die Fielmann JIL 007 BL ist die einzige Brille dieser Seite im Einstiegssegment, die anderen vier liegen in der Mittelklasse. Eine Premium-Brille ist nicht dabei. Ob eine teurere Fassung beim Filter mehr bietet, lässt sich aus den Angaben der zwölf Anbieter nicht ablesen; keiner knüpft seine Filterangabe an die Preisklasse.
Was der Sprung vom Einstieg in die Mittelklasse bringt, lässt sich an diesen fünf Brillen ablesen. Man bekommt eine Zahl, meist mit Bereich, und eine leichtere Fassung aus TR-90 oder Polycarbonat. Beim Hersteller gibt es teils längere Garantien, bei Horus X lebenslang. Fielmann setzt dagegen auf Beratung durch die Augenoptiker in der Filiale.
Was der Sprung nicht bringt, ist ein Beleg. Keiner der zwölf Anbieter legt einen Prüfbericht vor, gleich in welchem Segment. Mehr Geld kauft eine genauere Behauptung, keine geprüfte. Für den Nutzen am Bildschirm, den die Studien ohnehin nicht zeigen, spielt das Segment keine Rolle.
Ab wo das Mehr nichts mehr bringt, hängt am Glas: Ein klares Glas bleibt ein klares Glas, auch in einer teuren Fassung. Wer das Geld lieber in die Passform steckt, bekommt dafür mehr Alltagsnutzen als für eine höhere Prozentzahl.
Acht Fragen an eine Filterangabe, bevor man bestellt
Acht Fragen an die Filterangabe einer Blaulichtbrille ohne Stärke
Steht überhaupt eine Prozentzahl da?
Fünf von zwölf Anbietern nennen keine. Dann ist der Filter eine Beschichtung mit unbekannter Wirkung, nicht mehr.
Gehört zur Zahl ein Bereich oder nur ein Punkt?
Eine Angabe „bei 450 nm" oder „bei 410 nm" gilt an genau dieser Stelle und lässt sich nicht auf das ganze Blau übertragen.
Beginnt der Bereich unter 400 Nanometern?
Dann steckt das violette Ende im Mittelwert, das ein Glas mit UV-Schutz bis 400 ohnehin weitgehend zurückhält. Die Zahl wird dadurch größer.
Endet der Bereich bei 450 oder bei 500 Nanometern?
Ein Bereich bis 450 lässt das Blau zwischen 450 und 500 offen. Zwei Angaben mit verschiedenen Enden lassen sich nicht vergleichen.
Wird die Lichttransmission oder die Filterkategorie genannt?
Sie zeigt, wie dunkel und farbig die Brille insgesamt wirkt. Kategorie 0 ist klar, ab Kategorie 1 wird es sichtbar getönt.
Gibt es einen Prüfbericht, ein benanntes Labor oder ein Messverfahren?
Keiner der zwölf Anbieter legt einen Bericht vor. Ein Labor ohne Namen ist ein Hinweis, kein Beleg.
Lassen sich Konformitätserklärung, Gebrauchsanweisung und Hersteller abrufen?
Fielmann stellt beides zum Modell bereit, PRiSMA nennt Hersteller und Anschrift. Bei den übrigen fehlen solche Dokumente.
Passt die Fassung zur eigenen Kopfbreite?
Die Breite der aktuellen Brille messen und mit der Angabe vergleichen. Im Feld dieser Seite reicht die Spanne von 129 bis 142 Millimetern.
Alle acht Fragen beantwortet keine Brille dieser Seite. Am weitesten kommen PRiSMA, Horus X und Barner, weil sie Zahl und Bereich nennen. Gunnar bleibt beim einzelnen Punkt stehen. Fielmann fällt bei der Zahl aus und ist dafür die einzige, die die siebte Frage vollständig beantwortet.
Wer zu einer anderen Brille greifen sollte
Wer beim Lesen den Arm immer weiter strecken muss, braucht keine Brille ohne Stärke mit Filter, sondern eine Lesebrille. Ein Filter ändert an der Unschärfe nichts. Den Rechenweg vom Leseabstand zur Dioptrie zeigt die Seite zur Frage, welche Lesestärke zu welchem Abstand gehört.
Wer am Bildschirm regelmäßig Kopfschmerzen, brennende oder müde Augen hat, sollte zuerst die Augen prüfen lassen. Eine unerkannte Fehlsichtigkeit oder eine schlecht sitzende Brille kann hinter den Beschwerden stecken, und dagegen hilft kein Filter. Wo der Augenoptiker mehr leistet als eine Brille von der Stange, zeigt der Vergleich Fertigbrille oder Augenoptiker.
