Zum Inhalt springen

Vergleich

Lesebrille mit Blaulichtfilter: 90 Angebote gegen die Studienlage

16 von 90 Lesebrillen nennen eine Filterquote, 15 davon 90 bis 99 Prozent. Die Forschung nennt 10 bis 25. Fünf Brillen im Belegabgleich, eine ohne Filter.

Veröffentlicht
2026-10-10
Zuletzt geändert
geändert 2026-10-10
Zuletzt geprüft
geprüft 2026-10-10
Fünf Lesebrillen aus der Suche nach Blaulichtfilter, Angaben vom 09. und 10.10.2026. Die Spalte Filterangabe gibt wieder, was das Angebot behauptet, nicht was gemessen ist.
Merkmal
Gaoye Lesebrille mit Blaufilter, Fünferpack
Gaoye Lesebrille mit Blaufilter, FünferpackEinsteiger
DOOViC Lesebrille TR90 mit Blaulichtfilter
DOOViC Lesebrille TR90 mit BlaulichtfilterEinsteiger
Firmoo Runde Lesebrille aus Metall mit Blaulichtfilter
Firmoo Runde Lesebrille aus Metall mit BlaulichtfilterEinsteiger
OPULIZE MET Blaulichtfilter Lesebrille, rund
OPULIZE MET Blaulichtfilter Lesebrille, rundEinsteiger
OPULIZE PEP Lesebrille, Viererpack, ohne Blaulichtfilter
Unsere EmpfehlungOPULIZE PEP Lesebrille, Viererpack, ohne BlaulichtfilterEinsteiger
Stärken0,0 bis +4,0 in 14 Stufen, Viertel bis +3,0+1,0 bis +3,5 in zehn Stufen0,0 bis +3,0 in zehn Stufen, ab +0,50,0 und +1,0 bis +3,5 in halben Schritten+1,0 bis +3,5 in halben Schritten
Filterangabe im AngebotBlaulichtfilterbeschichtung, keine Zahl98 % laut Herstellerteil, ohne Bericht40 % zwischen 380 und 450 nm, ohne Berichtkeine Zahlkein Filter
Glasfarbenicht angegebennicht angegebennicht angegebennicht angegebenklar laut Stichpunkt
Entspiegelungnicht angegebennicht angegebenblendfrei laut StichpunktAntireflex laut Datenfeldnicht angegeben, kratzfest beschichtet
FassungPolycarbonat, rechteckig, 132 mm breitTR90, rechteckig, 137 mm breit, 14 gMetall, rund, 130 mm breit, 14 gKunststoff mit Metalldetails, rund, 137 mm breit, 23 gKunststoff, rechteckig, 138 mm breit
ScharnierFederbügel, im Stichpunkt allgemein beschriebenFederscharnier laut Vergleichstabelle im Herstellerteilnicht angegebenFederscharniereFederscharniere
Auf der PackungFotos zu klein; US-Hinweis zur Schlagfestigkeit lesbarCE, UKCA; EU-Vertreter auf der Schachtel weicht abCE, Schriftzug FDA; EU-Vertreter auf der Schachtel weicht abCE, UKCA, MD, Symbol gegen AutofahrenCE, UKCA, MD, Symbol gegen Autofahren
Zum AngebotBei Amazon ansehen(öffnet in neuem Tab)PartnerlinkBei Amazon ansehen(öffnet in neuem Tab)PartnerlinkBei Amazon ansehen(öffnet in neuem Tab)PartnerlinkBei Amazon ansehen(öffnet in neuem Tab)PartnerlinkBei Amazon ansehen(öffnet in neuem Tab)Partnerlink

Wie viel Blaulicht filtert eine Lesebrille mit Blaulichtfilter?

Schlicht klingt die Frage, und trotzdem beantwortet sie keine der Seiten, die bei der Suche nach „lesebrille blaulichtfilter" oben stehen. Kollektionsseiten zeigen Modelle, Ratgeber erklären, was blaues Licht ist. Eine Zahl dazu, wie viel davon ein gewöhnliches Filterglas tatsächlich zurückhält, findet sich dort nicht.

Sehr verschieden gehen diese Seiten mit der Frage um. Ein Lesebrillenshop räumt ein, es gebe nach aktuellem Stand keinen eindeutigen Nachweis, dass solche Brillen die Augen am Bildschirm entlasten, und verkauft im selben Atemzug Modelle mit „60 %" und „90 %" im Namen. Solche Werte seien nicht immer vergleichbar, schreibt er dazu, weil Messbereich und Verfahren verschieden sein könnten. Ein großer Onlinehändler schreibt, eine Blaulichtfilter-Brille mache für alle Menschen Sinn, auch für solche ohne Sehschwäche. Ein Schweizer Kontaktlinsenhändler nennt sie ein unverzichtbares Hilfsmittel. Quellen für diese Urteile nennt keine der drei Seiten.

Im Handel stehen dagegen sehr wohl Zahlen. 95 Prozent, 97, 98, 99. Wer auf Amazon nach einer Lesebrille mit Blaulichtfilter sucht, liest sie in den Stichpunkten, oft gleich neben dem Versprechen, Kopfschmerzen und Schlafstörungen gingen zurück.

Aus der Forschung kommt die unabhängige Zahl. Als die Cochrane-Gruppe im Juli 2023 ihren Übersichtsartikel zu Brillengläsern mit Blaulichtfilter vorstellte, sagte der Erstautor: Solche Gläser filterten typischerweise etwa 10 bis 25 Prozent des blauen Lichts, je nach Produkt. Wollte man deutlich mehr herausnehmen, bräuchte das Glas eine sichtbare Bernsteintönung, die das Farbsehen spürbar verändert.

Zwischen den 10 bis 25 Prozent der Forschung und den 95 bis 99 Prozent im Angebotstext klafft der Abstand, den diese Seite untersucht. Er wird nicht durch einen eigenen Messaufbau geschlossen, den es hier nicht gibt, sondern durch einen Abgleich: Was verspricht ein Angebot, und was davon ist irgendwo belegt? Fünf Lesebrillen werden so geprüft, eine davon ganz ohne Filter.

Vorweg, damit niemand falsche Erwartungen hat: Ob eine Lesebrille scharf macht, hängt an der Stärke, nicht am Filter. Welche Stärke passt und wann eine Fertigbrille den Augen genügt, steht auf einem anderen Blatt. Diese Seite beschränkt sich auf das, was zusätzlich auf dem Glas liegen soll.

90 Angebote, 16 Prozentzahlen, kein Prüfbericht

Die Amazon-Suche nach „lesebrille blaulichtfilter" ergab am 9. Oktober 2026 auf den ersten zwei Seiten 96 Treffer, die nicht als Anzeige markiert waren. Sechs davon waren keine Lesebrillen mit fester Stärke: eine Computerbrille und ein Dreierpack ohne Stärke, eine orangefarbene Schutzbrille und drei Brillen, die sich angeblich selbst auf die Sehstärke einstellen. Übrig blieben 90 Fertiglesebrillen. Jede Detailseite wurde aufgerufen und vollständig gelesen, vom Titel über die Stichpunkte bis zum Herstellerteil.

Nur zwei der 90 nennen in Titel und Stichpunkten keinen Filter. In dieser Suche ist der Blaulichtfilter also kein Merkmal mehr, sondern der Normalfall. Interessant wird es erst bei der Frage, was über ihn gesagt wird.

Was aus der Zählung herausfiel, ist für sich genommen aufschlussreich. Auf 26.602 Bewertungen kommt die Computerbrille ohne Stärke, die orangefarbene Schutzbrille sogar 34.593, beides weit mehr als jede Lesebrille der Suche. Zugleich ist die Schutzbrille das einzige Angebot, das im Datenfeld überhaupt eine Glasfarbe nennt: orange, rot. Sie zeigt, wie ein Glas aussehen muss, das nach der Cochrane-Mitteilung viel blaues Licht zurückhalten soll: deutlich gefärbt. Mit einer Lesebrille hat sie nichts zu tun.

Auch die drei Brillen, die sich „automatisch der Sehstärke anpassen" sollen, werben mit Blaulichtfilter. Eine davon schreibt, der Filter lasse das Licht nicht zur Netzhaut durch, und verspricht im selben Angebot, die Brille stelle sich selbst auf jede Entfernung ein. Für keine der beiden Behauptungen nennt das Angebot eine Erklärung. Solche Brillen sind keine Fertiglesebrillen mit fester Stärke und deshalb nicht mitgezählt.

Wer die 90 Lesebrillen nach Marken sortiert, sieht wenige Namen sehr oft. COJWIS stellt 15 Angebote, OPULIZE acht. Je vier kommen von Gaoye, ZENOTTIC, Fsread, MODFANS und MMOWW, je drei von Firmoo, JM, JOLISU, DOOViC, ZEHEXA und Suertree. Zusammen sind das 61 der 90. Der wortgleiche Satz über Netzhaut und Kopfschmerz aus dem Abschnitt weiter unten stammt fast ausschließlich aus dieser Gruppe.

Bei den Bauformen ist die Suche vielfältiger als bei den Versprechen. Neben den üblichen rechteckigen Kunststoffbrillen stehen randlose Brillen, Halbbrillen aus Metall, eine extra breite Brille für große Köpfe, eine ultradünne Brille mit flachem Etui und eine als selbsttönend beworbene Lesebrille. Den Blaulichtfilter tragen sie fast alle, gleich, wofür sie sonst gebaut sind.

Was 90 Lesebrillen-Angebote über ihren Blaulichtfilter sagen, Amazon, 09.10.2026
Angabe im AngebotAnzahlAnmerkung
Quote für blaues Licht in Prozent1615 davon 90 bis 99 Prozent, eine 40 Prozent
Wellenlängenbereich7415–455, 380–450, 385–445 oder 380–420 nm
Prüfbericht, Labor oder Messverfahren0auch kein Messgerät, keine Prüfstelle
mindestens ein Gesundheitsversprechen62Ermüdung, Kopfschmerz, Schlaf, trockene Augen, Netzhaut
Hinweis auf eine Glasfärbung4einer davon ehrlich: „leichter Gelbstich"
CE-Zeichen oder Medizinprodukt im Text0auf Packungsfotos teils vorhanden

Die 16 Quoten verteilen sich so: fünfmal 95 Prozent, dreimal 97, zweimal 98, dreimal 99, zweimal 90 und einmal 40. Ein Angebot nennt im selben Text 95 und 98,67 Prozent, ohne zu erklären, welche Zahl gilt. Ein anderes schreibt 99 Prozent und setzt „UV400" in Klammern dahinter, als bedeute beides dasselbe.

Zwei weitere Angebote zeigen, wie beliebig die Zahlen sind. Ein Fünferpack von JOLISU nennt keine Filterquote, wirbt aber mit „99 % hoher Lichtdurchlässigkeit", also mit dem Gegenteil eines starken Filters. Ein Viererpack von TERAISE verspricht im selben Text, die Gläser blockierten 95 Prozent des schädlichen blauen Lichts und hätten eine Lichtdurchlässigkeit von 93 Prozent. Beides kann nicht zugleich für das ganze sichtbare Licht gelten, und auf welchen Bereich sich welche Zahl bezieht, sagt keines der Angebote.

