Übersicht
Blaulichtbrille: welche Brille wofür gedacht ist und was belegt ist
Klar fürs Büro, gelb zum Spielen, rot für den Abend: wie die Hersteller das Feld selbst aufteilen, was eine Filterzahl bedeutet und was Studien und Fachstellen sagen.
- Veröffentlicht
- 2026-10-31
- Zuletzt geändert
- geändert 2026-10-31
- Zuletzt geprüft
- geprüft 2026-10-31
- Verfasst von
- Fachbereich Brillen & Style
Woran die Entscheidung hängt
- Filterangabe: wie viel Prozent in welchem Wellenlängenbereich in Nanometern — und ob eine Transmissionskurve oder ein Prüfbericht dazu vorliegt
- Glasfarbe und Lichtdurchlässigkeit: klar, gelb, bernstein, orange oder rot — und was die Tönung an Farbwahrnehmung und Nachtsicht kostet
- Wirkweise: Filter im Glasmaterial oder als reflektierende Beschichtung, dazu Entspiegelung und UV-Schutz
- Einsatz: Bildschirm am Tag, langes Spielen, die Stunden vor dem Schlafen oder das Auto
- Sehstärke: ohne Stärke, über der eigenen Brille oder als Glas vom Augenoptiker
- Fassung und Kennzeichnung: Werkstoff, Gewicht und Maße, CE-Zeichen, Normangabe und Hersteller
Diese Merkmale stehen vor der Recherche fest und werden nicht nachträglich erweitert. Warum das so gehandhabt wird, steht in der Methodik.
Blaulichtbrille: ein Wort für fünf verschiedene Brillen
Gesucht wird „blaulichtbrille" wie ein einzelnes Ding. Gekauft werden ganz verschiedene Brillen: eine klare für den Büroalltag, eine gelbe für lange Spielabende, eine orange oder rote für den späten Abend, ein Filter auf dem Glas mit der eigenen Sehstärke und, seltener, eine getönte Brille fürs Auto. Gemeinsam ist ihnen nur, dass sie einen Teil des kurzwelligen Lichts dämpfen sollen. Wie viel davon, in welchem Bereich und mit welchen Folgen für Farben und Nachtsicht, darin unterscheiden sie sich stark.
Am Anfang dieser Seite steht deshalb nicht die Frage, ob eine Blaulichtbrille gut ist, sondern eine andere: Welche ist gemeint, und für welchen Teil des Tages? Ganz am Ende steht die Antwort darauf, so knapp, wie es die Belege erlauben.
Wie weit die Erwartungen auseinandergehen, zeigt die Autovervollständigung von Google. Zu „blaulichtfilter brille" lieferte sie am 31. Oktober 2026 genau 245 Formulierungen. Die größte Gruppe, 22, fragt nach Nutzen, Studien oder Nachteilen. Danach kommen Erkennen und Testen mit neun, Brillen ohne Sehstärke und Brillen für Kinder mit je acht, Sehstärke und Optiker mit sieben und farbige Gläser mit sechs Formulierungen. Ums Autofahren drehten sich fünf, um den Schlaf vier. Gezählt wurde über eine Stichwortliste, eine Formulierung kann in zwei Gruppen fallen.
Nach diesen Fragen ist die Karte auf dieser Seite gebaut. Sie teilt das Feld in sechs Reviere, gibt jedem eine eigene Seite und fasst zusammen, was dort herausgekommen ist. Dazwischen steht, was für alle Reviere gilt: was eine Prozentzahl bedeutet, wie Glasfarbe und Einsatz zusammenhängen und welche Begriffe in Angeboten wofür stehen.
Vierzehn Gläser bei drei Herstellern: wie die Anbieter selbst aufteilen
Am deutlichsten wird die Aufteilung bei den Herstellern selbst. Drei Marken, die in diesem Cluster mehrfach vorkommen, bieten nicht ein Blaulichtglas an, sondern eine ganze Reihe: Gunnar, Horus X und PRiSMA, dessen Hersteller in Weilheim in Oberbayern sitzt. Für diese Übersicht wurden die Reihen am 31. Oktober 2026 auf den Herstellerseiten neu gezählt und nicht aus den Vergleichen übernommen.
Gunnar führt auf der Produktseite seines Modells Intercept fünf Tönungen, jede mit eigenem Filterwert und eigenem Einsatzzweck. Horus X beschreibt auf seiner Seite zu den Technologien drei Blaulichtgläser für drinnen und eines für Bildschirme im Freien; dazu kommt das rote RECOVERY-Glas der Schlafbrillen. PRiSMA stellt auf seiner Seite zur Filtertechnik vier BluelightProtect-Filter nebeneinander. Zusammen sind das vierzehn Gläser.
| Einsatz laut Hersteller | Gunnar, Wert an der Stelle 450 nm | Horus X, Wert für 380–450 nm | PRiSMA, Wert für 380–500 nm und Lichtdurchlässigkeit |
|---|---|---|---|
| Grafik und genaue Farben | Clear Pro, 450 nm: 20 % | Ghost: 61 %, Klarglas, auch für Gamer | kein eigenes Glas |
| Büro und Computerarbeit | Clear, 450 nm: 35 % (auch Foto und Grafik) · Amber, 450 nm: 65 % | kein eigenes Glas | LiTE95: 95 %, Licht 75 %, „für jeden Tag" |
| Spiel und Fernsehen | kein eigenes Glas | Ultra Esport: 77 %, für E-Sportler | EASY90: 90 %, Licht 80 % |
| Abend und Schlaf | Amber Max, 450 nm: 98 % | Plasma: 86 %, für lange und abendliche Sitzungen · RECOVERY: 100 % bis 520 nm, Licht 29 % | PRO99: über 99 %, Licht 60 % |
| draußen und Straße | Sun, 450 nm: 90 %, für Bildschirme im Freien, genannt auch Fahrzeuge | Outdoor Digital: keine Zahl | DRiVE85: 85 %, Licht 87 %, Signallicht bei Tag und Nacht |
Sortiert man die vierzehn nach dem Einsatz, den ihre Hersteller nennen, ergibt sich die Karte dieser Seite fast von allein. Vier Gläser sind ausdrücklich für den Abend oder den Schlaf gedacht: Amber Max, Plasma, RECOVERY und PRO99. Drei sollen draußen oder auf der Straße helfen: Sun, Outdoor Digital und DRiVE85. Die übrigen sieben teilen sich Büro, Grafik, Spiel und Fernsehen.
