Ratgeber
Blaulichtfilter-Brille mit Sehstärke: was die Glashersteller angeben
ZEISS, Essilor, Hoya, Rodenstock: Filter im Material oder als Beschichtung, 20 bis 40 Prozent bis 455 Nanometer, Ausschlüsse je Glastyp und acht Fragen an den Augenoptiker.
- Veröffentlicht
- 2026-10-31
- Zuletzt geändert
- geändert 2026-10-31
- Zuletzt geprüft
- geprüft 2026-10-31
- Verfasst von
- Fachbereich Brillen & Style
Glashersteller lassen das Abendblau durch, der Handel verspricht Schlaf
Wer eine Brille mit Sehstärke bestellt, wird beim Onlineoptiker wie in der Filiale gefragt, ob ein Blaulichtfilter dazukommen soll. Ein großer Onlineoptiker bewirbt diesen Zusatz mit verbessertem Schlaf und leichterem Einschlafen, mit weniger Kopfschmerzen und besserer Konzentration. Bei den Firmen, die die Gläser herstellen, klingt das anders.
ZEISS beschreibt sein Filterglas BlueGuard so, dass es bis zu 40 Prozent des blauen Lichts zwischen 400 und 455 Nanometern zurückhält und den Bereich von 455 bis 500 Nanometern bewusst unberührt lässt. Dort sieht der Hersteller die positiven Wirkungen des blauen Lichts. Essilor schreibt über seine Beschichtung Crizal Prevencia, sie lasse blau-türkises Licht durch. Rodenstock schreibt über seinen Materialfilter PRO 410, er sei nicht speziell für Arbeitsplatzbrillen geeignet, weil das Licht von Bildschirm-LEDs sein Maximum bei etwa 450 Nanometern habe.
Für den Schlaf ist gerade der Bereich wichtig, den die Glashersteller schonen. Ein Fachvortrag der Fielmann Akademie nennt für die Netzhautzellen, die die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin dämpfen, vor allem 440 bis 480 Nanometer. Ein Filter, der bei 455 aufhört, kann dort nur am Rand wirken. So ist er gebaut, und so beschreiben ihn seine Hersteller auch.
Dieser Ratgeber erklärt, welche Filter es für Gläser mit Sehstärke gibt, wie sie arbeiten, wo ihre Grenzen liegen und was man beim Augenoptiker fragen sollte, bevor man einen bestellt. Ob ein Blaulichtfilter überhaupt etwas für die Augen bringt, behandelt ein eigener Ratgeber zu Nutzen und Studienlage von Blaulichtfiltern; hier geht es darum, was man bekommt.
Vier Glashersteller, vier Arten, den Filter zu beschreiben
Vier Namen fallen beim Augenoptiker immer wieder: ZEISS, Essilor, Hoya und Rodenstock. Alle vier bieten Filter gegen blaues Licht an, und keine zwei beschreiben sie gleich. Die Brillen ohne Stärke, vom klaren Büroglas bis zur roten Abendbrille, ordnet der Überblick über das ganze Feld der Blaulichtbrillen.
ZEISS nennt eine Zahl mit Bereich und Obergrenze: bis zu 40 Prozent zwischen 400 und 455 Nanometern. Essilor nennt ebenfalls eine Zahl und denselben Bereich, beruft sich dafür auf den internationalen Fachbericht ISO/TR 20772 und gibt für Crizal Prevencia 20 Prozent des blau-violetten Lichts an. Hoya beschreibt seine Beschichtung BlueControl auf der britischen Produktseite nur als Mittel, das blaue Licht von Bildschirmen zu verringern, ohne Zahl. Rodenstock nennt für die Beschichtung Solitaire Protect Balance 2 ebenfalls keine Zahl, für den Materialfilter PRO 410 dagegen eine Kante: blaue Lichtanteile bis etwa 410 Nanometer würden vollständig herausgefiltert.
Wer das nebeneinanderlegt, sieht zwei Lager. ZEISS und Essilor beziffern den Anteil in einem festen Bereich und kommen auf 40 und 20 Prozent, also eine Größenordnung, die zur Aussage des Cochrane-Teams passt, typische Filtergläser hielten 10 bis 25 Prozent zurück. Hoya und Rodenstock lassen die Beschichtung unbeziffert. Und Rodenstocks PRO 410 filtert vollständig, aber nur bis zu einer Wellenlänge, unterhalb derer Bildschirme wenig ausstrahlen.
