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Ratgeber

Blaulichtfilter-Brille beim Autofahren: tags, in der Dämmerung, nachts

Klar mit Filter ja, gelb oder rot nachts nein: was DOG, BVA und ADAC zu Blaulichtbrillen am Steuer sagen, ein Hersteller, der widerspricht, und eine Prüfliste vor der Fahrt.

Veröffentlicht
2026-10-31
Zuletzt geändert
geändert 2026-10-31
Zuletzt geprüft
geprüft 2026-10-31

„Blaulichtfilter-Brille autofahren nachts": die Frage, die keiner beantwortet

Gibt man „blaulichtfilter brille autofahren" in die Suchmaschine ein, schlägt sie als Ergänzung „nachts" vor. Dahinter steht eine konkrete Sorge: Man trägt tagsüber eine Brille mit Blaulichtfilter, steigt abends ins Auto und fragt sich, ob das Glas jetzt hilft, stört oder sogar verboten ist. Oder man hat gelesen, ein Blaulichtfilter mindere die Blendung durch entgegenkommende LED-Scheinwerfer.

Die Seiten, die oben in der Suche stehen, beantworten das meist nicht. Händler loben den Filter als Blendschutz, allgemeine Ratgeber beschreiben das Lichtspektrum. Was Augenärzte und Verkehrsfachleute dazu sagen, steht dort selten, und noch seltener, welche Rolle Filterkategorie und Lichttransmission spielen.

Dieser Ratgeber geht die Fragen der Reihe nach durch, von der Rechtslage über die Glasfarbe bis zur Blendung, und endet mit einer Prüfliste, die man vor der Fahrt abhaken kann. Grundlage sind die Stellungnahme der Verkehrskommission der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und des Berufsverbands der Augenärzte (BVA), drei Ratgeberseiten des ADAC, der Tagungsband eines Kolloquiums der Fielmann Akademie und die Angaben zweier Brillen eines Herstellers, der eine davon ausdrücklich fürs Auto baut.

Die Antwort in drei Sätzen

Eine klare Brille mit leichtem Blaulichtfilter darf man tags und nachts im Auto tragen; sie ist eine normale Brille der hellsten Filterkategorie. Gelbe, orange und rote Gläser sollte man in der Dämmerung und nachts nicht tragen, weil sie nach Einschätzung der Augenärzte das Sehen bei wenig Licht verschlechtern. Gegen Blendung durch Scheinwerfer hilft ein Filter nur, indem er alles dunkler macht, und das ist nachts gerade das Problem.

Die Einzelheiten und die Ausnahmen stehen in den folgenden Abschnitten. Eine davon ist eine bernsteinfarbene Brille, deren Hersteller ausdrücklich das Gegenteil behauptet. Wie sich die Glasfarben auf Bildschirm, Abend und Straße verteilen, zeigt die Karte der Glasfarben im Überblick zu Blaulichtbrillen.

Ist eine Brille mit Blaulichtfilter am Steuer erlaubt?

Ein Verbot speziell für Blaulichtfilter gibt es nicht. Entscheidend ist, wie viel Licht ein Glas insgesamt durchlässt und ob man farbige Signale noch sicher erkennt. Dafür gibt es Normen. Die aktuelle Norm für die Transmission von Brillengläsern, DIN EN ISO 8980-3 aus dem Jahr 2022, enthält eigene Anforderungen an Gläser für den Straßenverkehr, eigens auch für Fahrten bei schwindendem Licht und in Dunkelheit, und einen Abschnitt über die Erkennbarkeit von Signallichtern.

Wie das gemessen wird, beschreibt Olaf Schmidt-Kiy, Leiter der Meisterschule der Fielmann Akademie, im Tagungsband eines Kolloquiums über Filtergläser. Ausschlaggebend für die Straßenverkehrstauglichkeit sei der sogenannte Q-Wert, ein Schwächungskoeffizient für Signallichter. Im Bereich von 560 bis 650 Nanometern müsse er bei jeder Wellenlänge mindestens ein Fünftel des Lichttransmissionsgrads erreichen; für kürzere Wellenlängen gälten andere Grenzen. Ein Glas darf also das Licht dämpfen, aber nicht einzelne Farben so stark, dass ein rotes oder gelbes Signal verloren geht.