Kein Hersteller empfiehlt ein und dasselbe Glas für den Abend und für die Straße. PRiSMA schreibt es sogar ausdrücklich dazu: Die zwei stärkeren Filter gelten dort als nicht signallichttauglich, EASY90 nur am Tag, und allein DRiVE85 soll auch nachts Ampeln und Rücklichter farbrichtig zeigen. Daraus folgt der wichtigste Satz für den Kauf. Die Blaulichtbrille gibt es nicht. Selbst die Marken, die am meisten über Blaulicht schreiben, verkaufen für jeden Teil des Tages ein anderes Glas.
Auffällig ist außerdem, wie verschieden die drei ihre Zahlen angeben. Gunnar nennt einen Wert bei genau einer Wellenlänge, 450 Nanometern. Horus X gibt einen Anteil über die Spanne von 380 bis 450 Nanometern an, beim Schlafglas über 380 bis 520. PRiSMA rechnet über den gesamten Bereich von 380 bis 500 Nanometern, den der Hersteller HEVL nennt. Vier Bezugsgrößen bei drei Marken: Zwischen den Marken lassen sich diese Zahlen nicht direkt vergleichen.
Was mit blauem Licht gemeint ist und welcher Teil davon zählt
Blaues Licht ist der kurzwellige Teil des sichtbaren Lichts. PRiSMA zählt „der Einfachheit halber" sämtliche Wellenlängen bis ungefähr 500 Nanometer dazu und schreibt, korrekt wäre die Bezeichnung HEVL, energiereiches sichtbares Licht. Darin stecken Violett, Indigo, Blau, Türkis und kurzwelliges Grün. Noch kürzer ist das ultraviolette Licht, das man nicht sieht.
Für die Frage, was ein Filter leisten soll, sind zwei Teile dieses Bereichs wichtig. Der kürzere, ungefähr 400 bis 455 Nanometer, gilt als der Abschnitt, in dem blaues Licht die Netzhaut am ehesten schädigen könnte, wenn es stark genug ist; ZEISS beruft sich darauf, dass die ISO 455 Nanometer als obere Grenze der stärksten Schadwirkung festgelegt habe. Der längere, um 480 Nanometer, wirkt über besondere Zellen der Netzhaut auf die innere Uhr. Horus X spricht vom „melanopischen Peak" bei etwa 480 Nanometern.
Ein Glas, das vor allem den kürzeren Teil dämpft, lässt den längeren fast unberührt. Bei Gläsern vom Augenoptiker ist das Absicht: ZEISS lässt bei seinem BlueGuard-Glas das längere Blau zwischen 455 und 500 Nanometern ausdrücklich unbeeinflusst und verweist auf dessen positive Wirkungen. Bei einer Abendbrille wäre das genau falsch, denn sie soll den Bereich um 480 Nanometer treffen. PRiSMA gibt für sein Abendglas PRO99 deshalb an, es nehme zusätzlich bis zu 80 Prozent aus dem Blaugrün bis 550 Nanometer heraus. Horus X nennt für das RECOVERY-Glas eine Spanne bis 520 Nanometer.
Das erklärt die Farben, die solche Brillen haben. PRiSMA nennt die Tönung seiner Filter eine physikalische Notwendigkeit, je nach Stärke von intensiv gelb bis tief bernsteinfarben. Je weiter ein Glas ins Blaugrün hineinreicht, desto kräftiger wird die Farbe und desto weniger Licht kommt insgesamt durch. Bei PRiSMA sinkt die Lichtdurchlässigkeit vom Autofahrerglas mit 87 Prozent bis zum Abendglas mit 60 Prozent. Das rote RECOVERY-Glas von Horus X lässt nach Herstellerangabe noch 29 Prozent durch.
Sechs Reviere und welche Seite welche Frage klärt
Die sechs Seiten dieses Clusters sind so zugeschnitten, dass jede eine Frage gründlich beantwortet. Drei Vergleiche stellen Brillen nebeneinander, drei Ratgeber klären, was unabhängig vom Modell gilt. Die Tabelle nennt für jedes Revier das typische Glas, die Frage und den Befund in einem Satz.
| Revier | Typisches Glas | Frage der Seite | Befund |
|---|---|---|---|
| Bildschirm am Tag, ohne Stärke | klar bis leicht gelblich | Was ist die Filterzahl wert? | 7 von 12 Anbietern nennen eine Prozentzahl, kein Bereich gleicht dem anderen |
| Spielen | gelb bis bernstein | Welche Brille für welche Spielsituation? | 2 von 4 Gaming-Marken bauen eine leichte Plusstärke ein |
| Abend | bernstein bis rot | Hält die Abendbrille, was sie zusagt? | keine von fünf erfüllt alle fünf Prüfsteine |
| Nutzen | gleich welches | Augen, Netzhaut, Schlaf: was ist belegt? | Augen nein, Netzhaut offen, Schlaf allenfalls abends |
| Glas mit Sehstärke | klar | Was leistet der Filter auf dem eigenen Glas? | Glashersteller filtern bis 455 nm, der Handel verspricht Schlaf |
| Auto | klar | Darf der Filter mit ans Steuer? | klar ja, getönt nachts nein, ein Hersteller sieht es anders |
An den Rändern überschneiden sich die Reviere. Ein gelbes Gaming-Glas taugt auch fürs Büro, eine Abendbrille ist für den Fernseher am Abend gedacht. In solchen Fällen verweisen die Seiten aufeinander, statt dasselbe zweimal zu sagen. Die folgenden sechs Abschnitte geben für jedes Revier das Wichtigste wieder und nennen die Seite, auf der es ausführlich steht.
