Ratgeber
Wasserdicht bis 5 bar: was die Angabe auf einer Herrenuhr bedeutet
Was 3, 5 und 10 bar auf einer Herrenuhr zusagen — und warum drei Hersteller mit derselben Norm zwei verschiedene Antworten auf dieselbe Frage geben.
- Veröffentlicht
- 2026-09-24
- Zuletzt geändert
- geändert 2026-10-23
- Zuletzt geprüft
- geprüft 2026-10-08
- Verfasst von
- Fachbereich Uhren & Schmuck
Worum es hier geht
- Für wen
- Wer eine Uhr besitzt oder kaufen will und wissen möchte, was er mit ihr im Wasser tun darf.
- Beantwortete Frage
- Was sagen 3, 5 und 10 bar tatsächlich zu — und wer legt das fest?
- Nicht behandelt
- Gerätetauchen, Sättigungstauchen, Smartwatches und die Frage, welche Uhr zu kaufen ist.
Der Befund: die Regel steht in keiner Norm
Die meistgegebene Auskunft zu diesem Thema lautet: Fünf bar reichen zum Schwimmen. Sie steht in Foren, in Ratgebern, in Verkaufsgesprächen, und sie klingt nach einer technischen Festlegung. Sie ist keine. Weder DIN 8310 noch ISO 22810 ordnet Druckstufen Tätigkeiten zu. Beide Normen regeln Anforderungen, Prüfverfahren und die zulässige Kennzeichnung — nicht, ob man mit einer Uhr schwimmen darf.
Dass es sich nicht um eine Kleinigkeit handelt, zeigt die Gegenprobe bei denen, die es wissen müssten. Casio weist fünf bar dem Baden, Waschen und Duschen zu und verlangt für das Schwimmen zehn bar. Citizen lässt bei fünf bar „gewöhnliches Schwimmen" ausdrücklich zu. Seiko nennt fünf bar „für Sportarten wie Schwimmen geeignet". Drei Hersteller, dieselbe Normfamilie, zwei entgegengesetzte Antworten auf die einzige Frage, die Käufer stellen.
Dieser Beitrag legt die Lage offen, statt eine weitere Tabelle hinzuzufügen. Er zeigt, was die Normen tatsächlich sagen, warum sich ihre Prüfbedingungen nicht nachlesen lassen, was ein deutsches Oberlandesgericht zur Meterzahl entschieden hat, und was aus fünfzehn Angeboten dieses Clusters herauszulesen ist. Am Ende steht keine Regel, sondern eine Prüfliste und eine offene Frage.
Eine Vorbemerkung zur Einordnung: Dieses Portal ordnet Herrenuhren nach sechs technischen Hebeln, und die Wasserdichtheitsklasse ist der dritte davon. Welche fünf daneben stehen und warum gerade diese, führt die Übersicht über die sechs Hebel des Clusters. Sie ist die einzige der sechs, zu der es überhaupt eine Norm gibt — und ausgerechnet sie ist die am schlechtesten dokumentierte.
Was die Meterzahl auf dem Gehäuseboden tatsächlich ist
Auf den meisten Gehäuseböden steht eine Meterzahl: dreißig, fünfzig, hundert, zweihundert. Der naheliegende Schluss ist, dass die Uhr bis in diese Tiefe mitgenommen werden darf. Das ist falsch, und es ist nicht nur nach Ansicht von Fachleuten falsch, sondern nach Ansicht des Herstellers, der die Zahl eingraviert hat.
Casio schreibt in der eigenen Darstellung zur Wasserdichtigkeit, Uhren mit einer Meterangabe könnten „nicht unmittelbar in dieser Wassertiefe verwendet werden, da es sich bei den Meterangaben zur Wasserdichtigkeit lediglich um eine bildliche Darstellung des Prüfdruckes handelt". Deutlicher lässt sich nicht sagen, dass die Zahl nicht das bedeutet, was sie zu bedeuten scheint.
Der Zusammenhang ist einfach: Zehn Meter Wassersäule erzeugen rund ein bar Überdruck. Eine Uhr, die drei bar aushält, trägt deshalb die Zahl dreißig. Diese Umrechnung beschreibt eine statische Situation — ein Gehäuse, das in ruhendem Wasser einem gleichmäßigen Druck ausgesetzt ist. Am Handgelenk eines Menschen, der ins Wasser springt oder unter der Dusche steht, herrscht nichts davon.
Die Zahl beschreibt also einen Laborzustand und wird gelesen wie eine Gebrauchsanweisung. Genau in dieser Lücke entsteht der Schaden: Eine Uhr mit dreißig Metern auf dem Boden geht im Schwimmbad kaputt, und der Besitzer hält das für einen Mangel. Ist es nicht — es ist ein Missverständnis, das die Gravur selbst erzeugt.
Wer die Angaben mehrerer Uhren nebeneinanderlegt, sieht den zweiten Teil des Problems. In den fünfzehn Angeboten, die für dieses Cluster ausgewertet wurden, reichen die Meterzahlen von fünf bis zweihundert, und keine einzige ist mit einer Bedingung versehen. Wie das Portal solche Felder liest und was es aus ihnen ableitet, steht in der Methodik zum Lesen von Datenfeldern.
Was DIN 8310 und ISO 22810 regeln — und was nicht
Die einschlägige deutsche Norm heißt DIN 8310 in der Ausgabe von 2010 und trägt den Titel „Zeitmesstechnik — Wasserdichtheit von Kleinuhren — Anforderungen und Prüfungen". Die internationale Entsprechung ist ISO 22810:2010, Titel „Horology — Water-resistant watches", veröffentlicht im August 2010 und zuletzt 2021 bestätigt.
Der Anwendungsbereich, den die ISO selbst angibt, ist knapp und eindeutig: Die Norm legt Anforderungen fest, gibt die Prüfverfahren an, mit denen die Wasserdichtheit überprüft wird, und regelt die Kennzeichnung, die am Produkt angebracht werden darf. Von Tätigkeiten ist keine Rede. Es gibt in dieser Norm keinen Satz, der Schwimmen einer Druckstufe zuordnet.
Das ist der Kern der Sache, und er wird selten so ausgesprochen. Die Norm sagt, unter welchen Bedingungen ein Gehäuse dicht bleiben muss, damit eine bestimmte Kennzeichnung zulässig ist. Sie sagt nicht, was der Träger damit anstellen darf. Die Übersetzung von „hält drei bar aus" nach „darf duschen" leistet niemand, der dafür zuständig wäre — sie wird von Herstellern, Händlern und Portalen jeweils eigenständig vorgenommen.
Für Taucheruhren gilt eine eigene Norm: ISO 6425, deren deutsche Fassung DIN ISO 6425 im September 2026 die DIN 8306 von 1983 abgelöst hat. Sie verlangt deutlich mehr als Dichtheit allein, unter anderem eine Vorrichtung zur Zeitvorwahl, Ablesbarkeit bei Dunkelheit und eine Prüfung jedes einzelnen Exemplars statt einer Bauartprüfung. Eine Uhr mit zweihundert Metern im Datenfeld ist deshalb noch keine Taucheruhr; dazu weiter unten mehr.
Ein zweiter Teil der Norm wird noch seltener erwähnt als der erste: Sie regelt die Kennzeichnung. Es ist also nicht dem Hersteller überlassen, was er auf den Boden schreibt — die Norm legt fest, welche Angabe bei welchem Ergebnis zulässig ist. Das erklärt, warum die Formulierungen über Marken hinweg so ähnlich aussehen: „Water Resistant", „Water Resist 5 BAR", „WR 100". Es sind keine Werbebegriffe, sondern normierte Kennzeichnungen.
Daraus folgt ein praktischer Hinweis, der in keiner der umlaufenden Tabellen steht. Eine Uhr, auf der gar nichts steht, ist nicht dicht — sie hat die Kennzeichnung nicht erhalten. Seiko schreibt für diesen Fall ausdrücklich, Wasser- oder Schweißtropfen seien zu vermeiden. Eine fehlende Angabe ist hier also ausnahmsweise doch eine Aussage, und zwar eine ungünstige.
