Ratgeber
Lesebrille vom Optiker oder Discounter: wann die Fertigbrille reicht
Schaden Fertiglesebrillen den Augen, und für wen passen zwei gleiche Gläser? Was Augenärzte sagen, was die Gutenberg-Studie misst und eine Entscheidungstabelle.
- Veröffentlicht
- 2026-10-10
- Zuletzt geändert
- geändert 2026-10-10
- Zuletzt geprüft
- geprüft 2026-10-10
- Verfasst von
- Fachbereich Brillen & Style
Lesebrille vom Optiker oder Discounter: wer hier gleich weitergehen kann
Wer auf einem Auge spürbar schlechter sieht als auf dem anderen, wer schon einmal von einer Hornhautverkrümmung gehört hat oder für die Ferne eine Brille braucht, muss die Frage dieser Seite nicht abwägen. Für solche Augen ist eine Fertiglesebrille aus Drogerie, Supermarkt oder Discounter keine Lösung, höchstens eine Notbrille für die Speisekarte. Darin stimmen alle Quellen überein, die für diesen Text gelesen wurden: die Stiftung Warentest, ein Augenarzt des Universitätsspitals Zürich, ein Sprecher des Berufsverbands der Augenärzte und ein Schweizer Augenoptiker. Der nächste Schritt heißt dann Termin. Was man dort fragen kann, steht in der Gesprächsliste weiter unten.
Bleiben alle anderen, und die meisten von ihnen wissen gar nicht, ob sie nicht doch zur ersten Gruppe gehören. Ein Unterschied zwischen den Augen fällt im Alltag kaum auf, weil ein gutes Auge vieles ausgleicht, was das andere nicht schafft. Ebenso wenig spürt man eine leichte Hornhautverkrümmung. Hier setzt der Streit zwischen Optikerverbänden und Handel an, und er wird mit Zahlen geführt, die bei näherem Hinsehen nicht halten.
Zwei Behauptungen prägen die Debatte. Erstens: Fertigbrillen schaden den Augen. Zweitens: Nur für einen kleinen Teil der Menschen passen zwei gleiche Gläser. Belegt ist keine von beiden. Gegen die erste sprechen die medizinischen Stimmen selbst, die zweite widerspricht den Messdaten einer deutschen Bevölkerungsstudie mit gut 15.000 Teilnehmenden. Gut belegt ist dagegen ein anderes Risiko, und mit der Brille hat es wenig zu tun.
Diese Seite geht beiden Behauptungen nach, rechnet mit den Mainzer Daten und mündet in eine Entscheidungstabelle und eine Gesprächsliste. Eine Kaufempfehlung für ein bestimmtes Modell gibt sie nicht. Wie man eine Fertigbrille auswählt, wenn sie passt, beschreiben die Vergleiche nebenan.
Optiker, Drogerie, Supermarkt: Der Laden ist nicht die Frage
„Lesebrille optiker oder discounter", „lesebrille dm oder optiker", „lesebrille optiker oder supermarkt": So stellt die Autovervollständigung die Frage: als Wahl zwischen zwei Läden. In dieser Form führt sie in die Irre. Optiker verkaufen selbst Fertigbrillen. Schon 2004 wunderte sich die Stiftung Warentest über diesen Vertriebsweg, weil der Zentralverband der Augenoptiker zur selben Zeit vor Fertigbrillen warnte. Und ein Optometrist der Schweizer Kette Visilab sagte dem Kassensturz 2018, man habe Fertiglesebrillen „für den Notfall" im Sortiment.
Gewählt wird also nicht zwischen Optiker und Drogerie, sondern zwischen zwei Arten von Brille. In einer Fertiglesebrille stecken zwei Gläser mit derselben Plusstärke, ihre Mitten sitzen in einem festen Abstand. Eine angepasste Lesebrille entsteht nach einer Messung, für jedes Auge einzeln, mit dem eigenen Pupillenabstand und bei Bedarf mit einem Zylinder gegen die Hornhautverkrümmung. Kauft man die Fertigbrille im Optikergeschäft, bleibt sie eine Fertigbrille.
Einen Unterschied macht der Laden allerdings: die Beratung. Optiker sollten Käufer von Fertigbrillen beraten, schrieb die Stiftung Warentest, und bei ihren Testkäufen geschah das meist auch. Aktiv nachzufragen schade trotzdem nicht, heißt es dort. In der Drogerie, an der Tankstelle oder im Onlineshop fällt dieser Schritt weg. Dort bleibt nur der Anhänger an der Brille. Was darauf stehen soll, folgt weiter unten.
Auch „muss lesebrille vom optiker sein" lässt sich damit genauer beantworten. Pflicht ist das nicht. Fertiglesebrillen sind frei verkäuflich, das hat 1996 sogar der Bundesgerichtshof beschäftigt. Ob sie für die eigenen Augen reichen, weiß man aber erst nach einer Messung. Diesen Gedanken stellt die Stiftung Warentest ihrem Bericht voran: Ob Fertigbrillen für Alterssichtige gut genug sind, müssten Optiker oder Augenarzt feststellen.
Was bleibt, ist die Frage nach den Augen, nicht nach dem Geschäft. Sie hat zwei Teile. Schadet die Fertigbrille, wenn sie nicht passt? Und wie wahrscheinlich ist es, dass sie nicht passt? Beide Teile werden in den Ratgebern oben in der Suche mit großer Sicherheit beantwortet. Nur ist die Sicherheit größer als die Beleglage.
Fertiglesebrillen schädlich? Woher die Regel stammt
„Fertiglesebrillen schädlich" bietet die Suchmaschine von selbst an, sobald man das Wort eintippt. Bayern 1 bekam 2025 die Frage einer Hörerin, ob Lesebrillen aus dem Drogeriemarkt die Augen kaputt machen. Alt ist die Sorge, und sie hat einen Ursprung, der sich zurückverfolgen lässt.
Nach dem Bericht der Stiftung Warentest warnten der Zentralverband der Augenoptiker und der Berufsverband der Augenärzte schon Jahre vor 2004 vor Fertigbrillen. Fachleute vermieden für diese Produkte sogar das Wort Brille und sprachen von Lesehilfen oder Notbrillen. Der Bericht begründet die Ablehnung mit zwei Dingen: dass Fertigbrillen eine angepasste Brille nicht ersetzen, und dass sie Beschwerden auslösen können.
Vor Gericht wurde daraus 1996 eine Liste möglicher Folgen. Geklagt hatte der Bundesinnungsverband für das Augenoptikerhandwerk, und zwar gegen ein Warenhaus, das Fertigbrillen in Selbstbedienung verkaufte. Weil beide Gläser stets dieselbe Dioptrienzahl hätten, sei die Fehlsichtigkeit vieler Träger nicht optimal ausgeglichen; Kopfschmerzen, Ermüdung und Augenentzündungen seien mögliche Folgen. So gibt eine Meldung von wissenschaft.de aus dem Jahr 1997 den Vortrag des Verbands wieder.
Zwischen „kein Ersatz" und „schadet den Augen" liegt ein weiter Schritt. Viele Texte gehen ihn, ohne es zu sagen. Ein Schweizer Augenoptiker schreibt etwa, auf Dauer tue man sich und seinen Augen mit der Fertigbrille keinen Gefallen. Als Rat ist das vertretbar. Als Aussage über einen Schaden bleibt es unbestimmt, denn offen ist, was gemeint wäre: eine bleibende Veränderung am Auge oder Beschwerden, die mit dem Absetzen wieder verschwinden.
Diese Unterscheidung trägt die folgenden Abschnitte. Eine bleibende Schädigung wäre ein Grund, Fertigbrillen ganz zu meiden. Vorübergehende Beschwerden sind ein Grund, die Brille zu prüfen und notfalls zu wechseln. Beides wird in der Debatte gern vermengt.