Für den Fahrer heißt das: Ob ein Glas taugt, steht nicht in seinem Werbenamen, sondern in seiner Kennzeichnung. Im Zweifel klärt der Augenoptiker Filterkategorie und Verkehrseignung; bei vielen Abendbrillen schließt der Hersteller ihn ohnehin aus.

Was die Filterkategorie fürs Fahren bedeutet

Brillen mit getönten Gläsern werden wie Sonnenbrillen in Filterkategorien von 0 bis 4 eingeteilt. Kategorie 0 ist die hellste, Kategorie 4 die dunkelste. Kategorie-4-Gläser schließt der ADAC fürs Fahren ganz aus, und alles, was höchstens ein Viertel des Lichts durchlässt, nach Sonnenuntergang ebenso.

Klare Gläser mit Blaulichtfilter liegen in Kategorie 0. Eine klare Blaulichtfilter-Brille, die Fielmann verkauft, ist so gekennzeichnet; welche Brillen ohne Stärke welche Kategorie haben, steht in unserem Vergleich klarer Brillen und ihrer Kennzeichnung. Bernsteinfarbene Bildschirmbrillen erreichen schon Kategorie 1, PRiSMA etwa weist seinen LiTE95-Filter mit 75 Prozent Lichttransmission so aus.

Welche Kategorie wie viel Licht durchlässt und wofür sie gedacht ist, erklärt unser Ratgeber zu den Kategorien 0 bis 4 und ihrer Lichtdurchlässigkeit. Für die Nacht reicht eine einfache Regel: Was spürbar abdunkelt, bleibt im Handschuhfach.

Klare Gläser mit Filter: tags wie nachts unproblematisch?

Eine Alltagsbrille mit Stärke und leichtem Blaulichtfilter taugt fürs Fahren, auch nachts. Solche Gläser dämpfen das Licht insgesamt kaum, und die Filter der großen Glashersteller halten nach eigener Angabe nur 20 bis 40 Prozent im blau-violetten Bereich zurück. Einen Ausschluss für den Straßenverkehr nennen die Hersteller für diese klaren Gläser nicht.

Wichtiger als der Filter ist nachts die Entspiegelung. Aus dem ADAC-Ärztekollegium kommt der Rat, nachts möglichst reflexgeminderte Gläser zu tragen und sie vor Fahrten bei schwindendem Licht zu putzen. Ein beschichteter Blaulichtfilter erzeugt allerdings selbst einen leichten farbigen Reflex. Stört er nachts, hilft ein Filter im Glasmaterial oder nach einer guten Entspiegelung ohne Blauanteil; die Unterschiede erklärt unser Ratgeber zu Filtergläsern mit Sehstärke und ihren Reflexen.

Bei ZEISS gibt es eine Besonderheit: Der Materialfilter BlueGuard ist nach Herstellerangabe für die Autofahrergläser der Reihe DriveSafe nicht erhältlich. Eine eigene Autofahrerbrille vom Optiker gibt es dort also ohne Blaulichtfilter dieser Art.

Gelbe Gläser für die Nacht: was Augenärzte dazu sagen

Anders liegt es bei gelben und bernsteinfarbenen Gläsern, die nachts bessere Sicht oder weniger Blendung versprechen. Hier sind die Fachleute deutlich. Der ADAC schreibt in seinem Ratgeber zur Nachtblindheit, Nachtfahrbrillen sollten nicht getönt und komplett entspiegelt sein; gelbe Tönungen seien kontraproduktiv und verschlechterten das Dämmerungssehen zusätzlich.

Professor Bernhard Lachenmayr, Augenarzt, Mitglied des ADAC-Ärztekollegiums und Sprecher der Verkehrskommission von DOG und BVA, rät nach Darstellung des ADAC beim Autofahren dringend von Gelbfilterbrillen ab. Sie verschlechterten Blendempfindlichkeit und Sehvermögen in der Dämmerung. Dasselbe gilt für Lichtschutzgläser und Sonnenbrillen in der Nacht.

Der Fachvortrag der Fielmann Akademie beschreibt den Grund. Bei Nachtfahrbrillen mit blauabschwächenden Filtern funktioniere der versprochene Blendschutz, weil der Filter die Helligkeit senkt. Eine bessere Sehschärfe und mehr Kontrast seien bei niedriger Helligkeit aber nicht zu erreichen. Die Steigerung des Farbkontrasts durch solche Filter funktioniere nur beim Sehen im Tageslicht, wenn genug Licht übrig bleibt.