Bei den Gesundheitsversprechen ist die Ermüdung der Augen der Spitzenreiter: 60 Angebote versprechen, sie zu verringern. Kopfschmerzen oder Migräne nennen 31, besseren Schlaf 26, trockene Augen 18. Zwölf Angebote schreiben, der Filter schütze die Netzhaut, vier davon bringen ausdrücklich die Makuladegeneration ins Spiel. Ein Angebot zählt Sehverlust, Katarakt und Makuladegeneration in einem Satz als Folgen blauen Lichts auf.

Was in keinem einzigen der 90 Angebote steht: wer die Zahl gemessen hat. Kein Labor, kein Prüfbericht, kein Verfahren. Elf Treffer der Suche nach solchen Wörtern blieben nach dem Lesen übrig, und alle elf betrafen etwas anderes, meist die Maße der Fassung. Ein Anbieter schreibt, die Linsen seien „von professionellen Instrumenten gemessen und poliert" worden; gemeint ist die Fertigung, nicht der Filter.

Ein Blick in die Damen-Suche vom selben Tag zeigt, dass dieser Befund kein Sonderfall der Blaulicht-Suche ist. Dort warben 58 von 92 Lesebrillen mit einem Filter, ebenfalls ohne Nachweis. Wie diese Brillen sonst ausfallen, steht bei den Damen-Lesebrillen nach Lage und Fassungsbreite.

Was die Studien zu Augen, Schlaf und Netzhaut sagen

Die gründlichste Auswertung stammt von der Cochrane Collaboration, einem Netzwerk, das Studien zu einer Frage sammelt und nach festen Regeln bewertet. Im August 2023 erschien die aktualisierte Übersicht zu Brillengläsern mit Blaulichtfilter, erstellt an der University of Melbourne als federführender Hochschule. Gesucht wurde bis zum 22. März 2022. Am Ende standen 17 randomisierte Studien aus sechs Ländern mit zusammen 619 Teilnehmenden.

Klein und kurz waren diese Studien: Zwischen fünf und 156 Menschen nahmen jeweils teil, die Beobachtungszeit reichte von weniger als einem Tag bis zu fünf Wochen. Eine gemeinsame Rechnung über alle Studien, eine Metaanalyse, war deshalb nicht möglich. Keine Studie war in allen sieben geprüften Punkten frei von Verzerrungsrisiken, und nur gut ein Drittel war vorab in einem Studienregister angemeldet.

Etwa die Hälfte der Studien verglich zwei Gruppen nebeneinander, die andere Hälfte ließ dieselben Menschen nacheinander beide Brillen tragen. Beide Verfahren sind üblich. Bei einer so kurzen Tragezeit wie in vielen dieser Studien können sie aber nur zeigen, was nach Stunden oder wenigen Wochen passiert, nicht nach Jahren.

Was die Verzerrungsrisiken angeht, wurde die Gruppe konkret. In rund zwei Dritteln der Studien wussten diejenigen, die die Ergebnisse erhoben, welche Brille jemand trug, in gut der Hälfte auch die Teilnehmenden selbst oder das Studienpersonal. Für eine Frage wie die Augenermüdung, die man mit einem Fragebogen misst, ist das ein ernster Mangel: Wer weiß, dass er einen Filter trägt, empfindet womöglich schon deshalb weniger Belastung.

Auch die Teilnehmenden waren sehr verschieden. Manche Studien untersuchten gesunde Erwachsene, andere Menschen mit Schlafstörungen oder psychischen Erkrankungen. Ergebnisse aus einer Gruppe von Menschen mit Schlafproblemen lassen sich nicht ohne Weiteres auf jemanden übertragen, der abends eine Viertelstunde am Tablet liest.

Ergebnisse des Cochrane-Reviews CD013244 (2023), Filterglas gegen Glas ohne Filter
FrageErgebnisVertrauen in die Evidenz
Augenermüdung am Bildschirm, unter einer Wochemöglicherweise kein Unterschiedgering
Flimmerverschmelzungsfrequenz, ein Maß für Ermüdungwenig bis kein Unterschiedgering
Sehschärfewahrscheinlich wenig bis keine Wirkungmoderat
Schlafqualitätunklar, Studien widersprechen sichsehr gering
Wachheit am Tagunbekanntsehr gering
Netzhaut und Makula, Melatonin, Farbsehen, Blendungvon keiner Studie untersuchtkeine Aussage möglich

Für die Augenermüdung heißt das: Am Bildschirm hat ein Filterglas in den Studien die kurzfristige Belastung nicht messbar verringert. In einer Studie mit 120 Teilnehmenden lagen die Werte mit Filter sogar etwas schlechter, allerdings mit so breiter Streuung, dass daraus kein Nachteil folgt. Zwei kleinere Studien mit zusammen 46 Menschen fanden ebenfalls keinen bedeutsamen Unterschied.

Am Bildschirm zählen stattdessen Abstand, Stärke und Pausen; wie genau, steht im Ratgeber zu Lesebrille und Bildschirmbrille mit Abstandsrechnung.

Beim Schlaf ist das Bild gespalten. Sechs Studien mit 148 Teilnehmenden haben ihn untersucht. Drei fanden mit Filter bessere Schlafwerte, drei keinen Unterschied. Dazu kommen sehr unterschiedliche Teilnehmergruppen, von gesunden Erwachsenen bis zu Menschen mit Schlafstörungen oder psychischen Erkrankungen. Man wisse schlicht nicht, schreiben die Autorinnen und Autoren, ob Filtergläser beim Schlaf gleichwertig oder überlegen seien.

Und die Netzhaut? Hier ist die Lücke am größten. Keine der 17 Studien hat die Gesundheit der Makula untersucht. Auch der Melatoninspiegel, das Farbsehen und die Blendempfindlichkeit kamen in keiner vor. Wer den Schutz der Netzhaut verspricht, wie es zwölf Angebote tun, beruft sich also auf etwas, das in klinischen Studien am Menschen bisher niemand geprüft hat.

Zu den Nebenwirkungen fanden die Forscher wenig, aber nicht nichts. Berichtet wurden Kopfschmerzen, gedrückte Stimmung, verstärkte depressive Symptome und Unbehagen beim Tragen. Vorübergehend und meist leicht waren die Beschwerden, und sie traten auch bei Gläsern ohne Filter auf. Wahrscheinlich hängen sie eher mit dem Tragen einer Brille zusammen als mit dem Filter selbst.

Zahlen aus einzelnen Studien nennt dazu die deutsche Zusammenfassung des Reviews. In einer Studie berichteten acht Prozent der Teilnehmenden mit Filterglas von Kopfschmerzen, in einer anderen 17 Prozent von verstärkten depressiven Symptomen, in einer dritten fünf Prozent von gedrückter Stimmung. Unbehagen beim Tragen gaben in zwei Studien zusammen 22 Prozent an. In den Gruppen mit normalem Glas kamen ebenfalls Unbehagen und vereinzelt eine gehobene Stimmung vor. Über Nebenwirkungen berichtet haben überhaupt nur neun der 17 Studien.

Die Seniorautorin Laura Downie fasste bei der Vorstellung zusammen, es gebe eine Reihe von Werbeversprechen, die Augenbelastung zu senken, den Schlaf zu verbessern und die Netzhaut zu schützen. Für alle drei sei die Evidenz nicht schlüssig. Eine Verordnung solcher Gläser für die Allgemeinbevölkerung stützten die Ergebnisse nicht.

Eine zweite Arbeit zeigt, was ein Filterglas physikalisch leistet. Forscher der Hong Kong Polytechnic University haben 2017 fünf Filtergläser ohne Stärke vermessen. Rechnerisch senkten sie die schädigende Wirkung des Lichts auf die Netzhaut, die sogenannte Phototoxizität, um 10,6 bis 23,6 Prozent. In einem zweiten Teil trugen 80 Computernutzer aus zwei Altersgruppen, 18 bis 30 und 40 bis 55 Jahre, einen Monat lang Filtergläser oder ein normales Glas. Kontrast und Farbunterscheidung litten nicht messbar, und über 70 Prozent bemerkten die optischen Veränderungen gar nicht.

Das ist für Käuferinnen und Käufer einer Lesebrille wichtiger, als es klingt. Genau die zweite Altersgruppe dieser Studie ist es, die eine erste Lesebrille braucht. Und das Ergebnis hat zwei Seiten: Ein übliches Filterglas stört kaum. Es filtert aber auch nur einen Teil, weit entfernt von 95 oder 99 Prozent.

Zwei weitere Werte hat die Studie aus Hongkong berechnet. Rechnerisch verringerten die Filtergläser die Empfindlichkeit für das Sehen in der Dämmerung um 2,4 bis 9,6 Prozent und die Unterdrückung von Melatonin um 5,8 bis 15 Prozent. Beides sind Rechenwerte aus der gemessenen Durchlässigkeit, keine Messungen an Menschen. Sie zeigen in dieselbe Richtung: Ein übliches Filterglas verschiebt das Licht ein wenig, nicht grundlegend.

Fair ist es, das Fazit der Autoren vollständig wiederzugeben. Sie schreiben, Filtergläser könnten energiereiches kurzwelliges Licht teilweise filtern, ohne Sehleistung und Schlafqualität wesentlich zu verschlechtern, und könnten als ergänzende Möglichkeit dienen, die Netzhaut vor einer möglichen Gefährdung durch blaues Licht zu schützen. Das ist vorsichtig formuliert, mit „teilweise" und „möglich". Einen Nachweis für den Schutz der Netzhaut enthält die Studie nicht. Ein Teil der Mittel kam laut Interessenerklärung in Form von Gläsern und einer Beratungsvergütung von einem Unternehmen.

Blaulichtfilter, Entspiegelung, UV400, Tönung: vier Begriffe

In den Angeboten gehen vier Dinge durcheinander, die auf einem Brillenglas nebeneinander liegen können, aber Verschiedenes tun. Hält man sie auseinander, liest man jeden Stichpunkt anders.

Vier Begriffe auf dem Glas und was sie bedeuten
BegriffWas er beschreibtWoran man ihn erkennt
Blaulichtfilter als Beschichtungreflektiert einen Teil des kurzwelligen sichtbaren Lichtsbläulicher Schimmer im Spiegelbild
Blaulichtfilter als Tönungschluckt einen Teil im Glas selbstgelbliche, bernsteinfarbene oder bräunliche Färbung
Entspiegelungverringert Reflexe auf dem Glas, für klarere Sichtschwacher Restreflex auf dem Glas
UV-Schutz, UV400hält unsichtbare ultraviolette Strahlung bis 400 nm abgar nicht, nur durch Messung

Die beiden Filterarten der ersten Zeilen tauchen auch in der Studie aus Hongkong auf. Dort trug eine Gruppe ein Glas mit blau filternder Entspiegelungsschicht, die andere ein braungetöntes Glas. Beides gilt als Blaulichtfilter. Für das Auge des Betrachters sehen sie aber verschieden aus, und das macht sie unterscheidbar.