Hersteller, Bereich, Angabe, Wirkweise im Überblick
| Hersteller und Produkt | Bereich | Angabe | Wirkweise |
|---|---|---|---|
| ZEISS BlueGuard | 400–455 nm; 455–500 nm bewusst unberührt | bis zu 40 % | im Glasmaterial, Reflexe laut ZEISS bis zu 50 % geringer als beim Vorgänger |
| Essilor Crizal Prevencia | 400–455 nm (nach ISO/TR 20772) | 20 % | selektive Reflexion, Blau-Türkis passiert |
| Hoya Hi-Vision LongLife BlueControl | keine Angabe | keine Zahl | Beschichtung |
| Rodenstock Solitaire Protect Balance 2 | keine Angabe | keine Zahl | Beschichtung |
| Rodenstock PRO 410 | bis etwa 410 nm | vollständig | im Material; laut Rodenstock nicht speziell für Arbeitsplatzbrillen |
Aufschlussreich ist auch, was die Tabelle nicht enthält. Keiner der vier Hersteller veröffentlicht auf diesen Seiten eine Transmissionskurve für das Glas, also die Durchlässigkeit für jede Wellenlänge. Genau die nennt der Fachvortrag der Fielmann Akademie unumgänglich, um ein Filterglas einschätzen zu können. Dem Augenoptiker stehen laut Vortrag die Kenngrößen zur Verfügung; auf den Produktseiten fehlt die Kurve.
Die Beschichtung: Blau zurückwerfen statt schlucken
Die meisten Blaulichtfilter für Gläser mit Stärke sind Beschichtungen. Sie liegen als hauchdünne Schichten auf der Glasoberfläche, meist als Teil der Entspiegelung, und werfen einen Anteil des Blaus zurück, statt ihn durchzulassen. Essilor beschreibt das als selektive Reflexion: Blau-violettes Licht werde zurückgeworfen, das übrige Licht passiere.
Ihr Vorteil: Eine Beschichtung lässt sich auf fast jedes Glas aufbringen, unabhängig von Material und Stärke. Deshalb kann ein Onlineoptiker den Filter als Veredelung zu nahezu jeder Glasoption anbieten. Mister Spex nennt als einzige Ausnahme seine PremiumPlus-Gläser.
Ebenso deutlich ist die Grenze. Was zurückgeworfen wird, sieht man: als farbigen Schimmer auf dem Glas. Fielmann beschreibt in seinem Ratgeber, Gläser mit Blaulichtfilter schimmerten häufig bläulich oder violett. Wer gegenübersitzt oder eine Kamera auf sich richtet, sieht diesen Reflex.
Eine zweite Grenze betrifft die Menge. Eine Beschichtung, die viel Blau zurückwirft, wirft auch viel sichtbaren Reflex zurück. Essilor nennt für Crizal Prevencia 20 Prozent im Bereich von 400 bis 455 Nanometern; einen höheren Wert für eine reine Beschichtung haben wir bei keinem der vier Hersteller gefunden.
Im Glasmaterial: Blau schlucken statt spiegeln
Der andere Weg ist ein Filter im Glas selbst. Dabei wird dem Kunststoff ein Stoff beigemischt, der blaues Licht absorbiert, statt es zurückzuwerfen. ZEISS beschreibt BlueGuard so: Die Technik, die blaues Licht blockiert, stecke im Glasmaterial. Rodenstock spricht beim PRO 410 von einem High-Tech-Material.
Der Vorteil ist der geringere Reflex. ZEISS gibt an, die Reflexe digitalen Blaulichts seien bei BlueGuard um bis zu 50 Prozent geringer als bei der hauseigenen Beschichtung DuraVision BlueProtect; der Wert stammt nach Herstellerangabe aus eigenen Messungen. Wer den Restreflex in Videokonferenzen stört, fragt deshalb nach einem Filter im Material.