Der Eindruck, mit gelber Brille nachts besser zu sehen, beruht also vor allem auf einem wärmeren, weniger grellen Bild. Messbar mehr Sicht ist es nicht, sondern weniger Licht.

Dämmerung: warum gerade dann jeder Filter Licht kostet

Die Dämmerung ist die heikelste Zeit am Steuer. Im selben Fachvortrag heißt es, mit der Anpassung des Auges an abnehmende Helligkeit sinke die Sehschärfe merklich, Studien zeigten eine Minderung um bis zu sechs Visusstufen. Ein Filter schwächt das ohnehin knappe Licht weiter ab, und die Sehschärfe wird noch ein wenig schlechter als ohne Filter.

Der ADAC verweist auf Studien, nach denen vermindertes Dämmerungssehen und gesteigerte Blendempfindlichkeit in direktem Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für nächtliche Verkehrsunfälle stehen. Für Sonnenbrillen formuliert der Club eine klare Regel: Sobald die Dämmerung einsetzt, muss die Sonnenbrille herunter. Im Tunnel ebenso, am besten aufgeklappt auf den Beifahrersitz, nicht auf die Stirn geschoben.

Für getönte Blaulichtbrillen gilt dieselbe Logik. Ein Glas, das tagsüber angenehm wirkt, weil es Blau und etwas Helligkeit wegnimmt, nimmt in der Dämmerung Licht weg, das man braucht.

Hilft ein Filter gegen blendende LED-Scheinwerfer?

Die Hoffnung ist verständlich. LED- und Xenon-Scheinwerfer sind nach Darstellung eines Brillenherstellers sehr hell und blauhaltig, und viele empfinden sie als grell. Ein Hersteller von Autofahrerbrillen zitiert einen Berliner Augenforscher mit der Aussage, ein geblendeter Fahrer könne bis zu 30 Sekunden schlecht sehen.

Ein Filter kann gegen diese Blendung nur auf eine Weise helfen: indem er das Licht dämpft. Das trifft das Scheinwerferlicht, aber auch alles andere, die dunkle Straße, den Fußgänger am Rand, das Schild. Nach dem Fachvortrag der Fielmann Akademie funktioniert der Blendschutz solcher Brillen genau so, und genau deshalb verbessert er bei wenig Licht weder Sehschärfe noch Kontrast.

Der ADAC rät stattdessen zu Dingen, die nichts kosten: nicht direkt in die Scheinwerfer entgegenkommender Fahrzeuge sehen, die Windschutzscheibe innen und außen sauber halten, verschmutzte Scheinwerfer vor der Fahrt reinigen. Auch die Brille selbst sollte vor Dämmerungsfahrten von Schmutz und Schlieren befreit werden, denn verschmutzte Gläser streuen Licht und verstärken die Blendung.

PRiSMA DRiVE85: eine Blaulichtbrille ausdrücklich fürs Auto

Ein Hersteller sieht das anders. PRiSMA aus Weilheim verkauft mit dem Filter DRiVE85 eine bernsteinfarbene Brille ausdrücklich als Autofahrerbrille für Tag und Nacht. Der Filter halte mehr als 85 Prozent des blendenden Blaulichts von Xenon- und LED-Scheinwerfern zurück, habe eine Lichttransmission von 87 Prozent und erfülle die EU-Standards für die Signallichterkennung im Straßenverkehr sogar in der Nacht. Die Brille ist nach Herstellerangabe in Filterkategorie 0 eingestuft.

Die Zahlen sind ungewöhnlich hell für ein bernsteinfarbenes Glas: 87 Prozent Lichttransmission liegen im Bereich der Kategorie 0, also bei den Gläsern, die als klar gelten. Formal spricht das für die Angabe des Herstellers, das Glas sei nachtfahrtauglich. Einen Prüfbericht oder eine Transmissionskurve, mit der sich das nachvollziehen ließe, legt PRiSMA auf der Produktseite nicht vor. Der Blaulichtschutz ist dort zudem einmal mit 85 Prozent von 380 bis 500 Nanometern angegeben und an anderer Stelle mit Blaulicht als Bereich von 400 bis 550 Nanometern beschrieben.