Wie dieses Portal sonst mit fehlenden Angaben umgeht — nämlich als Nichtwissen und nicht als Mangel —, steht in den Regeln zu Quellen und Belegen. Die Wasserdichtheit ist die eine Ausnahme im ganzen Cluster, weil hier das Fehlen der Kennzeichnung selbst normiert ist.
Die Prüfung, die sich nicht nachlesen lässt
An dieser Stelle wird es unangenehm, und der Beitrag sagt es lieber, als es zu übergehen: Was die Prüfung nach DIN 8310 im Einzelnen verlangt, lässt sich frei nicht feststellen. Der Volltext beider Normen ist kostenpflichtig, und die frei zugänglichen Beschreibungen gehen auseinander.
Eine auf Wettbewerbsrecht spezialisierte Kanzlei beschreibt die Prüfung als zwei Schritte: dreißig Minuten unter einer Wassersäule von einem Meter, also rund einem Zehntel bar, und neunzig Sekunden unter einer Wassersäule von zwanzig Metern, also rund zwei bar. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main beschreibt in seiner Entscheidung dieselbe Norm anders: Prüfdruck von drei bar Überdruck über fünf Minuten.
Das ist mehr als eine Fußnote. Wenn sich nicht einmal feststellen lässt, welchem Druck ein Gehäuse wie lange standhalten muss, dann lässt sich auch nicht prüfen, ob eine konkrete Kennzeichnung berechtigt ist. Der Käufer steht vor einer Zahl, deren Grundlage er nicht einsehen kann, und vor einem Hersteller, der sich auf eine Norm beruft, die er ebenfalls nicht einsehen kann.
Dieses Portal hat sich entschieden, solche Stellen zu benennen, statt sie mit einer plausiblen Formulierung zu überdecken. Wo eine Angabe nicht belegbar ist, steht das da — nachzulesen in der Redaktionsrichtlinie zu nicht belegbaren Angaben. Eine Prüfbedingung, die man abschreibt, ohne sie gesehen zu haben, ist keine Quelle, sondern eine Weitergabe.
Seit 2010 wählt der Hersteller die Prüfung selbst
Es gibt zu der Neufassung von 2010 eine Mitteilung der ISO selbst, und sie enthält einen Satz, der die Lage erklärt. Mit ISO 22810:2010 können Hersteller erstmals die Prüfungen und den Prüfplan frei wählen, vorausgesetzt, das Endprodukt erfüllt die Anforderungen der Norm. Vorher gab ISO 2281 ein festes Prüfprogramm vor.
Daraus folgt etwas Wichtiges für das Lesen von Angeboten. Der Satz „geprüft nach ISO 22810" sagt, dass ein Ergebnis erreicht wurde, aber nicht, wie es erreicht wurde. Zwei Uhren mit derselben Kennzeichnung können auf verschiedenen Wegen dorthin gelangt sein. Das ist normungstechnisch vertretbar — es verlagert die Verantwortung vom Verfahren auf das Ergebnis — und es nimmt der Angabe einen Teil ihrer Aussagekraft.
Die Vorgängernorm ISO 2281 aus dem Jahr 1990 ist seit der Neufassung zurückgezogen. Wer sie heute in einem Angebot findet, findet eine Angabe, die es in dieser Form nicht mehr gibt. In den fünfzehn Angeboten dieses Clusters kommt sie nicht vor. Das eine Angebot, das überhaupt eine Norm nennt, nennt die geltenden.
Für den Alltag heißt das nicht, dass die Kennzeichnung wertlos wäre. Eine Uhr mit zehn bar ist dichter gebaut als eine mit drei bar, und das ist keine Behauptung, sondern eine Folge der Anforderungen. Es heißt nur, dass die Zahl eine Untergrenze beschreibt und keine Betriebsanleitung ersetzt.
Drei Hersteller, eine Norm, zwei Antworten
Weil die Norm keine Tätigkeiten zuordnet, tun es die Hersteller. Jeder von ihnen veröffentlicht eine eigene Tabelle, und diese Tabellen sind es, aus denen die umlaufenden Faustregeln stammen. Drei der größten Anbieter wurden für diesen Beitrag am selben Tag abgerufen, und ihre Tabellen gehen genau an der entscheidenden Stelle auseinander.
Casio ordnet der Kennzeichnung ohne Zahl Wasserspritzer und Regen zu, fünf bar dem Baden, Waschen und Duschen, zehn bar dem Schwimmen und Schnorcheln und zwanzig bar dem Freitauchen ohne Ausrüstung. Casio nennt dabei ausdrücklich DIN 8310 beziehungsweise ISO 22810 als Grundlage.
Citizen ordnet der Stufe „Water Resist" Feuchtigkeit durch Schwitzen, Spritzer beim Waschen und Regen zu. Für fünf bar heißt es dort, die Uhr sei für häufigen Wasserkontakt und gewöhnliches Schwimmen geeignet; Freitauchen bleibt ausgeschlossen. Ab zehn bar nennt Citizen Fischerei, Landwirtschaft, Autowäsche, Gastronomie, Freitauchen und Wassersport.
Seiko schreibt zur Stufe ohne Zahl ausdrücklich: „Bitte tragen Sie sie nicht beim Schwimmen." Fünf bar sind dort „für Sportarten wie Schwimmen geeignet", zehn und zwanzig bar „zum Tauchen ohne Atemgerät".
Bemerkenswert ist, wer hier vorsichtiger ist. Casio, dessen Uhren im unteren Segment die größte Verbreitung haben und am ehesten in der Badeanstalt landen, setzt die Schwelle für das Schwimmen eine ganze Stufe höher als die beiden japanischen Mitbewerber. Man kann das als Konservatismus lesen oder als Erfahrungswert. Was man nicht kann: es auflösen.
Sieben umlaufende Zuordnungen für dieselbe Zahl
Zu den drei Herstellertabellen kommen die Tabellen der Portale, und diese sind es, die ein Käufer bei einer Suche zuerst findet. Vier davon wurden für diesen Beitrag geprüft, und sie vergrößern die Spannweite weiter, statt sie zu schließen.
Ein Uhrenfachgeschäft ordnet drei bar dem Waschen, dem Regen und Spritzern zu, fünf bar zusätzlich dem Baden, zehn bar dem Duschen und Schwimmen und zwanzig bar dem Tauchen ohne Gerät. Das deckt sich weitgehend mit Casio — und widerspricht Citizen und Seiko.
Die deutschsprachige Wikipedia schreibt, ab der Klassifizierung fünf bar beziehungsweise fünfzig Meter könne von einer wasserdichten Uhr gesprochen werden, Duschen sei möglich, und ab zehn bar könne die Uhr auch beim Schwimmen verwendet werden. Auch das folgt der Casio-Linie.
Die englischsprachige Wikipedia ordnet dreißig Metern ausdrücklich zu, dass sie nicht zum Duschen oder Schwimmen taugen, fünfzig Metern Duschen, Baden, Schwimmen im flachen Wasser und Schnorcheln, und hundert Metern Schwimmen, Schnorcheln und Segeln. Hier ist Schwimmen also schon bei fünf bar zulässig — wie bei Citizen und Seiko.
Ein weiteres Uhrenportal schließlich ordnet unter zehn Metern Spritzwasserschutz zu und unter fünfzig Metern Autowaschen, Schwimmen und Schnorcheln. Damit ist bei fünf bar zusätzlich zum Schwimmen auch das Schnorcheln erlaubt, das sowohl Casio als auch die erste Wikipedia-Fassung erst eine Stufe höher zulassen.
Sieben Zuordnungen, und für die Frage „darf ich mit fünf bar schwimmen" lauten die Antworten: nein, ja, ja, nein, nein, ja, ja. Vier zu drei — bei einer Frage, die sich nicht durch Abstimmung entscheiden lässt. Wer nach einer Regel sucht, findet nicht keine, sondern zu viele, und das ist der schlechtere Befund.