Die Grenze liegt in der Verfügbarkeit. Ein Filter im Material braucht ein passendes Glasmaterial, und nicht jeder Glastyp lässt sich damit herstellen. ZEISS bietet BlueGuard nach eigener Angabe in allen Kunststoffmaterialien und vielen Designs an, schließt aber Bifokal- und Trifokalgläser, Autofahrergläser der Reihe DriveSafe, Sportgläser und Gläser zum Myopie-Management aus. Mehr dazu weiter unten.
Absorbierende Filter haben außerdem eine Grenze nach oben. Je mehr ein Glas im Material zurückhält, desto gelber wird es; das Cochrane-Team schreibt, mehr als die üblichen Anteile verlange eine deutliche Bernsteintönung. Das ist der Weg der stark getönten Bildschirm- und Abendbrillen, für ein Alltagsglas mit Stärke kommt er selten in Frage. Wie viel Färbung dabei herauskommt, zeigen die Filterzahlen von Brillen ohne Sehstärke im Vergleich.
Rodenstock PRO 410: ein Filter, der nicht für den Bildschirm gedacht ist
Ungewöhnlich offen ist Rodenstock. In einem Beitrag zum Sehen im Homeoffice beschreibt der Hersteller seinen Filter PRO 410 als Material, das blaue Lichtanteile bis etwa 410 Nanometer vollständig herausfiltere, wie sie etwa im Tageslicht vorkämen. Dann folgt der Satz, den man bei Herstellern selten liest: Weil das Emissionsmaximum der kaltweißen LEDs in Bildschirmen bei etwa 450 Nanometern liege, sei dieser Filter nicht speziell für Arbeitsplatzbrillen gedacht, sondern eher eine Lösung für normale Brillen im Alltag.
Für den Bildschirm empfiehlt Rodenstock im selben Beitrag eine Beschichtung, Solitaire Protect Balance 2, die den Anteil des blauen Lichts, der aufs Auge trifft, abschwäche. Eine Zahl nennt der Hersteller dafür nicht.
Die Lehre daraus reicht über Rodenstock hinaus. Ein Filter, der „100 Prozent" verspricht, kann für den Bildschirm wenig taugen, wenn seine Kante unterhalb der Wellenlängen liegt, die der Bildschirm ausstrahlt. Wer einen Filter wegen der Bildschirmarbeit bestellt, sollte fragen, bis zu welcher Wellenlänge er wirkt.
Warum so viele Filter bei 455 Nanometern aufhören
Dass ZEISS und Essilor beide bei 455 Nanometern enden, ist kein Zufall. ZEISS nennt 455 Nanometer die von der ISO definierte Obergrenze der maximalen Blaulicht-Phototoxizität, also des Bereichs, in dem blaues Licht der Netzhaut am ehesten schaden könnte. Essilor bezieht sich auf den Fachbericht ISO/TR 20772, der das blau-violette Licht zwischen 400 und 455 Nanometern einordnet.
Erklärt wird die Logik dahinter im Fachvortrag der Fielmann Akademie. Selektive Blaufilter, die kurzwelliges Blau unter 450 Nanometern absorbieren, aber genügend langwelliges Blau ab 460 Nanometern durchlassen, sollen vor möglichen Netzhautschäden schützen, ohne den Tag-Nacht-Rhythmus zu beeinträchtigen. Diese Filter zielen also auf die Netzhaut, nicht auf den Schlaf.
Ob die Netzhaut eines solchen Schutzes am Bildschirm überhaupt bedarf, ist eine andere Frage. Derselbe Vortrag hält fest, es sei bis heute unklar, ob die Netzhaut an LED-Bildschirmen im Alltag überhaupt Schaden nimmt. Die Logik der Filter ist schlüssig, ihr Nutzen ist offen.
Was eine unabhängige Messung an zehn Beschichtungen ergab
Wie unterschiedlich beschichtete Filtergläser tatsächlich sind, hat eine Messung an der Universität Johannesburg gezeigt. Der Optometrist Antony Carlson verglich 2019 die Transmissionskurven von zehn Gläsern mit verschiedenen reflektierenden Blaulichtbeschichtungen und einem Kontrollglas ohne Filter, gemessen mit einem Spektralphotometer zwischen 300 und 500 Nanometern.