UV400 hat mit blauem Licht nichts zu tun. Gemeint ist, dass das Glas ultraviolette Strahlung bis zur Wellenlänge von 400 Nanometern abhält, also den unsichtbaren Teil unterhalb des Blaus. Für eine Sonnenbrille ist das eine zentrale Angabe, für eine Lesebrille im Zimmer eine Nebensache. Wer genauer wissen will, was hinter der Zahl steht und wie sie gemessen wird, findet das in der Erklärung, was UV400 auf einer Brille bedeutet.

In den 90 Angeboten wird UV in 43 Fällen erwähnt, Entspiegelung, Antireflex oder Blendfreiheit in 30. Wie leicht dabei UV und blaues Licht verwechselt werden, zeigt das JOLISU-Set mit „99% der schädlichen Blaulichtstrahlen (UV400)". Der Satz verbindet zwei verschiedene Dinge, und keines davon ist belegt.

Ein vierter Begriff fällt ebenfalls oft, gehört aber nicht hierher: der Polfilter. Er dämpft gespiegeltes Licht von Wasser oder Straße und ist eine Eigenschaft von Sonnenbrillen. Mit blauem Licht hat er so wenig zu tun wie UV400. Wie man ihn mit einem Telefon prüft, steht im Selbsttest für polarisierte Gläser.

415 bis 455 Nanometer: woher die Wellenlängen kommen

Sieben Angebote nennen einen Wellenlängenbereich. Zweimal steht 415 bis 455 Nanometer da, zweimal 380 bis 450, zweimal 385 bis 445 und einmal 380 bis 420. Präzise wirken diese Zahlen. Woher der Bereich stammt, sagt keines der sieben Angebote. Wie stark das Glas darin filtert, sagen drei, alle von Firmoo: einmal 99, einmal 90 und einmal 40 Prozent.

Den fachlichen Rahmen beschreibt ein technischer Bericht der Internationalen Normungsorganisation, ISO/TR 20772 vom Oktober 2018. Er behandelt den kurzwelligen sichtbaren Anteil der Sonnenstrahlung von 380 bis 500 Nanometern, also Violett, Indigo und Blau, und erklärt, wie Brillengläser und Sonnenbrillen ihn filtern und wie das gemessen wird. Künstliche Lichtquellen, also auch Bildschirme, klammert der Bericht ausdrücklich aus.

Ein Brillen-Onlinehändler aus den Suchergebnissen beruft sich auf denselben Bericht, wenn er das „blau-violette" Licht auf 400 bis 455 Nanometer eingrenzt. Alle Bereiche der Amazon-Angebote liegen ungefähr in dieser Gegend. Ein Normbericht, der sich der Sonne widmet, ist aber kein Beleg dafür, was ein bestimmtes Glas mit dem Licht eines Bildschirms macht.

Wie viel Licht ein Bildschirm überhaupt abgibt, hat die Stiftung Warentest 2021 zusammengetragen. Sie zitiert den wissenschaftlichen Ausschuss der EU für Gesundheitsrisiken: Die Strahlung von LED-Bildschirmen in Fernsehern, Laptops, Handys und Tablets liege bei weniger als zehn Prozent der Höhe, die der Sicherheitsgrenzwert erlaubt. Bei normalem Gebrauch bestehe kein Risiko. Kleine Kinder und ältere Menschen könnten empfindlicher reagieren, etwa mit Blendung.

Im selben Beitrag weist ein Professor für Optik und Optometrie der Ernst-Abbe-Hochschule Jena auf eine zweite Lücke hin. Für Geräte gebe es keine Pflicht, die spektrale Verteilung des Lichts anzugeben. Ein Laie könne den Blauanteil eines Bildschirms nicht erkennen. Es lasse sich nicht einmal sagen, dass bestimmte Gerätearten mehr blaues Licht aussenden als andere.

Für die Lesebrille folgt daraus eine nüchterne Rechnung. Mit der Wellenlänge nennt ein Angebot einen Bereich, in dem das Glas etwas tun soll. Sie sagt nicht, wie viel es dort tut, und über die Menge blauen Lichts am Lesetisch verrät sie nichts. Nur drei Angebote der 90 verbinden Bereich und Quote, und nur eines davon bleibt dabei unter 90 Prozent. Es ist die Firmoo weiter unten.

Woher die Sorge um blaues Licht vom Bildschirm kommt

Die Angst vor dem blauen Licht hat eine Geschichte, und die Stiftung Warentest erzählt einen Teil davon. Im Sommer 2018 sorgte ein Beitrag der University of Toledo in der Zeitschrift Scientific Reports für Aufsehen. Laut den Forschern könne der Blauanteil von Displays die Augen schwer schädigen, bis hin zu einer Makuladegeneration und im schlimmsten Fall zur Erblindung. Das blaue Licht rege Zellen im Auge an, schädliche Moleküle zu bilden.

Zeitgleich beruhigte der wissenschaftliche Ausschuss der EU mit der Zahl, die weiter oben steht: Bildschirme strahlen weniger als ein Zehntel dessen ab, was der Grenzwert erlaubt. Der Optikprofessor aus Jena fasst die Lage so zusammen, es lägen bisher nur Studien an Modellen und Tieren vor, nicht am Menschen. Ganz ausschließen könne man nicht, dass ein Übermaß an blauem Licht Netzhaut und Linse schade, vor allem wenn es gebündelt ins Auge falle, wie bei manchen LED-Leuchten.

Für Lampen hat die Stiftung den Blauanteil selbst gemessen. Bei warmweißen LED-Lampen für den Haushalt sei blaues Licht „kein Thema", sagt ihr Projektleiter, ihr Einfluss auf den Schlaf-Wach-Rhythmus sei nicht größer als früher der von Glühbirnen. Sogenannte Tageslichtlampen hätten allerdings einen höheren Blauanteil. Wer abends liest, kann also auch bei der Leselampe ansetzen, lange bevor die Brille ins Spiel kommt.

Der Zentralverband der Augenoptiker sieht es ähnlich nüchtern. Die Intensität des blauen Lichts von digitalen Geräten sei gering im Vergleich zu der Beleuchtungsstärke, der man sich im Freien täglich aussetzt. Die aktuelle Studienlage lasse keine Rückschlüsse auf tatsächliche Augenschäden durch Blaulicht zu. Umgekehrt sei es aber auch nicht schädlich, Gläser mit Filter zu tragen.

Aus diesen Bausteinen setzen sich die Werbetexte zusammen. Aus den Laborbefunden von 2018 wird Gewissheit, die Unsicherheit beim Schlaf zur Wirkung, und aus „nicht auszuschließen" wird „schützt die Netzhaut". Mit diesem Wissen liest man die zwölf Angebote mit Netzhaut-Versprechen anders.

Behauptung gegen Beleg: die fünf Brillen im Überblick

Fünf Brillen stehen auf dieser Seite für fünf Arten, über einen Filter zu sprechen. Viel verspricht die meistbewertete Brille der Suche, beziffert aber nichts. Eine zweite nennt eine sehr hohe Quote und beruft sich auf einen Test. Eine dritte nennt eine bescheidene Zahl mit Wellenlänge. Ein besseres Gedächtnis verspricht sogar die vierte. Und die fünfte hat gar keinen Filter, steht aber in derselben Suche.

Versprechen im Angebot, Beleg im Angebot und Stand der Forschung
BrilleVersprechen im TextBeleg im AngebotWas die Forschung dazu sagt
Gaoye Fünferpack„Augen schützen", bessere Bildschirmzeitkeiner, auch keine Zahlkeine messbare Entlastung am Bildschirm
DOOViC TR9098 % Blaustrahlen, Kopfschmerz, trockene Augen, Schlaf, Sehnerven„Test" ohne Berichttypisch 10 bis 25 %, Schlaf unklar
Firmoo rund, Metall40 % im Bereich 380–450 nm, Kopfschmerz, EinschlafenkeinerQuote näher an der Forschung, ebenso ungeprüft
OPULIZE METGedächtnisfunktion, weniger Migräne, AugenbelastungkeinerGedächtnis in keiner Studie des Reviews erhoben
OPULIZE PEPklare, kratzfeste Gläser, kein Filternicht nötigGlas ohne Filter schnitt in Studien nicht schlechter ab

Gelesen wurde bei allen fünf auch der Sicherheitsbereich der Detailseite mit Hersteller, verantwortlicher Person in der EU und Verpackungsfotos. Was dort steht, folgt in den einzelnen Abschnitten und noch einmal gesammelt weiter unten.

Gaoye Lesebrille mit Blaufilter, Fünferpack

Gaoye Lesebrille mit Blaufilter, Fünferpack

Einsteiger

Rechteckige Kunststoffbrillen im Fünferpack mit Blaulichtfilter-Beschichtung, die meistbewertete Lesebrille der Suche.

4,6aus 14.974 Stimmen

Quelle: Amazon-Produktseite, Bewertungsfeld der Detailseite · abgerufen 2026-10-09

Rechteckige Kunststoffbrillen im Fünferpack mit Blaulichtfilter-Beschichtung, die mit Abstand meistbewertete Lesebrille dieser Suche.

Stärken
0,0 bis +4,0 in 14 Stufen, Viertel bis +3,0
Filterangabe im Angebot
Blaulichtfilterbeschichtung, keine Zahl
Glasfarbe
nicht angegeben
Entspiegelung
nicht angegeben
Fassung
Polycarbonat, rechteckig, 132 mm breit
Scharnier
Federbügel, im Stichpunkt allgemein beschrieben
Auf der Packung
Fotos zu klein; US-Hinweis zur Schlagfestigkeit lesbar

Dafür

  • Größte Stimmenbasis der Suche
  • Breites Stärkenangebot bis +4,0
  • Fünf Brillen für mehrere Räume
  • Keine überzogene Filterquote

Dagegen

  • Filterwirkung nicht beziffert
  • Stichpunkte beschreiben Lesebrillen allgemein
  • Verantwortliche Person in der EU nicht verfügbar
  • Variante 0,0 steht zuerst in der Auswahl
Bei Amazon ansehen(öffnet in neuem Tab)Partnerlink

Gaoye: 14.974 Bewertungen und keine Zahl zum Filter

Mit 4,6 Sternen aus 14.974 Bewertungen hat das Fünferpack von Gaoye die größte Stimmenbasis der ganzen Suche, mehr als dreimal so viel wie jede andere Lesebrille darin. Im Titel heißt es „Professionelle Lesebrille für den ganzen Tag" und „Computerbrille mit Blaufilter". Im Datenfeld zur Glasbeschichtung steht ein einziges Wort: Blaulichtfilterbeschichtung.

Gaoye steht mit vier Kennungen in der Suche. Zwei davon tragen denselben Titel, „Professionelle Lesebrille für den ganzen Tag", die zweite mit 4.890 Bewertungen. Dazu kommen ein Zweierpack und ein Sechserpack mit je einigen hundert Stimmen. Wer bei Gaoye bestellt, sollte deshalb auf die Packungsgröße und die gewählte Stärke achten, nicht nur auf den Titel.

Was diese Beschichtung tut, sagt das Angebot nur in allgemeinen Worten. Man könne mit den Brillen „Ihre Augen schützen" und die Bildschirmzeit verbessern. Eine Quote fehlt, eine Wellenlänge fehlt, ein Gesundheitsversprechen im engeren Sinn auch. Gemessen an den anderen Angeboten ist das fast zurückhaltend. Gemessen an dem, was ein Käufer wissen müsste, ist es wenig.