Dass es auch anders geht, zeigen Sonnenbrillen. Dort ordnet ein Behördenratgeber jeder Filterkategorie einen Einsatz zu, vom Sommer in der Stadt bis zum Gletscher, und die übrigen Quellen passen dazu. Wie diese Zuordnung aussieht, steht in der Tabelle der Filterkategorien von 0 bis 4.
Kurz auseinandergehalten: Wer behauptet hier eigentlich was? Die Norm macht eine Aussage über ein Gehäuse unter Prüfbedingungen. Der Hersteller macht eine Aussage darüber, wofür er sein Produkt für geeignet hält — das ist eine Empfehlung mit Gewährleistungsfolge und keine Messung. Und ein Portal, das eine Tabelle veröffentlicht, gibt eine dieser beiden Aussagen weiter, meist ohne zu sagen, welche.
Diese Unterscheidung erklärt, warum die Tabellen sich widersprechen dürfen, ohne dass eine davon falsch wäre. Casio darf für seine Uhren strenger sein als Seiko für seine, weil beide über ihr eigenes Produkt sprechen. Falsch wird es erst, wenn eine solche Tabelle als allgemeingültig weitergegeben wird — und genau das geschieht in den umlaufenden Fassungen regelmäßig.
Für den Leser heißt das: Die Tabelle des Hauses, das die eigene Uhr gebaut hat, ist die maßgebliche. Eine fremde Tabelle ist ein Anhaltspunkt und kein Ersatz. Und eine Tabelle ohne Angabe, von wem sie stammt, ist das, was in diesem Beitrag als umlaufende Zuordnung bezeichnet wird — sie mag richtig sein, sie ist nur nicht zurechenbar.
Fünfzehn Angebote, fünfzehn Meterzahlen
Die Gegenprobe bei den Angeboten selbst führt zu einem eindeutigen Ergebnis. Für dieses Cluster wurden fünfzehn Herrenuhren ausgewertet — fünf funkgesteuerte Solaruhren, fünf Automatikuhren und fünf kleine Gehäuse. Alle fünfzehn wurden am 24. September 2026 einzeln abgerufen und ihre Verkäuferbereiche auf Normnennungen durchsucht.
Fünfzehn von fünfzehn nennen eine Meterzahl im Datenfeld Wasserdichtheit. Die Werte reichen von fünf bis zweihundert Metern. Eine reine bar-Angabe ohne Meterzahl kommt in keinem der fünfzehn Angebote vor; zwei nennen zusätzlich zur Meterzahl einen bar-Wert im Angebotstext.
Eines von fünfzehn nennt eine Norm. Vierzehn Angebote enthalten in Merkmalsliste, Beschreibung, Zusatzmodulen und Datenblatt keinen einzigen Normbezug — weder DIN 8310 noch ISO 22810 noch ISO 6425. Die Zahl steht da, die Grundlage nicht.
Das Ergebnis ist deshalb bemerkenswert, weil die Meterzahl rechtlich die angreifbarere Angabe ist und die Normnennung die belastbarere. Der Handel wählt durchgängig die angreifbare und lässt die belastbare weg. Die Gründe dafür sind nicht zu ermitteln; das Muster ist es.
Welche fünfzehn Uhren das sind und wie ihre Wasserangaben im Einzelnen lauten, steht in den drei Vergleichen dieses Clusters — bei den funkgesteuerten Solaruhren etwa reicht die Spanne von zehn bis zweihundert Metern. Der Vergleich der Solaruhren mit Funksignal hält die Angaben gegen genau diese Normen.
Ein Blick auf die Verteilung hilft, weil sie zeigt, wie ungleich die Angaben über das Feld streuen. Fünf Angebote nennen fünfzig Meter, drei nennen zweihundert, drei nennen dreißig, zwei nennen zehn, eines nennt hundert und eines nennt fünf. Die häufigste Angabe ist also genau die Stufe, an der sich die Hersteller uneins sind — fünf bar.
Fünf Meter sind dabei der merkwürdigste Wert des Felds. Ein halbes bar ist keine Kennzeichnung, die in den Tabellen der Hersteller vorkommt; die unterste Stufe dort heißt „Water Resistant" und entspricht drei bar. Ein Angebot, das fünf Meter in ein Zahlenfeld schreibt, erzeugt damit eine Stufe, die es in der Systematik gar nicht gibt.
Man kann an dieser Stelle einwenden, fünfzehn Angebote seien eine schmale Grundlage für eine Aussage über den Handel. Das stimmt. Sie sind allerdings keine Zufallsstichprobe, sondern die vollständige Auswahl dreier Vergleiche, die nach ganz anderen Kriterien zusammengestellt wurden — nach Antrieb, nach Werk und nach Gehäusemaß. Dass sich bei einer so zusammengewürfelten Menge fünfzehn von fünfzehn gleich verhalten, ist der eigentliche Befund.
Die drei Vergleiche, aus denen diese fünfzehn stammen, hängen im Überblick der Uhren-Cluster zusammen. Sie sind nach verschiedenen Achsen gebaut, und keiner von ihnen hatte die Wasserdichtheit als Auswahlkriterium — was die Auszählung belastbarer macht, nicht schwächer.
Das eine Angebot mit Normangabe und was der Satz offenlässt
Das einzige der fünfzehn Angebote, das eine Norm nennt, ist eine Casio Collection A158WEA-1EF. In ihrer Produktbeschreibung steht, das Modell sei wasserdicht nach DIN 8310 beziehungsweise ISO 22810, und es folgt der Zusatz, es vertrage leichte Spritzer, größerer Wasserkontakt solle vermieden werden.
Das ist vorbildlich. Hier steht nicht nur eine Zahl, sondern ihre Grundlage, und es steht eine Aussage dazu, was der Hersteller für zulässig hält. Von den fünfzehn Angeboten ist dieses das einzige, das dem Käufer beides gibt.
Beide Normen gelten, die deutsche wie die internationale Fassung von 2010. Offen bleibt, was weiter oben steht: Seit der Neufassung wählt der Hersteller Prüfungen und Prüfplan selbst. „Wasserdicht nach ISO 22810" sagt, welches Ergebnis zugesagt ist, und nicht, wie es geprüft wurde.
In einer früheren Fassung stand hier, das Angebot nenne die zurückgezogene ISO 2281. Das war falsch gelesen. Bei der Nachprüfung am 8. Oktober 2026 steht in der Beschreibung ISO 22810, und die Aussagen dieses Abschnitts sind entsprechend berichtigt.
Bemerkenswert ist noch ein Drittes an diesem Angebot. Dieselbe Uhr trägt im Datenfeld die Meterzahl dreißig und im Feld Sporttyp den Eintrag „Laufen". Die Produktbeschreibung sagt leichte Spritzer, das Datenfeld sagt dreißig Meter, und ein drittes Feld sagt Laufen. Drei Angaben, ein Angebot, drei verschiedene Aussagen über dieselbe Eigenschaft.
Das Feld, das Schwimmen erlaubt, wo der Hersteller es verbietet
Bei der Auszählung fiel ein Datenfeld auf, das im Zusammenhang mit Wasser kaum beachtet wird: der Sporttyp. Er steht bei fast allen Angeboten, er wird von Suchfiltern ausgewertet, und er sagt an fünf Stellen etwas über Wasser, das die Wasserangabe derselben Seite nicht ohne Weiteres trägt.
Am deutlichsten zeigt es eine Casio LCW-M170DB-1AER: Das Datenfeld nennt dreißig Meter, also drei bar. Ihr Feld Sporttyp nennt „Schwimmen, Schnorcheln". Genau diese beiden Tätigkeiten ordnet Casio in der eigenen Darstellung der Stufe zehn bar zu — also dem Dreifachen dessen, was diese Uhr im Datenfeld trägt.
Der zweite Fall ist noch schärfer. Eine Bering 15239-727 führt im Datenfeld zehn Meter, also ein bar, und im Feld Sporttyp „Schnorcheln, Schwimmen". Ein bar ist die Stufe, bei der Hersteller vor Spritzwasser warnen. Derselbe Angebotstitel nennt im Übrigen 10 ATM, also das Hundertfache der Meterangabe im Datenblatt; welcher der beiden Werte gilt, bleibt offen.