Das Ergebnis fasst die Arbeit in einem Satz zusammen: Nicht alle Gläser zeigten ähnliche Durchlässigkeiten für blaues Licht, und die Hersteller seien sich nicht einig, welcher Anteil reflektiert oder durchgelassen werden solle. Zwischen 480 und 500 Nanometern ließen die Gläser ungefähr 71 bis 83 Prozent durch, also den größten Teil.
Markennamen nennt die Arbeit nicht. Sie zeigt aber, dass „Blaulichtfilter" bei beschichteten Gläsern kein einheitliches Produkt ist und dass der Bereich, der für den Schlaf zählt, bei solchen Beschichtungen überwiegend durchgelassen wird. Wer wissen will, wie sein eigenes Glas abschneidet, braucht die Kurve des konkreten Produkts.
Der farbige Restreflex: blau, violett oder grün
Unter den Suchvorschlägen steht „blaulichtfilter brille reflektiert grün". Die Frage zeigt, dass viele den Reflex auf dem Glas bemerken und nicht zuordnen können. Jede Entspiegelung hinterlässt einen schwachen farbigen Restreflex, weil sie nicht alle Wellenlängen gleich gut entspiegelt. Welche Farbe er hat, hängt vom Schichtaufbau ab.
Bei Blaulichtfiltern als Beschichtung kommt der zurückgeworfene blaue Anteil dazu. Fielmann beschreibt den Schimmer als bläulich oder violett. Ein grünlicher Reflex spricht deshalb eher für eine gewöhnliche Entspiegelung als für einen Blaulichtfilter, belegen lässt sich das am einzelnen Glas aber nur mit der Angabe des Herstellers.
Wer den Reflex vermeiden will, hat zwei Wege. Weniger reflektiert ein Filter im Material; ZEISS gibt für BlueGuard bis zu 50 Prozent weniger Reflex an als für seine frühere Beschichtung. Oder man verzichtet auf den Filter und nimmt eine gute Entspiegelung ohne Blauanteil. Beim Augenoptiker lassen sich Demogläser nebeneinander halten, wie der Zentralverband der Augenoptiker empfiehlt.
Gleitsicht, Bifokal, Sport: wo es den Filter nicht gibt
Nicht jeder Filter ist für jedes Glas zu haben, und die Ausschlüsse stehen meist im Kleingedruckten. ZEISS nennt sie im Datenblatt zu BlueGuard ausdrücklich: nicht für Bifokal- und Trifokalgläser, nicht für DriveSafe-Gläser, nicht für Sportgläser und nicht für Gläser zum Myopie-Management. Gleitsichtgläser sind dort nicht ausgeschlossen.
Beim Onlineoptiker Mister Spex ist der Filter für fast alle Glasoptionen wählbar, ausgenommen die PremiumPlus-Gläser. Warum gerade diese nicht, steht auf der Seite nicht. Wer ein bestimmtes Glas braucht, etwa wegen einer hohen Stärke oder eines Gleitsichtdesigns, sollte deshalb zuerst das Glas wählen und dann fragen, ob und welcher Filter dazu angeboten wird, nicht umgekehrt.
Bei Gleitsichtgläsern lohnt eine zweite Überlegung. Für die Arbeit am Bildschirm sind sie nach Rodenstock nur bedingt geeignet, weil man den Kopf heben muss, um durch den Zwischenbereich auf den Monitor zu sehen. Ein Filter ändert daran nichts. Dazu mehr im Abschnitt über den Arbeitsplatz.
Filter, Entspiegelung, Hartschicht: was zusammengehört
Ein Blaulichtfilter kommt selten allein. Bei ZEISS ist BlueGuard standardmäßig mit der Entspiegelung DuraVision Platinum UV kombiniert, bei Hoya heißt die Variante Hi-Vision LongLife BlueControl, also Entspiegelung samt Filter. Für die Kratzfestigkeit dieser Hoya-Schicht nennt der Hersteller bis zu 30 Prozent mehr als bei wichtigen Wettbewerbern, gemessen an Gläsern mit Brechungsindex 1,60.
Für den Kunden heißt das: Der Filter ist oft Teil eines Pakets aus Hartschicht, Entspiegelung und UV-Schutz. Wer vergleicht, sollte das Paket vergleichen, nicht nur den Namen des Filters. Rodenstock schreibt im Homeoffice-Beitrag, eine Brille für das Büro solle immer entspiegelt sein, weil viele Lichtquellen Reflexe erzeugen. Das gilt mit und ohne Blaulichtfilter.