Auffallend allgemein sind die übrigen Stichpunkte gehalten. „Lesebrillen für Herren/Damen sind in der Regel in verschiedenen Stärken oder Dioptrien erhältlich", heißt es dort, und Lesebrillen „haben auch Merkmale wie Federbügel". Ob diese Brille ein Federscharnier hat, geht daraus nur indirekt hervor. Beschrieben sind damit Lesebrillen im Allgemeinen.

Handfester sind die Datenfelder. Rechteckig ist die Fassung, aus Polycarbonat, 132 Millimeter breit, mit einem Steg von 16 und Bügeln von 142 Millimetern; die Glasbreite steht als „5 Zentimeter" da. Auch die Gläser bestehen aus Polycarbonat. Zur Pflege empfiehlt das Feld milde Seife und Wasser und ein weiches Tuch, dazu den Rat, hohe Temperaturen und harte Oberflächen zu meiden.

Bei den Stärken ist das Angebot breit: 14 Stufen zwischen 0,0 und +4,0, mit Viertelschritten bis +3,0. Die Variante 0,0 ist eine Brille ohne Korrektur, also keine Lesebrille. Sie steht in der Auswahl an erster Stelle, und wer nicht genau hinsieht, bestellt eine Computerbrille ohne jede Vergrößerung.

Im Sicherheitsbereich ist als Hersteller ein Unternehmen in Amsterdam eingetragen. Zur verantwortlichen Person heißt es dort, die Angaben seien „derzeit nicht verfügbar". So klein sind die sechs Verpackungsfotos, dass sich nur wenige Zeilen lesen lassen: ein englischer Hinweis, die Brillen seien im Sinne einer US-Vorschrift schlagfest, und ein Hersteller mit Sitz in Taizhou in der Provinz Zhejiang. Ein CE-Zeichen ist auf den Fotos nicht zu erkennen, was bei der Bildgröße nichts beweist.

Die Gaoye passt zu Menschen, die eine Lesebrille in fünf Räumen haben wollen und denen der Filter gleichgültig ist. Gekauft wegen des Filters, bleibt sie ein Wort im Datenfeld.

DOOViC Lesebrille TR90 mit Blaulichtfilter

DOOViC Lesebrille TR90 mit Blaulichtfilter

Einsteiger

Leichte Einzelbrille aus TR90 mit Etui und Brillenband, deren Herstellerteil 98 Prozent Blaulichtfilterung nennt, ohne Prüfbericht.

4,3aus 364 Stimmen

Quelle: Amazon-Produktseite, Bewertungsfeld der Detailseite · abgerufen 2026-10-09

Leichte Einzelbrille aus TR90 mit Polycarbonatgläsern, Etui und Brillenband, deren Herstellerteil 98 Prozent Blaulichtfilterung nennt.

Stärken
+1,0 bis +3,5 in zehn Stufen
Filterangabe im Angebot
98 % laut Herstellerteil, ohne Bericht
Glasfarbe
nicht angegeben
Entspiegelung
nicht angegeben
Fassung
TR90, rechteckig, 137 mm breit, 14 g
Scharnier
Federscharnier laut Vergleichstabelle im Herstellerteil
Auf der Packung
CE, UKCA; EU-Vertreter auf der Schachtel weicht ab

Dafür

  • Leicht: 14 g laut Datenfeld
  • Niedrige Glashöhe, Blick über den Rand
  • Etui, Box und Brillenband im Lieferumfang
  • Maße an zwei Stellen gleich angegeben

Dagegen

  • 98 % ohne Beleg
  • Behauptet, blaues Licht sei nicht sichtbar
  • Zwei verschiedene EU-Vertreter
  • Gewicht 14 g im Feld, 16 g im Herstellerteil
Bei Amazon ansehen(öffnet in neuem Tab)Partnerlink

DOOViC: 98 Prozent, ein Test ohne Bericht, zwei EU-Vertreter

Bei der DOOViC steht die größte Zahl nicht in den Stichpunkten, sondern weiter unten im Herstellerteil. Unter der Überschrift „DOOViC Blaulichtfilter Test" heißt es dort: „Blockieren Sie 98% UVA/UVB, reduzieren Sie 98% Blaustrahlen". Ein Testbericht, ein Messgerät oder eine Prüfstelle folgen nicht. Der Test ist eine Überschrift.

Umso mehr versprechen dafür die Stichpunkte. Blaufilter verhinderten Blenden, Ermüden, Kopfschmerzen und trockene Augen aufgrund von kurzwelligem blauen Licht, „da sie dieses nicht zur Netzhaut durchlassen". Der Herstellerteil ergänzt, eine solche Brille könne „die Sehnerven schützen" und helfe am Abend dem Körper, sich auf die Nachtruhe vorzubereiten. Für keines dieser Versprechen gibt es eine Quelle im Angebot. Gestützt wird keines davon durch die Forschung.

Ein Satz im Herstellerteil ist schlicht falsch. Über das Licht von Smartphones, Tablets und Monitoren heißt es, dieses Licht sei „nicht sichtbar". Blaues Licht ist sichtbares Licht, sonst sähe niemand die Farbe Blau. Unsichtbar ist das ultraviolette Licht unterhalb davon, und genau diese Verwechslung zieht sich durch viele Angebote.

Leicht ist die Brille selbst. Laut Datenfeld wiegt sie 14 Gramm, laut Herstellerteil 16. Gefertigt ist die Fassung aus TR90, einem biegsamen Kunststoff, die Gläser aus Polycarbonat. An beiden Stellen stehen dieselben Maße: Glas 52, Glashöhe 28,5, Steg 18, Bügel 135 und Rahmenbreite 137 Millimeter. Die Glashöhe ist niedrig; über die Gläser hinweg in die Ferne zu sehen, geht damit leichter als mit einer hohen Front.

Im Lieferumfang nennt das Datenfeld Putztücher, ein Lederetui, ein Brillenband und eine Brillenbox. Angeboten werden zehn Stärken zwischen +1,0 und +3,5. Ein Stichpunkt erklärt, eine Fertiglesebrille werde vorwiegend für eine Entfernung von etwa 40 bis 60 Zentimetern eingesetzt. Für das Lesen nennt gesund.bund.de bei Erwachsenen rund 35 Zentimeter; welche Entfernung eine bestimmte Stärke tatsächlich scharf stellt, sagt keines der beiden.

Spannend ist der Sicherheitsbereich. Als Hersteller ist ein Handelsunternehmen aus dem Stadtbezirk Ouhai in Wenzhou eingetragen, als verantwortliche Person in der EU ein Unternehmen in Madrid. Auf dem Foto der Schachtel steht aber ein anderer EU-Vertreter, eine GmbH in Mettmann, dazu ein Vertreter für Großbritannien in London und als Markeninhaber ein weiteres Unternehmen in Wenzhou. Daneben ein englischer Satz der Vertreter: Man handle nur als Vertreter für grenzüberschreitende Verkäufer, sei weder Hersteller noch Importeur und übernehme keine Verantwortung für die Produktqualität.

CE- und UKCA-Zeichen trägt die Schachtel, dazu den Grünen Punkt. Eine Druckvorlage zeigt auf der Innenseite Texte in Englisch, Deutsch und Italienisch mit einem weiteren CE-Zeichen; auf dem Foto sind sie zu klein, um sie zuverlässig zu lesen. Ein Blaulichtwert steht auf keinem der Fotos.

Mit 4,3 Sternen aus 364 Bewertungen ist die DOOViC eine solide bewertete, leichte Lesebrille. Laut Datenfeld ist diese Kennung allerdings erst seit dem 26. März 2026 im Angebot; wie sie zu 364 Bewertungen kommt, sagt das Angebot nicht. Das Schwächste an ihr sind die 98 Prozent.

Firmoo Runde Lesebrille aus Metall mit Blaulichtfilter

Firmoo Runde Lesebrille aus Metall mit Blaulichtfilter

Einsteiger

Runde Metallbrille mit Harzgläsern, die als einzige der Suche eine Filterquote unter 90 Prozent mit Wellenlänge nennt: 40 Prozent bei 380 bis 450 nm.

4,3aus 224 Stimmen

Quelle: Amazon-Produktseite, Bewertungsfeld der Detailseite · abgerufen 2026-10-09

Runde Metallbrille mit Harzgläsern und Stärken ab 0,5, die als einzige der fünf eine Filterquote mit Wellenlänge in einer Größenordnung nennt, die nicht weit von der Forschung liegt.

Stärken
0,0 bis +3,0 in zehn Stufen, ab +0,5
Filterangabe im Angebot
40 % zwischen 380 und 450 nm, ohne Bericht
Glasfarbe
nicht angegeben
Entspiegelung
blendfrei laut Stichpunkt
Fassung
Metall, rund, 130 mm breit, 14 g
Scharnier
nicht angegeben
Auf der Packung
CE, Schriftzug FDA; EU-Vertreter auf der Schachtel weicht ab

Dafür

  • Vorsichtigste Filterangabe der Suche
  • Maße in Feld und Stichpunkt identisch
  • Schwache Stärken ab +0,5
  • Verstellbare Nasenpads

Dagegen

  • Auch die 40 % sind ungeprüft
  • Stärken nur bis +3,0
  • Zwei verschiedene EU-Vertreter
Bei Amazon ansehen(öffnet in neuem Tab)Partnerlink

Firmoo: 40 Prozent zwischen 380 und 450 Nanometern

Unter den 16 Quoten der Suche fällt eine aus dem Rahmen, weil sie so klein ist. Laut zweitem Stichpunkt blockiere die runde Metallbrille von Firmoo „40% der 380~450nm schädlichen Blaulicht und 100% 400UV". Das ist die einzige Zahl der Suche, die zusammen mit einem Wellenlängenbereich steht und dabei unter 90 Prozent bleibt.

Geprüft ist sie deshalb nicht. Auch Firmoo nennt kein Verfahren und keine Prüfstelle. Aber die Größenordnung passt eher zu dem, was die Cochrane-Gruppe für übliche Filtergläser angibt, als die 95 bis 99 Prozent der anderen. Direkt vergleichen lassen sich beide Zahlen nicht, solange offen ist, auf welchen Bereich und welches Verfahren sie sich jeweils beziehen. Mehr lässt sich ohne Messung nicht sagen.

Im selben Satz folgt das übliche Versprechen: Gut geschützt würden die Augen, Kopfschmerzen erleichtert, man schlafe nachts besser ein. Das gehört zur Gattung, nicht zum Glas, und für keinen dieser Effekte gibt es einen Beleg im Angebot.

Bei den Maßen ist das Angebot vorbildlich. Datenfeld und Stichpunkt nennen dieselben Werte: Glasbreite 50, Glashöhe 45, Steg 20, Bügel 138 und Rahmenbreite 130 Millimeter, das Gestell wiege 14 Gramm. Mit 130 Millimetern ist sie eine der schmaleren Fassungen; einem breiten Kopf wird sie eher zu eng. Die Fassung ist aus Metall mit verstellbaren Nasenpads und gummierten Bügelenden, die Gläser sind aus Harz.

