Ratgeber
Vergoldung an der Uhr: wie dick sie ist und wie lange sie hält
Was an der durchgeriebenen Stelle sichtbar wird, welche vier Normen die Größen dazu regeln und warum dieselbe Auflage in einem Markt eine Mikrometerzahl trägt und hier keine.
- Veröffentlicht
- 2026-09-25
- Zuletzt geändert
- geändert 2026-10-08
- Zuletzt geprüft
- geprüft 2026-09-25
- Verfasst von
- Fachbereich Uhren & Schmuck
Worum es hier geht
- Für wen
- Wer eine goldfarbene Uhr trägt, an der eine Stelle heller geworden ist, und wissen will, was dort passiert.
- Beantwortete Frage
- Woraus besteht eine Goldauflage, wie dick ist sie, was trägt sie ab und wann ist welcher Schritt fällig?
- Nicht behandelt
- Die Auswahl eines Modells, Angaben einzelner Angebote und die Frage, welche goldfarbene Uhr zu kaufen ist.
Die Frage wird fast immer am selben Tag gestellt
Niemand liest über Schichtdicken, solange die Uhr golden ist. Die Frage nach der Haltbarkeit einer Vergoldung entsteht an einem bestimmten Tag: an dem, an dem zum ersten Mal eine Stelle anders aussieht als der Rest. Meist ist es eine Kante an der Schließe, ein Streifen am Bandglied oder der Rand des Gehäusebodens.
Dieser Zeitpunkt ist der Ausgangspunkt dieses Beitrags, und er ist auch der Grund für seine Anlage. Wer an diesem Tag sucht, will drei Dinge wissen, und zwar in dieser Reihenfolge: Was ist das, was da durchkommt? Ist das normal oder früh? Und was ist jetzt zu tun — sofort, später oder gar nicht?
Die dritte Frage hat drei mögliche Antworten, und die falsche davon ist teuer im Sinn von Aufwand und Ergebnis. Eine Uhr, deren Gehäuse noch trägt und deren Band durchgerieben ist, gehört nicht in eine Aufarbeitung, sondern an ein neues Band. Eine Uhr, bei der sich umgekehrt das Gehäuse abnutzt, ist mit einem neuen Band nicht gerettet. Und eine Uhr, bei der sich die Stelle auf der Innenseite befindet, wo niemand hinsieht, braucht überhaupt nichts.
Um diese Entscheidung zu treffen, muss man wissen, woraus die Schicht besteht und wie dick sie ist. Genau dort beginnt der sachliche Teil — und dort beginnt auch das Problem, denn die Zahl, um die es geht, steht in keinem Angebot. Wie weit das trägt, ist im Vergleich der vergoldeten Damenuhren an fünf Angeboten ausgezählt; dieser Beitrag geht die Werkstoffseite durch.
Was an der hellen Stelle tatsächlich zu sehen ist
Die naheliegende Annahme lautet: Dort ist das Gold weg, und darunter kommt Edelstahl zum Vorschein. Das trifft in den seltensten Fällen zu, und die Abweichung ist für das weitere Vorgehen wichtig.
Eine galvanische Goldschicht wird praktisch nie direkt auf Stahl abgeschieden. Zwischen beiden liegt eine Zwischenschicht, üblicherweise aus Nickel, gelegentlich aus Palladium. Sie ist dicker als die Goldschicht darüber, und sie ist die Schicht, die an der hellen Stelle sichtbar wird. Was dort durchkommt, ist also meistens noch nicht der Grundwerkstoff, sondern die Lage dazwischen.
Daran lässt sich der Zustand ablesen. Eine matte, leicht grauweiße Fläche mit scharfem Rand zum Gold hin ist die Zwischenschicht — die Auflage ist dort weg, der Untergrund aber geschlossen. Eine stumpfe, ins Bräunliche gehende Verfärbung ohne scharfen Rand ist etwas anderes: eine Reaktion, die durch die Goldschicht hindurch aus der Tiefe kommt. Und eine Stelle mit deutlich sichtbarer Riefenstruktur bedeutet mechanischen Abtrag bis unter die Zwischenschicht.
Die drei Bilder verlangen verschiedene Antworten, und deshalb sollte man vor jeder weiteren Überlegung genau hinsehen — am besten bei Tageslicht und mit einer Lupe, wenn eine da ist. Der Unterschied zwischen einer freigelegten Zwischenschicht und einer Korrosion aus der Tiefe entscheidet darüber, ob eine Aufarbeitung überhaupt noch etwas bringt.
Vier Normdokumente für genau diese Größen
Für Goldauflagen auf Uhrengehäusen gibt es eine eigene internationale Normenfamilie, und sie ist erstaunlich genau auf die Fragen zugeschnitten, die an dem eingangs beschriebenen Tag entstehen. Vier Dokumente gehören dazu, und zusammen benennen sie sieben Prüfgrößen.
Der erste Teil der Reihe trägt seit 1998 die allgemeinen Anforderungen und gilt für Uhrengehäuse einschließlich der Armbänder; die Norm wurde zuletzt 2021 bestätigt. Der zweite Teil in der Fassung von 2015 regelt die Bestimmung von vier Größen: Feingehalt, Schichtdicke, Widerstand gegen Korrosion und Festigkeit der Haftung. Drei davon sind genau die, nach denen an der hellen Stelle gefragt wird.
Der dritte Teil von 1993 behandelte Abriebprüfungen an Normmustern. Er ist zurückgezogen. An seine Stelle trat ein eigenständiges Dokument aus dem Jahr 2011, das Prüfungen auf Verschleiß, Kratzer und Stoß für Uhrengehäuse samt Armband festlegt und 2022 bestätigt wurde. Damit sind die drei mechanischen Größen abgedeckt, die über die Lebensdauer einer Oberfläche entscheiden.
Vier Dokumente also, die genau das regeln, worum es geht. Zwei Einschränkungen gehören dazu, und sie sind der Kern dieses Abschnitts. Die erste: Alle vier sind kostenpflichtig. Für diesen Beitrag wurde keiner der Volltexte beschafft; herangezogen sind Titel, Ausgabedatum, Status und Anwendungsbereich aus den öffentlichen Normeinträgen. Warum dieses Portal so verfährt, steht in den Regeln zu Quellen und Normeinträgen.
Die zweite Einschränkung wiegt schwerer: Aus keinem der vier Dokumente folgt eine Kennzeichnungspflicht. Sie beschreiben, wie gemessen wird — nicht, was auf der Uhr oder im Angebot stehen muss. Eine Norm, die ein Prüfverfahren festlegt, verpflichtet niemanden, das Ergebnis mitzuteilen. Deshalb kann ein Hersteller nach diesen Normen arbeiten und prüfen lassen, ohne dass der Käufer davon je eine Zahl zu sehen bekommt.
Für den technisch interessierten Fall gibt es außerhalb der Uhrentechnik eine weitere Norm für galvanisch abgeschiedenes Gold, die für elektrische, elektronische und technische Zwecke gilt. Auch sie ist kostenpflichtig; die frei einsehbare Vorschau reicht bis zum Inhaltsverzeichnis und nennt eine Stromdichte von bis zu 200 Ampere je Quadratdezimeter für die Hochgeschwindigkeitsvergoldung, aber keine Klassentafel.
Ein zweiter Grund liegt in der Reichweite. Eine Norm richtet sich an den, der fertigt und prüft; sie ist ein technisches Verständigungsmittel zwischen Auftraggeber und Beschichtungsbetrieb. Eine Kennzeichnungsregel richtet sich an den, der verkauft, und schützt den, der kauft. Das sind zwei verschiedene Arten von Regelwerk mit zwei verschiedenen Adressaten — und wer die eine für die andere hält, erwartet von der Norm etwas, das sie nie leisten sollte.