Ein weiteres Angebot nennt bei fünfzig Metern Schwimmen, zwei nennen bei zweihundert Metern Tauchen. Das erste liegt im Bereich, in dem Citizen und Seiko zustimmen und Casio widerspricht; das zweite wäre plausibel, wenn ISO 6425 genannt wäre — was in keinem der fünfzehn Angebote der Fall ist.
Eine letzte Auffälligkeit der Auszählung betrifft das Feld Wasserbeständigkeit, das zusätzlich zur Meterzahl geführt wird. Es kennt zwei Werte: „Wasserdicht" und „Wasserfest". Neun der fünfzehn Angebote tragen den einen, sechs den anderen — und die Zuordnung folgt nicht der Meterzahl. Eine Uhr mit fünfzig Metern steht als wasserfest, eine mit dreißig als wasserdicht.
Die beiden Wörter sind im allgemeinen Sprachgebrauch nicht dasselbe, und in der Norm kommt nur eines von beiden vor: Wasserdichtheit. „Wasserfest" ist keine normierte Kennzeichnung. Was das Feld also mitteilt, ist nicht erkennbar, und es steht bei jedem der fünfzehn Angebote, direkt unter der Meterzahl, in derselben Tabelle und mit derselben Autorität.
Damit sind es drei Felder, die auf derselben Seite über dasselbe Thema sprechen: die Meterzahl, die Wasserbeständigkeit und der Sporttyp. In fünf der fünfzehn Fälle sagen sie nicht dasselbe. Wer eine Uhr nach ihrer Wassertauglichkeit auswählt, wählt also zwischen drei Auskünften aus einer Quelle — und keine davon ist als die maßgebliche gekennzeichnet.
Was ein Oberlandesgericht zur Meterzahl gesagt hat
Die Meterzahl ist nicht nur technisch missverständlich, sie ist auch gerichtlich geprüft. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat am 10. April 2008 unter dem Aktenzeichen 6 U 34/07 entschieden, dass die Werbung „30 m wasserdicht" für Armbanduhren irreführend ist, wenn die Uhr nicht zum Tauchen in dieser Tiefe geeignet ist.
Die Begründung trifft genau den Punkt dieses Beitrags. Der durchschnittliche Verbraucher verstehe die Angabe so, dass die Uhr technisch darauf ausgelegt sei, wiederholt in dieser Tiefe getaucht zu werden. Eine bestandene Laborprüfung erfülle diese Erwartung nicht, weil beim Tauchen längere Einwirkdauer, wiederholte Nutzung und Bewegungen hinzukommen. Das Gericht hält fest, dass bereits bei zwei Metern Tiefe ein Druck von drei bar entstehen kann.
Die IT-Recht Kanzlei führt zwei weitere Entscheidungen auf derselben Linie an: das Amtsgericht Bochum vom 24. Juni 2011 unter dem Aktenzeichen 75 C 45/11 und das Landgericht Berlin vom 8. Januar 2015 unter dem Aktenzeichen 52 O 247/14. Die Rechtsgrundlage ist § 5 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb.
Für den Käufer ist das weniger eine Handlungsanweisung als eine Einordnung. Wenn Gerichte seit fast zwei Jahrzehnten sagen, dass diese Zahl missverstanden wird, und der Handel sie fünfzehnmal von fünfzehn trotzdem verwendet, dann liegt das Missverständnis nicht am einzelnen Leser.
Warum die bar-Angabe zulässig ist und die Meterangabe nicht
Der Unterschied zwischen den beiden Angaben ist kein sprachlicher, sondern ein sachlicher. Die bar-Angabe benennt eine physikalische Größe, der das Gehäuse standgehalten hat. Die Meterangabe benennt eine Situation, in der sich ein Mensch aufhalten könnte. Die erste ist eine Prüfaussage, die zweite eine Nutzungsaussage — und die Prüfung belegt die Nutzung nicht.
Man sieht das an einer einfachen Überlegung. Drei bar entsprechen dreißig Metern Wassersäule. Ein Mensch, der in zwei Metern Tiefe schwimmt, erzeugt durch Bewegung und durch den Anlauf beim Eintauchen kurzzeitig Drücke, die drei bar erreichen können — so steht es in der Entscheidung. Die Zahl dreißig ist also nicht zu niedrig angesetzt, sie ist falsch übersetzt.
Praktisch heißt das: Eine Uhr, auf der „3 bar" steht, ist ehrlicher gekennzeichnet als eine mit „30 m", obwohl beide dasselbe aussagen. Wer beim Kauf die Wahl hat, nimmt die bar-Angabe — nicht weil die Uhr besser wäre, sondern weil der Anbieter die Missverständlichkeit nicht in Kauf nimmt.
In den fünfzehn Angeboten dieses Clusters gibt es diese Wahl praktisch nicht. Die bar-Werte stehen dort, wo sie überhaupt stehen, zusätzlich zur Meterzahl und im Fließtext, nicht im Datenfeld. Wer nach bar filtert, findet nichts; wer nach Metern filtert, findet alles. Die Suchmaske belohnt die Angabe, vor der Gerichte warnen.
Eine Besonderheit des deutschen Marktes gehört noch dazu. Die Entscheidung des Oberlandesgerichts betrifft die Werbung, nicht die Gravur auf dem Gehäuseboden. Ein Hersteller darf also weiterhin dreißig Meter in den Boden prägen; was er nicht darf, ist damit werben, ohne die Erwartung zu erfüllen, die diese Zahl weckt. Die Zahl auf der Uhr und die Zahl im Angebot unterliegen damit verschiedenen Maßstäben.
Praktisch führt das zu der Situation, die dieser Beitrag beschreibt: Die Gravur bleibt, das Angebot übernimmt sie, und die Rechtsprechung greift erst, wenn jemand abmahnt. In den fünfzehn geprüften Angeboten hat das offensichtlich niemand getan; die Meterzahl steht fünfzehnmal da, und in zwei Fällen steht daneben eine Tätigkeitsangabe, die sie nach keiner der geprüften Tabellen trägt.
Mitnehmen lässt sich daraus wenig und eines dafür sicher. Ein Angebot, das die Angabe sauber führt — bar statt Meter, Norm genannt, Tätigkeit des Herstellers zitiert —, ist kein besseres Produkt, aber ein Anbieter, der seine eigenen Unterlagen gelesen hat. Das ist im Gewährleistungsfall mehr wert als zwei Stufen auf der Druckskala.
Der Rechenweg: wie viel Druck Bewegung im Wasser erzeugt
Zur Begründung, warum die Meterzahl nicht zur Tauchtiefe taugt, wird regelmäßig gesagt, Bewegung im Wasser erzeuge ein Vielfaches des Prüfdrucks. Das ist der Sache nach richtig und in der üblichen Zuspitzung übertrieben. Man kann es ausrechnen, und die Rechnung gehört in diesen Beitrag, weil sie an einer Stelle zugunsten der Uhren ausgeht.
Der Staudruck einer Strömung ist das halbe Produkt aus Dichte und dem Quadrat der Geschwindigkeit. Mit der Dichte von Wasser, tausend Kilogramm je Kubikmeter, ergibt sich für einen Meter je Sekunde ein Staudruck von fünfhundert Pascal, also etwa fünf Zentimetern Wassersäule. Bei zwei Metern je Sekunde — das ist zügiges Schwimmen — sind es zweitausend Pascal, also rund zwanzig Zentimeter.
Die verbreitete Darstellung nennt gern den letzten Wert: Zehn Meter je Sekunde ergäben einen halben bar zusätzlich, also fünf Meter Wassersäule. Das stimmt rechnerisch und ist praktisch bedeutungslos, denn zehn Meter je Sekunde erreicht kein Schwimmer. Die Weltrekordgeschwindigkeit über fünfzig Meter liegt bei etwa der Hälfte, und das über eine halbe Minute.