Zehn Stärken zwischen 0,0 und +3,0 stehen zur Wahl, mit 0,5 und 0,75 am unteren Ende. Eine sehr schwache Lesebrille gibt es hier. Für +3,5 oder mehr gibt es keine. Die Variante 0,0 steht auch hier in der Auswahl.

Im Sicherheitsbereich nennt Firmoo einen Hersteller für Optik in Danyang in der Provinz Jiangsu und als verantwortliche Person in der EU eine Kurierfirma im Großraum Madrid. Auf der Schachtel steht dagegen ein anderer EU-Vertreter, ein Unternehmen in Cork in Irland, dazu ein CE-Zeichen und der Schriftzug „FDA". Pflegepiktogramme auf der Seite raten, die Brille nicht bei hohen Temperaturen zu lagern, etwa im Auto, um die Beschichtung der Gläser zu schützen.

4,3 Sterne aus 224 Bewertungen. Wer unbedingt einen Filter will, findet in der Firmoo das Angebot mit der vorsichtigsten Zahl. Belegt ist sie so wenig wie die übrigen.

OPULIZE MET Blaulichtfilter Lesebrille, rund

OPULIZE MET Blaulichtfilter Lesebrille, rund

Einsteiger

Runde Kunststoffbrille mit Federscharnieren und Antireflex-Beschichtung, die im Stichpunkt ein besseres Gedächtnis verspricht.

4,2aus 1.496 Stimmen

Quelle: Amazon-Produktseite, Bewertungsfeld der Detailseite · abgerufen 2026-10-09

Runde Kunststoffbrille mit Metalldetails, Federscharnieren und Antireflex-Beschichtung, mit dem weitreichendsten Versprechen dieser Auswahl.

Stärken
0,0 und +1,0 bis +3,5 in halben Schritten
Filterangabe im Angebot
keine Zahl
Glasfarbe
nicht angegeben
Entspiegelung
Antireflex laut Datenfeld
Fassung
Kunststoff mit Metalldetails, rund, 137 mm breit, 23 g
Scharnier
Federscharniere
Auf der Packung
CE, UKCA, MD, Symbol gegen Autofahren

Dafür

  • Große Stimmenbasis
  • Vollständiger Beipackzettel mit MD-Kennzeichnung
  • Federscharniere und Antireflex
  • Filzetui inklusive

Dagegen

  • Verspricht Gedächtnis und weniger Migräne ohne Beleg
  • Keine Viertelstufen
  • Variante 0,0 in der Auswahl
Bei Amazon ansehen(öffnet in neuem Tab)Partnerlink

OPULIZE MET: Gedächtnis und Migräne im Stichpunkt

Der erste Stichpunkt der OPULIZE MET verspricht, was keine andere Brille der Suche verspricht. Wer viel Zeit vor dem Computer verbringe, bekomme mit ihr eine „Verbesserung der Gedächtnisfunktion", eine Verringerung der Augenbelastung und „weniger Migräne", und zwar durch weniger blaues Licht und „HEV- UV400-Strahlen".

Das Gedächtnis kommt unter den Zielgrößen des Cochrane-Reviews gar nicht vor. Untersucht wurden Augenermüdung, Sehschärfe, Schlaf, Wachheit und einige Werte mehr, aber nicht das Erinnern. Eine Quelle für das Versprechen nennt OPULIZE nicht. Bei der Migräne sieht es nicht besser aus: Kopfschmerzen tauchen in den Studien vor allem als Nebenwirkung auf, und zwar auch bei Gläsern ohne Filter.

Dabei ist die MET als Brille gut beschrieben. Die Fassung ist rund, aus Kunststoff mit Metalldetails und kontrastierenden Bügeln, mit Federscharnieren. Das Datenfeld nennt Glas 50, Steg 22, Bügel 139 und Rahmenbreite 137 Millimeter bei 23 Gramm, die Beschichtung als Antireflex, die Gläser als kratzfest. Ein Filzetui gehört zum Lieferumfang.

Halbe Schritte zwischen +1,0 und +3,5 stehen zur Wahl, dazu eine Variante 0,0. Viertel gibt es nicht. Mit 4,2 Sternen aus 1.496 Bewertungen hat die MET nach der Gaoye und der PEP die drittgrößte Stimmenbasis dieser Seite.

Im Sicherheitsbereich nennt OPULIZE als Hersteller ein Unternehmen in Borehamwood in der Grafschaft Hertfordshire und als verantwortliche Person in der EU ein Unternehmen in Brüssel. Das Foto dort zeigt einen Beipackzettel, auf den der Abschnitt zu den Packungen zurückkommt. Er nennt CE, UKCA und das Kürzel MD für Medizinprodukt. Blaulicht kommt darauf nicht vor.

So entsteht ein merkwürdiges Bild. Der Beipackzettel einer als Medizinprodukt gekennzeichneten Lesebrille sagt nichts über den Filter, und der Angebotstext verspricht ein besseres Gedächtnis. Mit der MET bekommt man eine ordentlich gemachte runde Lesebrille. Das Gedächtnis bleibt, wie es ist.

OPULIZE PEP Lesebrille, Viererpack, ohne Blaulichtfilter

OPULIZE PEP Lesebrille, Viererpack, ohne Blaulichtfilter

Einsteiger

Rechteckige Kunststoffbrillen im Viererpack mit klaren, kratzfesten Gläsern und Federscharnieren, ohne Blaulichtfilter.

4,6aus 1.568 Stimmen

Quelle: Amazon-Produktseite, Bewertungsfeld der Detailseite · abgerufen 2026-10-09

Rechteckige Kunststoffbrillen im Viererpack mit klaren, kratzfesten Gläsern und Federscharnieren, ohne Blaulichtfilter.

Stärken
+1,0 bis +3,5 in halben Schritten
Filterangabe im Angebot
kein Filter
Glasfarbe
klar laut Stichpunkt
Entspiegelung
nicht angegeben, kratzfest beschichtet
Fassung
Kunststoff, rechteckig, 138 mm breit
Scharnier
Federscharniere
Auf der Packung
CE, UKCA, MD, Symbol gegen Autofahren

Dafür

  • Keine unbelegten Versprechen
  • Klare, kratzfeste Gläser
  • Federscharniere
  • Vier Brillen für mehrere Räume

Dagegen

  • Nur Viererpack unter dieser Kennung
  • Keine Viertelstufen
  • Stärken nur bis +3,5
Bei Amazon ansehen(öffnet in neuem Tab)Partnerlink

OPULIZE PEP: dieselbe Marke, gar kein Filter

Unter den 90 Brillen der Suche nennen nur zwei in Titel und Stichpunkten keinen Filter. Eine davon ist die OPULIZE PEP, ein Viererpack rechteckiger Kunststoffbrillen, und sie steht in der Suche nach „lesebrille blaulichtfilter" trotzdem auf der ersten Seite. Mit 4,6 Sternen aus 1.568 Bewertungen ist sie zugleich eine der besser bewerteten.

Beschrieben wird in den Stichpunkten, was eine Lesebrille ausmacht, und sonst nichts: „kratzfeste, klare Gläser", ein leichtes rechteckiges Gestell, Federscharniere für einen bequemen Sitz den ganzen Tag. Angeboten werden sechs Stärken in halben Schritten, beginnend bei +1,0 und endend bei +3,5. Ein Versprechen zu Kopfschmerzen, Schlaf oder Netzhaut steht nirgends.

In den Datenfeldern stehen Glas 52, Steg 17, Bügel 140 und Rahmenbreite 138 Millimeter, also eine Fassung von durchschnittlicher Breite. Das Gewicht von 92 Gramm gilt für das ganze Paket. Die Beschichtung ist als kratzfest angegeben, der Korrekturtyp ausdrücklich als Alterssichtigkeit.

Hersteller und EU-Vertreter sind dieselben wie bei der MET, und im Sicherheitsbereich liegt derselbe Beipackzettel. OPULIZE verkauft also beides, eine Brille mit Filter und eine ohne, mit demselben Zettel. Was die Firma auf dem Papier für eine Lesebrille angibt, unterscheidet sich zwischen beiden nicht.

Warum eine Brille ohne Filter in einem Blaulicht-Vergleich steht, ergibt sich aus dem Studienstand. Genau solche Gläser trugen die Vergleichsgruppen der Cochrane-Studien. Sie schnitten bei der Augenermüdung nicht schlechter ab als die Filtergruppen, und auch die Nebenwirkungen kamen in beiden Gruppen vor. Eine klare Lesebrille ist damit kein Verzicht, sondern die Messlatte, gegen die Filtergläser in den Studien antreten mussten.

Die PEP passt zu allen, die eine Lesebrille zum Lesen suchen und mehrere davon im Haus verteilen wollen. Wer einen Filter möchte, findet ihn bei OPULIZE in anderen Modellen.

Derselbe Satz in acht Angeboten

Beim Lesen der 90 Angebote fiel ein Satz auf, weil er immer wieder kam. Blaufilter im Brillenglas verhinderten Blenden, Ermüden, Kopfschmerzen und trockene Augen aufgrund von kurzwelligem blauen Licht, „da sie dieses nicht zur Netzhaut durchlassen". So oder fast so steht er in acht Angeboten.

Fünf davon sind von COJWIS, zwei von DOOViC und eines von ZOECENT, also drei Marken. Bei ZOECENT ist aus „Blenden, Ermüden" ein „Blendung, Müdigkeit" geworden, der Rest ist gleich. Beim ersten Lesen hält man ihn für eine Produkteigenschaft. Beim achten erkennt man den Textbaustein.

Das ist an sich nichts Verbotenes. Anbieter übernehmen Formulierungen voneinander. Es macht nur deutlich, wie wenig ein solcher Satz über das einzelne Glas aussagt. Ein Versprechen, das wortgleich auf acht verschiedenen Brillen steht, beschreibt keine von ihnen.

Auch inhaltlich hält der Satz nicht. Dass ein Filterglas das blaue Licht „nicht zur Netzhaut durchlässt", widerspricht schon der Physik der üblichen Gläser: Sie filtern einen Teil, laut Cochrane-Mitteilung meist ein Zehntel bis ein Viertel. Und ob blaues Licht vom Bildschirm Kopfschmerzen oder trockene Augen verursacht, ist selbst nicht belegt. Der Zentralverband der Augenoptiker schreibt, ein direkter Zusammenhang mit digitalem Augenstress sei „nicht eindeutig erwiesen".

Blaulichtfilter erkennen: Spiegelung und Gelbstich

„Blaulichtfilter brille erkennen" und „blaulichtfilter in brille erkennen" stehen in der Autovervollständigung, und die Frage ist berechtigt. Wer eine Lesebrille mit Filter bestellt hat oder eine alte Brille in der Schublade findet, möchte wissen, ob da überhaupt etwas filtert. Ohne Messgerät lässt sich das nicht beziffern, aber erkennen lässt es sich.

Grundlage sind die beiden Filterarten aus der Begriffstabelle. Eine Beschichtung wirft einen Teil des blauen Lichts zurück und zeigt deshalb im Spiegelbild einen bläulichen Schimmer. Ein Onlinehändler beschreibt das in den Suchergebnissen als „leichten blauen Restreflex", zusammen mit einer sehr schwachen braunen Grundtönung. Eine Tönung im Glas dagegen schluckt das Licht und färbt alles, was man hindurch sieht, ein wenig gelb oder braun.