Das erklärt auch, warum die Normenfamilie so gründlich ist und trotzdem nichts bewirkt, was im Angebot sichtbar würde. Sie beschreibt Prüfverfahren für vier Größen und ein Nachfolgedokument für drei weitere. Wer danach prüfen lässt, hat Zahlen. Ob er sie nennt, entscheidet er selbst — und im Feld der goldfarbenen Damenuhren nennt sie niemand.
Die Zahl, die eine Behörde verlangt und keine zweite
Es gibt einen Ort, an dem eine Zahl vorgeschrieben ist. Er liegt nicht in Europa. Die US-Handelsaufsicht führt für den Schmuck- und Edelmetallhandel eine Verordnung, die für einzelne Handelsbegriffe Mindestwerte festlegt — und zwar in Mikrometern.
| Begriff | Verfahren | Mindestwert |
|---|---|---|
| Gold Electroplate | galvanisch | 0,175 µm Feingold, mindestens 10 Karat |
| Heavy Gold Electroplate | galvanisch | 2,5 µm Feingold, mindestens 10 Karat |
| Gold Filled | mechanisch aufgebracht | ein Zwanzigstel des Gesamtgewichts |
| Rolled Gold Plate | mechanisch aufgebracht | ein Vierzigstel des Gesamtgewichts |
| Gold Plate | mechanisch aufgebracht | ein Vierzigstel des Gesamtgewichts |
Die beiden ersten Zeilen sind der interessante Teil. Zwischen 0,175 und 2,5 Mikrometern liegt der Faktor vierzehn. Beides sind galvanische Auflagen, beide bestehen aus mindestens zehnkarätigem Gold, beide sehen im Neuzustand gleich aus — und die eine hält ein Vielfaches der anderen aus. Genau deshalb trägt die dickere einen eigenen Namen.
Man kann das für eine Lücke halten. Man kann es auch nüchterner betrachten: Wo kein Wort geschützt ist, sagt ein Wort nichts — und dann bleibt nur die Frage an den Anbieter. Welche Frage das ist und wie sie zu stellen ist, steht weiter unten; dass sie überhaupt nötig ist, folgt aus dieser Tafel.
Wie dick eine Goldauflage tatsächlich ist
Ein Mikrometer ist ein Tausendstel Millimeter. Ein menschliches Haar misst je nach Person fünfzig bis siebzig Mikrometer. Eine dekorative Goldauflage von einem halben Mikrometer ist also rund ein Hundertstel eines Haardurchmessers — und sie ist das äußerste Bauteil einer Uhr, dasjenige, das jede Berührung als Erstes abbekommt.
Die Werte, die im Umlauf sind, lassen sich nach Verfahren ordnen. Dekorative galvanische Auflagen liegen im Bereich von einem Zehntel bis zu einem Mikrometer. Technische Hartgoldschichten nach der einschlägigen Werkstoffnorm bewegen sich zwischen etwa einem Viertel und fünf Mikrometern. Im Vakuum abgeschiedene Schichten erreichen nach Angaben der Fachpresse ein bis fünf Mikrometer, wobei für Uhren häufig ein bis zwei genannt werden.
Der Vergleich mit der amerikanischen Kennzeichnungsschwelle ordnet diese Zahlen ein. Eine dekorative Auflage von 0,2 Mikrometern liegt knapp über dem Wert, ab dem dort überhaupt von einer galvanischen Vergoldung gesprochen werden darf. Von der Schwelle für die schwere Ausführung ist sie um mehr als eine Größenordnung entfernt. Das ist keine Wertung, sondern eine Einordnung: Beide Auflagen erfüllen ihren Zweck, aber nicht denselben.
Bleibt die Frage, wie sich daraus eine Zeitangabe ergibt. Die ehrliche Antwort ist: nur mit einer Annahme. Abtrag hängt von Druck, Fläche, Bewegungsart und Gegenkörper ab, und keine dieser Größen ist beim Tragen einer Uhr bekannt. Wer eine Standzeit in Jahren liest, liest eine Erfahrung, keine Rechnung — und die Erfahrungswerte streuen aus genau diesem Grund erheblich.
Es gibt eine dritte Betrachtung, die weder die Norm noch die Kennzeichnung liefert und die trotzdem weiterhilft: die Fläche. Eine Uhr mit Gliederarmband trägt den ganz überwiegenden Teil ihrer beschichteten Fläche am Band und nicht am Gehäuse. Wer wissen will, wo eine Auflage zuerst auffällt, rechnet also nicht in Mikrometern, sondern in Quadratzentimetern — und landet beim Band.
Daraus folgt eine Faustregel für die Auswahl, die ohne jede Herstellerangabe auskommt: Je weniger beschichtete Fläche sich gegen sich selbst bewegt, desto länger bleibt eine Uhr golden. Ein Lederband mit goldfarbener Schließe hat wenige Quadratzentimeter im Spiel, ein Gliederarmband ein Vielfaches davon. Welche Bandarten es überhaupt gibt und wie sie sich am Handgelenk unterscheiden, ist im Beitrag über Bandarten und Bandlängen an fünf Angeboten dargestellt.
Im Bad abgeschieden: das galvanische Verfahren
Beim galvanischen Verfahren hängt das Werkstück in einer Lösung, die Goldionen enthält. Durch das Bad fließt Strom; an der Werkstückoberfläche nehmen die Ionen Elektronen auf und scheiden sich als metallisches Gold ab. Die Dicke ergibt sich aus Stromstärke und Zeit und lässt sich deshalb genau einstellen.
Das Verfahren hat zwei Eigenschaften, die für die Haltbarkeit zählen. Die erste ist gut: Die Schicht folgt der Oberfläche exakt und kommt auch in Vertiefungen, Ecken und die Zwischenräume von Bandgliedern. Die zweite ist weniger gut: Das abgeschiedene Metall ist reines Gold, und reines Gold ist weich.
Die Temperatur bleibt beim galvanischen Verfahren niedrig. Das erlaubt, Bauteile zu beschichten, die Hitze nicht vertragen — etwa fertig montierte Baugruppen. Für Uhren ist das ein praktischer Vorteil: Ein Gehäuse lässt sich nach der Fertigung beschichten, und ein altes lässt sich neu beschichten, ohne dass das Material darunter leidet.
Genau dieser Punkt ist es, der die Aufarbeitung einer vergoldeten Uhr überhaupt möglich macht. Was bei einer im Vakuum beschichteten Uhr eine Neubeschichtung mit erheblichem Aufwand wäre, ist hier ein Bad. Der Preis dafür steht in der Härteskala weiter unten.
Hartgold und was das Legierungsmetall verändert
Die Beschichtungstechnik kennt zwei Familien: weiches Gold und Hartgold. Weiches Gold ist praktisch reines Gold. Hartgold ist Gold, dem beim Abscheiden ein zweites Metall beigegeben wird — üblich sind geringe Anteile Kobalt, Nickel oder Eisen, die sich in das Gitter einlagern und es gegen Verformung versteifen.
Der Effekt ist beträchtlich und lässt sich beziffern. Die einschlägigen Beschichtungsnormen ordnen Goldschichten in Härtegrade ein, und zwischen dem weichsten und dem härtesten liegt mehr als der Faktor zwei. Für dekorative Anwendungen an einem Gegenstand, der täglich an Tischkanten reibt, ist das der Unterschied zwischen einer Schicht, die ein Jahr durchhält, und einer, die es mehrere tut.
Der Haken liegt im Legierungsmetall. Wo Nickel als Härter verwendet wird, sitzt Nickel in der äußersten Schicht — also genau dort, wo die Haut den Gegenstand berührt. Was das für die Verträglichkeit bedeutet und warum die Angabe zum hautberührenden Werkstoff so selten vollständig ist, steht in der Auswertung der Werkstoffangaben.
Für den Käufer bleibt die Lage unbefriedigend, und das gehört ausgesprochen: Ob eine Uhr weich oder hart vergoldet ist, ist von außen nicht zu erkennen. Optisch und haptisch sind sie nicht zu unterscheiden, und beworben werden sie mit demselben Wort. Wer den Unterschied bemerkt, bemerkt ihn nach Monaten und im Rückblick.