Was Augenärzte und Prüfer zur Schadensfrage sagen
Fragt man, ob eine Fertigbrille die Augen dauerhaft schädigt, antworten Mediziner und Prüfer erstaunlich einheitlich. Ihre Antwort lautet nein, oder genauer: Belegt ist davon nichts.
Den Anfang macht ausgerechnet die Stiftung Warentest. Ihr Bericht von 2004 trägt den Titel „Bestenfalls ein Kompromiss" und ist den Fertigbrillen gegenüber kritisch. Trotzdem hält er fest, bleibende Schäden durch Fertigbrillen seien bisher nicht nachgewiesen worden. Dieser Satz steht am Ende einer Aufzählung möglicher Beschwerden, als ausdrückliche Einschränkung.
Vierzehn Jahre später ließ das Schweizer Fernsehen 13 Fertiglesebrillen im Labor prüfen. Für Jens Funk, Augenarzt am Universitätsspital Zürich, war nach dem Bericht klar, dass man sich auch mit einer schlecht angepassten Fertiglesebrille die Augen nicht kaputt machen kann. Er rät trotzdem zur Untersuchung, aus einem anderen Grund, der weiter unten eine eigene Rolle spielt.
Aus dem Verband, der nach der Stiftung Warentest einst vor Fertigbrillen gewarnt hatte, kommt die dritte Stimme. Professor Friedburg, Sprecher des Ressorts Ophthalmologische Optik beim Berufsverband der Augenärzte, sagte Bayern 1 im Februar 2025, Augenschäden seien durch solche Lesebrillen kaum zu erwarten. Er betonte zugleich, eine Fertigbrille ersetze keine vom Optiker angepasste Brille.
Gesucht wurde für diese Seite auch nach Studien. Eine Stichwortsuche in der medizinischen Datenbank PubMed am 10. Oktober 2026 brachte Prüfungen der optischen Qualität von Fertigbrillen zutage, die Beschwerden als mögliche Folge nennen. Von einem bleibenden Schaden berichtete keine der gefundenen Arbeiten. Das beweist nicht, dass es keinen gibt. Es zeigt aber, dass die Behauptung ohne Beleg im Umlauf ist.
Alle drei Stimmen verbinden das Nein mit einem Aber. So nennt die Stiftung Warentest Beschwerden, die auf Dauer auftreten könnten. Funk empfiehlt die Untersuchung, Friedburg die angepasste Brille für bestimmte Aufgaben. Präziser gefasst lautet die Regel also so: Eine Fertigbrille kann unbequem sein und das Lesen anstrengender machen, als es sein müsste. Dass sie das Auge dauerhaft verändert, sagt keine der Quellen.
Kopfschmerz, Sehunruhe, müde Augen: was von der Warnung bleibt
Vom Tisch ist die Warnung damit nicht, sie gehört nur an eine andere Stelle. Was passieren kann, wenn eine Fertigbrille nicht passt, beschreibt die Stiftung Warentest: rote Augen durch Überanstrengung bei falscher Stärke, Sehunruhe bei ungleichen Augen, Kopfschmerzen. Häufig würden die Ursachen nicht erkannt, heißt es dort.
Woher die Sehunruhe kommt, erklärt der Bericht auch. Sind die Gläser für rechts und links nicht richtig, stellen sie auf verschiedene Entfernungen scharf. Zwar kann man ein Auge nachstellen. Das geht aber nur gekoppelt, und dabei rutscht das andere ins Unscharfe. Das meint der Bericht mit Sehunruhe, und er nennt sie zum Teil beträchtlich.
Noch eine Ursache sitzt in der Fassung. Im Labor des Kassensturz wurde gemessen, wie genau die Glasmitten zum aufgedruckten Abstand passen. Bei zwei von 13 Brillen war die Abweichung so groß, dass Laborleiter Patrick Niklaus Folgen erwartete. Stimmen Pupillen und Glasmitten nicht überein, werden die Augen bei langem Lesen rascher müde, und schlimmstenfalls kommen Kopfschmerzen hinzu.
All das verschwindet, wenn man die Brille absetzt oder die passende trägt. Lästig ist es trotzdem, und es kann einen Grund haben, den eine Untersuchung klären sollte. Mit einer Schädigung hat es nichts zu tun. Daraus folgt eine einfache Regel: Bekommt man mit einer Fertigbrille nach längerem Lesen müde Augen oder Kopfweh, trägt man sie nicht weiter, sondern lässt messen.
Umgekehrt ist die Sorge vor einem Dauerschaden kein guter Grund, den Text weiter auf Armlänge zu halten und auf jede Lesehilfe zu verzichten. Für diese Vorsicht gibt es keinen Beleg.
Fertiglesebrillen vor dem Bundesgerichtshof
Der Prozess von 1996 ist aufschlussreich, weil er zeigt, was ein Gericht über Fertigbrillen entschied und was nicht. Der Bundesgerichtshof sprach sich gegen eine allgemeine Pflicht zu Gefahrenhinweisen aus (Urteil vom 20. Juni 1996, Aktenzeichen I ZR 113/94). Zugleich zog es dem Handel eine Grenze, wie der Kasten zeigt.
Über die behaupteten Folgen selbst, Kopfschmerzen, Ermüdung und Augenentzündungen, enthält die Meldung keine Feststellung. Ob Fertigbrillen schaden, musste das Gericht für seine Entscheidung nicht klären. Wer das Urteil als Beleg für eine Gefahr anführt, stützt sich also auf den Vortrag einer Prozesspartei, nicht auf einen Befund.
Aus derselben Zeit stammt eine zweite Unterscheidung. Fertiglesebrillen mit Plusgläsern dürfen frei verkauft werden, Fertigbrillen für Kurzsichtige nicht. Begründet hat die Stiftung Warentest das Verbot mit den Gefahren für den Straßenverkehr, die bei Brillen für die Ferne viel größer seien. Eine Lesebrille ist für die Nähe gedacht, eine Fernbrille für die Straße. Daher die strengere Linie.
Auch die Hinweise auf dem Anhänger gehen auf diese Logik zurück. Sie sollen den Käufer warnen, wo eine Beratung fehlt, ohne der Brille eine Unbedenklichkeit zu bescheinigen. Welche Sätze das sind, steht im Abschnitt über Anhänger und Packung.
Jeder Zehnte oder 95 Prozent: zwei Zahlen ohne Herkunft
Neben der Schadensfrage tragen zwei Zahlen die Ablehnung der Fertigbrille. Die erste steht im Bericht der Stiftung Warentest von 2004: Gleiche Dioptrien in beiden Gläsern seien nur für etwa jeden zehnten Brillenträger die geeignete Lösung. Woher die Zahl stammt, sagt der Bericht nicht. Er nennt weder eine Studie noch eine eigene Messung.
Größer ist die zweite Zahl. Ein Schweizer Augenoptiker schreibt im Ratgeber eines Optikerverbunds, in 95 Prozent der Fälle seien die Augen unterschiedlich stark; an anderer Stelle derselben Seite heißt es, in fast allen Fällen sähen die Augen unterschiedlich gut. Als einzige Quelle führt der Ratgeber die Stiftung Warentest an. Dort steht aber keine 95, sondern „etwa jeden zehnten" für die Frage, wem gleiche Gläser passen. Ob die 95 daraus abgeleitet ist, lässt sich nicht sagen. Im Bericht steht sie jedenfalls nicht.
Verschoben hat sich zwischen beiden Texten auch die Aussage. Aus „gleiche Gläser sind nur für wenige geeignet" wurde „die Augen sind fast immer unterschiedlich stark". Das klingt nach derselben Sache und ist es nicht. Dass zwei Augen messbar verschieden sind, ist eine Frage. Ob der Unterschied so groß ist, dass zwei gleiche Gläser nicht reichen, ist eine andere.
Plausibel klingen beide Zahlen, weil jeder weiß, dass kein Gesicht ganz symmetrisch ist. Mit Plausibilität lässt sich aber weder die eine noch die andere Frage beantworten. Für beide gibt es Messdaten, und zwar aus Deutschland, an Erwachsenen genau in dem Alter, in dem Lesebrillen gekauft werden.