Wer die Brille für den Arbeitsplatz braucht und hofft, dass der Arbeitgeber zahlt, liegt mit einer Filterbrille ohne Stärke wahrscheinlich falsch. Die Kostenpflicht des Arbeitgebers betrifft spezielle Sehhilfen, die sich aus der arbeitsmedizinischen Vorsorge ergeben. Einzelheiten stehen dort, wo wir erklären, wann der Arbeitgeber eine Bildschirmbrille zahlt.
Wer eine getönte Blaulichtbrille auch im Auto tragen möchte, sollte es lassen. PRiSMA schließt den Straßenverkehr für den LiTE95 ausdrücklich aus, und ein Glas der Kategorie 1 dämpft das Licht schon merklich. Eine eigene Seite dieses Clusters wird das Thema Autofahren genauer behandeln; bis dahin hilft die Einordnung der Kategorien bei den Sonnenbrillen weiter.
Putzen, Kratzer, Garantie: was die Brille im Alltag verlangt
Ein Blaulichtfilter sitzt entweder im Glasmaterial oder als dünne Schicht auf der Oberfläche. Empfindlicher ist die Schicht. Fielmann warnt in seiner Gebrauchsanweisung, dass unsaubere Putztücher die Filtereigenschaften beeinträchtigen können, und empfiehlt Wasser und Seife, gründliches Abspülen und ein weiches Tuch. Lösungsmittel sollen nicht an die Brille.
PRiSMA formuliert es im Sicherheitshinweis der FREiBURG knapper: schonend reinigen, die Brille nie auf die Gläser legen. Wie lange eine Filterschicht hält, sagt keiner der fünf. Das hängt am Umgang: Wer die Brille ins Hemd steckt oder mit dem T-Shirt putzt, reibt Staub über die Schicht.
Ein Etui liegt bei Barner und PRiSMA bei, ein Mikrofaserbeutel bei Gunnar. Fielmanns Gebrauchsanweisung empfiehlt, die Brille so aufzubewahren, dass die Gläser nicht verkratzen, etwa in einem geeigneten Etui.
Bei der Garantie liegen die fünf weit auseinander. Gunnar gibt zwölf Monate, Barner und Fielmann drei Jahre, Horus X verspricht sie lebenslang. Auf der Produktseite von PRiSMA haben wir keine Garantiedauer gefunden. Der Weg ist bei allen der Shop, über den man gekauft hat; nur bei Fielmann kann man mit der Brille in eine Filiale gehen.
Verschleißteile im engeren Sinn hat eine solche Brille kaum. Die Scharniere sind der Punkt, an dem Kunststofffassungen nachgeben, und die Nasenauflagen bei Modellen mit Pads. Ersatzteile haben wir auf keiner der fünf Produktseiten gefunden. Eine zerkratzte Beschichtung lässt sich nicht erneuern; dann ist die Brille ein Fall für die Garantie oder für den Neukauf.
Zwei Wochen später: drei Hinweise auf einen Fehlgriff
Erstes Zeichen: Man setzt die Brille nicht mehr auf. Wer sie nach zwei Wochen regelmäßig auf dem Schreibtisch liegen lässt, weil sie drückt, rutscht oder schlicht nichts ändert, hat entweder die falsche Fassung oder braucht keinen Filter. Dann lohnt kein zweiter Versuch mit einer stärkeren Quote, sondern eine ehrliche Bilanz: Hat sich am Bildschirm überhaupt etwas verbessert?
Das zweite Zeichen betrifft die Farben. Wer bei Fotos, Diagrammen oder Videos merkt, dass er die Brille abnimmt, um Farben zu prüfen, hat ein zu stark getöntes Glas gewählt. PRiSMA nennt in einer älteren Anleitung eine Eingewöhnung von wenigen Stunden bis zu zwei Wochen; danach sollte sie vorbei sein. Hilft das nicht, bleibt der Wechsel zu einem klaren Glas oder der Verzicht.
Das dritte Zeichen sind gleich gebliebene Beschwerden. Wer die Brille wegen Kopfschmerzen oder trockener Augen gekauft hat und nach zwei Wochen keinen Unterschied spürt, erlebt das, was die Studien erwarten lassen. Der nächste Schritt ist dann der Augenoptiker oder Augenarzt, nicht eine andere Filterbrille.
Bei Barner gilt eine Rückgabefrist von 30 Tagen; wer gleich in den ersten Tagen merkt, dass es nicht passt, kann sie nutzen. Bei den anderen Shops gelten deren eigene Bedingungen, beim Kauf über das Partnerprogramm die des Marktplatzes.