Für die Praxis ist die Unterscheidung zwischen den beiden Familien trotzdem greifbar, wenn auch erst im Rückblick. Eine weiche Auflage zeigt ihren Abtrag als gleichmäßiges Stumpfwerden an den Reibstellen, oft über Monate und ohne einen klaren Übergang. Eine harte Auflage bleibt lange unverändert und gibt dann an einer Kante auf einmal nach. Wer weiß, welches Bild er vor sich hat, kann rückschließen, welches Verfahren im Spiel war.
Der Vollständigkeit halber gehört dazu, dass auch diese Unterscheidung keine Sicherheit gibt. Es gibt weiche Auflagen mit dicker Schicht, die sich lange halten, und harte mit dünner, die früh aufgeben. Die Härte beschreibt den Widerstand gegen Eindringen, die Dicke den Vorrat — und erst beide zusammen ergeben eine Standzeit.
Die Skala, auf der Gold ganz unten steht
Härte lässt sich messen, indem eine Diamantspitze mit festgelegter Kraft in die Oberfläche gedrückt und der Eindruck vermessen wird. Für dünne Schichten ist das Knoop-Verfahren üblich, für Massivwerkstoffe das Vickers-Verfahren; beide liefern Zahlen, die sich größenordnungsmäßig vergleichen lassen.
| Werkstoff | Härte | Einordnung |
|---|---|---|
| Gold, Grad A | höchstens 90 HK | Feingold, weich |
| Gold, Grad B | 91 bis 129 HK | leicht legiert |
| Gold, Grad C | 130 bis 200 HK | Hartgold |
| Gold, Grad D | über 200 HK | Hartgold, höchste Stufe |
| Edelstahl | 150 bis 250 HV | der Werkstoff darunter |
| Titannitrid | rund 2.400 HV | goldfarben, im Vakuum abgeschieden |
Die Tafel enthält den zentralen Befund dieses Beitrags in einer Zeile: Eine weiche Goldauflage ist weicher als der Stahl, auf dem sie sitzt — und zwar um gut die Hälfte. Das ist der physikalische Grund dafür, dass eine vergoldete Stahluhr schneller stumpf aussieht als dieselbe Uhr ohne Auflage. Die Beschichtung veredelt die Optik und verschlechtert die Verschleißeigenschaften.
Die letzte Zeile gehört ebenfalls gelesen. Zwischen weichem Gold und Titannitrid liegt grob der Faktor fünfundzwanzig. Beide erscheinen dem Auge als goldfarbene Oberfläche, und sie verhalten sich am Handgelenk vollkommen verschieden. Was es mit dieser Zeile auf sich hat, klärt der übernächste Abschnitt.
Die Beschichtungsnormen kennen neben den Härtegraden auch drei Typen nach Goldgehalt, die bei 99,0, 99,7 und 99,9 Prozent liegen, sowie Dickenklassen zwischen etwa einem Viertel und fünf Mikrometern. Die Kombination aus Typ, Härtegrad und Dickenklasse ergibt die Bezeichnung einer Beschichtung — eine Systematik, die in der Elektrotechnik alltäglich ist und im Uhrenhandel nie auftaucht.
Im Vakuum abgeschieden: PVD und IP
Das zweite Verfahren arbeitet ohne Bad. Das Beschichtungsmaterial wird in einer Kammer unter Vakuum verdampft oder zerstäubt und schlägt sich auf dem Werkstück nieder. Die Fachpresse nennt Temperaturen von 150 bis 500 Grad und Schichtdicken bis fünf Mikrometer; für die Variante mit Ionenbeschuss werden ein bis zwei Mikrometer angegeben.
Die Abkürzungen, die dabei fallen, bezeichnen Verfahrensvarianten und keine Werkstoffe. Die eine steht für die Abscheidung aus der Dampfphase allgemein, die andere für eine Variante, bei der das Material ionisiert wird und mit höherer Energie auftrifft. Daraus folgt eine dichtere, besser haftende Schicht — und deshalb ist diese Variante die, die in der Uhrentechnik am häufigsten genannt wird.
Der praktische Unterschied zum Bad liegt in drei Punkten. Erstens ist die Schicht deutlich härter, weil nicht Gold abgeschieden wird, sondern eine Verbindung. Zweitens ist sie spröder: Sie widersteht Reibung hervorragend und Schlag weniger gut, und ein Ausbruch an einer Kante ist auffälliger als ein gleichmäßiger Abrieb. Drittens erreicht sie Hinterschneidungen schlechter, weil die Teilchen geradlinig fliegen.
Der dritte Punkt ist bei einem Gliederarmband kein Detail. Die Innenflächen der Gelenke liegen im Schatten, und dort ist die Schicht dünner als außen. Das ist einer der Gründe, warum an Bändern zuerst die Innenseite nachgibt — also die Seite, die niemand ansieht und die trotzdem mit der Haut in Berührung steht.
Eine Eigenheit des Vakuumverfahrens gehört noch dazu, weil sie das Ergebnis am fertigen Stück sichtbar bestimmt: Die Schicht folgt der Rauheit des Untergrunds. Sie gleicht nichts aus. Eine Oberfläche, die vor der Beschichtung nicht sauber poliert oder gebürstet war, bleibt es danach auch nicht — die Schicht macht jede Riefe mit und betont sie durch den Glanz sogar.
Beim Bad ist das anders. Dort lässt sich durch Zusätze eine einebnende Abscheidung erreichen, die feine Unebenheiten auffüllt. Das ist einer der Gründe, warum galvanisch vergoldete Stücke im Neuzustand oft tiefer glänzen als im Vakuum beschichtete — und warum derselbe Vergleich nach zwei Jahren umgekehrt ausfällt.
Die goldfarbene Schicht, in der kein Gold steckt
Hier steht der Satz, der die meisten überrascht: Eine goldfarbene, im Vakuum abgeschiedene Schicht muss kein Gold enthalten. Der verbreitetste Werkstoff für diesen Farbton ist Titannitrid, eine Verbindung aus Titan und Stickstoff — und deren Goldanteil beträgt null. Die Farbe entsteht nicht aus einem Edelmetall, sondern aus der Bandstruktur des Gitters.
Die Eigenschaften dieser Schicht sind denen einer Goldauflage in fast jeder Hinsicht überlegen. Die Härte liegt bei rund 2.400 Vickers, also etwa beim Zehnfachen von Edelstahl. Übliche Dicken liegen bei zwei bis fünf Mikrometern. Der Reibwert wird mit ungefähr 0,4 angegeben, was für eine Hartstoffschicht niedrig ist. Eine solche Oberfläche hält Reibung aus, gegen die jede Goldauflage nach Monaten aufgibt.
Daraus folgt eine unangenehme Gegenüberstellung. Wer eine Uhr kauft, deren Goldfarbe lange halten soll, ist mit einer Schicht ohne Gold besser bedient als mit einer aus Gold. Und wer wegen des Edelmetalls kauft, bekommt bei der haltbareren Variante genau das nicht. Beide Wünsche lassen sich mit einer beschichteten Uhr nicht gleichzeitig erfüllen.
Dass beides unter demselben Wort im Handel läuft, ist die praktische Folge der Lücke aus dem vierten Abschnitt. Ein geschützter Begriff würde hier trennen; es gibt keinen. Was bleibt, ist eine Frage an den Anbieter — und die Erfahrung, dass die Antwort häufiger ausbleibt als sie kommt.