Revier 1: der Tag am Bildschirm, ohne Sehstärke
Das größte Revier ist der Arbeitstag am Bildschirm: ohne Sehstärke, mit einer Brille, die man möglichst nicht sieht. Die Gläser sind hier klar oder nur leicht gelblich, und genau hier ist die Filterzahl am schwersten zu deuten. Von zwölf Anbietern, die solche Brillen anbieten oder ihre Gläser fertigen, nannten im Vergleich sieben eine Prozentzahl.
Nur vier davon verbanden sie mit einem Wellenlängenbereich, und jeder dieser vier Bereiche war ein anderer. Rechnet man zwei Angaben auf dieselbe Spanne von 400 bis 450 Nanometern um, dreht sich die Reihenfolge: Das Modell mit dem höheren Wert filtert dort weniger als das mit dem niedrigeren. Einen Prüfbericht zum Nachlesen legte keiner der zwölf vor. Vorgerechnet wird das im Vergleich von Blaulichtbrillen ohne Sehstärke für den Büroalltag, der fünf Modelle mit Fassung, Gewicht und Kennzeichnung nebeneinanderstellt.
Beim Kauf bedeutet das: Ein hoher Wert ist für sich genommen kein Grund, ein niedriger kein Gegengrund. Wichtiger ist, ob der Bereich dabeisteht, ob das Glas klar genug bleibt, um Farben richtig zu sehen, und ob man die Brille den ganzen Tag gern trägt. Für die Augen selbst braucht es nach heutigem Wissen gar keine; davon handelt Revier 4.
Revier 2: lange Spielabende mit getönten Gläsern
Gaming-Brillen sind meist deutlicher gefärbt, gelb bis bernstein, und für lange Sitzungen gedacht. Gunnar und Horus X werben mit höherem Kontrast. Ein Beleg dafür fehlt: Für die Augenbelastung am Computer fand das Cochrane-Review von 2023 mit Filterbrillen kurzfristig wahrscheinlich keinen Vorteil.
Überraschend war im Vergleich etwas anderes. Zwei der vier Gaming-Marken setzen in Brillen, die sie ohne Sehstärke verkaufen, eine leichte Plusstärke ein: Gunnar bei den meisten seiner rezeptfreien Modelle +0,2 Dioptrien, 4 OWLS +0,125. Gunnar führt daneben eine Variante ohne diese Stärke, gedacht für Abstände quer durchs Zimmer. Auf den obersten Suchtreffern zu „gaming brille" stand davon nichts.
Was das für drei Stunden mit Headset, für Ranglistenspiele am Abend, für Brillenträger und für Jugendliche mit eigener Konsole bedeutet, zeigt die Gegenüberstellung von Gaming-Brillen nach Glasfarbe und Vergrößerung. Sie endet mit einer Gegenprobe, für wen sich eine Gaming-Brille nicht eignet.
Revier 3: die letzten Stunden vor dem Schlafen
Am kräftigsten gefärbt sind Brillen für die Zeit vor dem Zubettgehen, bernstein, orange oder rot. Sie sollen den Bereich um 480 Nanometer dämpfen, über den Licht die innere Uhr anstößt. Dafür muss ein Glas weit über das hinaus filtern, was eine Bürobrille tut, und lässt entsprechend wenig Licht durch.
Im Vergleich wurden fünf Abendbrillen an fünf Prüfsteinen gemessen: Filterbereich bis mindestens 480 Nanometer, Lichtdurchlässigkeit, veröffentlichte Kurve, benannte Messung und ein Hinweis zum Straßenverkehr. Keine erfüllte alle. Zwei nannten die Lichtdurchlässigkeit, eine zeigte eine Kurve, allerdings ohne beschriftete Achsen, eine nannte ein Labor mit Namen. Gunnar nennt für sein Schlafglas nur den Wert an der Stelle 450 Nanometer und schweigt über die Wellenlängen darüber.
Die Modelle, die die meisten Prüfsteine erfüllen, stehen in der Prüfung von fünf Brillen für die Zeit vor dem Einschlafen. Dort steht auch, wann gar keine Brille die bessere Wahl für den Abend ist: Gedimmtes Licht und ein früheres Ende am Bildschirm zielen auf dasselbe, ohne alles orange zu färben.
Revier 4: Bringt der Filter etwas? Drei Fragen getrennt
Ob eine Blaulichtbrille überhaupt etwas bringt, ist die häufigste Frage in der Autovervollständigung. Beantworten lässt sie sich nur, wenn man sie in drei Fragen teilt. Für die Augenbelastung am Bildschirm sind sich die maßgeblichen Stellen einig. Das Cochrane-Review fand kurzfristig wahrscheinlich keinen Vorteil gegenüber Gläsern ohne Filter, der Zentralverband der Augenoptiker sieht keinen erwiesenen Zusammenhang, und das Schweizer Bundesamt für Gesundheit hält Schutzmaßnahmen gegen Blaulicht am Bildschirm nicht für nötig.
Einen Schaden an der Netzhaut durch Bildschirme sagt keine dieser Stellen voraus. Alle Bildschirme, die das Bundesamt untersuchen ließ, fielen in die freie Gruppe, die auch bei stundenlanger Nutzung als risikofrei gilt. Die Menge blauen Lichts aus Bildschirmen beträgt nach einem der Cochrane-Autoren etwa ein Tausendstel dessen, was Tageslicht liefert. Offen bleibt, was über Jahrzehnte geschieht. Dazu gibt es keine Studien, und das Bundesamt schreibt, das Langzeitrisiko unterhalb des Grenzwerts lasse sich nicht abschätzen.