Was die Gutenberg-Studie an fast 14.000 Erwachsenen gemessen hat
Die Gutenberg-Gesundheitsstudie der Universitätsmedizin Mainz hat 15.010 Menschen zwischen 35 und 74 Jahren aus dem Raum Mainz untersucht. Ausgewählt wurden sie gleichmäßig nach Geschlecht, städtischem oder ländlichem Wohnort und Lebensjahrzehnt. Bei allen wurde die Brechkraft der Augen mit einem Gerät gemessen, ohne Tropfen, die das Scharfstellen ausschalten.
Zwei Auswertungen sind für die Fertigbrille wichtig. 2014 erschien die erste; sie umfasst 13.959 Teilnehmende ohne frühere Operation am Grauen Star oder zur Korrektur der Fehlsichtigkeit. Zwölf Jahre später folgte die zweite, die sich allein dem Unterschied zwischen beiden Augen widmet. Sie schließt 13.307 Menschen ein, deren Augen ihre eigene Linse hatten und an Hornhaut und Brechkraft nicht operiert waren. Im Mittel waren sie knapp 54 Jahre alt.
| Befund | Grenze in der Studie | Anteil | Auswertung |
|---|---|---|---|
| Kurzsichtigkeit | unter −0,5 dpt | 35,1 % | 2014, 13.959 Personen |
| Weitsichtigkeit | über +0,5 dpt | 31,8 % | 2014, 13.959 Personen |
| Hornhautverkrümmung | Zylinder über 0,5 dpt | 32,3 % | 2014, 13.959 Personen |
| Ungleichsichtigkeit | Unterschied über 1,0 dpt | 13,5 % | 2014, 13.959 Personen |
| Ungleichsichtigkeit | Unterschied ab 1 dpt | 14,64 % | 2026, 13.307 Personen |
| starke Ungleichsichtigkeit | Unterschied ab 2 dpt | 4,94 % | 2026, 13.307 Personen |
| Unterschied zwischen beiden Augen | Median aller Teilnehmenden | 0,25 dpt | 2026, 13.307 Personen |
Mit dem Alter ändern sich die Anteile. Kurzsichtigkeit wurde in der Auswertung von 2014 mit den Jahren seltener, Weitsichtigkeit, Hornhautverkrümmung und Ungleichsichtigkeit häufiger. Für Menschen um 60 liegen die letzten drei Werte also eher über dem Durchschnitt der Tabelle, für Mittvierziger eher darunter. Nur 3,5 Prozent hatten eine Fehlsichtigkeit, gegen die sie weder Brille noch Kontaktlinsen trugen.
Für alle Zahlen gilt eine Einschränkung. Gemessen hat ein Autorefraktometer, ein Gerät, das die Brechkraft objektiv bestimmt. Für die Frage, wie häufig ein Befund in der Bevölkerung vorkommt, taugt das gut. Für die Brille eines einzelnen Menschen reicht das nicht; dafür braucht es den Sehtest, der jedes Auge für sich prüft.
Eine Viertel Dioptrie: der typische Unterschied zwischen zwei Augen
Die aufschlussreichste Zahl steht in der Auswertung von 2026 etwas versteckt im Ergebnisteil. Im Median lag der Unterschied zwischen beiden Augen bei 0,25 Dioptrien. Bei der Hälfte der 13.307 Menschen betrug er also höchstens eine Viertel Dioptrie. Bei einem Viertel lag er bei höchstens 0,12 Dioptrien, bei drei Vierteln bei höchstens 0,62.
Zum Vergleich: Im Handel liegen die Stufen einer Fertigbrille eine halbe oder eine Viertel Dioptrie auseinander, und Viertelstufen führte in den Amazon-Auszählungen dieses Portals gut die Hälfte der Angebote. Ein Unterschied von 0,25 ist damit so groß wie der kleinste Schritt im Regal. Bei der Hälfte der Erwachsenen läge eine Fertigbrille, die für das eine Auge stimmt, beim anderen also höchstens eine Viertelstufe daneben.
Völlig widerlegt ist die Zahl von 95 Prozent damit nicht. Zählt man jede messbare Abweichung, sind die Augen bei den meisten verschieden; drei Viertel liegen bei 0,12 Dioptrien oder darüber. Nur sagt ein messbarer Unterschied nichts darüber, ob er beim Lesen stört. Von Ungleichsichtigkeit spricht die Gutenberg-Studie selbst erst ab einer Dioptrie, und diese Grenze erreichen 14,64 Prozent.
Deutlicher sprechen die Daten gegen „nur jeder Zehnte". Wenn gut 85 Prozent der Erwachsenen einen Unterschied unter einer Dioptrie haben, scheitert die Fertigbrille bei ihnen jedenfalls nicht an einer Ungleichsichtigkeit im Sinne der Studie. Ob sie aus einem anderen Grund nicht passt, ist damit nicht gesagt.
Ein weiterer Befund der Auswertung trifft die Fertigbrille direkt. Mit wachsender Kurz- und Weitsichtigkeit nahm der Unterschied zwischen den Augen zu, und zwar in Form eines V: am kleinsten bei Augen um null Dioptrien, größer nach beiden Seiten. Augen um null sind genau die, die ohne Brille gut in die Ferne sehen. Ausgerechnet die Gruppe, für die eine Fertiglesebrille überhaupt gedacht ist, hat also am seltensten ungleiche Augen. Wer dagegen schon eine kräftige Fernbrille trägt, hat ein höheres Risiko, dass seine Augen verschieden sind.
Offen bleibt eine Grenze, die man gern hätte. Ab welchem Unterschied zwei gleiche Gläser beim Lesen stören, legt keine der gelesenen Quellen in Zahlen fest. Der Augenarzt im Kassensturz nennt als Bedingung für die Fertigbrille, dass zwischen rechtem und linkem Auge bei den Dioptrien keine Unterschiede bestehen. Wie streng das gemeint ist, sagt er nicht.
Hornhautverkrümmung bei jedem Dritten, aber in welcher Stärke?
Bei der Hornhautverkrümmung ist die Lage weniger klar. 32,3 Prozent der Teilnehmenden hatten einen Zylinder von mehr als 0,5 Dioptrien, also etwa jeder Dritte. Damit setzt die Studie eine niedrige Grenze. Wie viele eine Verkrümmung von einer oder zwei Dioptrien haben, verrät die Kurzfassung nicht, und der Volltext von 2014 ist nicht frei zugänglich.
Für die Fertigbrille ist genau das die entscheidende Lücke. Je stärker die Hornhautverkrümmung, desto unvollkommener wirke eine Fertigbrille, schreibt die Stiftung Warentest. Zwar gleiche sie die Alterssichtigkeit aus, eine optimale Sehschärfe liefere sie aber nicht. Eine feste Grenze, ab der sie nicht mehr taugt, nennt der Bericht nicht, und auch keine andere der gelesenen Quellen.
Im selben Bericht steht eine zweite Zahl: Mehr als 2,5 Millionen Brillenträger hätten eine Hornhautverkrümmung, die nur mit individuell gefertigten Gläsern auszugleichen sei. Auch hier fehlt eine Herkunft. Jünger sind die Mainzer Daten, gemessen statt geschätzt und auf Erwachsene in dem Alter bezogen, um das es hier geht.
Was bedeutet ein Drittel für den Einzelnen? Wer nicht weiß, ob er dazugehört, liegt bei ungefähr eins zu drei, und mit den Jahren steigt dieser Wert, weil Hornhautverkrümmung in der Studie mit dem Alter häufiger wurde. Verlässlich beantwortet das nur die Messung. Für die vollständige Brillenglasbestimmung nennt der Schweizer Optikerverbund 30 bis 45 Minuten.
Klar ist auch die Richtung. Bei leichter Verkrümmung bleibt eine Fertigbrille brauchbar, aber nicht optimal, bei starker wird sie zur Notlösung. Dazwischen entscheidet der Wert auf dem Messblatt, und deshalb steht die Frage nach dem Zylinder in der Gesprächsliste.