Bei realistischen zwei Metern je Sekunde liegt der Zuschlag bei etwa zwei Hundertstel bar. Gegen die drei bar, die eine gewöhnliche Uhr aushält, ist das nichts. Die gleichmäßige Schwimmbewegung ist also nicht das Problem — und wer einer Uhr mit drei bar allein wegen der Schwimmbewegung misstraut, misstraut ihr aus dem falschen Grund.
Interessanter als der Staudruck ist deshalb der Aufprall, und auch er lässt sich abschätzen. Wer aus einem Meter Höhe ins Wasser springt, trifft mit rund viereinhalb Metern je Sekunde auf. Die Formel für den Staudruck ergäbe daraus etwa zehntausend Pascal, also ein Zehntel bar — auch das noch harmlos. Der Unterschied zum Schwimmen liegt nicht in der Geschwindigkeit, sondern darin, dass die Fläche getroffen und nicht umströmt wird.
Beim Auftreffen auf eine Wasseroberfläche entsteht kurzzeitig ein Druckstoß, der ein Vielfaches des Staudrucks erreichen kann, weil das Wasser nicht ausweichen kann, solange die Stoßfront noch läuft. Dieser Effekt hängt von Auftreffwinkel, Fläche und Steifigkeit ab und lässt sich mit einer einzigen Zahl nicht beschreiben. Genau deshalb steht hier keine.
Was sich sagen lässt: Die Belastung beim Sprung ins Wasser ist qualitativ anders als beim Schwimmen, sie ist kurz, örtlich begrenzt und trifft ausgerechnet das Glas und den Gehäuserand. Sie ist der Grund, warum Hersteller zwischen Schwimmen und Springen unterscheiden, auch wenn beides im selben Becken stattfindet.
Die Rechnung in diesem Abschnitt stammt aus diesem Beitrag und ist mit ihren Annahmen offengelegt. Wer nachrechnen will, braucht dafür nichts weiter als die Staudruckformel; wer prüfen will, wer hier rechnet und nach welchen Regeln, findet es bei den Angaben zu Fachbereich und Regeln.
Bleibt die Frage, warum die Angaben so beharrlich in Metern stehen, obwohl bar die unangreifbarere Einheit ist. Eine Antwort liegt in der Suchmaske: Ein Zahlenfeld „Wasserdichte Tiefe" mit der Einheit Meter ist im Datenmodell des Handelsplatzes vorgesehen, ein Feld für den Prüfdruck in bar nicht. Wer seine Ware vollständig einpflegen will, trägt also die Meterzahl ein — die Alternative wäre, das Feld leer zu lassen.
Das erklärt die Fünfzehn-von-fünfzehn-Quote besser als jede Absicht. Anbieter füllen die Felder, die es gibt. Dass ausgerechnet das vorhandene Feld die rechtlich angreifbare Einheit verlangt, ist keine Entscheidung eines einzelnen Händlers, sondern eine Eigenschaft der Plattform. Ändern könnte das nur, wer das Feld definiert. Bis dahin steht in jedem Datenblatt dieses Clusters eine Einheit, vor deren Verwendung in der Werbung deutsche Gerichte seit bald zwei Jahrzehnten warnen.
Für den Leser folgt daraus eine kleine, aber verlässliche Lesehilfe: Steht die bar-Angabe irgendwo, dann im Fließtext, im Angebotstitel oder auf dem Produktbild — und sie stammt dann vom Hersteller. Steht die Meterzahl im Datenfeld, stammt sie aus der Pflege des Angebots. Zwischen beiden liegt oft genau der Widerspruch, den zwei Angebote dieses Clusters aufweisen.
Was stattdessen gefährlich ist
Die Belastungen, die Uhren tatsächlich undicht machen, sind andere, und sie haben eines gemeinsam: Keine von ihnen bildet sich in einer Meterzahl ab. Es sind vier, und sie treten im Alltag häufiger auf als das Schwimmen.
Der Aufprall ist der erste. Wer aus einem Meter Höhe ins Wasser springt, trifft mit etwa viereinhalb Metern je Sekunde auf, und die Fläche wird nicht angeströmt, sondern getroffen. Die dabei auftretenden Spitzen sind kurz, örtlich begrenzt und um ein Vielfaches höher als der Staudruck einer Strömung. Dasselbe gilt für den Armschlag beim Kraulen, der auf die Wasseroberfläche schlägt.
Der Strahl ist der zweite und der unterschätzteste. Ein Wasserhahn oder eine Duschbrause erzeugt auf kleiner Fläche Drücke, die die statische Prüfung nicht abbildet. Deshalb steht in vielen Herstellerhinweisen, dass gerade Duschen für niedrige Klassen ausgeschlossen ist — obwohl dabei keinerlei Tiefe im Spiel ist.
Die Wärme ist der dritte. Sie bekommt einen eigenen Abschnitt weiter unten, weil sie der Grund für die meisten Schäden an Uhren ist, die nie tiefer als einen Meter im Wasser waren.
Und die Alterung ist der vierte. Eine Dichtung, die fünf Jahre alt ist, hält nicht, was das Datenblatt für den Neuzustand zusagt. Auch dazu unten mehr. Diese vier zusammen erklären das Muster, das jeder Uhrmacher kennt: Die Uhren kommen nicht aus dem Schwimmbad in die Werkstatt, sondern aus der Dusche und aus der Sauna.
Krone, Drücker, Boden: die drei Eintrittsstellen
Ein Uhrengehäuse ist kein geschlossener Körper. Es hat drei Stellen, an denen Wasser eintreten kann, und an allen dreien sitzt eine Dichtung, die verschleißt. Wer die Wasserangabe verstehen will, muss wissen, wo sie gilt.
Die Krone ist die häufigste Ursache. Sie sitzt in einer Bohrung durch die Gehäusewand, und bei einer gewöhnlichen Krone hält nur ein Dichtring den Weg zu. Ist die Krone gezogen, weil man die Uhrzeit gestellt hat und es vergessen wurde, ist der Weg offen — die Wasserangabe gilt dann für keinen einzigen Meter. Bei einer verschraubten Krone ist die Lage besser, aber nur im verschraubten Zustand.
Dasselbe Muster findet sich bei Taschen, nur an anderen Stellen: Naht, Reißverschluss, Verschluss. Auch dort gilt eine Schutzart nur, wenn der Verschluss geschlossen ist. ORTLIEB nennt für eine kleine Umhängetasche IP64, aber nur bei zweimal gerolltem Verschluss und geschlossenem Magneten. Wie Klappe, Reißverschluss und Rolle sich darin unterscheiden, steht beim Verschluss wasserdichter Umhängetaschen.
Die Drücker sind der zweite Weg und betreffen Uhren mit Stoppfunktion oder Digitalanzeige. Jeder Drücker ist eine weitere Bohrung mit einem weiteren Dichtring. Wer einen Drücker unter Wasser betätigt, öffnet den Weg aktiv; genau davor warnen die Hersteller in ihren Bedienungsanleitungen, und genau das steht in keinem Datenfeld.
Der Gehäuseboden ist der dritte. Er ist bei einfachen Uhren gedrückt, bei besseren verschraubt, und er wird bei jedem Batteriewechsel geöffnet. Damit ist er die einzige Eintrittsstelle, die planmäßig und wiederholt aufgemacht wird — und diejenige, bei der am ehesten jemand vergisst, die Dichtung zu ersetzen. Welche weiteren Fehlerbilder ein Batteriewechsel nach sich ziehen kann, führt der Ratgeber zu Gangfehlern auf.
Die drei Stellen, bevor die Uhr ins Wasser geht
Krone ganz hineingedrückt, bei verschraubter Krone festgedreht.
Eine gezogene Krone macht jede Wasserangabe gegenstandslos, auch bei zwanzig bar.
Keinen Drücker unter Wasser betätigen.
Betrifft Chronografen und Digitaluhren. Der Druckpunkt verschiebt den Dichtring.
Nach jedem Batteriewechsel die Dichtheit prüfen lassen.