Beim Schlaf gehen die Einschätzungen auseinander. Das Bundesamt sieht hinreichend Hinweise, dass bläuliches Licht von Bildschirmen abends auf den Tag-Nacht-Rhythmus wirken kann, und nennt Filterbrillen als eine Möglichkeit neben anderen. Cochrane hält die Wirkung der Brillen auf den Schlaf für unklar. Wie die vier wichtigsten Stellen das jeweils begründen, mit Datum und Wortlaut, steht im Ratgeber, der Augen, Netzhaut und Schlaf getrennt prüft.
Eine Zahl aus dem Umfeld des Reviews verdient mehr Aufmerksamkeit, als sie bekommt. Übliche Filtergläser dämpfen nach Cochrane je nach Produkt nur ein Zehntel bis ein Viertel des blauen Lichts. Wo auf einer Brille 90 oder 99 Prozent stehen, handelt es sich in diesem Cluster entweder um deutlich getönte Gläser oder um eine Zahl für einen engeren Bereich.
Revier 5: das Filterglas mit Sehstärke vom Augenoptiker
Brillenträger brauchen keine zweite Brille, um einen Filter zu haben. Augenoptiker bieten ihn für die eigenen Gläser an, als Beschichtung oder im Glasmaterial. Die Glashersteller beschreiben ihre Filter dabei enger als der Handel. ZEISS gibt für BlueGuard höchstens 40 Prozent an, gemessen von 400 bis 455 Nanometer, Essilor für dieselbe Spanne 20 Prozent. Rodenstock schreibt über seinen Materialfilter, er sei nicht eigens für Arbeitsplatzbrillen gedacht, weil Bildschirm-LEDs ihr Maximum bei etwa 450 Nanometern haben.
Ein großer Onlineoptiker verspricht für seinen Filter dagegen verbesserten Schlaf und leichteres Einschlafen, also eine Wirkung in einem Bereich, den ZEISS und Essilor bewusst durchlassen. Welche Angaben die vier Glashersteller machen und was man im Geschäft fragen sollte, steht im Ratgeber zum Filterglas mit eigener Sehstärke.
Revier 6: am Steuer, tagsüber und nachts
Am Steuer wird aus einer Frage des Komforts eine der Sicherheit. Für klare Gläser mit leichtem Filter haben die Fachstellen keinen Einwand, auch nachts nicht. Getönte Gläser gehören nach Einschätzung der Augenärzte dagegen nicht in Dämmerung und Nacht. Der ADAC nennt gelbe Tönungen beim nächtlichen Fahren kontraproduktiv und schreibt, eine Nachtfahrbrille solle gar nicht getönt und vollständig entspiegelt sein.
Widerspruch kommt von einem Hersteller. PRiSMA erklärt sein bernsteinfarbenes Glas DRiVE85 bei Tag und Nacht für signallichttauglich, bei 87 Prozent Lichtdurchlässigkeit. Dieselbe Firma schließt ihre stärkeren Filter vom Straßenverkehr aus. Beide Seiten, dazu die Stellungnahme der Verkehrskommission von Augenärzten und Augenoptikern und eine Prüfliste vor der Fahrt, stehen im Ratgeber zum Blaulichtfilter am Steuer bei Tag und Nacht.
Für Abendbrillen ist die Sache einfacher. Drei der fünf Hersteller im Vergleich nehmen den Straßenverkehr selbst aus, und ein rotes Glas, das noch knapp ein Drittel des Lichts durchlässt, hat im Dunkeln am Steuer nichts verloren. Vor dem Losfahren kommt die Abendbrille ab.
Karte der Glasfarben: klar, gelb bis bernstein, rot
Die Glasfarbe ist das Erste, was man von einer Blaulichtbrille sieht. Sie verrät etwas über den Einsatz, aber weniger, als man meint. Gunnar verkauft unter dem Namen Amber sowohl sein nach eigener Angabe beliebtestes Glas, mit 65 Prozent bei 450 Nanometern für die allgemeine Computerarbeit, als auch, als Amber Max, das Schlafglas mit 98 Prozent. Gleicher Farbname, zwei verschiedene Reviere.
| Glasfarbe | Beispiele | Lichtdurchlässigkeit, soweit genannt | Einsatz laut Hersteller | Straßenverkehr |
|---|---|---|---|---|
| klar | Gunnar Clear Pro und Clear, Horus X Ghost, Optikergläser mit Filter im Material | Horus X: „Glasklarheit 84" | Grafik, Büro, unauffälliges Tragen | nach den Fachstellen auch nachts unbedenklich |
| gelb bis bernstein | Gunnar Amber, PRiSMA DRiVE85, EASY90 und LiTE95 | PRiSMA: 87, 80 und 75 % | Computerarbeit, Spiel und Fernsehen, Straße, Alltag | laut PRiSMA DRiVE85 Tag und Nacht, EASY90 nur am Tag, LiTE95 gar nicht; der ADAC rät nachts von gelben Tönungen ab |
| tief bernstein | PRiSMA PRO99, Gunnar Amber Max | PRiSMA: 60 % | Abend und Schlaf | PRO99 laut Hersteller nicht signallichttauglich |
| rot | Horus X RECOVERY, SKINVITY Red Filter Glasses | Horus X: 29 % | Abend vor dem Schlafen | SKINVITY schließt den Straßenverkehr aus |
Zwei Gläser von Horus X fehlen in der Tabelle, weil der Hersteller keine Farbe nennt: Ultra Esport und Plasma, mit einer „Glasklarheit" von 67 und 56 Prozent. Gunnar Sun und Horus X Outdoor Digital sind Gläser für draußen, ihre Tönung beschreiben die Hersteller nicht. Was Horus X unter Glasklarheit versteht, erklärt die Seite nicht. Beim Ghost-Glas steht die Zahl 84 sogar ohne Prozentzeichen.