Die Rechnung mit zwei Befunden: für mehr als die Hälfte offen
Legt man beide Befunde zusammen, ergibt sich eine einfache Obergrenze. Hätte niemand zugleich eine Hornhautverkrümmung und ungleiche Augen, wären 32,3 plus 13,5 Prozent betroffen, zusammen 45,8 Prozent. Jede Überschneidung der beiden Gruppen macht den Anteil kleiner. Mindestens 54 Prozent der Erwachsenen zwischen 35 und 74 haben demnach weder eine Hornhautverkrümmung über 0,5 Dioptrien noch einen Unterschied über eine Dioptrie zwischen den Augen.
Daraus folgt nicht, dass 54 Prozent mit einer Fertigbrille gut fahren. Zwei weitere Bedingungen kommen hinzu. Vorausgesetzt ist erstens, dass man ohne Brille in die Ferne gut sieht, wie der Sprecher des Berufsverbands der Augenärzte betont; Kurz- wie Weitsichtigkeit fanden sich in der Studie aber jeweils bei rund einem Drittel. Zweitens muss der Pupillenabstand zum Abstand der Glasmitten passen. Wie viele beide Bedingungen zusätzlich erfüllen, lässt sich den Auswertungen nicht entnehmen.
Weder Kurz- noch Weitsichtigkeit schließt eine Fertigbrille in jedem Fall aus, wie der Abschnitt zur Fernbrille zeigt. Abziehen lassen sich die beiden Drittel deshalb nicht. So bleibt die Rechnung eine Obergrenze für das, was gegen die Fertigbrille spricht, keine Zahl derer, für die sie passt.
Aus den Mainzer Daten lässt sich eine Zahl wie „jeder Zehnte" nicht ableiten, eine wie 95 Prozent ebenso wenig. Was sich ableiten lässt, ist bescheidener und nützlicher. Mehr als die Hälfte der Erwachsenen hat keinen der beiden Befunde, auf die sich die Ablehnung der Fertigbrille stützt. Ob man selbst dazugehört, kann man nicht spüren. Man muss es messen lassen.
Zwei von zehn: der Einkaufstest der Stiftung Warentest
Gegen diese Rechnung steht ein Versuch aus dem Jahr 2004. Zehn Testpersonen kauften ohne Beratung je eine Fertigbrille, die ihnen passend erschien. Danach prüften Fachleute den Sitz der Fassung, bestimmten die Gläser für jedes Auge und maßen die Sehqualität. An den Dioptrien der gekauften Brillen gab es nichts auszusetzen. Trotzdem hatten nur zwei der zehn eine für sie akzeptable Brille gewählt. Bei den anderen acht blieben eine Hornhautverkrümmung oder der Unterschied zwischen rechtem und linkem Auge unkorrigiert.
Acht von zehn passt schlecht zur Mainzer Rechnung, nach der mehr als die Hälfte keinen der beiden Befunde hat. Zwei Erklärungen liegen nahe. Zehn Menschen sind keine Stichprobe, aus der sich ein Anteil schätzen ließe; zwei andere Teilnehmer hätten das Ergebnis deutlich verschoben. Außerdem nennt der Bericht keine Grenzwerte. Ob schon eine Verkrümmung von einer Viertel Dioptrie als unkorrigiert zählte, bleibt offen.
Ernst nehmen sollte man den Versuch trotzdem, und zwar wegen eines anderen Befunds. Die Testkäufer hielten sich zunächst für optimal versorgt. Erst mit einer angepassten Lesebrille auf der Nase bemerkten sie eine zum Teil erhebliche Verbesserung. Jede zweite Fertigbrille saß außerdem schlecht, die Bügel drückten an den Schläfen, schnitten ein oder waren zu lang. Reklamiert hatte das keiner der Käufer. In einem einzigen Fall war alles akzeptabel, nach Einschätzung der Prüfer wohl ein Zufall.
Der Einkaufstest misst damit weniger, wie oft Fertigbrillen passen. Er misst, wie schlecht Käufer ohne Messung beurteilen können, ob sie passen. Das ist der stärkere Befund, und er widerspricht der Mainzer Rechnung nicht, sondern ergänzt sie.
Warum sich eine unpassende Fertigbrille gut anfühlen kann
Dass man den Fehlgriff nicht bemerkt, ist kein Rätsel. Augen seien anpassungsfähig, schreibt die Stiftung Warentest, und wer nur Fertigbrillen nutze, kenne optimales Sehen meist nicht. Am Regal vergleicht man mit dem verschwommenen Zustand ohne Brille, nicht mit dem bestmöglichen. Gegen den Nebel von eben ist jede halbwegs passende Stufe ein Fortschritt.
Ziemlich genau beschreibt der Schweizer Augenoptiker diesen Moment am Regal. Rasch werde ein Lesetext überflogen und binnen Minuten nach rein subjektivem Empfinden entschieden. Was sich beim kurzen Probieren gut anfühle, könne bei längerem Tragen zu Kopfschmerzen, müden Augen oder einer drückenden Brille führen.
Gegen die Fertigbrille spricht das nicht, wohl aber gegen den Kurztest als Beweis. Ein Lesetext am Regal zeigt, ob die Stärke ungefähr stimmt. Ob beide Augen gleich viel davon haben, zeigt er nicht. Einen Hinweis kann man sich trotzdem verschaffen: mit der Brille auf der Nase erst das linke, dann das rechte Auge mit der Hand abdecken. Wird der Text dabei mit einem der beiden deutlich unschärfer, passt die Stufe für dieses Auge nicht.
Ein solcher Abdecktest ersetzt keine Messung. Er findet grobe Unterschiede, keine feinen, und über eine Hornhautverkrümmung sagt er wenig. Fällt er aber auffällig aus, ist das ein guter Grund, den Kauf zu verschieben und zuerst einen Termin zu machen.
Die eigentliche Lücke: der ausgelassene Termin, nicht die Brille
Bisher klingt das, als ginge es bei der Wahl zwischen Optiker und Drogerie nur um Sehkomfort. Die ernsteste Warnung in den Quellen gilt bei genauem Lesen aber etwas anderem: dem Termin, der ausfällt, wenn die Brille aus dem Regal kommt.
Ausdrücklich sagt es der Augenarzt im Kassensturz. In dem Alter, in dem die Alterssichtigkeit beginnt, sollte man die Augen ohnehin prüfen lassen, weil in dieser Lebensphase auch Krankheiten entstehen, die sonst übersehen würden. Als klassisches Beispiel nennt er den grünen Star.
Professor Friedburg rät bei Bayern 1, zuerst einen Termin in einer Augenarztpraxis zu vereinbaren und herauszufinden, warum man nicht mehr so gut sieht. Hinter dem nachlassenden Sehen könne außer dem normalen Altern auch eine ernste Krankheit stecken. Das ist dieselbe Reihenfolge, nur aus dem Mund des Verbands.
Selbst der Warnhinweis, den die Stiftung Warentest für Fertigbrillen nennt, zielt darauf. Nur eine regelmäßige fachkundige Augenuntersuchung ermögliche eine optimale Sehhilfe und überprüfe die Gesundheit der Augen, soll auf dem Anhänger stehen. Wichtiger ist der zweite Teil dieses Satzes. Eine unpassende Fertigbrille lässt sich jederzeit austauschen. Ein unbemerkter grüner Star dagegen schreitet fort, wie der nächste Abschnitt zeigt.
Ein zweites Argument für die Reihenfolge ist praktischer Art. Wer die Werte seiner Augen kennt, kauft auch die Fertigbrille gezielter, mit der richtigen Stufe und einem passenden Zentrierabstand. Der Termin schließt die Fertigbrille also nicht aus. Er macht sie erst zu einer begründeten Wahl.