Der Boden ist die einzige Stelle, die planmäßig geöffnet wird. Wer sie öffnet, sollte die Dichtung ersetzen.
Die Krone verdient noch einen zweiten Absatz, weil sie die einzige Eintrittsstelle ist, die der Träger selbst bedient. Eine gesteckte Krone hat zwei Rastpositionen: hineingedrückt und herausgezogen. In der herausgezogenen Stellung liegt der Dichtring nicht mehr an der vorgesehenen Fläche an; die Uhr ist dann nicht schlechter gedichtet als eine billige, sie ist offen.
Eine verschraubte Krone hat eine dritte Stellung: festgedreht. Erst in ihr presst ein Gewinde den Dichtring gegen das Gehäuse, und erst dann gilt die Kennzeichnung. Wer eine verschraubte Krone nach dem Stellen nur hineindrückt, ohne sie zu drehen, hat dieselbe Situation wie bei einer gesteckten Krone — nur mit dem Gefühl, eine dichtere Uhr zu tragen.
Welche der beiden Bauformen verbaut ist, steht in keinem der fünfzehn Datenblätter dieses Clusters als eigenes Feld. Bei zwei Angeboten ließ sich das aus dem Fließtext schließen, bei dreizehn nicht. Für eine Eigenschaft, die im Alltag mehr über die Dichtheit entscheidet als zwei Stufen auf der Druckskala, ist das eine bemerkenswerte Leerstelle — und sie steht nicht allein, wie die Aufstellung der fehlenden Gehäuseangaben im Ratgeber zu Gehäusemaß und Handgelenk zeigt.
Eine praktische Folgerung ergibt sich daraus für Uhren mit Datumsanzeige. Wer das Datum einmal im Monat nachstellt, zieht dafür die Krone — und genau danach liegt die häufigste Gelegenheit, sie offen zu lassen. Wer sich angewöhnt, nach jedem Stellen kurz auf die Krone zu sehen, hat die häufigste Schadensursache im Griff.
Dichtungen altern, und niemand sagt wann
Jede Wasserangabe gilt für den Neuzustand. Das steht nirgends im Angebot, und es ist die folgenreichste der ungeschriebenen Bedingungen. Die Dichtringe einer Uhr bestehen aus Elastomer; sie verlieren über Jahre ihre Elastizität, werden hart und schließen schlechter. Fett, das ursprünglich aufgetragen war, wandert aus.
Wie schnell das geht, hängt von der Nutzung ab, und deshalb gibt es keine Zahl dafür. Was es gibt, ist eine Faustregel aus der Werkstatt: Wer seine Uhr regelmäßig ins Wasser nimmt, lässt die Dichtheit jährlich prüfen; wer es selten tut, vor jeder Badesaison. Beides kostet Minuten und ist der einzige Weg, die Kennzeichnung gegen den heutigen Zustand zu halten.
Keines der fünfzehn geprüften Angebote nennt ein Prüfintervall. Keines sagt, dass die Angabe für den Neuzustand gilt. In einem Fall aus diesem Cluster trug eine Uhr vier von fünf Datenfeldern zur Wasserdichtheit und keines zur Haltbarkeit dieser Eigenschaft — was im Vergleich der Automatiken an der Frage der Revision noch einmal auftaucht.
Es gehört zur Ehrlichkeit dieses Abschnitts, die Grenze zu nennen: Die jährliche Prüfung ist eine Empfehlung aus der Praxis, keine Norm. Wer eine Zahl sucht, die irgendwo festgeschrieben wäre, findet auch hier keine. Was sich sagen lässt, ist, dass eine Dichtung, die niemand angesehen hat, keine Aussage trägt.
Warum warmes Wasser schlimmer ist als tiefes
Der häufigste Weg, eine Uhr mit intakten Dichtungen zu ruinieren, führt nicht ins Schwimmbad, sondern in die Sauna. Citizen warnt ausdrücklich davor, die Uhr in heißes Wasser oder eine heiße Quelle zu tauchen oder sie in der Sauna zu tragen. Der Grund ist physikalisch und hat mit Druck im üblichen Sinn nichts zu tun.
Wärme dehnt Metall und Elastomer verschieden stark aus. Ein Gehäuse, das sich erwärmt, verändert die Passung der Dichtringe; zugleich dehnt sich die eingeschlossene Luft aus und drückt von innen gegen dieselben Dichtungen. Kühlt die Uhr anschließend rasch ab — etwa beim Sprung ins kalte Becken —, entsteht innen ein Unterdruck, der Wasser aktiv einsaugt.
Genau dieser Wechsel ist der Schadensfall, den Uhrmacher am häufigsten sehen: beschlagenes Glas nach dem Saunagang, nicht nach dem Tauchgang. Die Uhr war dabei nie tiefer als handbreit unter Wasser. Keine Meterzahl der Welt sagt etwas über diese Belastung, weil die Prüfung bei Raumtemperatur stattfindet.
Die praktische Folgerung ist unbequem und einfach. Eine Uhr mit fünf bar darf nach Auskunft zweier der drei geprüften Hersteller schwimmen, aber keiner der drei lässt sie in die Sauna. Wer beides gewohnheitsmäßig tut, legt die Uhr für das zweite ab — und das gilt unabhängig davon, welche Zahl auf dem Boden steht.
Der Vollständigkeit halber gehört zu diesem Abschnitt, dass die Wärme nicht nur der Sauna zuzurechnen ist. Eine schwarze Uhr auf einem Autoarmaturenbrett im Sommer erreicht Temperaturen, die denen eines Saunagangs nahekommen, und der anschließende Griff ins kalte Wasser erzeugt denselben Unterdruck. Dasselbe gilt für den Sprung ins Becken nach einer Stunde in der Sonne.
Die Hersteller formulieren das unterschiedlich streng. Citizen nennt heißes Wasser, heiße Quellen und Sauna ausdrücklich. Andere beschränken sich auf einen allgemeinen Hinweis auf Temperaturwechsel. Gemeinsam ist allen, dass die Warnung nicht an eine Druckstufe geknüpft ist — sie gilt für zwanzig bar genauso wie für drei.
Das ist die zweite Stelle, an der die Meterzahl in die Irre führt. Sie suggeriert, mehr Stufen bedeuteten mehr erlaubte Situationen. Bei der Wärme stimmt das nicht: Eine Taucheruhr gehört so wenig in die Sauna wie eine Alltagsuhr, und wer sich auf die höhere Zahl verlässt, macht denselben Fehler wie jemand, der der niedrigeren zu viel zutraut.
Die Dichtheitsprüfung: was sie kann und was nicht
Die Prüfung, die ein Uhrmacher anbietet, ist keine Wiederholung der Normprüfung. Sie ist eine Dichtheitskontrolle des einzelnen Exemplars, meist in zwei Schritten: erst eine Trockenprüfung, bei der das Gehäuse in einer Kammer mit Druck beaufschlagt und die Verformung gemessen wird, dann bei Bedarf eine Nassprüfung.
Was diese Prüfung leistet: Sie stellt fest, ob das Gehäuse in seinem heutigen Zustand dem Druck standhält, mit dem geprüft wurde. Das ist genau die Auskunft, die im Datenblatt fehlt, und sie ist an einem konkreten Exemplar gewonnen und nicht an einer Bauart.
Was sie nicht leistet: Sie sagt nichts über morgen. Eine Dichtung kann bei der Prüfung halten und zwei Monate später nicht mehr, wenn die Uhr in der Zwischenzeit Hitze gesehen hat. Und sie bildet die vier Belastungen aus dem Abschnitt weiter oben nicht ab — Aufprall, Strahl, Wärmewechsel und Alterung sind in keiner Druckkammer nachgestellt.
Trotzdem ist sie das Beste, was zur Verfügung steht, und sie ist deshalb der eine Rat, den dieser Beitrag ohne Vorbehalt gibt. Eine geprüfte Uhr trägt eine Aussage über ihren heutigen Zustand. Eine ungeprüfte trägt eine Aussage über den Zustand, in dem irgendwann einmal ein Baumuster war.