Beim UV-Schutz ist die Lage einfacher. ZEISS gibt für BlueGuard vollständigen Schutz bis 400 Nanometer an. Welche Rolle die UV-400-Angabe bei Sonnenbrillen spielt, erklärt unser Ratgeber zur Angabe UV400 und dem Schutz bis 400 Nanometer.
Lässt sich ein Blaulichtfilter nachträglich aufbringen?
Die Suchvorschläge „blaulichtfilter brille nachträglich" und „brillengläser nachträglich blaulichtfilter" zeigen, dass viele ihre vorhandene Brille aufrüsten möchten. Bei einem Filter im Glasmaterial geht das naturgemäß nicht; er entsteht mit dem Glas.
Bei Beschichtungen ist die Lage weniger eindeutig. Entspiegelung und Filter werden bei der Herstellung des Glases aufgebracht. Ein Angebot, vorhandene Gläser nachträglich mit einem Blaulichtfilter zu beschichten, haben wir bei keinem der vier Glashersteller gefunden. Praktisch bedeutet „nachträglich" deshalb meist: neue Gläser in die vorhandene Fassung.
Wer nur am Bildschirm einen Filter möchte und die vorhandene Brille behalten will, kann einen Clip oder eine Überbrille nehmen. Welche es gibt und wie sie unter einem Headset sitzen, steht in unserem Vergleich von Gaming-Brillen auch für Brillenträger.
Am Arbeitsplatz zählt der Abstand mehr als der Filter
Wer wegen der Bildschirmarbeit über neue Gläser nachdenkt, sollte zuerst an den Abstand denken. Rodenstock beschreibt das Problem in seinem Homeoffice-Beitrag: Eine Lesebrille stellt nur einen Bereich um etwa 40 Zentimeter scharf, der Monitor steht meist ein ganzes Stück weiter entfernt. Eine Gleitsichtbrille zwingt dazu, den Kopf zu heben, um durch den Zwischenbereich auf den Monitor zu schauen, was zu Kopf- und Nackenschmerzen führen kann.
Als Lösung nennt Rodenstock eine Bildschirmbrille mit sogenannten Nahkomfortgläsern, deren Sehbereiche für verschiedene Nahdistanzen größer und passender angeordnet sind. Der Zentralverband der Augenoptiker empfiehlt Fehlsichtigen ab Mitte 40, die Gläser auch auf die Abstände am Computer und an mobilen Geräten abzustimmen.
Wer am Bildschirm vor allem schlecht scharf sieht, braucht zuerst die richtige Stärke für den Abstand; wie sie sich aus dem Leseabstand ergibt, rechnet unsere Seite zur Lesestärke und ihrem Rechenweg vor.
Ein Blaulichtfilter ist bei einer solchen Brille ein möglicher Zusatz, nicht der Kern. Ob und wann der Arbeitgeber eine solche Brille bezahlen muss und welche Rolle die arbeitsmedizinische Vorsorge dabei spielt, erklärt unsere Seite über die Brille für den Bildschirmarbeitsplatz und den Anspruch darauf.
Auch ein anderer Hinweis aus dem Rodenstock-Beitrag hat mit dem Filter nichts zu tun, hilft aber mehr: Beim Arbeiten auf kurze Distanz blinzle man bis zu 40 Prozent seltener, bewusstes Blinzeln und kurze Pausen mit Blick vom Monitor weg beugten trockenen Augen vor.
Onlineoptiker oder Filiale: was sich unterscheidet
Beim Onlineoptiker wählt man Fassung, Sehwerte und Glasoption, dann den Blaulichtfilter als Veredelung. Mister Spex beschreibt den Ablauf genau so. Welcher Glashersteller den Filter liefert und welche Werte er hat, steht auf der Seite nicht.
In der Filiale lässt sich mehr klären. Der Zentralverband der Augenoptiker rät, Demogläser mit Blaulichtfilter vor Ort auszuprobieren, um selbst zu sehen, ob einem der Monitor so angenehmer erscheint. Der Augenoptiker kann auch sagen, von welchem Hersteller das Glas stammt, und die Kurve heraussuchen.