Grüner Star: jede zweite Erkrankung unentdeckt
Wie groß diese Lücke ist, hat ein Team der Universitätsmedizin Mainz 2023 ausgewertet. In der Gutenberg-Studie wurde der grüne Star, das Glaukom, über Gesichtsfelduntersuchungen und Fotos des Augenhintergrunds nach internationalen Kriterien festgestellt. Danach verglichen die Forschenden, wie viele Betroffene von ihrer Erkrankung wussten. 55 Prozent wussten es nicht. In einer zweiten Bevölkerungsstudie aus Regensburg, AugUR genannt, waren es 53 Prozent.
Etwa jede zweite Glaukomerkrankung in Deutschland bleibt demnach unerkannt. Studien aus anderen Ländern, die das Team zum Vergleich heranzieht, kamen auf 33 bis 78 Prozent. Erklärt wird das mit Beschwerden, die oft unspezifisch sind oder lange ausbleiben. Ohne Untersuchung droht ein fortschreitender Ausfall des Gesichtsfelds, im schlimmsten Fall die Erblindung. Nach ihrer Zusammenfassung kann eine systematische Früherkennung dieses Risiko halbieren.
Auffällig ist ein Detail. In jüngeren Altersgruppen und bei Frauen war der Anteil unentdeckter Fälle höher. Jüngere Altersgruppen sind in Studien, die mit 35 Jahren beginnen, die Jahre rund um die erste Lesebrille. Wer in dieser Zeit die Brille aus dem Regal nimmt und keinen Termin macht, lässt genau die Untersuchung aus, die eine solche Erkrankung finden könnte.
Darin steckt die eigentliche Schwachstelle der Debatte. Gestritten wird über die Brille, ob sie schadet und wie vielen sie passt. Belegt ist ein anderes Risiko: dass mit dem Griff ins Regal ein Anlass für die Untersuchung wegfällt. Mit dem Glas hat das nichts zu tun, und deshalb trifft es die gut passende Fertigbrille genauso wie die schlecht passende.
Lesebrille beim Optiker oder Augenarzt: wer was prüft
„Lesebrille optiker oder augenarzt" und „lesebrille arzt oder optiker" sind eigene Suchen, und die Antwort hängt davon ab, was geklärt werden soll. Für die Brille selbst sind beide Wege möglich. Optiker und Augenarzt nennt die Stiftung Warentest gleichrangig, wenn es um die Frage geht, ob eine Fertigbrille genügt.
Beim Augenoptiker werden die Stärke jedes einzelnen Auges, eine Hornhautverkrümmung und die Zentrierdaten ermittelt, also genau die Werte, die eine Fertigbrille nicht berücksichtigt. Ideal werde eine Lesebrille nur mit genau vermessenen Augen, passender Stärke und passenden Zentrierdaten wie dem Pupillenabstand, sagt auch Friedburg. Einen Sehtest nennt der Schweizer Augenoptiker als Voraussetzung jedes Brillenkaufs, um die Stärken beider Augen und weitere Sehfehler festzustellen.
Für die Gesundheit der Augen verweisen beide ärztlichen Stimmen dieser Seite auf die Augenarztpraxis. Friedburg rät, dort zuerst zu klären, warum man schlechter sieht, Funk empfiehlt die Untersuchung wegen des grünen Stars. In der Mainzer Glaukomauswertung beruhte die Diagnose auf Gesichtsfeld und Augenhintergrund, nicht auf der Sehschärfe. Eine gute Sehschärfe beim Lesetest ist also kein Zeichen, dass mit den Augen alles in Ordnung ist.
Daraus ergibt sich eine Reihenfolge, die keine Quelle wörtlich so formuliert, die aber aus ihnen folgt. Wer seit Beginn der Alterssichtigkeit noch nicht wegen der Augen in einer Praxis war, beginnt dort. Wer untersucht ist und nur wissen will, ob eine Fertigbrille reicht, kann die Werte beim Augenoptiker bestimmen und sich aushändigen lassen.
Wie Augenoptik und Praxis die Lesestärke ermitteln und warum es dabei auf den eigenen Leseabstand ankommt, beschreibt der Ratgeber zur Lesestärke mit Rechenweg und Messablauf. Hier geht es nur um die Frage, ob nach der Messung eine Fertigbrille genügt.
Drogerie, Kiosk, Optikerregal: Unterschiede in der Fertigung
„Lesebrille qualitätsunterschiede" und „fertiglesebrille test" führen zur nächsten Frage: Ist die Fertigbrille aus dem Supermarkt schlechter gebaut als die aus dem Optikergeschäft? Zwei Prüfungen geben Hinweise. Beide sind nicht mehr neu, und keine von beiden lässt sich auf heutige Modelle übertragen.
Bei der Stiftung Warentest stimmten 2004 die Dioptrien aller im Einkaufstest gekauften Brillen. 2018 ließ der Kassensturz 13 Fertiglesebrillen prüfen, gekauft unter anderem bei einer Optikerkette, an einem Kiosk, in einem Warenhaus und im Detailhandel. Ihre angegebenen Dioptrien erreichten sie meist erstaunlich genau. Nur ein Modell erfüllte die Norm knapp, gekauft in einem Geschäft der Optikerkette Visilab; das Unternehmen nannte es ein Auslaufmodell.
Alle 13 Brillen bestanden die Prüfung der Stabilität. Zu große Abweichungen der Glasmitten vom angegebenen Abstand hatten zwei Modelle, eines vom Kiosk, eines von einer bekannten Sonnenbrillenmarke. Insgesamt erreichten alle Brillen genügende bis gute Ergebnisse, eine einzige ein „sehr gut". Über die Fertigung sagte der Laden also wenig. Das schwächste Ergebnis bei den Dioptrien stammte vom Optiker, die Ausreißer bei der Zentrierung aus anderen Läden.
Bei der Beschichtung liegt ein Unterschied, den man selbst prüfen kann. Fertiglesebrillen haben laut dem Optometristen im Kassensturz meist weder eine Entspiegelung noch eine Hartschicht. Oft seien sie nicht oder nur ungenügend entspiegelt, schreibt der Schweizer Augenoptiker, sodass Lichtreflexe stören können. Wer eine entspiegelte Fertiglesebrille sucht, sollte die Angabe ausdrücklich auf Packung oder Produktseite finden.
Wie sich Herrenmodelle im Onlinehandel bei Federscharnier, Kennzeichnung und Zentrierabstand schlagen, steht im Prüfstand für Herrenbrillen mit Scharnier, Zentrierabstand und Warnhinweisen. Dort ist auch beschrieben, welche Haltbarkeitsmängel die Stiftung Warentest fand.
Pupillenabstand und Glasmitte: wo Fertigbrillen streuen
„Lesebrille pd" steht für Pupillendistanz, den Abstand zwischen den Mitten beider Pupillen. Er liegt nach dem Schweizer Augenoptiker meist zwischen 50 und 70 Millimetern. Bei Fertigbrillen sind die Glasmitten dagegen fest eingestellt, meist auf 62 Millimeter. Ob das zum eigenen Gesicht passt, ist Zufall.
Friedburg erklärt die Folge anschaulich. Weil nicht alle Menschen den gleichen Augenabstand haben, blickt man unter Umständen durch einen unpassenden Teil der Brille. Ist der eigene Abstand größer als die Norm, sieht man durch einen Bereich, der für eine andere Stelle des Auges ausgelegt ist. Knapper fasst es die Stiftung Warentest: Durch die optischen Mittelpunkte der Gläser sollten die Augen blicken, und diese Punkte lägen oft nicht an den richtigen Stellen.
Abhilfe schafft eine Angabe, die nach der Norm auf der Brille stehen muss: der Abstand der Glasmitten, auch Zentrierabstand genannt. Im Labor des Kassensturz fehlte sie bei einigen Modellen, darunter bei zwei verbreiteten Sonnenbrillenmarken.