Selbsttest an einer Lesebrille mit angeblichem Blaulichtfilter

  • Die Brille unter eine helle Deckenlampe halten und das Spiegelbild der Lampe auf dem Glas ansehen.

    Ein deutlich bläulicher Reflex spricht für eine filternde Beschichtung. Fehlt er, liegt eher keine solche Schicht auf dem Glas.

  • Ein weißes Blatt Papier neben die Brille legen und durch ein Glas darauf schauen.

    Wirkt das Weiß durch das Glas gelblich oder bräunlich, ist das Glas getönt. Ein klares Glas ohne Tönung lässt das Papier weiß.

  • Eine zweite Brille ohne Filter danebenhalten und beide vergleichen.

    Unterschiede in Reflex und Färbung fallen im direkten Vergleich viel leichter auf als bei einer Brille allein.

  • Keine Zahl ablesen wollen.

    Der Test zeigt, ob und welche Art von Filter vorhanden ist. Wie viel Prozent er zurückhält, lässt sich nur mit einem Messgerät beim Augenoptiker bestimmen.

Der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen empfiehlt einen ähnlichen Weg mit anderem Ziel. Mit Demogläsern könne man beim Augenoptiker individuell testen, ob einem der Bildschirm mit Filter weniger grell erscheint. Vielen gehe es so, schreibt der Verband in seinem Positionspapier vom November 2023. Das ist eine Frage des persönlichen Eindrucks und nicht der Gesundheit, und so formuliert es der Verband auch.

Die Ingenieurin, die der Verband in diesem Papier zitiert, ordnet auch den Cochrane-Review ein. Seine Zusammenfassung sei vor allem als Einladung an Forschungsgruppen und Universitäten zu verstehen, große und lange Beobachtungsstudien mit vielen Teilnehmenden durchzuführen. Damit ist auch gesagt, was es bis dahin gibt: keine Studie, die einen Nutzen für die Augen oder den Schlaf sicher zeigt.

Was der Selbsttest nicht leistet: Er unterscheidet nicht zwischen einem Glas, das zehn Prozent filtert, und einem, das dreißig filtert. Ein 98-Prozent-Versprechen lässt sich auf diesem Weg weder bestätigen noch widerlegen, nur einordnen. Ein Glas, das wirklich fast alles Blau zurückhielte, wäre nach der Cochrane-Mitteilung deutlich bernsteinfarben, und das sieht man.

Gelbe Gläser, braune Tönung, veränderte Farben

„Blaulichtfilter brille gelbstich", „gelbe gläser", „farbveränderung", „verändert farbe": Viele Suchanfragen drehen sich um die Farbe. Fast nichts sagen die Angebote dazu. Das Datenfeld für die Glasfarbe ist bei 89 der 90 Lesebrillen leer. Nur vier Angebote sprechen eine Färbung überhaupt an.

Am ehrlichsten ist eine Lesebrille von Missfive mit 23 Bewertungen. Die Blaulicht-Beschichtung könne „einen leichten Gelbstich verursachen", heißt es dort, das sei normal. Bei OPULIZE steht im Angebot einer anderen Brille ein aufschlussreicher Satz: Gelbe und orangefarbene Gläser gebe es nur in Nullstärke. Mit Stärke liefert der Anbieter also nur die klaren Varianten.

Ein Versicherungsratgeber aus den Suchergebnissen nennt für Filtergläser eine Gelbtönung von fünf bis sieben Prozent, ohne zu sagen, woher die Zahl stammt. Auf den Angeboten selbst steht nichts dergleichen.

Ein COJWIS-Set spricht von „Bernstein Linsen". Und ein Angebot von KAEOISFU stellt seine „transparenten Linsen" den „gewöhnlichen gelben Linsen" gegenüber und verspricht die beste Farbwiedergabe. Damit räumt es indirekt ein, dass ein kräftigerer Filter Farbe ins Glas bringt.

Denn hier liegt der Zusammenhang, den die Cochrane-Mitteilung benennt. Mehr Filterwirkung verlangt mehr Färbung. Ein klares Glas, das 99 Prozent des blauen Lichts zurückhalten soll, ist ein Widerspruch in sich. Wer eine farbneutrale Lesebrille will, bekommt einen schwachen Filter. Wer einen starken Filter will, bekommt gelbe oder orange Gläser, und mit denen sieht Weiß nicht mehr weiß aus.

Für das Lesen auf Papier ist ein leichter Gelbstich meist kein Problem. Für alles, bei dem Farben zählen, schon: Fotos am Bildschirm, Stoffe aussuchen, Malen. In der Studie aus Hongkong litt die Farbunterscheidung mit den getesteten Gläsern nicht messbar, darunter ein braun getöntes.

Und die Gegenfrage, „blaulichtfilter brille klar", hat eine einfache Antwort: Es gibt sie, und unter den Brillen mit Stärke sind sie offenbar der Normalfall, denn nur vier der 90 Angebote sprechen überhaupt eine Färbung an. Unter den fünf Brillen dieser Seite nennt keine eine sichtbare Tönung. Auch die Packungsfotos sagen nichts dazu.

Abends und zum Einschlafen: was der Filter dort tut

„Blaulichtfilter brille abends", „vor dem schlafen", „zum einschlafen", „besser schlafen": Der Schlaf ist nach der Augenermüdung das zweithäufigste Versprechen. 26 der 90 Angebote nennen ihn. Fast immer folgt dieselbe Begründung. Blaues Licht hemme das Schlafhormon Melatonin, der Filter verhindere das.

Der erste Teil stimmt im Grundsatz. Die Stiftung Warentest schreibt, zahlreiche Studien wiesen darauf hin, dass zu viel blaues Licht die Ausschüttung von Melatonin hemmen könne. Sie fügt aber zwei Einschränkungen hinzu. Wie gravierend die Effekte seien, sei noch unklar. Und der wissenschaftliche Ausschuss der EU gibt zu bedenken, dass auch die Tätigkeit selbst, etwa ein spannender Film, manchen um den Schlaf bringe.

Für den zweiten Teil, den Filter in der Brille, ist die Studienlage dünn. Wie oben beschrieben, fanden drei von sechs Studien bessere Schlafwerte, drei keine. Als sehr gering bewertet die Cochrane-Gruppe das Vertrauen in diese Evidenz. Melatonin im Blut hat keine der eingeschlossenen Studien gemessen.

Dazu kommt eine praktische Frage. Wer abends mit der Lesebrille im Bett ein Buch auf Papier liest, sitzt nicht vor einem Bildschirm. Wer am Tablet liest, kann die Farbe des Bildschirms selbst wärmer stellen. Fast alle Smartphones bieten dafür einen Nachtmodus, schreibt die Stiftung Warentest; auch fast alle Monitore in ihrem Test hatten einen Blaulichtfilter. Der Zentralverband der Augenoptiker nennt den Nachtmodus ausdrücklich: Der Filter sei damit schon im Gerät eingebaut.

Für schlechtes Einschlafen ergibt sich damit eine Reihenfolge. Bildschirm dimmen und auf warmes Licht stellen, das Gerät früher weglegen, und erst dann über eine Brille nachdenken. Eine Lesebrille mit Filter schadet dabei nach dem Urteil des Augenoptiker-Verbands nicht. Sie ersetzt aber keinen dieser Schritte.

Kopfschmerzen, Migräne, trockene Augen

Kopfschmerzen und Migräne versprechen 31 Angebote zu lindern, trockene Augen 18. Diese Beschwerden sind real, und viele, die lange am Bildschirm sitzen, kennen sie. Offen ist nur, ob das blaue Licht ihre Ursache ist und ob ein Filter sie beseitigt.

Der Zentralverband der Augenoptiker beschreibt die üblichen Ursachen anders. Wer lange auf einen Bildschirm schaut, blinzelt seltener. Die Augen werden trocken, brennen, jucken oder tränen, das Sehen strengt an. Unscharfe Sicht könne auch damit zusammenhängen, dass ab etwa Mitte 40 die Alterssichtigkeit einsetzt. Und Kopfschmerzen, Unwohlsein oder Schwindel gingen oft auf eine nicht fachgerecht angepasste Brille zurück, unabhängig von der Bildschirmarbeit.

Für Leserinnen und Leser dieser Seite ist der letzte Punkt der wichtigste. Beide Gläser einer Fertiglesebrille sind gleich stark. Sind die Augen verschieden stark oder liegt eine Hornhautverkrümmung vor, kann genau sie die Kopfschmerzen auslösen, die der Filter angeblich verhindert. Eine Brille mit falscher Stärke wird durch einen Filter nicht besser.

Gegen trockene Augen nennt das Positionspapier des Verbands Tropfen, die den Tränenfilm stabilisieren. Die Stiftung Warentest hält Pausen vom Bildschirm für sinnvoll, um sich zu bewegen und die Augen zu erholen. Ein Glas, das ein Stück des blauen Lichts abfängt, ändert nichts daran, wie oft man blinzelt.

In den Cochrane-Studien kamen Kopfschmerzen übrigens vor allem als Nebenwirkung vor, in einer Studie bei acht Prozent der Teilnehmenden. Sie traten in den Gruppen mit und ohne Filter auf. Wer mit einer neuen Lesebrille Kopfschmerzen bekommt, sollte deshalb zuerst an die Stärke und den Sitz denken, nicht an den Filter.

Autofahren mit Blaulichtfilter, auch nachts

„Blaulichtfilter brille autofahren nachts" ist eine häufige Suche. Für eine Lesebrille ist die Antwort kurz: Mit ihr fährt man gar nicht, mit oder ohne Filter. Sie stellt die Nähe scharf und macht die Ferne unscharf. Auf dem Beipackzettel der beiden OPULIZE-Brillen steht dafür ein eigenes Symbol, ein durchgestrichenes Auto.

Trotzdem hält sich die Vorstellung, ein Blaulichtfilter helfe beim Fahren. Ein Versicherungsratgeber aus den Suchergebnissen schreibt, eine solche Brille entlaste die Augen auch beim Autofahren und nachts gegen helle LED-Scheinwerfer, ohne eine Quelle zu nennen. Für eine Lesebrille gilt das nicht, gleich welcher Filter auf dem Glas liegt.

Bei Brillen ohne Stärke, die gelb getönt als Nachtfahrbrillen verkauft werden, kommt eine zweite Frage hinzu. Jede Tönung nimmt Licht weg, und nachts ist Licht knapp. Wie viel eine getönte Brille in der Dämmerung höchstens schlucken darf und warum ab einer bestimmten Grenze Schluss ist, steht bei den Grenzwerten für getönte Gläser bei Dämmerung und Nacht.

Für die Lesebrille bleibt es dabei: Im Auto braucht es, wenn überhaupt, eine Fernbrille. Im Handschuhfach bleibt die Lesebrille, bis man parkt und die Karte lesen will.