Bemerkenswert ist, dass derselbe Hersteller seinen helleren Bildschirmfilter LiTE95 mit 75 Prozent Lichttransmission und Kategorie 1 ausdrücklich für den Straßenverkehr ausschließt. PRiSMA unterscheidet also selbst zwischen Brillen für den Bildschirm und für das Auto. Besitzer einer PRiSMA-Brille sollten deshalb genau nachlesen, welche sie haben.

Für die Entscheidung bleibt: Wer die DRiVE85 tagsüber gegen grelles Licht angenehm findet, darf sie nach der Kategorie tragen. Wer sie nachts trägt, sollte die Warnung der Augenärzte kennen und sich nicht darauf verlassen, dadurch mehr zu sehen.

Abend- und Schlafbrillen gehören nicht ins Auto

Klar ist der Fall bei den stark getönten Brillen für die Stunden vor dem Schlafen. Den Verkehr nehmen Anbieter wie PRiSMA, Lichtblock und SKINVITY bei ihren Abendbrillen selbst aus. Rote Gläser mit einer Lichttransmission von 29 Prozent, wie sie Horus X für seine RECOVERY-Gläser angibt, liegen nahe an der Grenze, ab der der ADAC Gläser für die Nacht als untauglich bezeichnet.

Muss man abends mit einer solchen Brille noch einmal los, kommt sie vorher ab. Welche Abendbrillen den Verkehr ausdrücklich ausschließen und welche dazu schweigen, steht in unserem Prüfvergleich der Abendbrillen gegen fünf Kriterien.

Gaming-Brillen mit Plusglas am Steuer

Eine weniger bekannte Falle steckt in Gaming-Brillen. Gunnar stattet nach eigener Angabe die Mehrzahl seiner rezeptfreien Brillen mit +0,2 Dioptrien Fokussierstärke aus, gedacht als Hilfe für den Blick auf nahe Bildschirme. Für Entfernungen über den Raum hinweg empfiehlt der Hersteller ausdrücklich die Variante ohne diese Stärke. Im Auto schaut man noch weiter, und eine Brille, die für den Monitor optimiert ist, hat dort nichts zu suchen.

Hinzu kommen die getönten Gaming-Gläser, die nachts aus denselben Gründen ausscheiden wie jede gelbe Brille. Welche Gaming-Brillen eine Plusstärke haben und wie man sie erkennt, steht in unserem Vergleich der Gaming-Brillen mit und ohne Vergrößerung.

Selbsttönende Gläser mit Blaufilter

Manche Anbieter kombinieren den Blaulichtfilter mit selbsttönenden Gläsern, die im Sonnenlicht dunkler werden. Für die Nacht sind sie im entspannten Zustand hell, in der Dämmerung kann aber noch ein Rest Tönung übrig sein. Der ADAC schreibt, vor allem ältere Menschen sollten keine selbsttönende Brille tragen, vor allem nicht in der Dämmerung oder gar in der Nacht.

Vor einer Fahrt in die Dämmerung lohnt bei solchen Gläsern ein kurzer Blick, ob sie ganz aufgehellt sind. Im Zweifel ist eine zweite, klare Brille für die Nacht die sicherere Lösung.

Wer eine Brille braucht, muss sie tragen

Eine Frage geht in der Debatte um Filter oft unter: Wer zum Fahren eine Sehhilfe braucht, muss sie bei jeder Fahrt tragen. Der ADAC schreibt das in seinem Ratgeber zum Autofahren mit Sehschwäche ausdrücklich. Im Führerschein steht dann meist die Schlüsselzahl 01, sie steht allgemein für Korrektur des Sehvermögens oder Augenschutz.

Wer ohne die nötige Brille erwischt wird, riskiert laut ADAC ein Verwarnungsgeld, bei einem Unfall kann es deutlich teurer werden, und die Versicherung kann die Zahlung ganz oder teilweise verweigern. Für die Klasse B nennt der ADAC als Anforderung eine zentrale Tagessehschärfe von mindestens 0,7, mit oder ohne Sehhilfe.