Fünf Wörter, fünf verschiedene Sachverhalte
Die folgende Gegenüberstellung ist auch ohne den Rest dieses Beitrags lesbar. Sie ordnet die fünf Wörter, die einem bei goldfarbenen Uhren begegnen, nach dem Sachverhalt, den sie bezeichnen — und benennt, was jedes von ihnen über die Haltbarkeit aussagt.
| Wort | Bezeichnet | Enthält Gold? | Sagt über die Dicke |
|---|---|---|---|
| vergoldet | eine Goldschicht, Verfahren offen | ja | hier nichts |
| plattiert | mechanisch aufgebrachte Goldlage | ja | in den USA ein Gewichtsanteil |
| PVD | Abscheidung aus der Dampfphase | nicht zwingend | nichts |
| IP | Variante mit Ionenbeschuss | nicht zwingend | nichts |
| Titannitrid | ein Hartstoff in Goldfarbe | nein | nichts, aber üblich 2 bis 5 µm |
Drei der fünf Wörter bezeichnen ein Verfahren oder einen Werkstoff, nicht eine Eigenschaft. Nur zwei sagen überhaupt, dass Gold vorhanden ist, und keines sagt, wie viel. Wer aus einem Angebotstext auf die Haltbarkeit schließen will, hat damit fünf Wörter und null Zahlen.
Nicht in dieser Tafel stehen die historischen Bezeichnungen aus der Zeit, als Goldauflagen dicker und anders aufgebaut waren. Sie gehören in einen anderen Zusammenhang, nämlich in den des Feingehaltsrechts, und sind dort abgehandelt. Hier geht es um die Wörter, die heute in Angeboten stehen — und die stehen alle fünf in der Tafel.
Für die Auswahl beim nächsten Kauf folgt daraus ein Hinweis, der nichts mit dem Verfahren zu tun hat. Zwei Angebote mit identischer Beschreibung können sich in der Bauform so stark unterscheiden, dass die Oberfläche das eine Stück Jahre überdauert und das andere Monate. Sichtbar ist dieser Unterschied vor dem Kauf nur an den Maßen: Bauhöhe, Bandart, Verschluss. Die Oberfläche selbst gibt keine Auskunft über sich.
Dass dieses Portal auch dann zu einem Bauteil raten darf, wenn daran nichts verdient wird — etwa zu einem Lederband statt eines goldfarbenen Metallbands —, steht im Hinweis zu Provision und Empfehlung. Die Empfehlung folgt hier aus der Fläche und aus der Härteskala, nicht aus dem Sortiment.
Die Schicht zwischen Gold und Stahl
Zwischen der Goldauflage und dem Grundwerkstoff liegt eine dritte Lage, und sie hat drei Aufgaben. Sie glättet die Oberfläche, sodass die dünne Goldschicht auf einem ebenen Untergrund aufliegt. Sie verhindert, dass Atome des Grundwerkstoffs durch die Goldschicht nach außen wandern. Und sie bremst die Korrosion an den Stellen, an denen die Goldschicht nicht vollständig geschlossen ist.
Der übliche Werkstoff dafür ist Nickel, seltener Palladium. Die Wanderung, die dabei unterbunden wird, hat einen eigenen Namen in der Beschichtungstechnik: Ohne Sperrschicht kriecht das unedlere Metall mit der Zeit an die Oberfläche und lässt die Goldschicht von innen her stumpf werden. Man sieht dann eine matte Uhr, obwohl die Goldschicht mechanisch noch intakt ist.
Für die Beurteilung einer abgenutzten Stelle folgt daraus der Befund aus dem zweiten Abschnitt: Was sichtbar wird, ist zuerst die Sperrschicht. Sie ist typischerweise dicker als die Goldauflage und hält deshalb länger. Solange sie geschlossen ist, rostet unter ihr nichts, und die Stelle bleibt eine Frage des Aussehens und keine der Substanz.
Erst wenn auch sie durchgerieben ist, liegt der Grundwerkstoff frei. Bei Edelstahl ist das harmlos, weil Edelstahl selbst korrosionsbeständig ist; bei Messing oder einer Zinklegierung ist es das nicht. Welcher Werkstoff im konkreten Fall darunterliegt, steht bei goldfarbenen Uhren regelmäßig nicht im Angebot — und genau diese Leerstelle ist der Grund, warum die Sperrschicht überhaupt zur Sprache kommt.
Warum eine dünne Goldschicht Poren hat
Eine Frage, die an der hellen Stelle mitschwingt, lautet: Warum läuft eine vergoldete Uhr überhaupt an, wo Gold doch nicht korrodiert? Die Antwort liegt nicht im Gold, sondern in seiner Vollständigkeit.
Eine galvanisch abgeschiedene Schicht wächst von einzelnen Keimen aus und schließt sich erst mit zunehmender Dicke vollständig. Unterhalb einer bestimmten Stärke bleiben feine Durchgänge offen — Poren, die für das Auge unsichtbar sind und für Feuchtigkeit nicht. In diesen Poren liegt der Untergrund frei, und dort läuft ab, was auf einer blanken Metalloberfläche immer abläuft.
Das erklärt eine Beobachtung, die viele für widersprüchlich halten: Eine Uhr wird stumpf, ohne dass eine Stelle durchgerieben ist. Der Abtrag ist dann gar nicht mechanisch, sondern elektrochemisch, und er beginnt in Poren, die von Anfang an da waren. Je dünner die Schicht, desto mehr Poren, und desto früher zeigt sich das.
Die Sperrschicht ist die Gegenmaßnahme, und die Dicke der Goldauflage ist die zweite. Beides zusammen erklärt, warum die amerikanische Schwelle für die schwere Ausführung bei 2,5 Mikrometern liegt und nicht bei einem Zehntel davon: Ab einer gewissen Dicke ist eine Schicht porenarm, und darunter ist sie es nicht.
Wie sich eine Schichtdicke überhaupt bestimmen lässt
Wer nach der Dicke fragt, bekommt gelegentlich zu hören, das lasse sich gar nicht sagen. Das stimmt nicht. Für die Messung von Schichtdicken auf Metall gibt es drei eingeführte Verfahren, und für jedes davon existiert eine eigene internationale Norm.
Das zerstörungsfreie Verfahren arbeitet mit Röntgenstrahlung. Die Schicht wird bestrahlt, die zurückkommende charakteristische Strahlung gemessen und daraus auf die Dicke geschlossen. Die zugehörige Norm trägt den Titel „Metallic coatings — Measurement of coating thickness — X-ray spectrometric methods" und ist unter der Nummer ISO 3497 geführt. Das Stück bleibt dabei unversehrt, weshalb dieses Verfahren in der Fertigung das übliche ist.
Die beiden anderen zerstören die Probe. Beim mikroskopischen Verfahren wird ein Querschliff angefertigt und die Schicht im Schnitt vermessen; die Norm dazu heißt „Metallic and oxide coatings — Measurement of coating thickness — Microscopical method" und trägt die Nummer ISO 1463. Beim coulometrischen Verfahren wird die Schicht anodisch aufgelöst und aus der dafür nötigen Ladungsmenge die Dicke berechnet; das ist ISO 2177, „Coulometric method by anodic dissolution".
Daraus folgt zweierlei. Erstens: Jeder Beschichtungsbetrieb kennt die Dicke seiner Schichten, weil er sie während der Fertigung misst — die Zahl existiert, sie ist nur nicht veröffentlicht. Zweitens: Ein Käufer kann sie an seinem eigenen Stück nicht selbst feststellen. Das zerstörungsfreie Verfahren verlangt ein Gerät, die beiden anderen verlangen, dass man die Uhr opfert.
Genau an dieser Stelle endet, was ein Portal wie dieses leisten kann, und genau deshalb steht die Auszählung von Regelwerken an der Stelle, an der sonst eine Messung stünde. Welche Grenzen sich dieses Portal dabei selbst setzt, ist in der Arbeitsweise der Redaktion beschrieben.
Haftfestigkeit: die Größe, die man erst bemerkt, wenn sie fehlt
Dicke und Härte bestimmen, wie lange eine Schicht dem Abrieb standhält. Eine dritte Größe entscheidet darüber, ob sie überhaupt bleibt, wo sie ist: die Haftfestigkeit. Sie steht nicht zufällig im Titel der Norm zu Goldauflagen auf Uhrengehäusen, gleich neben Feingehalt, Dicke und Korrosionsbeständigkeit.