Packungsfotos, Zeichen und EU-Vertreter der fünf Brillen

Im Angebotstext nennt keine der 90 Brillen ein CE-Zeichen oder das Wort Medizinprodukt. Dabei sind Fertiglesebrillen Medizinprodukte, und das CE-Zeichen gehört auf sie. Was tatsächlich auf den Packungen steht, zeigen die Fotos im Sicherheitsbereich, die bei den fünf hier verglichenen Brillen am 10. Oktober 2026 gelesen wurden.

Packungsfotos und Kontakte im Sicherheitsbereich, gelesen am 10.10.2026
BrilleZeichen auf der PackungEU-Vertreter laut AmazonEU-Vertreter laut Packung
Gaoyenicht erkennbar, Fotos zu klein„derzeit nicht verfügbar"nicht lesbar
DOOViCCE, UKCA, Grüner PunktMadridMettmann
FirmooCE, Schriftzug FDAGroßraum MadridCork, Irland
OPULIZE METCE, UKCA, MD, Auto durchgestrichenBrüsselBrüssel
OPULIZE PEPCE, UKCA, MD, Auto durchgestrichenBrüsselBrüssel

Am vollständigsten ist der Beipackzettel von OPULIZE. Er trägt ein Herstellungslos „2024/12" und eine Gebrauchsanweisung in sechs Sprachen. Auf Deutsch empfiehlt er ein nicht scheuerndes Tuch zum Reinigen, rät von übermäßigem Gebrauch ab und verweist bei Nebenwirkungen auf Optiker oder Augenarzt. Daneben stehen Symbole für „nicht steril", „trocken halten", das Kürzel MD und das durchgestrichene Auto. Eine Norm nennt der Zettel nicht.

Bei zwei der fünf Brillen passen Amazon-Eintrag und Schachtel nicht zusammen. Die DOOViC nennt online einen Vertreter in Madrid, auf der Schachtel eine GmbH in Mettmann. Die Firmoo nennt online eine Kurierfirma im Großraum Madrid, auf der Schachtel ein Unternehmen in Cork. Welche Angabe gilt, kann ein Käufer von außen nicht erkennen. Für eine Reklamation ist das keine Kleinigkeit.

Auf keinem der lesbaren Fotos steht ein Wert zum Blaulichtfilter, eine Wellenlänge oder ein Zentrierabstand. Mit welcher Zahl das Angebot wirbt, steht auf der Verpackung nicht. Und die Angabe, die für das Lesen wirklich zählt, der Abstand der Glasmitten, fehlt ebenso.

Welche Pflichtangaben eine Fertiglesebrille nach der Norm tragen sollte und wie selten sie im Onlinehandel stehen, ist an 88 Angeboten und fünf Packungen genau ausgezählt, in der Prüfung der Pflichtangaben auf Herren-Lesebrillen.

Für wen eine Lesebrille mit Blaulichtfilter nicht taugt

Wenn die Brille vor allem am Bildschirm sitzen soll. Eine Lesebrille ist auf den Leseabstand gerechnet, nach gesund.bund.de bei Erwachsenen rund 35 Zentimeter. Ein Monitor steht meist weiter weg. Der Filter ändert an der Entfernung nichts; mit der falschen Stärke für den Abstand bleiben die Beschwerden, mit oder ohne Blau.

Der Zentralverband der Augenoptiker weist auf einen zweiten Punkt hin. Für Fehlsichtige ab Mitte 40 sollten die Gläser auch auf die besonderen Sehabstände an mobilen Geräten oder am Computer abgestimmt sein. Und wer überwiegend am Bildschirm arbeitet, habe in bestimmten Fällen Anspruch darauf, dass der Arbeitgeber die Kosten für eine Bildschirmarbeitsplatzbrille übernimmt. Eine solche Brille ist auf den Abstand zum Monitor gerechnet, eine Lesebrille nicht.

Wenn die Augen unterschiedlich stark sind. Jede Fertiglesebrille hat links und rechts dieselbe Stärke. Wer verschieden starke Augen oder eine Hornhautverkrümmung hat, braucht eine angepasste Brille vom Augenoptiker. Ein Filterglas lässt sich dort zusätzlich bestellen, und mit Demogläsern kann man vorher ausprobieren, ob es einem angenehm ist.

Wenn Augenbeschwerden schon da sind. Kopfschmerzen, rote oder trockene Augen und unruhige Sicht sind Gründe für eine Untersuchung, nicht für einen Filter. Der Zentralverband der Augenoptiker führt solche Beschwerden oft auf eine nicht fachgerecht angepasste Brille zurück.

Wenn es um Kinder geht. Lesebrillen sind eine Sache für Alterssichtige. Der Zentralverband der Augenoptiker weist allerdings darauf hin, dass der natürliche Schutz der Augen bei Kindern gegenüber kurzwelliger Strahlung noch nicht voll ausgebildet ist. Er meint damit vor allem das Sonnenlicht. Für Kinder ist deshalb eine gute Sonnenbrille wichtiger als jeder Bildschirmfilter. Worauf es dabei ankommt, zeigt der Sonnenschutz für Kinderaugen im Vergleich.

Wenn Farben wichtig sind. Ein Filter, der viel blaues Licht zurückhält, verfärbt. Wer am Bildschirm Fotos bearbeitet, Stoffe vergleicht oder malt, ist mit einer klaren Lesebrille besser bedient.

Beschichtung, Hitze, Reinigung: das Filterglas im Alltag

Ein Blaulichtfilter als Beschichtung ist eine dünne Schicht auf dem Glas. Wie jede Beschichtung kann sie Kratzer bekommen und durch Hitze leiden. Auf der Firmoo-Schachtel steht das ausdrücklich: Brille nicht bei hohen Temperaturen lagern, etwa im Auto, um die Beschichtung zu schützen. Ein Armaturenbrett im Sommer ist für jede beschichtete Brille der schlechteste Ort.

Zur Reinigung sagen die fünf Angebote Ähnliches, im Detail aber nicht dasselbe. Gaoye empfiehlt im Datenfeld milde Seife, Wasser und ein weiches Tuch, Firmoo zeigt auf der Schachtel ein Tuch, OPULIZE schreibt auf den Zettel, das Tuch dürfe nicht scheuern. Die DOOViC rät dagegen von Papiertüchern, Kleidung und Alkohol ab und auch von Haushaltsreinigern und Seifen, vor allem starken.

Bei Etui und Lagerung zeigt sich, wie verschieden die fünf ausgestattet sind. Die DOOViC kommt laut Datenfeld mit Lederetui und Brillenbox, die MET mit Filzetui. Auf der Firmoo-Schachtel steht der Rat, die Brille im Etui zu lagern, wenn man sie nicht trägt. Bei Gaoye und PEP nennen die Stichpunkte kein Etui.

Und wenn die Beschichtung doch zerkratzt ist? Bei einer Fertiglesebrille lässt sie sich nicht erneuern. Das Glas wird ersetzt, praktisch also die Brille. Deshalb spricht viel für ein Gestell mit Federscharnier und ein festes Etui und wenig für einen Filter, der als zusätzliche Schicht verkratzen kann, ohne dass man im Alltag etwas von ihm hätte.

Vom anderen Ende her gedacht: Der Zentralverband der Augenoptiker schreibt, Sonnenlicht habe einen deutlich höheren Blauanteil als ein Bildschirm. Ein Dachdecker oder ein Landschaftsbauer sei deshalb stärker blaulichtgefährdet als jemand am Computer. Wo der Blauanteil wirklich hoch ist, schützt eine gute Sonnenbrille mehr als jede Lesebrille. Was eine Sonnenbrille dafür mitbringen muss, ordnen die Grundlagen zu Sonnenbrillen und Lichtschutz.

Nach zwei Wochen: woran man merkt, dass die Wahl nicht stimmt

Ob die neue Brille passt, zeigt sich selten am ersten Abend. Nach ein paar Tagen mit Buch, Zeitung und Monitor fallen drei Dinge auf, wenn etwas nicht stimmt, und jedes hat seine eigene Ursache.

Kopfschmerzen oder müde, brennende Augen beim Lesen sind das eine Zeichen. Der Filter ist dafür kaum verantwortlich: Auf die Belastung der Augen hatten die Gläser im Cochrane-Review keinen messbaren Einfluss, und Kopfschmerzen kamen in den Studien auch mit normalem Glas vor. Näher liegt die Frage, ob Stärke und Leseabstand zusammenpassen. Eine zweite Filterbrille hilft dann nicht, ein Sehtest schon.

Dazu kommt ein zweites: Das Buch ist scharf, der Monitor nicht, und man beugt sich zum Bildschirm vor. Gerechnet ist eine Lesebrille auf die Leseentfernung, nach gesund.bund.de bei Erwachsenen rund 35 Zentimeter. Für den weiter entfernten Bildschirm braucht es eine schwächere Stärke oder eine eigene Brille, und daran ändert keine Beschichtung etwas.

Und dann die Farbe. Wirkt Weiß gelblich und sehen Fotos am Bildschirm wärmer aus als ohne Brille, ist das Glas getönt. Für Bücher stört das wenig, für alles, wo Farben zählen, schon. Abhilfe schafft ein klares Glas; das weiße Blatt aus dem Selbsttest zeigt den Unterschied, bevor man eine zweite Brille bestellt.

Wer auf besseren Schlaf gewartet hat, kann nach zwei Wochen wenig daraus schließen. Ob Filtergläser dabei helfen, wissen nach dem Review auch die Forschenden nicht. Für die Rückgabe gilt das Übliche: Schachtel und Zettel aufheben und die Frist des Händlers notieren, solange die Brille noch zurückgehen kann.

Wie die 90 Angebote ausgewertet wurden

Ausgewertet wurden die Treffer der ersten zwei Ergebnisseiten, die Amazon am 9. Oktober 2026 für „lesebrille blaulichtfilter" anzeigte, Anzeigen ausgenommen. Von 96 Kennungen blieben nach dem Ausschluss von sechs Brillen ohne feste Stärke 90 übrig. Für jede wurden Titel, Stichpunkte, Beschreibung, Herstellerteil und alle Datenfelder gelesen.

Gezählt wurden Prozentangaben zum blauen Licht, Wellenlängen, Belege, Gesundheitsversprechen, Hinweise auf die Glasfarbe und die Kennzeichnung im Text. Jeder Treffer einer Wortsuche wurde von Hand geprüft. Verworfen wurden zum Beispiel „100 % Zufriedenheit", „Schlafzimmer" oder das Wort „Spiegelbein", das im Deutschen zufällig „gelb" enthält. Eine Prozentzahl zählt nur, wenn sie sich ausdrücklich auf blaues Licht bezieht.

Die Sicherheitsbereiche mit Hersteller, EU-Vertreter und Packungsfotos wurden nur bei den fünf hier besprochenen Brillen am 10. Oktober 2026 geöffnet, nicht bei allen 90. Was die übrigen Verpackungen sagen, ist nicht gezählt. Einen eigenen Messaufbau für Gläser gibt es nicht; alle Aussagen zur Filterwirkung stammen aus den genannten Studien.

Wo der Filter in der Reihenfolge einer Kaufentscheidung steht, nämlich weit hinten, zeigt der Lesebrillen-Überblick mit Prüfliste vor dem Kauf.