Unterschiedlich reagierten die Anbieter auf den Bericht. Eine der beiden Marken ohne Angabe bedauerte das Versäumnis und kündigte an, es zu beheben, die andere versprach die fehlende Angabe auf dem Bügel. Die Migros nahm ihre Lesebrille vorsorglich aus dem Regal, um den Pupillenabstand zu prüfen. Polaroid, eines der beiden Modelle mit zu großer Abweichung, leitete nach eigener Aussage umgehend Nachtests ein. Dass eine Angabe auf dem Bügel steht, heißt also noch nicht, dass sie stimmt, und dass sie fehlt, fiel erst im Labor auf.
Im Onlinehandel ist die Lücke größer. Wie selten Angebote den Abstand überhaupt nennen, zeigt die Zählung der Pupillenabstand-Angaben in 88 Herrenangeboten.
Praktisch bedeutet das: Den eigenen Pupillenabstand kennt man nur, wenn man ihn messen lässt. Kennt man ihn, kann man im Laden eine Fertigbrille suchen, deren aufgedruckter Zentrierabstand dazu passt. Eine Pupillendistanz im Normbereich nennt der Augenarzt im Kassensturz ausdrücklich als Bedingung dafür, dass gegen die Fertigbrille nichts einzuwenden sei.
Bei der Wahl der Fassung zählt außerdem die Breite des Gestells. Wie breit Damen-Lesebrillen im Handel tatsächlich sind und welche Bauform zu welcher Lage passt, zeigt die Auswertung von 92 Damenbrillen nach Breite und Tragesituation.
Was auf Anhänger und Packung stehen soll
Wo keine Beratung stattfindet, muss der Anhänger sie ersetzen. Als vorgeschriebene Angaben nennt die Stiftung Warentest die optische Stärke in Dioptrien, meist auf einem Aufkleber, und das Symbol eines durchgestrichenen Autos als Warnung für Autofahrer. Dazu kommen gut lesbare Warnhinweise mit festem Wortlaut.
Vier Sätze zählt der Bericht auf. Laut dem ersten eignet sich die Brille allein zum Nahsehen und Lesen; der zweite und der dritte schließen sie am Steuer und als Augenschutz aus. Beim vierten handelt es sich um den bereits zitierten Hinweis auf die regelmäßige fachkundige Augenuntersuchung. Fehlen diese Sätze, spricht das zumindest dafür, dass der Anbieter die Anforderungen an Fertigbrillen nicht genau nimmt.
Auch beim Namen kann man genau hinsehen. Fast die Hälfte der 2004 geprüften Brillen trug die Bezeichnung „Lesebrille". Korrekt seien „Fertiglesebrille" oder „Zweit- und Ersatzlesebrille", schrieb die Stiftung Warentest, weil eine Fertigbrille keine angepasste Lesebrille ersetze. Ein Grund zur Sorge ist der Name allein nicht. Über die Eignung verrät er aber auch nichts.
Auch die Sonne betrifft der Hinweis, die Brille nicht als Augenschutz zu gebrauchen. Getönt ist eine Fertiglesebrille noch lange keine Sonnenbrille. Woran man erkennt, welche Tönung wofür taugt, erklärt die Übersicht der Kategorien 0 bis 4 auf dem Bügel einer Sonnenbrille.
Für Sonnen-Lesebrillen gilt zusätzlich, dass der UV-Schutz stimmen muss, und die Angabe „UV400" allein beweist ihn nicht. Wie sich das nachprüfen lässt, beschreibt der Ratgeber zur Nachprüfung des UV-Filters bei Sonnenbrillen.
Fernbrille, Kurz- oder Weitsichtigkeit: wann die Fertigbrille trotzdem hilft
Eine Absage am Anfang dieser Seite galt allen, die für die Ferne eine Brille brauchen. Ganz ausgeschlossen ist die Fertigbrille für sie aber nicht. Friedburg nennt eine Ausnahme: Man könne die Lesebrille aus Drogerie oder Discounter über der angepassten Fernbrille tragen, wenn es um kurzes Sehen in der Nähe geht, etwa beim Lesen der Speisekarte im Restaurant.
Als einzige Lesebrille hält er sie nur unter einer Bedingung für sinnvoll: wenn man ohne Brille sehr gut in die Ferne sieht. Das komme eher selten vor, fügt er hinzu. Zu dieser Vorsicht passen die Gutenberg-Daten: Kurz- und Weitsichtigkeit kamen dort jeweils bei rund einem Drittel der Erwachsenen vor.
Für Kurzsichtige hat die Frage eine eigene Wendung. Fertigbrillen für die Ferne dürfen ihnen nach dem Bericht der Stiftung Warentest nicht verkauft werden. Eine Fertiglesebrille mit Plusgläsern brauchen viele von ihnen gar nicht, weil sie beim Lesen die Fernbrille absetzen und ohne Glas auskommen. Ob das im eigenen Fall reicht, hängt von der Stärke ab. Alle, die zusätzlich kurzsichtig sind, schickt der Schweizer Augenoptiker zum Optiker.
Wie sich Kurz- und Weitsichtigkeit auf die passende Lesestärke auswirken und warum eine Alterstabelle dann nicht mehr trägt, steht im Abschnitt zu Kurz- und Weitsichtigen im Lesestärke-Ratgeber. Er stützt sich auf das Gesundheitsportal des Bundes.
Weitsichtige stört die Alterssichtigkeit nach derselben Quelle meist deutlicher, und ihre rechnerische Lesestärke fällt zu schwach aus. Wer leicht weitsichtig ist und in die Ferne ohne Brille gut sieht, kann mit einer Fertigbrille zurechtkommen, braucht aber eine höhere Stufe, als eine Alterstabelle vorschlägt. Da Weitsichtigkeit in der Gutenberg-Studie mit dem Alter häufiger wurde, gehört vor jede neue Stufe die Frage, ob die alte Messung noch stimmt.
Bildschirm, Smartphone, Auto: wo Fachleute abraten
Bei einigen Aufgaben raten die Quellen von der Fertigbrille ab, auch wenn die Augen eigentlich passen. Wer professionell am Bildschirm arbeite, für den sei die Drogeriemarktbrille bestimmt nicht das Optimum, sagt Friedburg. Gerade beim Smartphone sei eine professionell ausgemessene und angepasste Nahbrille essenziell. Für dauerhaftes Lesen, Bildschirmarbeit oder den ganzen Tag hält der Schweizer Augenoptiker Fertiglesebrillen für ungeeignet.
Ein Grund liegt im Abstand. Der Monitor steht in größerem Abstand als das Buch, das Smartphone in kleinerem, und eine Fertigbrille stellt nur auf einen Bereich scharf. Dazu kommt die Dauer: Was beim kurzen Blick in die Speisekarte nicht stört, summiert sich über einen Arbeitstag. Wie sich Abstand und Stärke am Monitor zueinander verhalten, behandelt der Ratgeber mit Diagnosetabelle für die Arbeit am Monitor.
Oft wird am Bildschirm auch ein Blaufilter angeboten, mit dem Versprechen, die Augen zu entlasten. Ob das stimmt, ist eine eigene Frage, und wie die Studienlage zu solchen Gläsern ausfällt, steht im Abgleich von 90 Filterangeboten mit der Forschung.
Beim Autofahren gibt es keine Abwägung. „Nicht beim Führen von Kraftfahrzeugen" gehört zu den Warnhinweisen, die die Stiftung Warentest für Fertigbrillen nennt, und das Symbol des durchgestrichenen Autos auf der Packung sagt dasselbe. Scharf stellt eine Lesebrille auf die Nähe. Am Steuer verschwimmt durch sie genau das, worauf es ankommt.