Eine schlecht haftende Schicht versagt anders als eine dünne. Sie reibt sich nicht gleichmäßig ab, sondern löst sich in Flächen — als Bläschen, als abgeplatzte Stelle mit scharfer Kante, gelegentlich als ganzer Streifen an einem Bandglied. Das Schadensbild ist unverwechselbar: Wo Abrieb einen weichen Übergang erzeugt, erzeugt mangelnde Haftung eine Kante.
Die Ursachen liegen fast immer in der Vorbehandlung. Eine Oberfläche, die vor dem Beschichten nicht vollständig entfettet und aktiviert wurde, nimmt die Schicht an, hält sie aber nicht. Deshalb nimmt die Vorbereitung in jeder Beschreibung eines Beschichtungsverfahrens mehr Raum ein als die Abscheidung selbst.
Für den Besitzer einer Uhr hat das eine praktische Folge: Ein Abplatzen innerhalb der ersten Monate ist kein Verschleiß, sondern ein Verarbeitungsmangel — und damit ein Fall für die Gewährleistung und nicht für die Materialkunde. Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie über die Zuständigkeit entscheidet.
Wo eine Auflage zuerst nachgibt
Abtrag ist kein gleichmäßiger Vorgang. Er konzentriert sich auf Stellen, an denen Druck auf kleine Flächen trifft — und diese Stellen sind an einer Uhr immer dieselben.
Ganz oben steht die Schließe: täglicher Auf- und Zugriff, Auflage auf der Unterseite des Arms, dazu eine Kante, die über die Bandlage darunter schleift. Es folgen die Gliedkanten, an denen zwei Bauteile auf minimaler Fläche aufeinandertreffen — und zwar bei jedem einzelnen Schritt. An dritter Stelle kommt der Gehäuserand, also die Stelle, mit der die Uhr an Türrahmen und Tischkanten anstößt.
Eine vierte Stelle wird selten genannt und ist bei flachen Uhren die auffälligste: der Bandanstoß, also der Übergang zwischen Gehäuse und Band. Dort bewegen sich zwei Bauteile gegeneinander, und dort ist die Schicht bei im Vakuum beschichteten Uhren wegen der Geometrie ohnehin dünner. Wie die Maße an dieser Stelle zusammenhängen, ist im Rechenweg zu Gehäusemaßen und Bandanstoß aufgeschlüsselt.
Die Verteilung ordnet damit auch die Bauformen, und zwar unabhängig vom Verfahren. Ein gelenkloses Band hat keine Innenreibung. Eine niedrige Bauhöhe bedeutet weniger Anstöße. Und eine Faltschließe verteilt den Druck über eine Fläche, während ein Dorn ihn in ein Loch presst. Wer Goldfarbe lange behalten will, entscheidet sich damit weniger über das Verfahren als über die Bauform.
Ein weiterer Punkt betrifft die Stelle, an der die Uhr am Arm sitzt, und er wird beim Kauf nie mitgedacht. Wer eine Uhr eng trägt, hat weniger Relativbewegung zwischen Band und Haut und damit weniger Abrieb an der Innenseite; dafür liegt das Band dauerhaft auf und bleibt länger feucht. Wer sie locker trägt, hat es umgekehrt: mehr Bewegung, mehr Luft, mehr mechanischer Abtrag und weniger chemischer.
Beide Trageweisen kosten also etwas, nur an verschiedenen Stellen. Die praktische Konsequenz ist unspektakulär und wirksam: Ein Band, das sauber sitzt — eng genug, um nicht zu wandern, locker genug, um Luft zu lassen — liegt in beiden Hinsichten günstig. Das ist derselbe Sitz, der auch für den Tragekomfort der richtige ist.
Was tatsächlich abträgt, und in welcher Reihenfolge
Vier Vorgänge tragen eine goldfarbene Oberfläche ab, und sie wirken nicht gleich stark. In der Reihenfolge ihrer Bedeutung für eine am Handgelenk getragene Uhr:
Erstens die Reibung an harten Gegenkörpern. Tischkanten, Türrahmen, Autotürgriffe, der Verschluss einer Tasche. Hier trifft ein Werkstoff, der härter ist als die Auflage, auf eine kleine Fläche. Das ist der mit Abstand größte Beitrag, und er erklärt, warum Abnutzung immer an denselben Stellen auftritt. Dazu zählt auch die Nachbaruhr in einem zu voll belegten Fach — welche Rolle die Fächerzahl einer Uhrenbox dabei spielt, ist dort nachgerechnet.
Zweitens die Reibung der Bauteile gegeneinander. Gliedkanten, Schließenbügel, der Übergang zum Gehäuse. Der Druck ist geringer als im ersten Fall, die Zahl der Lastwechsel aber um Größenordnungen höher — jeder Schritt bewegt jedes Gelenk.
Drittens die chemische Belastung. Schweiß liegt im leicht sauren Bereich und enthält Chloride; Kosmetik bringt Alkohole und Lösungsmittel mit. Beides greift nicht das Gold an, sondern das, was in den Poren liegt. Der Effekt ist schleichend und zeigt sich als Stumpfwerden, nicht als Blankreiben.
Viertens die Reinigung. Scharfe Reiniger und Ultraschallbäder sind für dünne Auflagen ungeeignet; Zahnpasta und Polierpasten tragen Material ab und sind damit genau das Gegenteil einer Pflege. Dieser Beitrag nennt diesen Punkt als letzten, weil er der einzige ist, der sich vollständig vermeiden lässt.
Eine Bemerkung zur Größenordnung gehört dazu. Wer die vier Punkte gegeneinander stellt, erkennt, dass drei davon mit dem Tragen unvermeidlich verbunden sind. Eine Beschichtung, die getragen wird, geht irgendwann durch — die Frage ist nicht ob, sondern wann und wo. Deshalb steht am Ende dieses Beitrags keine Anleitung zur Rettung, sondern eine zur Entscheidung.
Warum Roségold anders altert als Gelbgold
Goldfarbene Oberflächen kommen in mehreren Tönen vor, und die Töne entstehen nicht durch Farbe, sondern durch Legierungsbestandteile. Gelbgold enthält neben Gold vor allem Silber und Kupfer. Roségold verschiebt dieses Verhältnis zugunsten des Kupfers, Weißgold zugunsten von Palladium oder Nickel. Bei Auflagen gilt dasselbe wie bei Massivlegierungen: Der Ton sagt etwas über die Zusammensetzung.
Für die Alterung ist der Kupferanteil die interessante Größe. Kupfer reagiert mit Luftsauerstoff und mit Schwefelverbindungen, und es tut das deutlich bereitwilliger als Gold oder Silber. Eine roségoldfarbene Auflage zeigt deshalb häufiger als eine gelbgoldene eine Veränderung des Tons, bevor überhaupt etwas durchgerieben ist — sie wird an beanspruchten Stellen dunkler statt heller.
Bei im Vakuum abgeschiedenen Schichten entsteht der Farbton dagegen über die Prozessführung: Der Anteil des Reaktionsgases und die Energie beim Auftreffen verschieben die Farbe. Der Ton ist dort also eine Einstellung der Anlage und keine Legierung, und er altert entsprechend nicht chemisch, sondern rein mechanisch.
Praktisch heißt das: Wer eine roségoldfarbene Uhr trägt und nach einem Jahr feststellt, dass der Ton an der Schließe dunkler geworden ist, hat vermutlich keinen Abrieb vor sich, sondern eine Reaktion. Ein weiches Tuch bringt dort mehr als jede Überlegung zur Aufarbeitung — und wenn es nichts bringt, ist die Reaktion tiefer gegangen als die Oberfläche.