Für die Blaulichtfrage folgt daraus: Die eigene Brille mit Stärke abzusetzen, weil sie einen Filter hat, ist keine Lösung. Ein klarer Filter in der Korrektionsbrille stört nicht. Problematisch wird es nur, wenn die einzige vorhandene Brille getönt ist. Dann braucht es für die Nacht eine zweite, klare.

Nachtfahrbrillen: was die Verkehrskommission festhält

Die Verkehrskommission von DOG und BVA hat ihre Haltung zu Nachtfahrbrillen im November 2022 in einer kurzen Stellungnahme festgehalten. Nachtfahrbrillen, die auf dem Markt angeboten werden, könnten getragen werden, wenn sie die Voraussetzungen der Norm DIN EN ISO 14889 erfüllen, also die grundlegenden Anforderungen an Brillengläser.

Ausdrücklich weist die Kommission darauf hin, dass der Kauf einer solchen Brille nicht automatisch nachtfahrtauglich macht. Wer sich auf sie verlassen will, muss die Nachtfahrtauglichkeit erneut prüfen lassen, und zwar mit der Brille; erst wenn diese Prüfung bestanden ist, liege Nachtfahrtauglichkeit vor. Und: Die Kommission rechne nicht damit, dass eine Verbesserung der Nachtfahrtauglichkeit durch das Tragen dieser Brille zustande kommt.

Für Blaulichtbrillen, die nachts eingesetzt werden sollen, ist das der wichtigste Satz. Eine Brille kann zulässig sein und trotzdem nichts besser machen. Wer nachts schlecht sieht, sollte deshalb nicht nach einer Brille suchen, sondern die Augen untersuchen lassen; der ADAC nennt Trübungen von Linse, Glaskörper oder Hornhaut als häufige Ursache schlechteren Dämmerungssehens bei älteren Menschen.

Was nachts tatsächlich hilft

Was nachts die Sicht verbessert, ist unspektakulär. Eine saubere, entspiegelte Brille mit der richtigen Stärke, eine saubere Windschutzscheibe innen und außen, saubere Scheinwerfer und der Blick an den Scheinwerfern entgegenkommender Fahrzeuge vorbei statt direkt hinein. Das sind die Ratschläge des ADAC, und keiner davon verlangt einen Filter.

Zunehmende Unsicherheit bei Nacht sollte man ernst nehmen. Der ADAC nennt verschiedene Ursachen gestörten Dämmerungssehens, die ein Augenarzt feststellen kann. Eine Brille, die alles dunkler macht, verdeckt das Problem allenfalls.

Einen Sonderfall zeigt die Suchanfrage „blaulichtfilter brille nachtschicht". Wer nach einer Nachtschicht morgens im Hellen nach Hause fährt und danach schlafen will, möchte auf dem Heimweg möglichst wenig Licht abbekommen. Am Steuer gelten dafür aber dieselben Regeln wie für alle: Tagsüber ist eine Sonnenbrille der passenden Kategorie erlaubt, eine rote oder orange Abendbrille nicht, weil ihre Hersteller den Straßenverkehr selbst ausschließen. Die Abendbrille kommt erst zu Hause auf, oder im Bus und in der Bahn, wenn man nicht selbst fährt.

Für die Dämmerung am frühen Morgen gilt, was der ADAC für den Abend schreibt: Sobald es dämmert, kommt die Sonnenbrille herunter. Wer in dieser Zeit aus der Nachtschicht kommt, fährt am besten mit seiner normalen, klaren Brille oder ganz ohne, je nachdem, was er zum Fahren braucht.

Tagsüber sieht es anders aus. Gegen grelles Sonnenlicht ist eine Sonnenbrille der passenden Kategorie die richtige Antwort; worauf man dabei achtet, steht in unserem Überblick über Sonnenbrillen für Alltag und Auto.

Glasfarbe gegen Tageszeit: die Übersicht

Die folgende Tabelle fasst zusammen, welche Gläser zu welcher Tageszeit am Steuer in Frage kommen. Sie folgt den Einschätzungen von ADAC und DOG/BVA und den Angaben der Hersteller; im Einzelfall zählt die Kennzeichnung des eigenen Glases.