Die Entscheidungstabelle: vom Befund zur Antwort
In der Tabelle steht, was die gelesenen Quellen zu einzelnen Befunden sagen. Wo keine Quelle eine feste Grenze nennt, steht das dabei. Vorausgesetzt ist, dass man den Befund kennt, also gemessen hat. Ohne Messung gilt die letzte Zeile.
| Befund oder Lage | Fertiglesebrille? | Begründung und Herkunft |
|---|---|---|
| Fernsicht ohne Brille gut, beide Augen gleich, keine Hornhautverkrümmung, Pupillenabstand im Normbereich | ja, als Lese- oder Zweitbrille | Augenarzt Jens Funk im Kassensturz: dann ist nichts einzuwenden |
| Unterschied zwischen den Augen ab 1 Dioptrie | nein | ab dieser Grenze spricht die Gutenberg-Studie von Ungleichsichtigkeit; Folge laut Stiftung Warentest: Sehunruhe |
| Unterschied messbar, aber unter 1 Dioptrie | offen, mit dem Augenoptiker besprechen | keine gelesene Quelle nennt eine Grenze; Funk verlangt „keine Unterschiede" |
| Hornhautverkrümmung gemessen | als Hauptbrille nein, als Notbrille je nach Stärke | Stiftung Warentest: je stärker, desto unvollkommener; eine feste Grenze nennt keine Quelle |
| kurzsichtig | meist unnötig | Fertigbrillen für die Ferne sind für Kurzsichtige nicht erlaubt; zum Lesen reicht oft das Abnehmen der Fernbrille |
| Fernbrille vorhanden | nur kurz, über der Fernbrille | Friedburg, Berufsverband der Augenärzte: etwa für die Speisekarte |
| viel Bildschirmarbeit oder Smartphone | nein, angepasste Brille | Friedburg und der Schweizer Augenoptiker |
| Autofahren | nein | vorgeschriebener Warnhinweis und Symbol auf der Packung |
| müde Augen, Kopfschmerzen oder Sehunruhe mit der Fertigbrille | absetzen und messen lassen | Stiftung Warentest nennt diese Beschwerden als Folge unpassender Brillen |
| beim Abdecktest ein Auge deutlich unschärfer | vorerst nein | Hinweis auf ungleiche Augen; Messung klärt die Größe |
| noch keine Untersuchung seit Beginn der Alterssichtigkeit | erst Termin, dann entscheiden | Funk und Friedburg raten dazu; in der Gutenberg-Studie war jedes zweite Glaukom unentdeckt |
Wer seine Werte nicht kennt, beginnt mit der letzten Zeile und sieht danach in den übrigen nach. Am Ende ist die Fertigbrille entweder eine begründete Wahl oder eine, von der man weiß, warum man sie nicht nimmt.
Eine Zeile fehlt bewusst: die nach der Herkunft der Brille. Ob Drogerie, Discounter, Kiosk oder Optikerregal, entscheidet über die Eignung nichts. Es entscheidet nur darüber, ob jemand beim Kauf eine Frage stellt.
Die Gesprächsliste für Augenoptik und Augenarztpraxis
Die Liste lässt sich zum Termin mitnehmen. Sie fragt nach den Werten, die über die Fertigbrille entscheiden, und nach der Untersuchung, die über die Brille hinausgeht. Nicht jede Frage passt an jeden Ort. Nach Sehnerv und Gesichtsfeld fragt man in der Augenarztpraxis, nach Pupillenabstand und Zentrierabstand eher beim Augenoptiker.
Fragen für den Termin
Sind meine beiden Augen gleich stark, und wie groß ist der Unterschied in Dioptrien?
Ab 1 Dioptrie spricht die Gutenberg-Studie von Ungleichsichtigkeit. Darunter mit der Fachkraft klären, ob zwei gleiche Gläser genügen.
Habe ich eine Hornhautverkrümmung, und wie hoch ist der Zylinder?
Je stärker die Verkrümmung, desto weniger leistet eine Fertigbrille. Den Wert auf das Messblatt schreiben lassen.
Wie groß ist mein Pupillenabstand?
Mit diesem Wert lässt sich eine Fertigbrille suchen, deren aufgedruckter Zentrierabstand passt.
Für welchen Leseabstand gilt die gemessene Stärke?
Buch, Handy und Bildschirm liegen verschieden weit weg. Den eigenen Abstand vorher mit dem Maßband messen.
Reicht für mich eine Fertiglesebrille als Lese- oder Zweitbrille?
Genau diese Frage soll nach der Stiftung Warentest die Fachkraft beantworten, nicht das Gefühl am Regal.
Wurden Sehnerv und Gesichtsfeld angesehen?
In der Gutenberg-Studie wurde der grüne Star so erkannt. Eine gute Sehschärfe schließt ihn nicht aus.
Kann ich die Messwerte schriftlich mitnehmen?
Mit dem Messblatt lassen sich Stufe und Zentrierabstand einer Fertigbrille später gezielt wählen.
Wann sollte ich die Augen wieder untersuchen lassen?
Die Alterssichtigkeit schreitet fort, und Befunde wie Hornhautverkrümmung wurden in der Studie mit dem Alter häufiger.
Wer die Antworten auf die ersten drei Fragen kennt, kann die Entscheidungstabelle selbst lesen. Mit der Brille hat die Frage nach Sehnerv und Gesichtsfeld nichts zu tun, und trotzdem ist sie die wichtigste auf der Liste.
Wie diese Seite vorgegangen ist
Grundlage sind acht Quellen, gelesen am 10. Oktober 2026: zwei Seiten des Berichts der Stiftung Warentest von 2004, der Labortest des Kassensturz von 2018, das Gespräch von Bayern 1 mit dem Berufsverband der Augenärzte von 2025, der Ratgeber eines Schweizer Optikerverbunds sowie drei Auswertungen der Gutenberg-Gesundheitsstudie aus den Jahren 2014, 2023 und 2026. Das Urteil des Bundesgerichtshofs ist nach einer Meldung von wissenschaft.de wiedergegeben, der Volltext lag nicht vor.
Ausgangspunkt waren die sechs obersten Treffer einer Suche nach „lesebrille optiker oder discounter" vom 10. Oktober 2026, darunter zwei Shops für Fertigbrillen und eine fast leere Seite. Keine nennt eine Bevölkerungszahl mit Herkunft. Zurückverfolgt wurden die Zahlen „jeder Zehnte" und „95 Prozent" bis zu ihrer genannten Quelle. Für die Schadensfrage kam eine Stichwortsuche in PubMed hinzu.
Den Gesamtweg vom ersten Termin bis zum Modell ordnet der Überblick, der die Lesebrillen-Entscheidung in fünf Schritte teilt.
Bei der Obergrenze von 45,8 Prozent handelt es sich um eine eigene Rechnung aus den Werten von 2014. Sie unterstellt, dass sich Hornhautverkrümmung und Ungleichsichtigkeit nicht überschneiden, und überschätzt den Anteil damit eher. Gemessen hat diese Seite weder Augen noch Brillen, und mit einer Praxis wurde nicht gesprochen. Wie das Portal allgemein mit Quellen und Zählungen arbeitet, erklärt die Seite zur Methodik des Portals.
Fehler in Zahlen oder Wiedergaben werden offen berichtigt. Wo das geschieht und wie man einen Fehler meldet, zeigt die Übersicht der Berichtigungen.
Verantwortet wird der Text vom Fachbereich, nicht von einer Einzelperson. Wer dahinter steht und wie dort gearbeitet wird, ist auf der Profilseite des Fachbereichs Brillen & Style nachzulesen.
Die Gegenprobe: wann diese Empfehlung nicht gilt
Zwei Teile hat der Rat dieser Seite. Eine Fertiglesebrille schadet den Augen nach allem, was belegt ist, nicht, und sie passt mehr Menschen, als die verbreiteten Zahlen behaupten. Ob man selbst dazugehört, weiß man aber erst nach einer Untersuchung, und die ist schon wegen des grünen Stars sinnvoll. Beide Teile haben Grenzen.
Zuerst die Dauer. Alle Aussagen zur Schadensfrage betreffen das Auge, nicht den Arbeitstag. Wer stundenlang mit einer Fertigbrille liest oder am Bildschirm sitzt, bekommt die Beschwerden, die die Stiftung Warentest beschreibt, eher zu spüren als jemand, der nur die Speisekarte liest. Für Vielleser verschiebt sich die Abwägung zur angepassten Brille, auch wenn die Augen eigentlich passen würden.