Dichtheit und Oberfläche sind zwei verschiedene Angaben
Eine Verwechslung begegnet einem regelmäßig, und sie führt zu falschen Erwartungen: Die Angabe zur Wasserdichtheit einer Uhr sagt nichts über ihre Oberfläche. Sie betrifft das Gehäuseinnere — Boden, Krone, Glasdichtung — und damit die Frage, ob Wasser an das Werk gelangt. Die Beschichtung sitzt außerhalb dieser Grenze.
Für eine Goldauflage ist deshalb nicht der Druck maßgeblich, dem die Uhr standhält, sondern die Zeit, die sie nass bleibt, und was im Wasser gelöst ist. Chlorwasser, Salzwasser und Seifenlauge greifen in den Poren an; eine vollkommen dichte Uhr nimmt an der Oberfläche denselben Schaden wie eine weniger dichte, wenn beide gleich lange im selben Becken liegen.
Die Verwechslung ist verständlich, weil beide Angaben demselben Datenblatt entstammen und beide mit Wasser zu tun haben. Was die Meterangabe tatsächlich bedeutet und warum sie so oft missverstanden wird, ist im Beitrag über die Wasserdichtheit einer Uhr an fünfzehn Angeboten aufgearbeitet.
Für diesen Beitrag bleibt die einfache Folgerung: Die Dichtheitsangabe ist kein Argument dafür, eine beschichtete Uhr im Wasser zu tragen. Sie ist ein Argument dafür, dass nichts hineinläuft — und das ist etwas anderes als die Aussage, dass nichts passiert.
Was eine Beschichtung messbar verlängert
Die folgende Liste steht ohne diesen Beitrag und enthält nur Punkte, deren Wirkung sich aus den vier Abtragswegen oben ableiten lässt. Sie ist nach Wirkung geordnet, nicht nach Aufwand.
Pflege, die eine Goldauflage verlängert
Die Uhr beim Schreiben am Schreibtisch am anderen Arm oder höher am Unterarm tragen.
Die Auflagestelle an der Tischkante ist der stärkste einzelne Abtragsweg. Wer sie verlegt, verlegt die Abnutzung.
Kosmetik, Sonnenschutz und Parfüm auftragen, bevor die Uhr angelegt wird.
Alkohole und Lösungsmittel treffen sonst genau die Fläche, auf der die Uhr sitzt.
Nach dem Sport die Unterseite abspülen und trocknen.
Damit wird die Lösung entfernt, in der die Reaktion in den Poren abläuft. Ein Handgriff von Sekunden.
Zum Reinigen weiches Tuch und mildes Seifenwasser verwenden, sonst nichts.
Polierpasten und Zahnpasta tragen Material ab. Bei einer Schicht von einem halben Mikrometer ist das kein Polieren, sondern Entfernen.
Kein Ultraschallbad für beschichtete Uhren.
Die Kavitation greift gerade die Stellen an, an denen die Schicht ohnehin dünn ist — Kanten und Hinterschneidungen.
Das Band beim Duschen und Schwimmen ablegen, auch wenn die Uhr dicht ist.
Die Dichtheit betrifft das Gehäuseinnere. Für die Oberfläche zählt, wie lange sie nass bleibt.
Die Uhr trocken und einzeln aufbewahren, nicht lose neben anderem Schmuck.
Metall an Metall im Schmuckkästchen erzeugt genau die punktuelle Reibung, die im Alltag am meisten abträgt.
Ein Metallband gegen Leder oder Textil tauschen, wenn die Farbe lange halten soll.
Das Band stellt die größte beschichtete Fläche und bewegt sich als einziges Bauteil gegen sich selbst.
Der letzte Punkt ist der wirksamste und der unbeliebteste, weil er das Aussehen der Uhr verändert. Er ist trotzdem der einzige auf dieser Liste, der eine ganze Kategorie von Abtrag entfernt statt sie nur zu verringern.
Nachvergolden: was dabei geschieht und was es nicht heilt
Eine galvanisch vergoldete Uhr lässt sich neu beschichten, und das ist der praktische Vorteil des Bads gegenüber dem Vakuum. Drei Stufen gehören dazu: Abtragen der alten Schicht, Polieren der Oberfläche, erneutes Abscheiden.
Die mittlere Stufe ist die entscheidende und die, über die am wenigsten gesprochen wird. Poliert wird mit abtragenden Mitteln, und abgetragen wird Material des Gehäuses. Kanten werden dabei weicher, Gravuren flacher, gebürstete Flächen verlieren ihre Struktur. Eine Uhr, die zweimal aufgearbeitet wurde, sieht anders aus als im Neuzustand — runder, weicher, ein wenig unscharf in den Übergängen.
Was eine Neubeschichtung nicht heilt, ist Korrosion, die unter die Sperrschicht gegangen ist. Eine neue Goldschicht auf einem angegriffenen Untergrund haftet schlechter und gibt früher nach; die Stelle kommt wieder, und sie kommt an derselben Position. Deshalb ist die Unterscheidung aus dem zweiten Abschnitt — freigelegte Sperrschicht gegen Korrosion aus der Tiefe — nicht akademisch, sondern die Vorentscheidung über den Erfolg.
Bei im Vakuum beschichteten Uhren ist die Lage anders. Eine solche Schicht lässt sich nicht einfach auffüllen; sie müsste vollständig entfernt und in einer Anlage neu aufgebracht werden, und dafür ist das Gehäuse zu zerlegen. Der Aufwand steht damit in einem anderen Verhältnis zum Ergebnis, und die ehrliche Auskunft lautet in den meisten Fällen: Davon ist abzuraten.
Eine letzte Bemerkung zum Aufarbeiten betrifft die Teile, die nicht mit ins Bad gehen. Glas, Dichtungen, Zeiger und Zifferblatt müssen vorher heraus, und das bedeutet, dass die Uhr zerlegt wird. Für eine Uhr mit verfügbaren Ersatzdichtungen ist das ein normaler Vorgang; für eine, deren Dichtungen es nicht mehr gibt, ist es ein Risiko, das am Ende nicht die Oberfläche betrifft, sondern die Dichtheit.
Wer eine Aufarbeitung erwägt, klärt deshalb dieselbe Frage zuerst, die bei jeder Arbeit an einer älteren Uhr am Anfang steht: Gibt es für dieses Modell noch Ersatzteile? Kommt darauf keine Antwort, ist die Uhr ein Einzelstück in dem Sinn, dass jeder Eingriff endgültig ist — und dann ist die Reihenfolge eine andere: erst die Dichtung, dann alles Weitere.
Der Zeitpunkt, an dem eine Aufarbeitung sinnvoll ist
Aus dem Vorstehenden ergibt sich ein Zeitfenster, und es ist enger, als man annehmen würde. Eine Aufarbeitung ist dann sinnvoll, wenn die Abnutzung am Gehäuse sitzt, wenn die Fläche geschlossen ist — also die Sperrschicht sichtbar, aber nichts angegriffen — und wenn das Verfahren galvanisch war.
Alle drei Bedingungen zusammen treffen seltener zu, als der Wunsch es nahelegt. Bei den meisten Uhren beginnt die Abnutzung am Band, und dort ist der Aufwand einer Aufarbeitung am größten: Jedes Glied ist ein Einzelteil mit Innen- und Außenflächen, und die Gelenke müssen frei bleiben. Ein Gehäuse dagegen ist ein kompaktes Stück mit wenigen Flächen.
Der zweite Zeitpunktfaktor ist der Zustand der Uhr im Übrigen. Eine Aufarbeitung ergibt Sinn an einer Uhr, die noch lange laufen soll — also an einer mit intaktem Werk, verfügbaren Ersatzteilen und einer Dichtung, die erneuert werden kann. An einer Uhr, deren Werk am Ende ist, ist eine neue Oberfläche eine Investition in die falsche Baugruppe.