Was sich vor dem Kauf klären lässt
Für den Kauf lassen sich aus alledem wenige, aber belastbare Fragen ableiten. Sie sind bewusst als Fragen an den Verkäufer formuliert und nicht als Merkmale, nach denen man filtern könnte — denn filtern lässt sich, wie gezeigt, nur nach der Zahl, die am wenigsten aussagt.
Die erste Frage lautet, ob die Angabe in bar oder in Metern vorliegt und ob eine Norm genannt ist. Ein Anbieter, der „5 bar nach ISO 22810" schreibt, hat dieselbe Uhr besser beschrieben als einer, der „50 m wasserdicht" schreibt. Das ist kein Qualitätsmerkmal der Uhr, sondern eines der Auskunft — und die Auskunft ist das, was man beim Kauf bekommt.
Die zweite Frage betrifft die Krone. Verschraubt oder gesteckt ist eine Eigenschaft, die über die Dichtheit im Alltag mehr entscheidet als zwei Stufen auf der Druckskala, und sie steht in den Datenfeldern praktisch nie. Bei den fünfzehn Angeboten dieses Clusters war sie kein einziges Mal als eigenes Feld geführt.
Die dritte Frage betrifft den Zweck. Wer die Uhr nur im Alltag trägt und beim Händewaschen nicht abnimmt, braucht drei bar und nicht mehr. Wer regelmäßig schwimmt, nimmt nach der vorsichtigeren der Herstellerauskünfte zehn bar — nicht weil fünf sicher zu wenig wären, sondern weil er dann nicht mehr entscheiden muss, welcher Tabelle er glaubt.
Die vierte betrifft den Weg danach. Eine Uhr, deren Dichtungen sich beim Uhrmacher wechseln lassen, ist einem Gehäuse überlegen, das dafür nicht ausgelegt ist. Welche der fünfzehn Uhren dieses Clusters wie gebaut sind, lässt sich aus den Angeboten nicht sagen — auch das ist eine Auskunft, die fehlt.
Wann es eine Taucheruhr sein muss
Für das Tauchen ist eine eigene Norm zuständig, ISO 6425, und der Unterschied ist erheblich. Seit September 2026 heißt sie auch hierzulande DIN ISO 6425; die ältere DIN 8306 führt DIN Media seither als zurückgezogen. Verlangt wird mehr als ein dichtes Gehäuse: unter anderem eine Vorrichtung zur Vorwahl der Tauchzeit, Ablesbarkeit bei völliger Dunkelheit, Beständigkeit gegen Stöße, Magnetfelder und Salzwasser — und eine Prüfung jedes einzelnen Exemplars statt einer Bauartprüfung.
Dieser letzte Punkt ist der wichtigste und der am wenigsten bekannte. Bei einer gewöhnlichen Uhr wird ein Baumuster geprüft und die Serie trägt das Ergebnis. Bei einer Taucheruhr nach ISO 6425 ist jedes Stück geprüft. Daher rührt es, dass eine Uhr mit zweihundert Metern im Datenfeld noch keine Taucheruhr ist — die Zahl kann stimmen und die Einzelprüfung trotzdem fehlen.
In den fünfzehn Angeboten dieses Clusters nennt keines ISO 6425, und zwei von ihnen führen im Feld Sporttyp den Eintrag „Tauchen" bei zweihundert Metern. Beide Uhren mögen für Freitauchen geeignet sein; als Taucheruhr im Sinn der Norm sind sie nicht ausgewiesen, und der Unterschied wird im Angebot nicht gemacht.
Wer wirklich taucht, kauft deshalb nicht nach Meterzahl, sondern nach der ausdrücklichen Nennung von ISO 6425, bei älteren Uhren auch der Vorgängerin DIN 8306, und nach dem Wort „Taucheruhr" in der Kennzeichnung. Alles andere ist eine Uhr, die tief genug geprüft wurde, aber für einen anderen Zweck. Wie selten Automatik-Taucheruhren im Handel die Norm tatsächlich nennen, zeigt die Auszählung von 76 Automatik-Taucheruhren nach ISO 6425.
Die Norm für Taucheruhren stellt außerdem Anforderungen, die mit Dichtheit nichts zu tun haben und trotzdem sicherheitsrelevant sind. Die Zeitvorwahl muss so beschaffen sein, dass sie sich nicht versehentlich in die falsche Richtung verstellen lässt — sonst zeigt sie eine kürzere Tauchzeit an, als tatsächlich vergangen ist. Die Ablesbarkeit muss bei völliger Dunkelheit aus fünfundzwanzig Zentimetern gegeben sein.
Hinzu kommen Prüfungen gegen Salzwasser, gegen Stöße und gegen Magnetfelder sowie eine Prüfung der Befestigung des Bandes. Keine dieser Eigenschaften bildet sich in einer Meterzahl ab, und keine davon wird in den Angeboten des Clusters erwähnt — auch nicht bei den beiden Uhren, deren Sporttyp-Feld ausdrücklich Tauchen nennt.
Für die Abgrenzung heißt das: Die Frage lautet nicht, ob eine Uhr tief genug geprüft ist, sondern ob sie für eine Tätigkeit ausgewiesen ist, bei der ein Ausfall Folgen hat. Eine Uhr, die beim Schnorcheln stehen bleibt, ist ärgerlich. Eine Uhr, die beim Gerätetauchen die Zeit falsch anzeigt, ist etwas anderes.
Wer wissen will, wie die Uhren dieses Clusters bei den übrigen fünf technischen Größen abschneiden, findet das in den Vergleichen — etwa, welche Gehäuse überhaupt flach genug sind, um bei einem schmalen Handgelenk unter die Manschette zu gehen, im Vergleich der kleinen Gehäuse.
Die einzige Zuordnung, die dieses Portal aufstellt
Nach sieben widersprüchlichen Tabellen wäre eine achte das Letzte, was dieser Beitrag beisteuern sollte. Was er stattdessen aufstellt, ist eine Zuordnung, die sich nicht auf Druckstufen stützt, sondern auf die vier Belastungen, die tatsächlich Schaden anrichten.
Regen, Spritzer, Händewaschen: Jede Uhr, die überhaupt eine Angabe trägt, hält das aus. Hier entscheidet nicht die Stufe, sondern ob die Krone eingedrückt ist.
Duschen: Nicht wegen der Tiefe, sondern wegen des Strahls und der Wärme. Wer duscht, ohne die Uhr abzulegen, sollte mindestens fünf bar haben und die Uhr regelmäßig prüfen lassen — und selbst dann ist es die Belastung, die Dichtungen am schnellsten altern lässt.
Schwimmen: Hier gehen die Hersteller auseinander, und deshalb steht hier keine Zahl, sondern eine Regel: Man folgt der Auskunft des Herstellers der eigenen Uhr, und wenn man sie nicht findet, der vorsichtigeren der beiden Lesarten. Die Schwimmbewegung selbst ist unkritisch; der Sprung ins Wasser ist es nicht.
Sauna, Thermalbad, heiße Dusche: Die Uhr bleibt draußen, unabhängig von der Zahl. Das ist der einzige Punkt, in dem sich alle drei geprüften Hersteller einig sind, und es ist bezeichnend, dass ausgerechnet er in keiner der umlaufenden Tabellen vorkommt.
Tauchen: Nur mit einer Uhr, die ISO 6425 ausdrücklich nennt, bei älteren Modellen auch die zurückgezogene DIN 8306. Eine Meterzahl ersetzt diese Nennung nicht, gleich wie hoch sie ist.
Die offene Frage, und wie man sie selbst beantwortet
Die Frage, mit der dieser Beitrag begonnen hat, bleibt unbeantwortet, und das ist sein Ergebnis. Es gibt keine Stelle, die verbindlich festlegt, was fünf bar zulassen. Die Norm schweigt dazu, die Hersteller widersprechen sich, die Portale widersprechen sich untereinander und den Herstellern, und die Angebote nennen die Norm in vierzehn von fünfzehn Fällen gar nicht erst.