Schwieriger wird es bei den kleinen Unterschieden. Einen Unterschied von einer Viertel Dioptrie behandelt die Rechnung dieser Seite als unbedeutend. Ganz so einfach ist es nicht. In der Mainzer Auswertung von 2026 sind Experimente zusammengefasst, in denen schon eine künstlich erzeugte Ungleichheit unter 0,5 Dioptrien das räumliche Sehen gesunder Erwachsener messbar verschlechterte. Geprüft wurde das räumliche Sehen in die Ferne, nicht das Lesen. Für Fertigbrillen untersucht ist der Effekt nicht.
Auch die Daten haben Grenzen. Erhoben wurde die Gutenberg-Studie im Raum Mainz, an Menschen von 35 bis 74 Jahren. Wer älter ist, liegt bei Hornhautverkrümmung und Ungleichsichtigkeit wahrscheinlich über den Mittelwerten. Und die Messung per Gerät ist nicht dasselbe wie der Sehtest, der am Ende über eine Brille entscheidet.
Und dann ist da die einzelne Brille. Selbst wer gleiche Augen hat, kann eine schlecht gefertigte Fertigbrille erwischen. Im Kassensturz waren zwei von 13 Modellen so ungenau zentriert, dass der Laborleiter Beschwerden erwartete. Gute Augen machen eine schlechte Brille nicht besser.
Umgekehrt gibt es Fälle, in denen die angepasste Brille nicht die bessere Antwort ist. Wer gemessen hat, gleiche Augen ohne nennenswerte Verkrümmung hat und eine Lesehilfe für das Handschuhfach, die Küche oder die Handtasche sucht, ist mit einer Fertigbrille gut bedient. Schon die Stiftung Warentest beschrieb 2004, dass viele Alterssichtige ihre Lesehilfen an mehreren Orten deponieren, zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Aktentasche. Eine angepasste Brille für jeden dieser Orte wäre mehr, als die Augen verlangen.
Offen bleibt am Ende, was keine Quelle beantwortet: ab welchem Unterschied zwischen den Augen und ab welchem Zylinder zwei gleiche Gläser beim Lesen spürbar schlechter sind als angepasste. Solange dazu keine Studie vorliegt, entscheidet die Messung im Einzelfall, und die Fachkraft, die sie gemacht hat.
Häufige Fragen
Schaden Fertiglesebrillen den Augen?
Ein bleibender Schaden ist nicht belegt. Die Stiftung Warentest schrieb 2004, bleibende Schäden seien nicht nachgewiesen; ein Augenarzt des Universitätsspitals Zürich und der Berufsverband der Augenärzte halten Augenschäden für ausgeschlossen oder kaum zu erwarten. Möglich sind Beschwerden wie müde Augen, Sehunruhe oder Kopfschmerzen, die mit dem Absetzen vergehen.
Lesebrille vom Optiker oder vom Discounter: was ist besser?
Der Laden entscheidet wenig, denn auch Optiker verkaufen Fertigbrillen. Entscheidend ist, ob eine Fertigbrille mit zwei gleichen Gläsern zu den eigenen Augen passt oder eine angepasste Brille nötig ist. Das zeigt eine Messung, nicht der Lesetest am Regal.
Für wen reicht eine Fertiglesebrille?
Für Menschen, die ohne Brille gut in die Ferne sehen, auf beiden Augen gleich stark sind, keine nennenswerte Hornhautverkrümmung haben und deren Pupillenabstand zum Zentrierabstand der Brille passt. In der Gutenberg-Studie hatten mindestens 54 Prozent der Erwachsenen weder eine Hornhautverkrümmung über 0,5 noch einen Unterschied über 1 Dioptrie.
Stimmt es, dass fast alle Menschen unterschiedlich starke Augen haben?
Messbar verschieden sind die Augen bei den meisten, aber meist nur gering. In der Gutenberg-Studie lag der Unterschied bei 13.307 Erwachsenen im Median bei 0,25 Dioptrien, 14,64 Prozent hatten 1 Dioptrie oder mehr. Für die oft genannten 95 Prozent und für „nur jeder Zehnte" fand sich keine Herkunft.
Zuerst zum Optiker oder zum Augenarzt?
Wer seit Beginn der Alterssichtigkeit noch nicht untersucht wurde, beginnt in der Augenarztpraxis. In der Gutenberg-Studie war etwa jedes zweite Glaukom unentdeckt, und es wird über Sehnerv und Gesichtsfeld erkannt, nicht über die Sehschärfe. Ob eine Fertigbrille reicht, lässt sich auch beim Augenoptiker messen.
Kann ich eine Fertiglesebrille über der Fernbrille tragen?
Für kurze Aufgaben in der Nähe ja, etwa für die Speisekarte im Restaurant, sagt ein Sprecher des Berufsverbands der Augenärzte. Als einzige Lesebrille hält er die Fertigbrille nur bei sehr guter Fernsicht ohne Brille für sinnvoll.
Taugt eine Fertiglesebrille für den Bildschirm oder das Smartphone?
Für gelegentliches Lesen schon, für professionelle Bildschirmarbeit und viel Smartphone-Nutzung raten der Berufsverband der Augenärzte und ein Schweizer Augenoptiker zu einer angepassten Brille. Abstand und Dauer sind dort andere als beim Buch.
Woran merke ich, dass meine Fertigbrille nicht passt?
An müden oder roten Augen, Sehunruhe oder Kopfschmerzen nach längerem Lesen, die die Stiftung Warentest als Folgen unpassender Brillen nennt. Ein einfacher Hinweis ist der Abdecktest: Wird der Text mit einem Auge deutlich unschärfer als mit dem anderen, passt die Stufe für dieses Auge nicht.
Quellen
- [1]Stiftung Warentest: Fertiglesebrillen – Bestenfalls ein Kompromiss, Seite „Fertiglesebrillen" (2004)· abgerufen 2026-10-10
- [2]Stiftung Warentest: Fertiglesebrillen – Bestenfalls ein Kompromiss, Seite „Der Einkaufstest" (2004)· abgerufen 2026-10-10
- [3]SRF Kassensturz: Lesebrillen im Test (12.03.2018)· abgerufen 2026-10-10
- [4]Bayern 1 (BR): Lesebrille – Gespräch mit Prof. Friedburg, Berufsverband der Augenärzte (03.02.2025)· abgerufen 2026-10-10
- [5]Gesundheitsoptik (Stephan Spirgi): Lesebrillen aus dem Supermarkt – was taugen sie? (akt. 12.12.2025)· abgerufen 2026-10-10
- [6]Wolfram C et al.: Prevalence of refractive errors in the European adult population: the Gutenberg Health Study, British Journal of Ophthalmology 2014· abgerufen 2026-10-10
- [7]Welzel AM et al.: Anisometropia and Its Related Traits – Results From the Gutenberg Health Study, Investigative Ophthalmology & Visual Science 2026· abgerufen 2026-10-10
- [8]Stingl JV et al.: Awareness for glaucoma in the general population (Glaukombewusstsein in der Allgemeinbevölkerung), Ophthalmologie 2023· abgerufen 2026-10-10
Welche Quellenarten wie gewichtet werden, steht auf Quellen.
Änderungen an diesem Beitrag
- 2026-10-10Querverweise auf die neuen Seiten des Clusters ergänzt (Fertiglesebrille oder Optiker, Lesebrille am Bildschirm, Cluster-Überblick).
- 2026-10-10Ersterstellung. Schadensfrage an Stiftung Warentest 2004, Kassensturz 2018, Bayern 1 2025 und dem BGH-Urteil von 1996 geprüft; die Zahlen „jeder Zehnte" und „95 Prozent" gegen die Gutenberg-Gesundheitsstudie gestellt; Entscheidungstabelle und Gesprächsliste.
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