Blaulichtbrillen am Steuer nach Glasfarbe und Tageszeit, nach ADAC, DOG/BVA und Herstellerangaben, Stand 31.10.2026.
GlasTagDämmerungNacht
klar mit leichtem Filter, Kategorie 0jaja, entspiegelt und sauberja, entspiegelt und sauber
hellgelb oder bernstein, Kategorie 0 (etwa DRiVE85)javom Hersteller erlaubt, von Augenärzten abgeratenvom Hersteller erlaubt, von Augenärzten abgeraten
bernstein, Kategorie 1 (etwa LiTE95)vom Hersteller ausgeschlossenneinnein
orange oder rot, Abendbrilleneinneinnein
Sonnenbrille Kategorie 2 und 3jaabsetzennein
Sonnenbrille Kategorie 4neinneinnein

Die mittlere Zeile ist die einzige, bei der Hersteller und Fachleute auseinanderliegen. Alle anderen lassen sich eindeutig beantworten.

Prüfliste vor der Fahrt

Vor der Fahrt mit einer Blaulichtfilter-Brille

  • Welche Brille habe ich auf: klares Glas oder getönt?

    Ein klares Glas mit leichtem Filter ist unproblematisch. Bei gelbem, orangem oder rotem Glas folgen die nächsten Punkte.

  • Steht auf Etui, Bügel oder Produktseite ein Ausschluss für den Straßenverkehr?

    Viele Abend- und Bildschirmbrillen sind ausdrücklich nicht für den Verkehr gedacht. Dann bleibt die Brille zu Hause.

  • Fahre ich in die Dämmerung oder in die Nacht?

    Dann keine getönten Gläser und keine Sonnenbrille. Augenärzte raten bei Gelbfilter nachts dringend ab.

  • Brauche ich zum Fahren eine Sehhilfe?

    Dann muss sie mit, und zwar eine klare. Steht nur eine getönte Brille zur Verfügung, braucht es eine zweite.

  • Ist die Brille sauber und frei von Schlieren?

    Schmutz streut Licht und verstärkt die Blendung durch Scheinwerfer.

  • Sind Windschutzscheibe und Scheinwerfer sauber?

    Der ADAC nennt verschmutzte Scheiben als eigene Ursache für Blendung.

  • Hat die Brille eine Plusstärke für den Bildschirm?

    Gaming-Brillen mit Fokussierstärke sind für die Nähe gemacht; am Steuer gehört die normale Brille auf.

  • Sind selbsttönende Gläser vollständig aufgehellt?

    In der Dämmerung kann ein Rest Tönung bleiben; im Zweifel die klare Brille nehmen.

Was diese Seite nicht klären kann

Ob ein bestimmtes Glas die Normanforderungen für den Straßenverkehr erfüllt, lässt sich nur mit seinen Kenndaten beantworten, nicht mit dem Namen oder der Farbe. Die Normtexte selbst haben wir nicht beschafft; wir stützen uns auf ihr Inhaltsverzeichnis, den Fachvortrag und die Angaben der Hersteller. Genaues erfährt man beim Augenoptiker, der Filterkategorie und Eignung für den Straßenverkehr nachschlagen kann.

Offen bleibt außerdem, ob eine helle bernsteinfarbene Brille wie die DRiVE85 einzelnen Fahrern nachts subjektiv hilft. Die Augenärzte rechnen nicht damit, der Hersteller schon. Ausprobieren sollte man das nicht auf einer unbekannten Strecke und im Zweifel die Nachtfahrtauglichkeit mit der Brille prüfen lassen, wie es die Verkehrskommission verlangt.

Ob ein Blaulichtfilter für die Augen überhaupt etwas bringt, unabhängig vom Auto, behandelt unser Abgleich von Fachverbänden und Studien zum Blaulichtfilter.

Wie wir Stellungnahmen von Fachgesellschaften gegen Herstellerangaben abwägen, steht in unseren Grundsätzen für Fachstellen und Herstellerangaben.

Ändert sich eine Empfehlung oder eine Herstellerangabe, tragen wir das mit Datum ein; frühere Änderungen sind in der Übersicht der Korrekturen nachzulesen.

Verfasst hat diesen Ratgeber unser Brillen-Fachbereich; mehr über ihn steht auf der Autorenseite für Brillen und Sonnenbrillen.

Häufige Fragen

Darf man mit einer Blaulichtfilter-Brille Auto fahren?