Aus der Karte lassen sich drei Faustregeln ablesen. Je dunkler und röter ein Glas ist, desto enger ist sein Revier: Ein rotes Glas taugt nur für den Abend. Klar bedeutet nicht ohne Filter, aber wenig Filter; kein klares Glas dieser Übersicht nennt mehr als 61 Prozent, und auch diese Zahl gilt nur bis 450 Nanometer. Und die Farbe ersetzt keine Zahl, denn zwei bernsteinfarbene Gläser können für ganz verschiedene Zwecke gebaut sein.
Was die Filterkategorie besagt, die auch auf manchen getönten Blaulichtbrillen steht, zeigt die Erklärung der Filterkategorien und ihrer Grenzwerte im Sonnenbrillen-Cluster.
Was eine Prozentzahl auf der Brille bedeutet
Eine Prozentzahl auf einer Blaulichtbrille beantwortet drei Fragen nur zum Teil: wie viel, wovon und gemessen von wem. Wie viel, steht fast immer da. Wovon, steht seltener dabei. Gemessen von wem, steht fast nie da.
Schon in der kleinen Auswahl dieser Übersicht kommen vier Bezugsgrößen vor. Gunnar misst an einem Punkt, bei 450 Nanometern. Horus X rechnet über 380 bis 450 Nanometer, beim Schlafglas über 380 bis 520. PRiSMA bezieht sich auf 380 bis 500. Ein Glas, das bei 450 Nanometern 65 Prozent dämpft, kann über die ganze Spanne bis 500 deutlich weniger filtern oder mehr; aus einem einzelnen Punkt lässt sich das nicht ablesen.
Dazu kommt, dass Hersteller für dasselbe Glas verschiedene Zahlen nennen. Horus X schreibt über das RECOVERY-Glas auf seiner Kollektionsseite einmal 99,56 und einmal 100 Prozent für dieselbe Spanne. PRiSMA nennt für PRO99 auf der Seite zur Filtertechnik 60 Prozent Lichtdurchlässigkeit; in der Benutzeranleitung von 2014 standen für das Vorgängerglas AMBER PRO etwa 55 Prozent. Wie sich zwei Zahlen verschieben, wenn man sie auf denselben Bereich bringt, zeigt die Umrechnung zweier Filterangaben auf eine gemeinsame Spanne.
Die schwächste Stelle ist die dritte Frage. Horus X schreibt, die Werte stammten aus einem unabhängigen akkreditierten Labor im Jahr 2023, nennt das Labor aber nicht. PRiSMA verweist auf eigene Messverfahren und auf unabhängige Prüfinstitute, ebenfalls ohne Namen. Gunnar nennt auf der Produktseite zu seinen Werten keine Messung.
Was man daraus machen kann: Zahlen nur innerhalb einer Marke vergleichen, wo die Bezugsgröße gleich ist. Zwischen Marken zählt eher, ob ein Bereich genannt wird und ob eine Transmissionskurve dabei ist. Eine solche Kurve zeigt für jede Wellenlänge, wie viel Licht durchkommt. Sie ist die einzige Angabe, die sich zwischen Marken wirklich vergleichen lässt. Lesbar veröffentlicht hat sie im ganzen Cluster kein Anbieter.
Im Material oder auf der Oberfläche: zwei Bauarten des Filters
Technisch gibt es zwei Wege. Ein Filter im Glasmaterial nimmt einen Teil des kurzwelligen Lichts auf, bevor es das Auge erreicht. Eine Beschichtung auf der Oberfläche wirft einen Teil zurück. Das sieht man als bläulichen oder violetten Schimmer, wenn Licht schräg auf das Glas fällt, und es ist der einfachste Hinweis darauf, dass eine Brille überhaupt eine solche Schicht trägt.
Getönte Brillen ohne Sehstärke filtern über die Tönung, also im Material. Bei Gläsern vom Augenoptiker gibt es beides, und die Hersteller sagen dazu Unterschiedliches. PRiSMA nennt einen farblosen Schutz vor Blaulicht physikalisch unmöglich. ZEISS beziffert die Wirkung von BlueGuard, einem Filter im Material, trotzdem auf bis zu 40 Prozent im kurzen Blau unterhalb von 455 Nanometern. Beide Aussagen lassen sich vereinbaren, wenn man genau liest. Ein klares Glas kann einen Teil des kurzen Blaus dämpfen; wer mehr herausfiltern will, braucht nach dem Cochrane-Autor Singh eine sichtbare Tönung.
Im Alltag macht die Bauart vor allem an einer Stelle einen Unterschied. Den farbigen Reflex einer Beschichtung empfinden manche nachts im Scheinwerferlicht als störend; ein Filter im Material zeigt ihn kaum. Wie die vier Glashersteller ihre Filter bauen und beziffern, steht in der Übersicht der Glashersteller zu Material und Beschichtung.
Sechs Kaufkriterien, nach Gewicht geordnet
Der Kasten am Anfang dieser Seite nennt sechs Merkmale, nach denen die Seiten dieses Clusters Blaulichtbrillen beurteilen. Gleich wichtig sind sie nicht, und ihr Gewicht hängt vom Revier ab.
An erster Stelle steht der Einsatz, denn er entscheidet über alles Weitere. Für den Bürotag zählt, dass das Glas klar bleibt und die Farben stimmen. Abends kommt es darauf an, dass es weit genug ins Blaugrün filtert. Fürs Auto zählt, dass der Hersteller es für den Straßenverkehr freigibt, und nachts, dass es gar nicht getönt ist.