Wie das Portal Angebotstexte gegen Belege hält und wann eine Angabe als unbelegt gilt, steht in der Methodik zu Werbeversprechen und Belegen.

Ändern sich Maße, Kennungen oder Angaben einer der fünf Brillen, wird der Nachtrag hier und im Verzeichnis nachgetragener Berichtigungen vermerkt.

Die Empfehlung: eine gute Lesebrille, der Filter ist Nebensache

Empfehlung zum Lesen, wenn der Blaulichtfilter keine Rolle spielen soll

OPULIZE PEP Lesebrille, Viererpack, ohne Blaulichtfilter

OPULIZE PEP Lesebrille, Viererpack, ohne Blaulichtfilter

Einsteiger

Klare, kratzfeste Gläser, Federscharniere und eine Fassung von durchschnittlicher Breite, mit 4,6 Sternen aus 1.568 Bewertungen und ohne ein einziges unbelegtes Gesundheitsversprechen. In den Studien schnitten Gläser ohne Filter nicht schlechter ab. Dagegen steht, dass diese Kennung nur als Viererpack mit halben Stufen bis +3,5 angeboten wird.

4,6aus 1.568 Stimmen

Quelle: Amazon-Produktseite, Bewertungsfeld der Detailseite · abgerufen 2026-10-09

Bei Amazon ansehen(öffnet in neuem Tab)Partnerlink

Die Auszeichnung geht an eine Brille ohne Blaulichtfilter, und das ist kein Versehen. Wer die Studienlage ernst nimmt, sucht zuerst eine gute Lesebrille: passende Stärke, eine Fassung, die sitzt, klare und kratzfeste Gläser, ein Scharnier, das nachgibt. Die OPULIZE PEP erfüllt das, hat eine breite Stimmenbasis und verspricht nichts, was sie nicht halten kann.

Wer trotzdem einen Filter möchte, weil der Bildschirm damit weniger grell wirkt, verliert dadurch nichts Messbares. Nachteile, die nicht auch ein Glas ohne Filter gehabt hätte, fanden die Studien nicht. Unter den Filterbrillen dieser Seite ist die Firmoo diejenige mit der vorsichtigsten Angabe, die OPULIZE MET die mit der größten Stimmenbasis. Beim Augenoptiker lässt sich mit Demogläsern vorher ausprobieren, ob einem der Unterschied überhaupt auffällt.

Gegen die PEP spricht vor allem eines: Diese Kennung ist ein Viererpack mit halben Stufen bis +3,5. Als Einzelbrille führt OPULIZE die PEP unter einer anderen Kennung. Viertelstufen bieten andere Brillen dieser Seite, bei der Gaoye etwa bis +4,0.

Alle Links zu den Angeboten sind Partnerlinks. Wie das Portal sich darüber finanziert und warum die Auswahl davon unberührt bleibt, steht in der Offenlegung der Partnerlinks.

Wann es gar keine neue Brille braucht

Die einfachste Antwort auf die Suche nach einer Lesebrille mit Blaulichtfilter ist manchmal, gar nichts zu kaufen. Wer schon eine Lesebrille besitzt, mit der das Lesen gut klappt, bekommt durch eine zweite mit Filter keinen belegten Vorteil. Die vorhandene Brille tut beim Lesen dasselbe.

Wer abends am Tablet liest und schlecht einschläft, stellt zuerst den Nachtmodus ein und die Helligkeit herunter. Das braucht keine Anschaffung und wirkt auf das Licht, das wirklich ins Auge fällt. Wer tagsüber am Bildschirm müde Augen bekommt, macht Pausen, blinzelt bewusst und prüft, ob die Stärke der Brille zum Abstand passt.

Und wer häufig Kopfschmerzen beim Lesen hat, braucht keinen Filter, sondern einen Termin. Beim Augenoptiker oder in der Augenarztpraxis zeigt sich, ob die Stärke stimmt, ob beide Augen gleich sind und ob eine Fertigbrille überhaupt genügt. Danach lässt sich immer noch entscheiden, ob ein Filterglas dazukommen soll.

Wer am Arbeitsplatz viel am Bildschirm sitzt und mit der Lesebrille nicht zurechtkommt, fragt außerdem beim Arbeitgeber nach. Eine Brille, die für den Abstand zum Monitor angefertigt ist, löst das Problem des Abstands. Ein Filter auf einer Lesebrille löst es nicht.

Nur wer ohnehin eine neue Lesebrille braucht, steht vor der Wahl mit oder ohne. Dann gilt: Es zählen Stärke, Fassung und Gläser. Der Filter darf dabei sein, wenn er gefällt. Ein Grund, für ihn schlechtere Gläser oder eine schlechter sitzende Fassung in Kauf zu nehmen, ergibt sich aus keiner der Quellen.

Mit oder ohne Blaulichtfilter: was die Quellen für die eigene Lage hergeben
LageWas zuerst hilftRolle des Filters
Lesen auf Papierpassende Stärke, gutes Lichtkeine, es gibt dort kaum Bildschirmlicht
abends am Tablet oder HandyNachtmodus, weniger Helligkeit, früher weglegenWirkung auf den Schlaf ungeklärt
tagsüber am MonitorStärke für den Abstand, Pausen, Bildschirmbrillekeine messbare Entlastung in Studien
Bildschirm wirkt grellHelligkeit anpassen, Demoglas beim Augenoptikerdarf sein, wenn er subjektiv angenehmer ist
Arbeit mit Farbenklare Gläsereher hinderlich, je stärker, desto mehr

Diese Seite hat der Fachbereich Brillen & Style erstellt, ohne eigene Messung der Gläser. Wer dort arbeitet und nach welchen Regeln, steht in der Vorstellung des Fachbereichs Brillen & Style.

Häufige Fragen

Ist eine Lesebrille mit Blaulichtfilter sinnvoll?

Für die Augenermüdung am Bildschirm fand der Cochrane-Review von 2023 keinen Vorteil gegenüber Gläsern ohne Filter, bei geringer Vertrauenswürdigkeit der Evidenz. Nachteile, die nicht auch ein normales Glas hat, zeigten die Studien ebenfalls nicht. Wer den Bildschirm mit Filter angenehmer findet, kann ihn wählen; nötig ist er nicht.

Wie viel Blaulicht filtert eine Lesebrille mit Blaulichtfilter?

Typische Filtergläser halten nach Angaben der Cochrane-Autoren etwa 10 bis 25 Prozent des blauen Lichts zurück, je nach Produkt. Von 90 Angeboten der Amazon-Suche vom 09.10.2026 nannten 16 eine Quote, 15 davon 90 bis 99 Prozent, keines mit Prüfbericht.

Hilft eine Brille mit Blaulichtfilter beim Einschlafen?

Das ist offen. Von sechs Studien mit 148 Teilnehmenden fanden drei bessere Schlafwerte und drei keinen Unterschied; Cochrane bewertet die Evidenz als sehr gering. Nachtmodus und geringere Helligkeit am Gerät wirken direkt auf das Licht und brauchen keine Brille.

Woran erkenne ich, ob meine Brille einen Blaulichtfilter hat?

Eine filternde Beschichtung zeigt im Spiegelbild einer Lampe einen bläulichen Reflex, eine Tönung färbt weißes Papier beim Durchsehen gelblich oder bräunlich. Wie viel Prozent der Filter zurückhält, lässt sich nur mit einem Messgerät beim Augenoptiker bestimmen.

Verändert ein Blaulichtfilter die Farben?

Übliche Filtergläser kaum: In einer Studie mit 80 Computernutzern litt die Farbunterscheidung nicht messbar, über 70 Prozent bemerkten keine Veränderung. Ein Filter, der deutlich mehr blaues Licht zurückhält, braucht aber eine sichtbare Bernsteintönung und verfärbt dann.

Darf man mit einer Lesebrille mit Blaulichtfilter Auto fahren?

Nein, mit keiner Lesebrille, egal ob mit oder ohne Filter. Sie stellt die Nähe scharf und die Ferne unscharf. Auf dem Beipackzettel der OPULIZE-Brillen steht dafür ein durchgestrichenes Auto.

Gibt es Lesebrillen ohne Blaulichtfilter?

Ja, aber man muss sie suchen. In der Amazon-Suche nach Lesebrillen mit Blaulichtfilter nannten nur zwei von 90 Brillen keinen Filter, darunter die OPULIZE PEP, die Empfehlung dieser Seite.

Hilft ein Blaulichtfilter gegen Kopfschmerzen und trockene Augen?

Belegt ist das nicht. Der Zentralverband der Augenoptiker nennt als übliche Ursachen seltenes Blinzeln am Bildschirm und eine nicht fachgerecht angepasste Brille. Bei häufigen Beschwerden sollten Stärke und Augen geprüft werden.

Quellen

  1. [1]Cochrane, Singh S et al.: Brillengläser mit Blaulichtfilter für Sehleistung, Makulaschutz und Schlaf (CD013244, 2023), deutsche Zusammenfassung· abgerufen 2026-10-10
  2. [2]Singh S et al.: Blue-light filtering spectacle lenses for visual performance, sleep, and macular health in adults, Cochrane Database Syst Rev 2023 (Volltext, PMC)· abgerufen 2026-10-10
  3. [3]Cochrane, Blue-light filtering spectacles probably make no difference to eye strain, eye health or sleep (Mitteilung, 26.07.2023)· abgerufen 2026-10-10
  4. [4]Leung TW, Li RW, Kee CS: Blue-Light Filtering Spectacle Lenses: Optical and Clinical Performances, PLoS One 2017· abgerufen 2026-10-10
  5. [5]Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen, Positionspapier Brillengläser mit Blaulichtfilter (November 2023)· abgerufen 2026-10-10
  6. [6]Stiftung Warentest, Display-Beleuchtung: Schadet blaues Licht Augen und Haut? (26.08.2021)· abgerufen 2026-10-10
  7. [7]ISO/TR 20772:2018 — Ophthalmic optics, Spectacle lenses, Short wavelength visible solar radiation and the eye (Normeintrag AFNOR)· abgerufen 2026-10-10
  8. [8]gesund.bund.de (BMG mit IQWiG), Alterssichtigkeit (Presbyopie)· abgerufen 2026-10-10

Welche Quellenarten wie gewichtet werden, steht auf Quellen.

Änderungen an diesem Beitrag

  1. 2026-10-10Abschnitt „Nach zwei Wochen“ ergänzt: drei Anzeichen einer falschen Wahl und was dann hilft, belegt mit Cochrane-Review und gesund.bund.de.
  2. 2026-10-10Querverweise auf die neuen Seiten des Clusters ergänzt (Fertiglesebrille oder Optiker, Lesebrille am Bildschirm, Cluster-Überblick).
  3. 2026-10-10Ersterstellung. 96 Treffer der Suche nach Lesebrille Blaulichtfilter ausgelesen, 90 Fertiglesebrillen auf Filterquote, Wellenlänge, Belege, Gesundheitsversprechen, Glasfarbe und Kennzeichnung ausgezählt, fünf Brillen gegen Cochrane-Review, Messstudie und Packungsfotos abgeglichen.

Das Veröffentlichungsdatum bleibt bei Korrekturen unverändert. Wie mit Fehlern umgegangen wird, steht auf Korrekturen.