Und der dritte: der eigene Bezug zum Stück. Eine geerbte Uhr, eine geschenkte, eine mit Gravur — dort ist die Aufarbeitung eine Entscheidung, die sich nicht aus Materialkunde ergibt. Dieser Beitrag hat dazu keine Meinung und soll auch keine haben. Welche Maßstäbe die Redaktion an ihre eigenen Empfehlungen legt, steht in der Richtlinie der Redaktion.
Der Zeitpunkt, an dem ein Ersatzband die bessere Antwort ist
Wenn die Abnutzung am Band sitzt, ist der Tausch die sachliche Antwort. Das Band stellt die größte beschichtete Fläche, es bewegt sich als einziges Bauteil gegen sich selbst, und es ist das einzige, das sich ohne Eingriff in die Uhr ersetzen lässt.
Für den Tausch braucht es eine einzige Angabe, und sie steht bei den meisten Uhren im Datenblatt: die Stegbreite, also das Maß zwischen den beiden Bandanstößen. Wer sie nicht findet, misst sie mit einem Lineal an der Stelle ab, an der das Band ins Gehäuse geht. Ersatzbänder gibt es in jedem gängigen Maß und in jeder Bandart.
Beim Tausch selbst geht es um Federstege, nicht um Glieder — ein anderer Handgriff als der beim Kürzen, aber dieselbe Sorgfalt am Bandanstoß. Wie die Glieder eines Metallbands aufgebaut sind und woran sich der Typ erkennen lässt, steht im Beitrag über das Kürzen von Metallbändern.
Eine Überlegung zum Farbton gehört dazu: Ein goldfarbenes Ersatzband trifft den Ton des Gehäuses selten exakt. Gelbgold, Roségold und Champagner liegen dicht beieinander, und nebeneinander am Handgelenk fällt jeder Unterschied auf. Wer das vermeiden will, wechselt auf Leder oder Textil und lässt den Farbvergleich damit ganz entfallen.
Ein Sonderfall verdient eine eigene Zeile, weil er bei Damenuhren häufiger vorkommt als bei Herrenuhren: die Uhr mit Spangen- oder Schmuckband. Dort ist die beschichtete Fläche nicht nur groß, sondern auch verwinkelt, und ein Tausch des Bands ist nicht möglich, weil Band und Gehäuse eine Einheit bilden. Wer bei so einer Uhr Abnutzung feststellt, hat die Wahl zwischen einer vollständigen Aufarbeitung und dem Belassen — eine Zwischenlösung gibt es nicht.
Der zweite Sonderfall ist die zweifarbige Uhr, bei der goldfarbene und silberfarbene Flächen nebeneinanderliegen. Dort ist die goldfarbene Fläche beschichtet und die silberfarbene meist nicht, und genau das macht die Abnutzung früh sichtbar: Die eine Hälfte bleibt, wie sie ist, die andere verändert sich. Der Kontrast, der beim Kauf gefallen hat, arbeitet nach einem Jahr gegen das Stück.
Beide Fälle ändern nichts an der Materialkunde, sehr wohl aber an der Entscheidung. Sie gehören deshalb in diesen Abschnitt und nicht in die Tafeln weiter oben: Die Physik ist dieselbe, die Handlungsmöglichkeiten sind es nicht.
Der Zeitpunkt, an dem Nichtstun richtig ist
Die dritte Antwort auf die Eingangsfrage wird am seltensten gegeben und ist häufig die richtige. Sie lautet: nichts tun.
Sie gilt, wenn die Stelle an einem Ort liegt, den niemand sieht — die Innenseite der Schließe, der Gehäuseboden, die Unterseite eines Glieds. Sie gilt, wenn die Fläche geschlossen ist und der Untergrund korrosionsbeständig. Und sie gilt vor allem dann, wenn die Uhr zu der Sorte gehört, die als modisches Stück gekauft wurde und deren Oberfläche eine begrenzte Standzeit hat — das war beim Kauf bekannt, und es tritt jetzt ein.
Dazu kommt ein Argument, das in Materialfragen selten fällt: Eine durchgeriebene Kante ist ein Gebrauchsspur, kein Defekt. An Gegenständen, die getragen werden, entstehen solche Spuren, und sie entstehen an den Stellen, die am meisten benutzt werden. Wer damit leben kann, hat eine Uhr, die ihren Dienst tut, ohne dass etwas unternommen werden müsste.
Eine praktische Grenze hat das trotzdem. Sobald die Verfärbung ins Bräunliche geht und keinen scharfen Rand mehr hat, ist der Punkt erreicht, an dem Warten etwas kostet: Die Korrosion arbeitet weiter, sie arbeitet unter der Schicht, und ihre Fläche wächst. Dann wird aus einer Frage des Aussehens eine der Substanz, und die Entscheidung gehört vorgezogen.
Noch ein Wort zu den Zeitangaben, die im Umlauf sind. „Hält ein bis zwei Jahre" liest man oft, und die Spanne ist nicht falsch, sie ist nur unvollständig. Sie gilt für eine dekorative Auflage an einem Bauteil, das täglich reibt. Dieselbe Auflage an einem Gehäuseboden, der nur auf der Haut aufliegt, hält ein Vielfaches davon, und dieselbe Auflage an einer Schließenkante deutlich weniger. Eine Standzeit ohne Angabe des Bauteils ist deshalb keine Auskunft, sondern ein Mittelwert über Dinge, die nicht vergleichbar sind.
Wer für sein eigenes Stück etwas Belastbares will, hat trotzdem ein Mittel: die eigene Beobachtung, notiert mit Datum. Ein Foto der Schließenkante bei Tageslicht, alle sechs Monate an derselben Stelle aufgenommen, zeigt den Verlauf besser als jede Spanne aus dem Netz — und es beantwortet die Frage, ob eine Veränderung schnell geht oder langsam.
Was auch dieser Beitrag nicht beantwortet
Die Zahl, an der alles hängt, fehlt am Ende. Wie dick ist die Auflage an der Uhr, die gerade auf dem Tisch liegt? Vorhanden ist sie durchaus: In der Fertigung wird sie als Sollwert vorgegeben und danach überprüft, und wie man sie bestimmt, steht sogar in einer eigenen Norm. Öffentlich genannt wird sie nicht.
Beschafft hat diese Redaktion die Zahl nicht und konnte es nicht: Die Dicke einer Schicht nach der Norm zu bestimmen, verlangt Probenvorbereitung und Gerät, also ein Labor, und ein eigenes gibt es hier nicht. Was sich leisten ließ, ist der Abgleich der Regelwerke — und dessen Ergebnis steht oben in der Tafel mit den fünf Begriffen.
Wem sie fehlt, der erfragt sie, am besten in dieser Form: Welches Beschichtungsverfahren kommt zum Einsatz, welcher Werkstoff wird dabei aufgebracht, und auf welche Dicke in Mikrometern ist die Schicht eingestellt? Drei Tatsachenfragen mit drei kurzen Antworten. Bleibt eine davon offen, ist auch das ein Ergebnis — und es deckt sich mit dem, was der Abgleich der Regelwerke erwarten lässt.
Ändert sich an den herangezogenen Dokumenten etwas — wird eine Norm zurückgezogen, ein Schwellenwert geändert oder eine Kennzeichnungspflicht eingeführt —, dann folgt dieser Beitrag nach, und der Eintrag dazu erscheint im Korrekturverzeichnis dieses Portals.
Wer hier redaktionell tätig ist, lässt sich bei den Angaben über der Fachbereich Uhren & Schmuck nachlesen.
Ein Satz zur Einordnung, bevor es zurück zum Anfang geht. Die Oberfläche ist eine von sechs Größen, an denen bei einer Damenuhr die Entscheidung hängt, und sie ist nicht einmal die mit den größten Lücken. Welche das ist und wie die übrigen fünf dastehen, zeigt die Karte dieses Clusters.
Zurück zu der Frage vom Anfang
Am Anfang stand ein Tag und eine Stelle, die heller geworden ist. Die drei Fragen dieses Tages lassen sich jetzt beantworten.