Danach kommen Filterangabe und Glasfarbe, die man zusammen lesen muss. Eine Zahl ohne Bereich ist eine halbe Angabe, eine Farbe ohne Zahl auch. Die Lichtdurchlässigkeit verrät dabei am meisten über den Alltag mit der Brille. Bei PRiSMA sieht man, wie eng das mit dem Verkehr zusammenhängt: Für den Verkehr taugen laut Hersteller nur die zwei hellsten Gläser, EASY90 mit 80 Prozent am Tag und DRiVE85 mit 87 Prozent auch nachts.
Wirkweise und Sehstärke spielen vor allem für Brillenträger eine Rolle. Sie können den Filter ins eigene Glas nehmen oder zu einer Überbrille oder einem Aufsteckfilter greifen, wie PRiSMA sie anbietet. Für alle anderen ist wichtig, ob die Brille ohne Sehstärke wirklich ohne Stärke ist, denn bei manchen Gaming-Marken steckt eine leichte Plusstärke darin.
Am Ende stehen Fassung und Kennzeichnung. Sie entscheiden nicht, ob eine Brille filtert, wohl aber, ob sie sitzt und ob man weiß, wer für sie einsteht. Bei den Modellen dieses Clusters fehlte mal das Gewicht, mal fehlten die Maße.
Kinder und Jugendliche vor Tablet und Konsole
Für Kinder vor dem Bildschirm fällt die Antwort zu den Augen genauso aus wie für Erwachsene. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit schreibt, Bildschirme der freien Gruppe seien auch für Kinder ohne Risiko, und alle untersuchten Geräte gehörten dazu. Der Zentralverband der Augenoptiker betont bei Kindern vor allem den Schutz vor der Sonne, weil die natürlichen Schutzmechanismen des Auges bei ihnen noch nicht voll ausgebildet seien.
Hersteller bieten trotzdem Kindermodelle an. Gunnar führt mit Cruz ein Jugendmodell, bei dem sich die Variante ohne Plusstärke wählen lässt, Horus X eine eigene Kinderkollektion, und PRiSMA bewirbt seine Filter auch für Kinder. Wie ein Jugendmodell im Spielalltag abschneidet, steht im Fall des Teenagers mit eigener Konsole.
Den Sonnenschutz, den der ZVA bei Kindern hervorhebt, behandelt der Vergleich von Kindersonnenbrillen nach Norm und Passform.
Nachtmodus, Helligkeit oder Brille: was am Abend zuerst kommt
Für den Abend gibt es einfachere Mittel als eine Brille. Das Bundesamt für Gesundheit rät, am Abend Helligkeit und Blauanteil des Bildschirms zu senken, und führt Filterbrillen als eine Möglichkeit neben Gerätefiltern und Folien. Der Nachtmodus von Telefon und Rechner verschiebt die Bildschirmfarbe ins Warme, und zwar am Gerät selbst.
Der Unterschied liegt in der Reichweite. Nachtmodus und Helligkeit lassen sich jeden Abend neu einstellen und färben nur den einen Bildschirm. Eine Abendbrille wirkt auch gegen Deckenlicht und Fernseher, färbt aber alles ein. Wer seinen Abend vor allem vor einem Gerät verbringt, kann mit dem Gerät anfangen und die Brille später erwägen.
Belegt ist keiner der beiden Wege gut. Cochrane fand die Wirkung von Filterbrillen auf den Schlaf unklar, und für den Nachtmodus nennt keine Quelle dieser Übersicht eine Studie. Was Helligkeit, Nachtmodus und Folie jeweils leisten, behandelt der Ratgeberabschnitt zu Nachtmodus, Helligkeit und Folie.
Den ganzen Tag tragen? Nebenwirkungen und Farbsehen
Schaden kann eine Blaulichtbrille nach heutigem Stand wenig, stören kann sie schon. Das Cochrane-Review fand keine durchgängigen Berichte über unerwünschte Wirkungen. Wo es welche gab, waren sie leicht, selten und vorübergehend: Unbehagen beim Tragen, Kopfschmerzen, gedrückte Stimmung. Weil ähnliche Beschwerden auch mit Gläsern ohne Filter auftraten, hängen sie nach Einschätzung der Autoren eher mit dem Brillentragen zusammen.
Bei getönten Gläsern kommt das Farbsehen hinzu. PRiSMA bewertet die Farbwiedergabe der eigenen Filter selbst, mit zwei Plus beim Abendglas PRO99 bis fünf Plus beim Autofahrerglas DRiVE85. Wer am Bildschirm Fotos bearbeitet oder Farben beurteilen muss, ist mit einem klaren Glas besser bedient; Gunnar empfiehlt dafür ausdrücklich seine klaren Tönungen.
Den ganzen Tag tragen lässt sich eine klare Filterbrille ohne Weiteres. Bei einer gelben oder bernsteinfarbenen ändern sich die Farben den ganzen Tag über; Horus X schreibt dazu, das Gehirn passe sich schnell an die weniger originalgetreue Farbwiedergabe an. Eine Abendbrille gehört nur in die letzten Stunden des Tages.
Was nicht hier steht: Lesebrillen, Sonnenbrillen, VR-Brillen
Drei verwandte Themen behandelt dieses Cluster nicht, weil sie im Portal schon ihren Platz haben. Fertiglesebrillen mit Plusstärke und Blaufilter bespricht der Vergleich von Fertiglesebrillen mit Blaufilter-Beschichtung im Lesebrillen-Cluster.
Ob am Bildschirm eine Lesebrille reicht oder eine eigene Bildschirmbrille nötig ist, und wann der Arbeitgeber sie stellen muss, klärt der Ratgeber zu Arbeitsabstand und Bildschirmbrille.
Sonnenbrillen, ihre Filterkategorien von 0 bis 4 und der UV-Schutz stehen im Sonnenbrillen-Cluster mit Norm, Glas und Fassung.