Was man daraus machen kann, ist keine Regel, sondern ein Verfahren. Es besteht aus drei Schritten, die sich alle ohne Fachkenntnis ausführen lassen, und es führt zu einer Antwort für die eigene Uhr statt zu einer Antwort für alle Uhren.
Die eigene Uhr einordnen, in drei Schritten
Die Angabe auf dem Gehäuseboden ablesen und in bar umrechnen.
Zehn Meter sind ein bar. Steht dort bereits eine bar-Angabe, ist der Schritt erledigt — und der Anbieter hat sauber gekennzeichnet.
Die Tabelle des eigenen Herstellers suchen, nicht irgendeine.
Casio, Citizen und Seiko veröffentlichen sie. Sie gehen bei fünf bar auseinander, und maßgeblich ist die des Hauses, das die Uhr gebaut hat.
Die Dichtheit prüfen lassen, bevor man sich darauf verlässt.
Die Angabe gilt für den Neuzustand. Nach jedem geöffneten Boden und vor jeder Badesaison ist sie unbelegt, bis jemand nachgesehen hat.
Im Zweifel die vorsichtigere Auskunft nehmen.
Wo zwei Hersteller dieselbe Zahl verschieden auslegen, kostet die vorsichtige Lesart nichts und die großzügige im Zweifel die Uhr.
Bleibt die Frage, was sich daran ändern müsste. Die Antwort ist unspektakulär: Es müsste neben der Zahl die Norm stehen, und neben der Norm die Tätigkeitsangabe des Herstellers. Ein einziges Angebot von fünfzehn tut den ersten Teil. Solange das so bleibt, ersetzt die eigene Prüfung die fehlende Auskunft.
Wer eine Abweichung zu diesen Angaben findet — eine Herstellertabelle, die sich geändert hat, oder eine Norm, die neu gefasst wurde —, kann sie melden; was daraufhin geschieht und wie Änderungen festgehalten werden, steht im Korrekturverzeichnis mit Meldeweg. Der Datenstand dieses Beitrags steht an seinem Fuß, und er ist das Einzige, was hier ohne Vorbehalt gilt.
Häufige Fragen
Reichen 5 bar zum Schwimmen?
Das kommt darauf an, wen man fragt. Casio verlangt für das Schwimmen 10 bar und weist 5 bar dem Baden, Waschen und Duschen zu. Citizen und Seiko lassen Schwimmen ab 5 bar ausdrücklich zu. Alle drei berufen sich auf dieselbe Normfamilie. Eine Norm, die die Frage beantwortet, gibt es nicht.
Was bedeutet die Meterzahl auf dem Gehäuseboden?
Sie ist die Umrechnung eines Prüfdrucks in eine Wassersäule, nicht die zulässige Tauchtiefe. Casio schreibt selbst, es handele sich um eine bildliche Darstellung des Prüfdrucks. Ein deutsches Oberlandesgericht hat die Werbung mit einer Meterzahl deshalb für regelmäßig irreführend gehalten.
Warum steht auf manchen Uhren bar und auf anderen Meter?
Weil die Meterangabe rechtlich angreifbar ist und die bar-Angabe nicht. Nach der zitierten Rechtsprechung ist „wasserdicht bis 3 bar" zulässig, während eine Meterzahl als zulässige Tauchtiefe verstanden wird. Im Handel überwiegt trotzdem die Meterzahl: In den fünfzehn Angeboten dieses Clusters steht sie fünfzehnmal.
Was prüft die Norm überhaupt?
DIN 8310 und ISO 22810 legen Anforderungen und Prüfverfahren für die Wasserdichtheit fest und regeln, welche Kennzeichnung angebracht werden darf. Sie ordnen keinen Druckstufen Tätigkeiten zu. Seit der Fassung von 2010 dürfen Hersteller die Prüfungen und den Prüfplan zudem selbst wählen, solange das Ergebnis die Anforderungen erfüllt.
Ist die Uhr nach ein paar Jahren noch so dicht wie im Werk?
Die Angabe gilt für den Neuzustand. Dichtungen altern, Gehäuseböden werden geöffnet, Kronen werden verschlissen. Keines der geprüften Angebote nennt ein Prüfintervall. Wer die Uhr ins Wasser nimmt, lässt die Dichtheit vor der Saison prüfen; das ist ein Vorgang von Minuten.
Erzeugt Schwimmen wirklich ein Vielfaches des Prüfdrucks?
In dieser Form nicht. Der Staudruck wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit: Bei zügigen zwei Metern je Sekunde ergibt die Rechnung rund 0,02 bar, also etwa zwanzig Zentimeter Wassersäule. Gefährlich sind nicht die gleichmäßigen Züge, sondern Aufprall, Wasserstrahl, Wärme und gealterte Dichtungen.
Was ist der Unterschied zu einer Taucheruhr?
Taucheruhren werden nach ISO 6425 geprüft, in Deutschland seit September 2026 nach DIN ISO 6425, die die alte DIN 8306 ersetzt. Diese Norm verlangt mehr als die Dichtheit allein: unter anderem eine ablesbare Zeitvorwahl, Ablesbarkeit im Dunkeln und eine Einzelprüfung jedes Exemplars. Eine Uhr mit 200 Metern im Datenfeld ist deshalb nicht automatisch eine Taucheruhr.
Quellen
- [1]IT-Recht Kanzlei: Anforderungen an die Werbung mit Wasserdichtigkeit bei Armbanduhren· abgerufen 2026-09-24
- [2]urteile.news zu OLG Frankfurt a. M., 10.04.2008, Az. 6 U 34/07· abgerufen 2026-09-24
- [3]ISO 22810:2010, Horology — Water-resistant watches, Normeintrag der ISO· abgerufen 2026-09-24
- [4]ISO 2281:1990, zurückgezogen und ersetzt durch ISO 22810:2010· abgerufen 2026-09-24
- [5]CASIO: Wasserdichtigkeit — Klassifizierung und Normbezug· abgerufen 2026-09-24
- [6]CITIZEN WATCH: Wasserdichtigkeit· abgerufen 2026-09-24
- [7]SEIKO: Wasserdichtigkeit, Bedienungsanleitung Kaliber 8R46/8R48· abgerufen 2026-09-24
- [8]DIN 8310:2010, Zeitmesstechnik — Wasserdichtheit von Kleinuhren — Anforderungen und Prüfungen· abgerufen 2026-09-24
Welche Quellenarten wie gewichtet werden, steht auf Quellen.
Änderungen an diesem Beitrag
- 2026-10-23Berichtigung: DIN 8306 ist seit September 2026 zurückgezogen und durch DIN ISO 6425 ersetzt; in den Abschnitten zu DIN 8310 und ISO 22810, zur Taucheruhr und zur eigenen Zuordnung sowie in der FAQ nachgeführt.
- 2026-10-23Querverweis auf taucheruhr-automatik im Abschnitt zur Taucheruhr ergänzt.
- 2026-10-08Querverweis auf den Ratgeber zur Filterkategorie von Sonnenbrillen im Abschnitt zu den Zuordnungstabellen ergänzt.
- 2026-10-08Korrektur: Das eine Angebot mit Normangabe nennt die geltende ISO 22810, nicht die zurückgezogene ISO 2281. Abschnitt, Überschrift und Schlussabsatz berichtigt. Sprachlich überarbeitet: formelhafte Wendungen ersetzt. Linktexte der Querverweise geändert, damit keiner im Cluster doppelt vorkommt.
- 2026-09-24Ersterstellung. Normlage, Herstellerangaben und fünfzehn Angebote des Clusters am 24.09.2026 ausgewertet.
- 2026-09-24Querverweis auf den Ratgeber zu Gehäusemaßen im Abschnitt zur Krone ergänzt.
- 2026-09-24Querverweis auf den Ratgeber zum Messen der Ganggenauigkeit im Abschnitt zum Gehäuseboden ergänzt.
Das Veröffentlichungsdatum bleibt bei Korrekturen unverändert. Wie mit Fehlern umgegangen wird, steht auf Korrekturen.