Es gibt allerdings Onlineanbieter, die genauer sind als die großen Konfiguratoren. Barner schreibt über die Gläser seiner Korrektionsbrillen, sie seien aus CR-39 und hielten unterhalb von 410 Nanometern alles Blau zurück, im Abschnitt von 410 bis 450 knapp die Hälfte, genau 45 Prozent, lieferbar von minus 16 bis plus 8 Dioptrien Sphäre und bis vier Dioptrien Zylinder. Für selbsttönende Gläser nennt Barner im aktivierten, also dunklen Zustand bis zu 91 Prozent zwischen 400 und 420 Nanometern und 89 Prozent zwischen 425 und 450.
Auch Gaming-Marken verkaufen Gläser mit Stärke. Gunnar fertigt seine Fassungen mit Rezept, die Intercept etwa im Bereich −6 bis +5 Dioptrien, und gibt auf Korrektionsbrillen zwei Jahre Garantie für die Fassung und ebenso lange für Fehler der Entspiegelung. Bei 4 OWLS reicht die Spanne laut Shop bis ±10 Dioptrien, und das Rückgaberecht von 30 Tagen gilt dort ausdrücklich auch für Korrektionsbrillen. Bei Gunnar und 4 OWLS gehört zum Rezeptglas allerdings auch die eigene Tönung und, wenn man sie nicht abwählt, eine Vergrößerung; das muss man bei der Bestellung im Blick haben.
Für Menschen mit einfacher Stärke und klaren Vorstellungen ist der Onlineweg bequem. Für alle, die eine komplizierte Stärke, ein Gleitsichtglas oder Beschwerden haben, ist der Weg zum Augenoptiker der sicherere. Wo die Grenzen einer Brille von der Stange liegen, zeigt unser Abgleich von Fertigbrille und individuell angepasster Brille.
Was der Filter im Glas mit Stärke bringt und was nicht
Mit Sehstärke gilt, was für alle Blaulichtfilter gilt. Für müde Augen am Bildschirm fand der Cochrane-Review von 2023 keinen kurzfristigen Vorteil gegenüber Gläsern ohne Filter. Optional nennt der ZVA den Filter und schreibt, er sei nicht schädlich, Rückschlüsse auf Augenschäden durch Blaulicht lasse die Studienlage nicht zu.
Was bleibt, ist ein Komfortargument. Vielen komme der Monitor mit solchen Gläsern weniger blendend vor, zitiert der Verband eine Augenoptikerin. Wer ohnehin neue Gläser braucht, kann den Filter als Zusatz wählen, der nach Einschätzung des Verbands nicht teuer ist. Wer ihn nur wegen der Gesundheit nimmt, kauft eine Erwartung, die die Forschung nicht einlöst.
Für den Abend reicht ein Klarglasfilter nicht
Wer abends besser einschlafen möchte und deshalb einen Filter ins Alltagsglas bestellt, wird kaum einen Unterschied merken. Die Filter von ZEISS und Essilor lassen den Bereich oberhalb von 455 Nanometern bewusst durch, und die unabhängige Messung zeigt, dass beschichtete Gläser zwischen 480 und 500 Nanometern den größten Teil des Lichts durchlassen.
Für den Abend braucht es ein stark getöntes Glas, bernsteinfarben oder rot, das bis 500 Nanometer und weiter filtert. Solche Gläser gibt es meist nicht als Alltagsglas mit Stärke, sondern als eigene Abendbrille oder als Überbrille. Welche davon ihre Angaben belegen, prüft unser Prüfvergleich von Abendbrillen mit roten und orangen Gläsern.
Ein Alltagsglas mit Stärke und starker Tönung ist für Brillenträger keine gute Idee: Es färbt den ganzen Tag ein und gehört nicht ins Auto. Die bessere Lösung bleibt, abends das Licht zu dimmen und für die letzte Stunde eine eigene Brille oder einen Clip zu nehmen.
Was der Filter kostet, ohne Zahl
„Was kostet eine Blaulichtfilter-Brille mit Sehstärke?" ist eine der häufigsten Fragen. Wir nennen auf diesem Portal keine Preise, weil sie sich ändern und weil der Filter nur ein Teil des Glaspreises ist. Laut Fielmanns Ratgeber hängt der Preis unter anderem von der Sehstärke und der gewählten Fassung ab.