Was ohne neue Brille genauso gut geht
Die einfachste Lösung ist keine Brille. Der Cochrane-Review fand bei der Augenbelastung keinen Unterschied zwischen Gläsern mit und ohne Filter. Wer gut sieht und am Bildschirm keine Beschwerden hat, braucht nach heutigem Wissen keine Brille mit Blaulichtfilter ohne Stärke, weder transparent noch gelb.
Weniger Blau am Abend lässt sich auch am Gerät selbst einstellen. Smartphones, Tablets und Computer haben einen Nachtmodus, der die Farben wärmer stellt, und die Helligkeit lässt sich senken. Das wirkt direkt auf das Licht und kostet nichts. Ob es dem Schlaf hilft, ist ebenso offen wie bei der Brille, aber es hat keinen Nachteil für den Tag.
Wer bereits eine Brille mit Stärke trägt und einen Filter möchte, lässt ihn beim nächsten Glaswechsel mit einbauen, statt eine zweite Brille ohne Stärke darüber zu tragen. Ein Blaulichtfilter ist bei den großen Optikern als Zusatz zum Glas erhältlich, Fielmann bietet ihn als Extra zu jeder Fassung an.
Ausreichend ist das, solange man von einer Brille nichts erwartet, was über ein angenehmeres Bild hinausgeht. Wer sich vom Filter Schutz für die Netzhaut oder besseren Schlaf erhofft, bekommt ihn nach dem Stand der Forschung von keiner der beiden Lösungen.
Was keiner der zwölf Anbieter liefert
Eine Messkurve. Kein Anbieter der Stichprobe zeigt für sein Glas die Transmission über das ganze Spektrum, also eine Linie, die für jede Wellenlänge sagt, wie viel durchkommt. Mit einer solchen Kurve wären alle Umrechnungen dieser Seite überflüssig, weil man jeden Bereich selbst ablesen könnte. PRiSMA zeigt auf seiner Website Spektren eines Bildschirms mit und ohne Brille, aber keine Transmissionskurve des Glases zum Herunterladen.
Ebenso fehlt ein gemeinsamer Bezug. Selbst die vier Anbieter mit Bereich wählen vier verschiedene, und keiner sagt, wie er den Mittelwert bildet. Eine Norm, die Anbietern einen einheitlichen Bereich und ein einheitliches Verfahren für Blaulichtangaben vorschreibt, ist uns nicht bekannt. Der Fachbericht ISO/TR 20772, auf den sich Apollo bezieht, ist ein technischer Bericht, keine Prüfnorm.
Und es fehlt ein Beleg dafür, dass die Brille ohne Stärke am Bildschirm etwas für die Augen tut. Das ist kein Versäumnis der fünf Hersteller allein. Die Forschung hat diesen Nutzen bisher nicht gefunden, und keine Prozentzahl ändert daran etwas.
Wann diese Zahlen nachgeprüft werden sollten
Die Angaben dieser Seite stammen vom 31. Oktober 2026 und sind in drei Fällen zu prüfen, bevor man ihnen weiter traut. Der erste Fall ist eine Umbenennung. Horus X hat mehrere Gläser umgetauft, die Technologieseite nennt „Ultra Esport" ausdrücklich als ehemals „Plasma Pro". Bei PRiSMA hießen die Filter in älteren Unterlagen noch AMBER PRO und AMBER LiTE. Ändert sich ein Name, ändern sich oft auch die Werte.
Der zweite Fall ist eine geänderte Zahl. In einer Benutzeranleitung von PRiSMA aus dem Jahr 2014 hat der LiTE-Filter eine Lichttransmission von etwa 72 Prozent, auf der heutigen Produktseite sind es 75. Solche Verschiebungen sind klein, zeigen aber, dass eine Herstellerangabe kein fester Wert ist. Am Kauftag lohnt deshalb ein Blick auf die Herstellerseite.
Der dritte Fall ist neue Forschung. Der Cochrane-Review von 2023 stützt sich auf Studien mit höchstens fünf Wochen Dauer. Erscheint eine Aktualisierung mit längeren Studien oder anderen Ergebnissen, muss die Einordnung dieser Seite neu bewertet werden, ebenso wenn die Sonnenbrillennorm neu gefasst wird.
Nach welchen Regeln wir Herstellerangaben auswerten, was als Beleg zählt und warum Amazon in keiner Auszählung vorkommt, beschreibt unsere Methodik für Herstellerangaben und Belege.
Fällt Ihnen eine Angabe auf, die nicht mehr stimmt, tragen wir die Berichtigung mit Datum ein; frühere Änderungen stehen im Verzeichnis der nachträglichen Berichtigungen.