Gar nicht behandelt werden VR- und AR-Brillen, obwohl sie in der Autovervollständigung zu „gaming brille" häufig auftauchen, 17 von 110 Formulierungen. Ebenfalls außen vor bleiben Kontaktlinsen mit Filter, Schutzfolien für Bildschirme und Augenkrankheiten samt ihrer Behandlung. Wer Beschwerden an den Augen hat, gehört zum Augenarzt, nicht in den Brillenshop.
Glossar der Angebotsbegriffe
In Angeboten für Blaulichtbrillen kehren immer dieselben Begriffe wieder, oft auf Englisch und selten erklärt. Die Bedeutungen folgen den Seiten dieses Clusters und ihren Quellen.
| Begriff | Was er besagt |
|---|---|
| Blaulicht, HEV, HEVL | kurzwelliges sichtbares Licht, meist bis etwa 500 nm gerechnet; HEVL heißt energiereiches sichtbares Licht |
| nm (Nanometer) | Maß der Wellenlänge; sichtbares Licht beginnt bei rund 380 nm |
| „blocks 35 % at 450 nm" | Wert an einer einzigen Wellenlänge; sagt nichts über den Bereich daneben |
| „86 % (380–450 nm)" | Anteil über eine Spanne; nur mit Angaben für dieselbe Spanne vergleichbar |
| Lichttransmission, VLT | Anteil des sichtbaren Lichts, der durch das Glas kommt; je kleiner, desto dunkler |
| Glasklarheit | Begriff von Horus X, auf der Herstellerseite nicht erklärt |
| Filterkategorie 0 bis 4 | Einteilung getönter Gläser nach Lichtdurchlässigkeit aus der Sonnenbrillennorm; 0 ist nahezu klar, 4 nie am Steuer |
| signallichttauglich | Ampeln und Rücklichter bleiben farbrichtig erkennbar; geprüft über den Q-Wert des Glases |
| melanopisch | bezogen auf die Netzhautzellen, die über Licht die innere Uhr stellen; empfindlich um 480 nm |
| UV400 | Schutz vor ultraviolettem Licht bis 400 nm; ein eigener Wert, kein Blaulichtfilter |
| Neutral Focus | Gunnar-Variante ohne Fokussierstärke |
| Fokussierstärke, Light-Zoom | leichte Plusstärke in Brillen „ohne Sehstärke", etwa +0,2 dpt (Gunnar) oder +0,125 dpt (4 OWLS) |
| Beschichtung, Blaulicht-Entspiegelung | dünne Schicht auf dem Glas, die Blau zurückwirft; erkennbar am farbigen Reflex |
| Filter im Material | im Glas selbst eingebrachter Filter, etwa ZEISS BlueGuard oder Rodenstock PRO 410 |
| Clip-on, Überbrille | Filter zum Aufstecken oder zum Tragen über der eigenen Brille |
| Transmissionskurve | Grafik mit der Durchlässigkeit je Wellenlänge; die einzige Angabe, die sich zwischen Marken vergleichen lässt |
| ISO/TR 20772 | technischer Bericht der ISO zu kurzwelligem sichtbarem Licht und Auge; Bezug für die Spanne von 400 bis 455 nm |
Englische Begriffe kommen von Marken wie Gunnar und Barner, deren Seiten englisch sind. Gemeint ist dasselbe; nur „blocks" klingt nach mehr, als ein Wert bei einer einzigen Wellenlänge hergibt.
Wie diese Übersicht zählt und belegt
Grundlage sind die Seiten des Clusters und eine eigene Zählung. Die vierzehn Gläser von Gunnar, Horus X und PRiSMA wurden am 31. Oktober 2026 auf den Herstellerseiten erhoben, jede Angabe im Wortlaut der Seite. Fachlich stützt sich die Übersicht auf das Cochrane-Review von 2023, das Positionspapier des Zentralverbands der Augenoptiker, das Faktenblatt des Schweizer Bundesamts für Gesundheit und den ADAC. Wie das Portal Quellen auswählt und Zahlen erhebt, beschreiben die Leitlinien des Portals für Quellen und Zählungen.
Falsch wiedergegebene Zahlen oder Zitate berichtigt das Portal sichtbar; nachzulesen ist das im Protokoll der öffentlichen Berichtigungen.
Geschrieben hat diese Übersicht der Fachbereich, der im Portal Brillen bearbeitet. Mehr dazu im Steckbrief des Brillen-Fachbereichs.
Datenstand und was die Karte verschieben kann
Erhoben wurde am 31. Oktober 2026. Herstellerseiten ändern sich ohne Ankündigung, Gläser werden umbenannt: Horus X führt Ultra Esport als ehemaliges „PLASMA PRO", die PRiSMA-Filter hießen in der Anleitung von 2014 AMBER LiTE und AMBER PRO. Wer eine Zahl aus dieser Übersicht übernimmt, sollte sie auf der Herstellerseite gegenlesen.
Fachlich ruht diese Übersicht vor allem auf dem Cochrane-Review von 2023. Es wertet Studien aus, die bis März 2022 erschienen waren und Brillen höchstens fünf Wochen lang prüften. Langzeitstudien zur Netzhaut fehlen. Erscheint eine größere Studie zum Schlaf oder eine Neufassung des Reviews, verschiebt sich vor allem Revier 4, und mit ihm die Antwort am Ende dieser Seite.
Auch die Autovervollständigung ist eine Momentaufnahme; die Zählung vom 31. Oktober 2026 kann sich mit jeder Woche verschieben. Änderungen an jeder Seite des Clusters stehen in ihrem Protokoll, die jüngste oben.