Für die Einordnung reichen drei Punkte. Im ZVA-Papier heißt der Filter eine nicht kostenintensive Ausstattung. Beim Onlineoptiker ist er ein Zusatz zum Glas, in der Filiale oft Teil eines Pakets mit Entspiegelung. Und bei einem Filter im Material ist der Preis an das Glas gebunden, nicht an eine Schicht. Wer vergleicht, sollte nach dem Gesamtpreis für Glas, Schichten und Filter fragen.
Die Fragen an den Augenoptiker
Weil die Händlerseiten wenig verraten, liegt die Prüfung beim Kunden. Die folgenden Fragen lassen sich in jeder Filiale und bei jedem Onlineoptiker per Nachricht stellen. Jede Antwort, die man bekommt, ist mehr, als auf den meisten Produktseiten steht.
Was Sie vor der Bestellung eines Blaulichtfilters fragen sollten
Von welchem Glashersteller stammt der Filter, und wie heißt das Produkt?
Erst mit dem Namen lassen sich Angaben wie die von ZEISS, Essilor, Hoya oder Rodenstock nachlesen.
Sitzt der Filter im Glasmaterial oder in einer Beschichtung?
Beschichtungen werfen blaues Licht zurück und zeigen einen farbigen Reflex, Filter im Material reflektieren weniger.
Wie viel Prozent hält er zurück, und in welchem Wellenlängenbereich?
Eine Zahl ohne Bereich ist nicht vergleichbar. Typisch sind 20 bis 40 Prozent zwischen 400 und 455 Nanometern.
Kann ich die Transmissionskurve sehen?
Sie zeigt für jede Wellenlänge, wie viel durchkommt, und ist das genaueste Bild des Filters.
Gibt es den Filter für mein Glas, Gleitsicht, Bifokal oder Sport?
ZEISS schließt etwa Bifokal-, Trifokal-, DriveSafe- und Sportgläser aus.
Welche Entspiegelung und Hartschicht gehören dazu?
Oft ist der Filter Teil eines Pakets; verglichen wird das Paket, nicht der Filtername.
Kann ich Demogläser mit und ohne Filter vergleichen?
Der ZVA empfiehlt das ausdrücklich, um den eigenen Eindruck zu prüfen.
Brauche ich für den Bildschirm eine eigene Brille mit passendem Abstand?
Lese- und Gleitsichtbrillen sind am Monitor oft ungünstig; eine Bildschirmbrille kann mehr bringen als ein Filter.
Wer auf diese Fragen nur ausweichende Antworten bekommt, hat ebenfalls etwas gelernt: dass der Filter dort eher ein Verkaufsargument ist als ein beschriebenes Produkt. Man kann ihn dann trotzdem nehmen, sollte aber nicht mehr von ihm erwarten als einen angenehmeren Bildschirm.
Woran sich diese Seite ändern würde
Die Angaben der Glashersteller stammen aus Datenblättern und Produktseiten, abgerufen am 31. Oktober 2026. Ändert ein Hersteller seine Angaben oder bringt ein neues Glas heraus, kann sich die Tabelle verschieben; ZEISS hat BlueGuard 2021 eingeführt und vergleicht es mit der eigenen Beschichtung DuraVision BlueProtect. Neue Studien zum Nutzen würden vor allem den Ratgeber zur Studienlage betreffen.
Wie wir Herstellerangaben gegen Händlertexte stellen und warum wir dabei nicht mitteln, steht in unseren Regeln für den Abgleich von Hersteller- und Händlerangaben.
Spätere Berichtigungen stehen mit Datum auf der Seite und im fortlaufenden Korrekturprotokoll.
Geschrieben hat diesen Ratgeber der Fachbereich für Brillen; wie er arbeitet, beschreibt die Vorstellung des Brillen-Teams.
Häufige Fragen
Gibt es Blaulichtfilter auch für Brillen mit Sehstärke?