Gemessen haben wir kein einziges Glas; alle Werte kommen von den Anbietern, die Umrechnungen von uns. Verantwortlich ist der Fachbereich, über den es ein Profil mit Arbeitsweise und Zuständigkeit gibt.
Häufige Fragen
Bringt eine Blaulichtfilter-Brille ohne Sehstärke etwas?
Für die Augen ist kein Nutzen belegt. Der Cochrane-Review von 2023 fand bei der Augenbelastung am Computer und beim Schlaf wahrscheinlich keinen Unterschied zu Gläsern ohne Filter und keine Belege für einen Schutz der Netzhaut. Wer den Bildschirm mit Filter angenehmer findet, kann ihn tragen; nötig ist er nicht.
Was bedeutet „35 Prozent bei 450 nm"?
Das Glas hält an genau dieser Wellenlänge 35 Prozent des Lichts zurück und lässt 65 Prozent durch. Über andere Wellenlängen sagt die Angabe nichts. Eine Zahl für einen Bereich, etwa 410 bis 450 nm, ist aussagekräftiger.
Ist eine Blaulichtfilter-Brille ohne Sehstärke transparent?
Klare Gläser gibt es, sie filtern aber nur einen Teil des Blaus; Cochrane nennt typisch 10 bis 25 Prozent. Wer deutlich mehr zurückhalten will, braucht ein gelbes bis bernsteinfarbenes Glas, das die Farben verändert.
Kann man eine Brille mit Blaulichtfilter ohne Stärke den ganzen Tag tragen?
Ein klares Glas der Filterkategorie 0 schon, es dämpft das Licht kaum. Bei getönten Gläsern ist Vorsicht geboten: PRiSMA schließt den LiTE95 für den Straßenverkehr aus und warnt, dass längere Nutzung die Farbwahrnehmung beeinflussen kann.
Woran erkenne ich eine seriöse Filterangabe?
An einer Prozentzahl mit Wellenlängenbereich, möglichst ohne den violetten Rand unter 400 nm im Mittelwert, an einer Angabe zur Lichttransmission oder Filterkategorie und an einem abrufbaren Dokument wie einer Konformitätserklärung. Einen Prüfbericht legte am 31.10.2026 keiner von zwölf Anbietern vor.
Gibt es Blaulichtfilter-Brillen ohne Sehstärke bei dm oder Rossmann?
In den Onlineshops fanden wir am 31.10.2026 keine: dm meldete keine Treffer, bei Rossmann standen unter dem Suchwort Putztücher, aber keine Brillen. Optikerketten wie Fielmann führen Modelle ohne Stärke, Fielmann online 45 in der Kategorie Blaulichtfilterbrillen.
Quellen
- [1]Gunnar, Vertex: Produktseite mit Maßen und Tönungsangaben (Filterwerte bei 450 nm)· abgerufen 2026-10-31
- [2]Horus X, Blaulichtfilter-Brille Roma: Produktseite mit Filterangabe, Maßen und Garantie· abgerufen 2026-10-31
- [3]Horus X, Technologien: Filterwerte der Gläser Ghost, Ultra Esport und Plasma· abgerufen 2026-10-31
- [4]BARNER, Dalston: Produktseite mit Filterangabe, Material und Maßen· abgerufen 2026-10-31
- [5]PRiSMA (INNOVATiVE EYEWEAR), LiTE95 FREiBURG: Produktseite mit Filter, Lichttransmission und Sicherheitshinweis· abgerufen 2026-10-31
- [6]Fielmann, JIL 007 BL Grau transparent: Produktseite mit Eigenschaften und Maßen· abgerufen 2026-10-31
- [7]Fielmann AG, EU-Konformitätserklärung für Blaulichtfilterbrillen, Modell JIL 007 BL (31.05.2023)· abgerufen 2026-10-31
- [8]Cochrane, Blue-light filtering spectacles probably make no difference to eye strain, eye health or sleep quality (Mitteilung, 26.07.2023)· abgerufen 2026-10-31
Welche Quellenarten wie gewichtet werden, steht auf Quellen.
Änderungen an diesem Beitrag
- 2026-10-31Ersterstellung. Filterangaben von zwölf Anbietern außer Amazon ausgezählt (Quote, Wellenlängenbereich, Beleg), Horus X und Barner auf 400 bis 450 nm umgerechnet, fünf Brillen ohne Sehstärke an Herstellerseiten, Konformitätserklärung und Cochrane-Mitteilung abgeglichen.
Das Veröffentlichungsdatum bleibt bei Korrekturen unverändert. Wie mit Fehlern umgegangen wird, steht auf Korrekturen.