Mit klaren Gläsern der Filterkategorie 0 ja, tags und nachts. Getönte Gläser, gelb, orange oder rot, sollten in Dämmerung und Nacht nicht getragen werden; viele Abendbrillen schließen den Straßenverkehr laut Hersteller ganz aus.

Hilft eine Blaulichtfilter-Brille nachts gegen Blendung?

Nur, indem sie alles dunkler macht. Nach einem Fachvortrag der Fielmann Akademie verbessern solche Filter bei wenig Licht weder Sehschärfe noch Kontrast; das ADAC-Ärztekollegium rät von Gelbfilterbrillen beim Fahren dringend ab.

Sind gelbe Nachtfahrbrillen sinnvoll?

Nach Einschätzung der Augenärzte nicht. Der ADAC schreibt, gelbe Tönungen verschlechterten das Dämmerungssehen zusätzlich; die Verkehrskommission von DOG und BVA rechnet nicht mit einer besseren Nachtfahrtauglichkeit durch Nachtfahrbrillen.

Kann ich meine Brille mit Blaulichtfilter-Beschichtung nachts tragen?

Ja, wenn die Gläser klar sind. Wichtiger als der Filter ist eine gute Entspiegelung und eine saubere Brille. Wer den farbigen Reflex der Beschichtung nachts als störend empfindet, fragt nach einem Filter im Glasmaterial.

Gibt es Blaulichtbrillen speziell fürs Autofahren?

PRiSMA verkauft mit DRiVE85 eine bernsteinfarbene Brille für Tag und Nacht, mit Filterkategorie 0 und 87 Prozent Lichttransmission. Augenärzte raten bei getönten Gläsern nachts dennoch ab; ein Prüfbericht liegt auf der Produktseite nicht vor.

Muss ich meine Brille beim Autofahren tragen, auch wenn sie einen Filter hat?

Wer zum Fahren eine Sehhilfe braucht, muss sie bei jeder Fahrt tragen; im Führerschein steht dann meist die Schlüsselzahl 01. Ein klarer Filter in der Korrektionsbrille stört dabei nicht.

Darf ich mit einer roten Schlafbrille noch kurz Auto fahren?

Nein. Hersteller wie PRiSMA, Lichtblock und SKINVITY schließen den Straßenverkehr für ihre Abendbrillen aus, und rote Gläser lassen nur einen Bruchteil des Lichts durch.

Quellen

  1. [1]Verkehrskommission von DOG und BVA, Stellungnahme Nachtfahrbrille (Stand 07.11.2022)· abgerufen 2026-10-31
  2. [2]ADAC, Nachtblindheit: Wenn Menschen nachts schlecht sehen (30.04.2026)· abgerufen 2026-10-31
  3. [3]ADAC, Mit Sonnenbrille Auto fahren: Das sollten Sie beachten (06.08.2025)· abgerufen 2026-10-31
  4. [4]ADAC, Autofahren mit Sehschwäche: Welche Regeln dabei gelten (13.04.2026)· abgerufen 2026-10-31
  5. [5]Fielmann Akademie, 43. Kolloquium „Filtergläser" (16.01.2019), Q-Wert und Nachtfahrbrillen· abgerufen 2026-10-31
  6. [6]DIN EN ISO 8980-3:2022-10, Inhaltsverzeichnis mit den Anforderungen für den Straßenverkehr (DIN)· abgerufen 2026-10-31
  7. [7]PRiSMA, DRiVE85 FREiBURG: Autofahrerbrille mit Filterangabe und Lichttransmission· abgerufen 2026-10-31
  8. [8]PRiSMA, LiTE95 FREiBURG: Sicherheitshinweis zum Straßenverkehr· abgerufen 2026-10-31

Welche Quellenarten wie gewichtet werden, steht auf Quellen.

Änderungen an diesem Beitrag

  1. 2026-10-31Querverweis auf den Überblick des Clusters ergänzt.
  2. 2026-10-31Ersterstellung. Stellungnahme der DOG/BVA-Verkehrskommission, drei ADAC-Ratgeber, Fachvortrag der Fielmann Akademie und Normgliederung gegen die Herstellerangaben zu PRiSMA DRiVE85 und LiTE95 gehalten, Prüfliste vor der Fahrt.

Das Veröffentlichungsdatum bleibt bei Korrekturen unverändert. Wie mit Fehlern umgegangen wird, steht auf Korrekturen.