Ja. Alle großen Glashersteller bieten Filter an, als Beschichtung (etwa Essilor Crizal Prevencia, Hoya BlueControl, Rodenstock Solitaire Protect Balance 2) oder im Glasmaterial (ZEISS BlueGuard, Rodenstock PRO 410). Onlineoptiker bieten den Filter als Zusatz zu fast jedem Glas an.
Wie viel Blaulicht filtert ein Brillenglas mit Blaulichtfilter?
Die Hersteller, die eine Zahl nennen, kommen auf 20 Prozent (Essilor) bis zu 40 Prozent (ZEISS), jeweils zwischen 400 und 455 Nanometern. Hoya und Rodenstock nennen für ihre Beschichtungen keine Zahl.
Was ist besser: Blaulichtfilter im Glas oder als Beschichtung?
Ein Filter im Material reflektiert weniger; ZEISS gibt für BlueGuard bis zu 50 Prozent weniger Reflex an als für seine Beschichtung. Beschichtungen gibt es dafür für fast jedes Glas. Für die Wirkung zählt mehr, in welchem Bereich und wie stark gefiltert wird.
Warum reflektiert meine Brille blau oder grün?
Beschichtete Blaulichtfilter werfen blaues Licht zurück und schimmern bläulich oder violett, wie Fielmann beschreibt. Jede Entspiegelung hinterlässt zudem einen schwachen farbigen Restreflex, dessen Farbe vom Schichtaufbau abhängt.
Kann man einen Blaulichtfilter nachträglich auf die Brille machen lassen?
Einen Filter im Glasmaterial nicht, und ein Angebot, vorhandene Gläser nachträglich zu beschichten, haben wir bei keinem der vier Glashersteller gefunden. Praktisch heißt nachträglich: neue Gläser in die alte Fassung, oder ein Clip für den Bildschirm.
Hilft ein Blaulichtfilter in der Brille beim Schlafen?
Kaum. ZEISS lässt den Bereich von 455 bis 500 Nanometern bewusst durch, Essilor das Blau-Türkis, und eine unabhängige Messung fand, dass beschichtete Gläser zwischen 480 und 500 Nanometern den größten Teil durchlassen. Für den Abend braucht es ein stark getöntes Glas.
Was sollte ich den Augenoptiker zum Blaulichtfilter fragen?
Hersteller und Produktname, ob der Filter im Material oder in einer Beschichtung sitzt, wie viel Prozent in welchem Bereich, ob es eine Transmissionskurve gibt, ob er für das gewünschte Glas verfügbar ist und ob man Demogläser vergleichen kann.
Quellen
- [1]ZEISS, BlueGuard Fact Sheet (25.02.2021)· abgerufen 2026-10-31
- [2]Essilor, Crizal Prevencia: Filteranteil und Bereich nach ISO/TR 20772· abgerufen 2026-10-31
- [3]Hoya Vision Care, Hi-Vision LongLife BlueControl· abgerufen 2026-10-31
- [4]Rodenstock, Journal: Tipps für entspannteres Sehen im Home Office (PRO 410, Protect Balance 2)· abgerufen 2026-10-31
- [5]Carlson AS: A comparison of blue-light transmissions through blue-control lenses, African Vision and Eye Health 2019· abgerufen 2026-10-31
- [6]Mister Spex, Blaulichtfilter-Brille: Veredelung und Vorteile laut Händler· abgerufen 2026-10-31
- [7]Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen, Positionspapier Brillengläser mit Blaulichtfilter (November 2023)· abgerufen 2026-10-31
- [8]Fielmann Akademie, 43. Kolloquium „Filtergläser" (16.01.2019), Transmission und selektive Blaufilter· abgerufen 2026-10-31
Welche Quellenarten wie gewichtet werden, steht auf Quellen.
Änderungen an diesem Beitrag
- 2026-10-31Querverweis auf den Überblick des Clusters ergänzt.
- 2026-10-31Ersterstellung. Angaben von ZEISS, Essilor, Hoya und Rodenstock zu Bereich, Anteil und Wirkweise gegenübergestellt, unabhängige Messung an zehn Beschichtungen und Versprechen eines Onlineoptikers eingeordnet, Fragen an den Augenoptiker.
Das Veröffentlichungsdatum bleibt bei Korrekturen unverändert. Wie mit Fehlern umgegangen wird, steht auf Korrekturen.