Was ist da zu sehen? Mit großer Wahrscheinlichkeit nicht der Grundwerkstoff, sondern die Zwischenschicht — meist Nickel, dicker als die Goldauflage und deshalb länger haltbar. Ein scharfer Rand und eine matte, grauweiße Fläche sprechen dafür. Eine stumpfe, bräunliche Verfärbung ohne Rand spricht dagegen und bedeutet Korrosion aus der Tiefe.
Ist das normal oder früh? Die Frage lässt sich ohne die Schichtdicke nicht beantworten, und die steht nirgends. Was sich sagen lässt: Eine dekorative Auflage von wenigen Zehntel Mikrometern ist weicher als der Stahl darunter, an Kanten am dünnsten und an der Schließe am stärksten belastet. Dass sie nach ein bis zwei Jahren täglichen Tragens dort nachgibt, ist kein Fehler des Stücks.
Und was ist zu tun? Sitzt die Stelle am Gehäuse, ist die Fläche geschlossen und war das Verfahren galvanisch, kommt eine Aufarbeitung in Betracht. Sitzt sie am Band, ist der Tausch die bessere Antwort, weil das Band die größte Fläche stellt und sich ohne Eingriff ersetzen lässt. Und sitzt sie dort, wo niemand hinsieht, ist Nichtstun keine Verlegenheitslösung, sondern die Antwort, die zu diesem Gegenstand passt.
Bleibt der Satz, der sich aus dem Regelwerksabgleich ergibt und den kein Angebotstext ersetzt: Solange kein Wort geschützt ist, sagt kein Wort etwas über die Dicke. Wer beim nächsten Kauf eine Zahl haben will, muss danach fragen — und bleibt sie aus, hat er immerhin die Gewissheit, ohne sie zu entscheiden.
Die Normeinträge und die Kennzeichnungsverordnung, auf denen dieser Beitrag beruht, wurden am 25. September 2026 abgerufen.
Häufige Fragen
Wie dick ist eine Vergoldung an einer Uhr?
Dekorative galvanische Auflagen liegen im Bereich von einem Zehntel bis zu einem Mikrometer, technische Hartgoldschichten nach der einschlägigen Werkstoffnorm zwischen etwa einem Viertel und fünf Mikrometern. Im Vakuum abgeschiedene Schichten erreichen nach Angaben der Fachpresse ein bis fünf Mikrometer. Welcher Wert für eine bestimmte Uhr gilt, steht in keinem Angebot.
Ab welcher Dicke darf etwas „vergoldet" heißen?
Im deutschen Handel ab keiner. Es gibt für den Begriff keine Untergrenze. In den Vereinigten Staaten dagegen setzt die Handelsaufsicht Schwellen: „gold electroplate" verlangt mindestens 0,175 Mikrometer Feingold, „heavy gold electroplate" mindestens 2,5. Zwischen beiden liegt der Faktor vierzehn, und beide würden hier dasselbe Wort tragen.
Enthält eine goldfarbene PVD-Beschichtung überhaupt Gold?
Nicht zwingend. Ein verbreiteter goldfarbener Vakuumwerkstoff ist Titannitrid, und darin ist kein Gold enthalten — die Farbe entsteht aus dem Gitter von Titan und Stickstoff. Eine solche Schicht erreicht Härtewerte um 2.400 Vickers und ist damit ein Vielfaches härter als jede Goldauflage. Wer Gold will, bekommt hier Farbe.
Warum ist eine Goldschicht so viel weicher als der Stahl darunter?
Weil Feingold ein weiches Metall ist. Nach der Härteskala der Beschichtungsnormen liegt reines abgeschiedenes Gold bei höchstens 90 Knoop, legiertes Hartgold zwischen 130 und über 200. Edelstahl liegt bei 150 bis 250 Vickers. Die Auflage ist damit das weichste Bauteil an der Uhr — und zugleich das äußerste.
Welche Schicht liegt zwischen Gold und Stahl?
Fast immer eine Zwischenschicht, meist aus Nickel, seltener aus Palladium. Sie glättet die Oberfläche, sie hält unedles Metall davon ab, durch die Poren der Goldschicht nach außen zu wandern, und sie bremst die Korrosion in eben diesen Poren. Wenn eine Vergoldung durchgeht, liegt deshalb zuerst diese Zwischenschicht frei und nicht der Grundwerkstoff.
Warum läuft eine vergoldete Uhr an, obwohl Gold nicht korrodiert?
Weil die Schicht Poren hat. Eine Auflage von wenigen Zehntel Mikrometern bedeckt die Oberfläche nicht lückenlos; in den Poren liegt das darunterliegende Metall frei und reagiert. Das Ergebnis sieht aus wie ein Anlaufen des Golds, ist aber eine Reaktion des Untergrunds, die sich durch die Schicht hindurch zeigt.
Lohnt sich das Nachvergolden einer Uhr?
Technisch machbar ist es, wenn der Untergrund noch trägt. Die alte Schicht wird abgetragen, die Oberfläche poliert und neu beschichtet — dabei verliert das Gehäuse Material und damit ein wenig von seinen Kanten. Wo die Abnutzung am Band sitzt und nicht am Gehäuse, ist ein Ersatzband der sachlichere Weg, weil das Band die größte beschichtete Fläche stellt.
Gibt es eine Norm für die Abriebfestigkeit von Uhrengehäusen?
Ja, und zwar eine eigene. Der frühere dritte Teil der Normenreihe zu Goldauflagen wurde zurückgezogen; an seine Stelle trat ein Dokument, das Prüfungen auf Verschleiß, Kratzer und Stoß für Uhrengehäuse und Armbänder festlegt. Es ist kostenpflichtig, und eine Kennzeichnungspflicht folgt daraus nicht.
Quellen
- [1]eCFR, 16 CFR § 23.3 — Misrepresentation as to gold content (Schwellen für gold electroplate und heavy gold electroplate)· abgerufen 2026-09-25
- [2]ISO 3160-1:1998, Watch-cases and accessories — Gold alloy coverings — General requirements· abgerufen 2026-09-25
- [3]ISO 3160-2:2015, Determination of fineness, thickness, corrosion resistance and adhesion· abgerufen 2026-09-25
- [4]ISO 3160-3:1993, Abrasion resistance tests of a type of coating on standard gauges (zurückgezogen)· abgerufen 2026-09-25
- [5]ISO 23160:2011, Watch cases and accessories — Tests of the resistance to wear, scratching and impacts· abgerufen 2026-09-25
- [6]ISO 27874:2008, Electrodeposited gold and gold alloy coatings — Specification and test methods· abgerufen 2026-09-25
- [7]Sharretts Plating: Härtegrade A bis D für Goldbeschichtungen nach ASTM B488 und MIL-DTL-45204D· abgerufen 2026-09-25
- [8]HonTitan: Titannitrid — goldfarbene Beschichtung ohne Goldanteil, Härte und Schichtdicke· abgerufen 2026-09-25
Welche Quellenarten wie gewichtet werden, steht auf Quellen.
Änderungen an diesem Beitrag
- 2026-10-08Zwei Links aus einem Absatz auf zwei verteilt, damit sie sich in der Desktopansicht nicht überlagern. Sprachlich überarbeitet: formelhafte Wendungen ersetzt. Linktexte der Querverweise geändert, damit keiner im Cluster doppelt vorkommt.
- 2026-09-25Querverweis auf den Vergleich der Uhrenboxen in den Abschnitt zu den Abriebursachen ergänzt.
- 2026-09-25Ersterstellung. Vier Normeinträge zu Goldauflagen auf Uhrengehäusen und die Kennzeichnungsregel der US-Handelsaufsicht am 25.09.2026 abgerufen und gegeneinander gehalten.
Das Veröffentlichungsdatum bleibt bei Korrekturen unverändert. Wie mit Fehlern umgegangen wird, steht auf Korrekturen.