Zurück zur Frage vom Anfang: welche Blaulichtbrille, wenn überhaupt
Gefragt war zu Beginn, welche Blaulichtbrille gemeint ist und für welchen Teil des Tages. Nach allem, was die sechs Seiten zusammengetragen haben, lautet die Antwort: Für die Augen braucht man tagsüber keine. Die Fachstellen sehen weder bei der Belastung am Bildschirm einen belegten Vorteil noch eine Gefahr für die Netzhaut, die eine Brille abwenden müsste.
Wer trotzdem eine möchte, wählt nach der Tageszeit. Für den Bildschirmtag ein klares Glas, bei dem der Bereich zur Prozentzahl dabeisteht. Für lange Spielabende ein getöntes, bei dem man weiß, ob eine Plusstärke darin steckt. Für die Zeit kurz vor dem Einschlafen ein kräftig bernsteinfarbenes oder rotes Glas, dessen Hersteller einen Filterbereich bis über 480 Nanometer angibt, und erst dann, wenn gedimmtes Licht und Nachtmodus nicht reichen. Brillenträger nehmen den Filter ins eigene Glas.
Und fürs Auto gilt: klar ja, getönt in Dämmerung und Nacht nein. Eine einzige Brille für alle diese Fälle gibt es nicht, und selbst die Hersteller, die am lautesten für Blaulichtschutz werben, verkaufen keine.
Häufige Fragen
Was ist eine Blaulichtbrille?
Eine Brille, deren Gläser einen Teil des kurzwelligen sichtbaren Lichts dämpfen, meist im Bereich bis etwa 500 Nanometer. Darunter fallen sehr verschiedene Brillen: klare für den Bildschirmtag, gelbe für lange Spielabende, bernsteinfarbene bis rote für die Stunden vor dem Schlafen und Filter auf Gläsern mit Sehstärke.
Bringt eine Blaulichtbrille etwas?
Für die Augen am Bildschirm wahrscheinlich nicht: Das Cochrane-Review von 2023 fand kurzfristig keinen Vorteil gegen die Augenbelastung und keinen Beleg für einen Schutz der Netzhaut. Für den Schlaf ist die Lage unklar; das Schweizer Bundesamt für Gesundheit hält eine Filterbrille am Abend für eine Möglichkeit neben weniger Helligkeit und Nachtmodus.
Welche Farbe sollte eine Blaulichtbrille haben?
Das hängt von der Tageszeit ab. Klare Gläser filtern wenig und stören Farben kaum, für den Bildschirmtag. Gelbe bis bernsteinfarbene filtern mehr und färben ein. Für den Abend vor dem Schlafen sind tief bernsteinfarbene oder rote Gläser gedacht, die auch den Bereich um 480 Nanometer erfassen.
Kann man eine Blaulichtbrille den ganzen Tag tragen?
Eine klare ja. Nebenwirkungen waren in den Studien selten, leicht und vorübergehend und traten auch mit Gläsern ohne Filter auf. Getönte Gläser verändern die Farbwahrnehmung, und Abendbrillen gehören nur in die letzten Stunden des Tages.
Darf man mit einer Blaulichtbrille Auto fahren?
Mit klaren Gläsern ja, auch nachts. Von gelben Tönungen bei Nacht rät der ADAC ab, und drei der fünf Abendbrillen im Vergleich schließen den Straßenverkehr laut Hersteller aus. Von den PRiSMA-Gläsern gilt nach Herstellerangabe nur DRiVE85 bei Tag und Nacht als signallichttauglich.
Woran erkennt man, ob eine Brille einen Blaulichtfilter hat?
Eine Beschichtung zeigt bei schräg einfallendem Licht einen bläulichen oder violetten Reflex, getönte Gläser erkennt man an der Farbe. Wie viel ein Glas tatsächlich filtert, zeigt nur eine Transmissionskurve; sie fehlt bei fast allen Angeboten.
Brauchen Kinder eine Blaulichtbrille?
Für die Augen nicht. Das Schweizer Bundesamt für Gesundheit stuft alle untersuchten Bildschirme als risikofrei ein, auch für Kinder. Der Zentralverband der Augenoptiker betont bei Kindern den Schutz vor der Sonne.
Quellen
- [1]Gunnar, Intercept: Produktseite mit fünf Tönungen, Filterwert und Einsatzzweck· abgerufen 2026-10-31
- [2]Horus X, Technologien: Ghost, Ultra Esport, Plasma und Outdoor Digital mit Filterwerten· abgerufen 2026-10-31
- [3]Horus X, Omega Focus Recovery: rotes Schlafglas mit Filterbereich und VLT· abgerufen 2026-10-31
- [4]PRiSMA (INNOVATiVE EYEWEAR), Filtertechnologie: vier BluelightProtect-Filter mit Lichttransmission und Signallichteignung· abgerufen 2026-10-31
- [5]Cochrane, Blue-light filtering spectacles probably make no difference to eye strain, eye health or sleep quality (Mitteilung, 26.07.2023)· abgerufen 2026-10-31
- [6]Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen, Positionspapier Brillengläser mit Blaulichtfilter (November 2023)· abgerufen 2026-10-31
- [7]Bundesamt für Gesundheit (BAG, Schweiz), Faktenblatt Bildschirme und Beamer (01.08.2021)· abgerufen 2026-10-31
- [8]ADAC, Nachtblindheit: Wenn Menschen nachts schlecht sehen (30.04.2026)· abgerufen 2026-10-31
Welche Quellenarten wie gewichtet werden, steht auf Quellen.
Änderungen an diesem Beitrag
- 2026-10-31Ersterstellung. Vierzehn Gläser von Gunnar, Horus X und PRiSMA auf den Herstellerseiten neu gezählt und nach Einsatz geordnet, sechs Reviere mit Weitergabe an die Seiten des Clusters, Karte der Glasfarben und Glossar.
Das Veröffentlichungsdatum bleibt bei Korrekturen unverändert. Wie mit Fehlern umgegangen wird, steht auf Korrekturen.